Meine letzte Stätte – so wie ich sie will

Diskussionen, welche die meisten Leute scheuen, werden bei uns – auch mal anlässlich eines Geburtstagsfestes – am Esstisch geführt. „Wo und wie möchtest Du beerdigt werden?“ Schockstarre? Nein! Spannende Gespräche!

Jeder spricht über die Geburt. Manche tun dies so detailliert, dass ich die Bilder kaum noch aus dem Kopf bringe und gewisse Ausschmückungen nicht unbedingt nötig gewesen wären. Auch das Thema natürliche Geburt oder Kaiserschnitt sowie künstliche Befruchtungen in all ihren Variationen werden von allen besprochen und gehören zu den normalen Themen. Warum also den Schluss des Lebens immer tabuisieren? Ich meine: Fakt ist, dass wir alle wieder gehen werden. Manche früher, andere später. Manche leiden, andere sterben innerhalb von einem Bruchteil eines Moments. Aber ausweichen kann nun mal keiner. Wäre es da für die Angehörigen nicht von Vorteil, wenn man wüsste, was der Verstorbene gewollt hätte. Würde man sich damit nicht in einem unendlich traurigen Moment all diese Fragen ersparen, wenn man eben schon vorher darüber gesprochen hätte. Ich für meinen Teil habe klare Vorstellungen, wie ich mir das wünsche. Und das wissen meine Lieben auch! Genauso möchte ich aber auch von ihnen wissen, wie sie sich das vorstellen. Schliesslich gehört der Abschluss mit dazu.

Früher fand ich die Vorstellung gruselig, in einem Sarg eingesperrt zu werden. Und dann noch auf einem Friedhof verscharrt zu sein – was für ein schreckliches Bild. Heute gibt es inzwischen glücklicherweise auch für das Ende eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten, unter welchen man auswählen kann. Warum also nicht rechtzeitig darüber nachdenken und das Umfeld informieren. Peinlich? Wortlos? Pietätlos? Nein! Notwendig!

Also ich weiss für mich eines mit Sicherheit: Ich möchte, dass ich kremiert werde, eine schöne goldene Urne bekomme und an einem Platz beerdigt werde, wo ich nicht alleine bin (am liebsten bei meiner Familie). Zudem möchte ich weder eine Beerdigungsfeier noch sonst ein trauriges „Spektakel“. Ich möchte, dass nur meine engsten Lieben (und zwar wirklich nur die Engsten, was den Kreis vermutlich schon auf 10 oder 15 einschränkt) meine Urne beerdigen, sich gegenseitig etwas Lustiges aus meinem Leben erzählen und dann zusammen ein Racelette essen. Zur Not geht auch ein Teller Spaghetti oder sonst irgendwas Ungesundes. Alles andere würde nicht zu mir passen. Keine riesen Abschiedszeremonie, kein grosses Tamtam und schon gar kein stundenlanges Heulen – das tut man doch bei einem Todesfall ohnehin genug, weil die endliche Trennung schmerzt. Da muss doch nicht noch eine tragische Beerdigung zusätzlich auf die Seele drücken. Bitte nicht! Ach ja: Normale Kleider fände ich angebracht, denn schwarze Kleider tun der verletzten Seele ganz bestimmt nicht gut. Am liebsten also einfach so wie immer. Ich finde Trauerkleidung  schrecklich. Ich weiss, dass ich Kleidung, welche ich als Trauerkleidung deklariert tragen musste, nie wieder anziehen würde. Mir käme sonst immer nur Beerdigung und Trauer in den Sinn.

Wenn ich an eine Beerdigung gehen muss, stelle ich mir immer vor, ob der oder die Verstorbene das wohl alles auch so gewollt hätte, wie es nun stattfindet. Oder ob er oder sie gerade auf dem Sarg oder der Urne sitzt und sich kopfschüttelnd fragt, was das Ganze da soll. Und wer mich kennt, der weiss, dass ich ein Kontrollfreak bin und am liebsten alles selber organisiere und die Fäden in der Hand halte. Sollte also jemand auf die Idee kommen, meinen letzten Wunsch umgehen zu wollen – ich werde mich bemerkbar machen. Entweder fällt der Deckel von der Urne und ich werde versehentlich vom Winde verweht, oder ich gehe mitsamt der Urne irgendwo zwischen Krematorium und Friedhof verloren. Also bitte, denkt nicht mal daran, an meinem Plan etwas ändern zu wollen!

44 Gedanken zu „Meine letzte Stätte – so wie ich sie will

  1. Hi, achja ein Thema, bei dem durchaus die Gemüter erhitzt werden können. Für mich hab ich bereits vorgesorgt; keine Verpflichtung für Hinterbliebene & ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und steh nicht auf das „Wettrüsten“ auf dem Friedhof, wer hat das schönste Gesteck, wer geht am häufigsten und kümmert sich ums Grab usw.. Daher habe ich meinen Liegeplatz am Baum im Friedwald bereits. Allerdings liegt dann (ok hoffentlich hört sich da fehl am Platze an) meine gesamte Familie bereits; sind ja alle älter als ich, die da ihre Plätze haben. Die Feier, als meine Oma dort beigesetzt wurde, war angemessen und sehr schön gestaltet. Ist nicht jedermanns Sache aber absolut genau MEIN Ding 🙂 schönes Wochenende wünsche ich Dir. *zwinker*

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  2. Eigentlich wollte ich gerade ins Bett und morgen weiterlesen, aber bei diesem Thema konnte ich nicht anders, als noch schnell Deine Zeilen zu lesen. Die Kommentare sind auch interessant, aber die muss ich definitiv morgen lesen. Also, wie sollte meine Beerdigung ausschauen…ich habe auch eine klare Vorstellung davon ☺️
    Ich möchte kremiert werden und wünsche mir, dass meine Asche mit der, all meiner Tiere die mir vorausgegangen sind, vermischt wird 💞 was dann mit der Asche gemacht wird, ist nicht mehr so wichtig, das soll für die Hinterbliebenen stimmen. Wenns nach mir ginge, möchte ich nicht auf dem Friedhof begraben werden. Entweder die Asche irgendwo in der Natur verstreuen oder an einem schönen Ort begraben. Die Idee, unter einem Baum begraben zu werden, finde ich auch ganz schön 🌳 Ich stelle mir vor, wie sich die Asche mit der Erde vermischt und durch die Wurzeln in den Baum geht.. ✨👼🌟

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  3. Pingback: Zwischenruf: Selbstbestimmung übers Ziel hinausgeschossen? | Totenhemd-Blog

  4. Pingback: Tod – Die letzte Ruhestätte | himmelueberuns

  5. Frisch zum Jahresbeginn hast Du über das Lebensende geschrieben und uns wissen lassen, wie Du Dir Deines vorstellst. Wunderbar! Vor allem Deine letzten Sätze gefallen mir sehr gut: „Sollte also jemand auf die Idee kommen, meinen letzten Wunsch umgehen zu wollen – ich werde mich bemerkbar machen. Entweder fällt der Deckel von der Urne und ich werde versehentlich vom Winde verweht, oder ich gehe mitsamt der Urne irgendwo zwischen Krematorium und Friedhof verloren.“ Wunderschön geschrieben, zum Schmunzeln herrlich. Da gibt es Menschen, die überlassen es den anderen, wie es sein soll, so dass sie sich wohl fühlen. Ich glaube aber auch, dass unsere Seele mitkriegt, ob unser Wunsch erfüllt wird oder nicht. Ich mache mich auch aus dem Staub und suche mir Seelenverwandte ;-), wenn meine Wünsche nicht erfüllt werden.

    Unser Totenhemd-Blog hast Du auch entdeckt … lass uns doch mal schauen, was wir tragen werden im Sarg … ob nun beerdigt oder kremiert, irgendwas tragen wir ja auf unserer Haut … bloß kein Nachthemd :-). Freue mich auf unseren Austausch und Deine Fersen, die uns begleiten. Herzlich vom Zürichsee. Petra

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  6. In unserer Familie kam das Thema auch schon öfters zur Sprache. Und ganz ehrlich -> ich persönlich finde es sehr wichtig. Leben und Tod gehören einfach zusammen. Und man soll ruhig auch mal darüber reden dürfen, wie man sich seinen Abgang wünscht. In unserem Falle möchte eigentlich jeder eine Feuerbestattung. Alleine schon deswegen, weil es für die Hinterbliebenen „einfacher“ ist Abschied zu nehmen. Steht da nämlich eine Urne, so erinnert man sich eher an den Menschen wie er bei Lebzeiten war. Wenn ich vor mir einen Sarg habe, so sehe ich den Verstorbenen dauernd drinnen liegen. -> Kopfkino halt.

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  7. Die Themen Tod,Sterben,Trauer sind kein Tabu mehr. Das war sicher in den Achtzigern noch so, vielleicht auch noch in den Neunzigern. Mittlerweile wird über die Art des tserbens diskutiert, über die Möglichkeiten verschiedener Beerdigungs-Arten und Trauern muss nicht mehr im stillen Winkel geschehen.

    Mein persönlicher Weg: ich komme aus einer städtisch geprägten Kultur, die mit den alten Bestattungsformen wenig anfangen konnte. Über meinen Beruf habe ich die Kraft und Weisheit der alten Rituale entdecken können.Sie entlasten die Trauernden und helfen ihnen, durchgeleitet zu werden, Alles andere ist schon mühsam genug.

    Wenn man sie als Zwangsjacke erlebt, soll man sie natürlich links liegen lassen. Denn dann haben sie ihre Kraft verloren.
    Sich rechtzeitig Gedanken zu machen, ist auch wichtig. Und bei dir wird sich schon niemand trauen, etwas anderes zu machen als du wünschst. wer will schon von einer Urne gebissen werden? 😉

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  8. Das hast du sehr treffend beschrieben. Es ist so wichtig, dass man VOR seinem seligen Ende den Hinterbliebenen mitteilt, wie man sich seine Beerdigung/ seine Grabstätte etc. wünscht. Ich habe es zwar mit dem Gatten, jedoch nicht mit meinen Kindern besprochen – das finde ich immer etwas schwieriger… Liebe Grüße aus dem Norden von Rana

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    • Die Kinder gehen mit diesem Thema weit unkomplizierter um, als wir das tun. Egal, in welchem Alter – die sind da viel offener. Bei uns war das ein ziemlich lustiges Gespräch, schon beim ersten mal…und das ist schon ein paar Jahre her. Seither hatten wir das Thema schon ein paar mal wieder – einfacher, als Du Dir das vorstellst 🙂

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  9. Für mich sind Beerdigungen für die Lebenden und nicht für die Toten. Das einzige, was ich festgelegt habe, ist ein Feuerbestattung. Wie meine Hinterblieben trauern möchten, überlass ich denen: Das kann von absoluter Stille bis hin zu „Huhu! Endlich sind wir sie los!“ gehen. 😀 Allerdings wissen meine Leute auch, dass ich – wenn ich mal mit 90 dahin scheide – eine fröhliche Feier vorziehen würde. 🙂

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  10. So, jetzt habe ich mir erst einmal etwas Zeit genommen auch deine Seite zu besuchen. Meine ist ja noch ganz frisch und heute erst geboren. Es muss noch viel angepasst werden 🙂

    Auch wenn dein letzter Beitrag mich nachdenklich stimmt – Recht hast du! Ich finde, so wie du es geschrieben hast, passt es ganz genau…wobei ich mich immer nur schwer zurückhalten kann, dass nicht doch ein Tränchen kullert. Ich habe beim Lesen an meinen Vater gedacht. Ihm geht es gesundheitlich nicht so gut und er spricht häufig vom Tod. Das Ende vom Lied ist Geheule. Ich finde den Tod selbst nicht schlimm, aber das Loslassen. Ich muss zugeben, ich verdränge den Gedanken an den Tod. Aber du hast vollkommen Recht, jeder muss eines Tages gehen. Wenn man „vorbereitet“ ist und weiß, wie sich die verstorbene Person ihre Bestattung wünscht, könnte ich mir vorstellen, dass man an diesem Tag mit einem anderen Gefühl Abschied nehmen kann. Wie auch immer, dein Beitrag regt zum Nachdenken an und das ist vielleicht auch gut so….

    Tolle Seite – ich komme wieder! 😉

    Herzlichen Dank & liebe Grüße

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  11. Liebe Modepraline, warum denkst du in deinen jungen Jahren schon an den Tod. Lebe im Jetzt.
    ich denke darüber nicht nach und bin glaub ich noch ein paar Jährchen älter als du ???
    ja Hund sein ist relativ leicht wenn man in einer Familie lebt wie unserer
    wenn man aber in einer Tötungsstation sitzt, dann ist das Leben für den Hund ja so grausam. Eigentlich ist es für alle Tiere grausam, die von uns gefressen werden. was meinst du wieviele jetzt im Moment in Deutschland wieder abgemurkst werden, nur damit wir morgen Fleisch auf dem Tisch haben. also ich brauche keins. Fleisch meine ich.

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  12. Ihr habt hier vielleicht Themen! Tod, Beerdigung, Trotzphasen, Schmollen… Da kann ich nicht mitreden. Für mich zählen nur Fressen, Schlafen, Spielen, Spaß haben mit meinen Dosis und ausgiebige Spaziergänge, bei denen ich meinem Schnüffelsinn schärfen kann. So gesehen, führe ich ein bescheidenes Leben, das aber frei von Zukunftsängsten ist. Ihr habt es nicht einfach, ihr Menschen.

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    • Das hast Du wohl recht – Hund sein ist bestimmt leichter, wenn man ein schönes Zuhause hat. Es gibt aber auch Kollegen von Dir, die habens nicht so schön wie Du. Ich kenne welche, in Sibirien. Ich unterstütze die armen Kerle wo ich kann, aber die meisten sterben an Hunger und Kälte – sind krank und leben auf der Strasse. Drum, lieber Joey, nicht allen gehts so prima wie Dir 🙂

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      • Der Zufall wollte es vielleicht so. Im ZDF Text habe ich eben ein schönes Zitat gelesen. Es ist von Hildegard von Bingen und lautet: „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund“.
        Nach dem Hund fragt natürlich keiner 🙂

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  13. Liebe Daniela, danke für deinen Artikel. Mein Papa weiß auch schon ganz genau wie er beerdigt werden will, wenn es einmal so weit ist. Ein ganz einfacher Sarg, ins Grab seiner Eltern, keine große Feier. Das kann ich gut verstehen. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie ich beerdigt werden will, aber durch deinen Beitrag werde ich es wohl auch mal tun.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    Caroline

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  14. „Wer im Leben mich nicht ehrt, dem bin ich am Ende auch nichts wert.“ sckling

    Bei mir würde sich der Kreis der Trauernden auf 8 Menschen beschränken. Sie sollten singen, aus meinen Texten vorlesen 😉 und alles das machen, wonach IHNEN ist. Keine gesellschaftlichen Normen haben vorzugeben, wie eine Beerdigung und der Abschied von geliebten Menschen abzulaufen hat.

    Danke für diesen – wieder so offenen, ehrlichen und spritzigen Beitrag.
    Liebe Grüße, Sylvia

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  15. Endlich mal so offene Worte über dieses Thema. Letztes Jahr starb mein Vater und ich habe mir sehr viele Gedanken zu meiner eigenen Beerdigung gemacht und diese dann schriftlich festgehalten. Eine Art „letzter Wille“. Hoffentlich halten sich dann alle daran, ich will zB auch ebenfalls niemanden in schwarz dort haben (außer die Personen mögen schwarz)

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  16. Ich bin total froh, dass das bei uns kein Tabuthema ist. Meine Oma hat mir klipp und klar gesagt, was sie sich wünscht.
    Sie möchte auch kremiert werden und wir sollen die Urne oder die Asche dort im Garten beisetzen, wo ihre Katzen liegen. Dazu soll meine Tochter bei offenem Fenster ein Lied von Udo Jürgens spielen.
    Hört sich bisschen wie eine Satire an, aber sie meint das völlig ernst. 🙂
    Als wir vor knapp zwei Jahren unser zu früh geborenes und mit drei Wochen verstorbenes Baby beisetzen mussten, haben wir einen muslimisch-christlichen Abschied gemacht und auch nicht auf Trauerkleidung bestanden. Ich hatte das an, was ich am Abend des Abschieds anhatte und das trage ich auch heute noch gerne und immer im Andenken an den Kleinen. Wie du schreibst, der Schmerz ist schon stark genug, da muss man sich nicht noch zusätzlich runterziehen. Wobei das für uns ja sowieso nur eine Trennung auf Zeit ist, da wir überzeugt sind, uns wieder zu sehen. Da kann man dann sowieso entspannter über das ganze Thema sprechen.
    Ich möchte auch, dass bei meiner Beerdigung die Leute fröhlich sind.

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    • Dieser Gedanke ist besonders schön: Ein Abschied auf Zeit, denn man sieht sich wieder. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Du hast recht, eigentlich ist es wirklich nur ein „Adieu, bis bald“. Ein Kind beerdigen zu müssen, scheint mir wohl der schlimmste Kraftakt für die Seele. Da hast Du ja schon einiges hinter Dir. Ich hoffe nicht, dass ich jemals am Grab eines Kindes stehen muss. Da wird mir schon beim blossen Gedanken ganz anders. Danke für Dein offenes Feedback! 🙂

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  17. Ich grüße dich herzlich aus Oberösterreich!
    Deinen Artikel finde ich gut, wertvoll und wichtig.
    Das sind Themen die meines Erachtens schon besprochen werden sollten.
    Gerade vor ein paar Tagen kam es zu so einem Thema im Beisein meiner Mutter – die solche Themen überhaupt nicht mag.
    Ich respektiere das.
    Mir persönlich ist wichtig, dass meine Tochter Bescheid weiß darüber wie ich mir meine Beerdigung gerne möchte – oder besser, dass sie weiß was ich NICHT möchte. So einfach wie nur möglich.
    Manche Beerdigungen sind regelrecht *prunkvoll*. Das wäre für mich unvorstellbar. Ich halte es da mit Peter Rosegger der da schrieb: * … streut Blumen zu Zeiten des Lebens, denn auf den Gräbern blüh´n sie vergebens …
    Ich grüße dich und wünsche dir eine gute, gesunde, gesegnete Zeit.
    HERZ-lichst
    M.M.

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  18. Mein (südhessischer) Vater pflegte über die (nordhessische) Verwandtschaft meiner Mutter zu spotten, diese veranstalteten „Beerdigungen mit Tanz“. Erzählt wird, dass es früher in fast jeder nordhessischen Bauernfamilie jemanden gab, der die Geige, das Akkordeon oder zumindest die Querflöte zu spielen wusste. Diese Person wurde zuweilen aufgefordert, zum Abschluss einer Beerdigung etwas zu spielen. Zuerst waren die Melodien traurig, dann wurden sie langsam fröhlicher. In einigen Fällen und nach ein paar trauertherapeutischen Schnäpsen soll dann noch das Tanzbein geschwungen worden sein. Selbst erlebt habe ich das allerdings nie, aber ich fände das sehr schön.

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    • Klingt irgendwie fremd, aber lustig! Warum nicht!? Ich finde, dass man einfach nicht irgendeiner Tradition folgen sollte, welche seit tausend Jahren nie geändert wurde, wenn man doch die Möglichkeit hätte, es auch anders zu machen. Fragt man nämlich jemanden ganz konkret, warum er/sie es denn auch so machen würde, kommt immer die gleiche Antwort: „Weil es schon immer so war und man es immer so gemacht hat.“ Aha! Na das klingt ja sehr überzeugend! Hallo? Heute bestimmt jede Frau, wie sie wann und wo gebären möchte – selbst der Kaiserschnitt auf Wunsch gehört inzwischen zum normalen Programm. Dann möchte ich bitte auch beim Abtreten mitreden! 🙂

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  19. Wie schön, dass auch das Ende mal als Anfang gewertet wird und nicht jeder Abschied traurig sein muss! Passt gerade sehr gut zu dem Hörbuch, welchem ich lausche „Der nie abgeschickte Liebensbrief an Harold Fry (http://www.audible.de/pd/Romane/Der-nie-abgeschickte-Liebesbrief-an-Harold-Fry-Hoerbuch/B00NNU53ZG/ref=a_search_c4_1_1_srTtl?qid=1420366308&sr=1-1). Bei dem Queenie Hennessy ihrer Liebe vom Sterbebett aus noch einen Brief schreibt…

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  20. Was für ein unterhaltsamer, durchdachter Artikel zu einem Tabu-Thema. Habe vor ziemlich genau drei Jahren die letzte Beerdigung miterlebt und mich am offenen Sarg von der Verstorbenen verabschiedet. Was für die Psyche zum Begreifen wichtig ist (vor allem für die anwesenden Kinder) empfand ich zwiespältig: Ich weiß nicht, ob ich als Tote von allen beguckt werden will. Mir kam sie so schutzlos vor. Andererseits wird mir das logischer Weise dann alles herzlich egal sein.

    Daher übergebe ich das Recht der Gestaltung vielleicht doch an die Hinterbliebenen. Oder wird es sie überfordern? Hätten sie dann lieber, ich hätte alles geplant? Würde es mir guttun, wenn ich schon eine Grabstelle und alles organisiert hätte? Könnte ich dann wegen dieser erledigten Großaufgabe entspannt vor mich hin leben? Pietätvolle Gesellschaft in Schwarz mit anschließendem, erleichterten Kaffeeschlürfen? Wilde Party zu der sich vielleicht niemand im Stande fühlt? Komplett in die Erde gepackt oder als Asche in einer Urne? Oder wie?

    Du siehst, mit Deinem Artikel hast Du Einiges angestoßen und Du hast schon Recht: Über geburten sind Menschen sehr mitteilsam. Und dabei lagen früher und auch heute in vielen teilen der Welt die Geburt und der Tod so nahe zusammen. Unsere Toten werden rasch und hygienisch verpackt abgeholt – so müssen wir uns mit ihnen nicht belasten, bis sie gewaschen und vorbereitet für ihre letzte Reise wieder „auftauchen“ – nämlich in der Kapelle oder wo auch immer die Beerdigung stattfindet.

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