Schreiben von A – Z: A = Antibakteriell

Heute geht meine alphabetische Schreibchallenge los. Bekanntlich steht am Anfang des Alphabets der Buchstabe A und irgendwie ist es doch mal wieder typisch, dass mir zu diesem Buchstaben als erstes das Wort antibakteriell einfällt. Alle, die mich kennen, werden nun denken „super, sie mal wieder“. Die Anderen werden sich fragen, wie einem als erstes dieses Wort einfallen kann. Ganz einfach:

In unserem Haushalt stehen gefühlte 20 Desinfektionssprays, die ich natürlich immer irgendwo im Einsatz habe. Und in jeder Handtasche habe ich ein kleines Fläschchen mit Desinfektionsgel drin. Dieser Tick hat sich eigentlich eingeschlichen, als meine Kinder noch klein waren. Ich weiss noch, dass ich damals phasenweise das Gefühl hatte, die Welt bestünde nur aus Viren und Bakterien. Beinahe wöchentlich schleppten sie vom Kindergarten und der Schule irgendwelche netten Käfer mit nach Hause, steckten sich gegenseitig an und nach intensiver Pflege legte es mich dann regelmässig zum Schluss auch noch ins Bett. Am allermeisten hasste ich die Magendarmgrippe. Ich meine – wer rennt schon gerne nächtelang von einem zum anderen Bett mit frischen Bezügen, mit Becken, Tee, Wasser und mit Desinfektionsspray? Mir war meistens schlecht von der ganzen Sprayerei, aber ohne ging gar nicht. Ich bildete mir immer ein, die Viren würden sich geradewegs in meinen Körper reinbeamen, wenn ich sie nicht vorher tötete.

Der Geruch dieses aggressiven antibakteriellen Sprays ist inzwischen in unseren Gehirnen eingebrannt. Wenn ich heute eine Türklinke oder einen Gegenstand desinfiziere (aus welchem Grund auch immer), fragen die Kinder als erstes: „Hat sich jemand übergeben?“ Bei uns löst das diesen Effekt im Gehirn aus.

Auf Reisen bin ich aber immer froh um diese käfertötenden Substanzen. Ich fühle mich sicherer damit. Nun ja, ich meine, wenn ich auf dem Bahnhof aufs Klo muss, lautet die oberste Devise: „Bloss nichts anfassen!“ Rausflüchten und – Hände desinfizieren. Sofort! Witzigerweise muss mein Umfeld immer gleich die Hände auch herhalten. Das ist bei mir in Fleisch und Blut übergegangen. Oder wenn ich jemanden in die Hand husten sehe, und dieser mir dann freundlicherweise zum Gruss die Hand reicht, dann renne ich gleich ab zum Sprayen. Das geht nämlich gar nicht! Hallo? Schon mal was von Ansteckung gehört? Am liebsten mag ich die Menschen, die einen zuerst verküssen um anschliessend noch nachzuschieben, dass sie seit 10 Tagen krank sind. Herzlichen Dank auch. Da hab ich tatsächlich schon mal versucht, mir anschliessend das Gesicht und vor allem die Wangen mit dem Zeug einzusprayen. Aber das war eine schlechte Idee, das brennt auf er Haut.

Gruselige Sitzflächen, hässlich klebrige Tische oder Türklinken, die aussehen wie mit Schlamm beschmiert, werden von mir immer zuerst desinfiziert, bevor ich sie anfasse. Nein, ich bin kein Reinlichkeitsfreak – ganz und gar nicht. Ich mag einfach diese fiesen Käfer nicht, die uns krank machen. Deshalb passt der Buchstabe A hervorragend zu mir und meinem Tick. Ich hoffe, dass das so einfach weitergeht mit meiner Challenge.

58 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: A = Antibakteriell

  1. Ui, da habe ich jetzt sofort das Gefühl, Du desinfizierst meinen Kommentar 😉
    Ich arbeite nämlich im Krankenhaus, fahre täglich Bahn und Bus und wenn ich mir manchmal überlege, mit wievielen Keimen ich täglich in Berührung komme, wird sogar mir ganz anders (und ich bin die Hygienebeauftragte bei uns!).
    Insofern hoffe ich, dass virtuelles Sprayen auch hilft 😉

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  2. Oh, je…ich habe ja ein gewisse Meinung zu sogenannten „Sakrotan-Muttis“, aber deine Hintergründe sind auch irgendwo nachvollziehbar. Wenn man selbst einmal Kinder hat, dann geht es einem wohl ähnlich.
    Kinder brauchen jedoch auch mal eine Portion Dreck, sonst züchten wir uns nur multi-allergenophilen (das Wort gibt es eigentlich nicht^^) Nachwuchs heran. Wäre ja schade.

    Zitat: „…Ich weiss noch, dass ich damals phasenweise das Gefühl hatte, die Welt bestünde nur aus Viren und Bakterien…“

    Was soll ich sagen: Die Welt besteht fast nur aus Bakterien oder Viren…zumindest kreuchen und fleuchen sie überall herum…an der Türklinke, auf der Toilette, im Sandkasten, auf dem Salatblatt, auf der tiefgefrorenen Him-oder Erdbeere (da wurden schon nette Noroviren entdeckt), auf deiner Tastatur, …., UND außen auf der Desi-Flasche, auf der Haut, im Körper,….

    Bakterien sind sogar wichtig für den Körper, wenn sie zum Beispiel als natürliche Flora mit pathogenen (krankmachenden) Keimen in Konkurrenz treten. Töten wir unsere Stammmannschaft, rücken die fiesen Bazillen an und machen sich breit.

    Hygiene ist wichtig, Anstand auch (siehe Abstand halten bei Erkältung…)…aber zu viel ist eben auch nicht das Wahre. Aber das hast Du ja auch erkannt.

    Was uns nicht umbringt, macht uns stark!
    In diesem Sinne: Bleib schön gesund!

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    • Wow, ein Lehrgang in Virologie und so….Wahnsinn! Weiss ich alles, bin nämlich schon ziemlich erfahren diesbezüglich. Und habe mich auch sehr gebessert, seit meine Kids erwachsen sind. Aber ein Sagrotan bleibt in meiner Handtasche 🙂 🙂

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      • Naja, dann ist ja allen Seiten geholfen….denn, was man neben dem Bazillen-Tod sonst noch alles in Handtaschen zu finden bekommt….tja….da ist dann zum Ausgleich sicher was zur Abhärtung der Abwehrkräfte dabei. Ich denk da nur an die Banane von vor 2 Wochen, das sich bereits selbstständig auflösende Bonbon in den tiefsten Untiefen, den Winterpelz tragenden Keks… (-:

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      • Bezüglich des Tascheninhaltes spreche ich auch nicht direkt aus eigener Erfahrung….aber frag‘ mal eine Dame, ob sie nicht mal kurz den Inhalt ihrer Tasche zeigen möchte. Viele würden wohl hastig Entschuldigungen stammelnd zusehen, dass sie fort kommen….eben weil zwischen zehn abgenagten Lippenstiften, einer gesprungenen Puderdose und drei auslaufenden Mascaras die ein oder andere wieder zum Leben erwachte Leiche schlummert. Gleiches gilt für viele Rucksäcke, Schultaschen… (-:

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  3. Hehe. Ich finde Desinfektionsspray und Gel genial. Auch wenn meine Verwendung nicht so ausgeprägte ist wie bei Dir (ins Gesicht sprühen) 🙂 Ich sage nur Sagrotan da steht immer drauf beseitigt 99,9% der Bakterien, deshalb kaufe ich das Zeug und unterwegs versuche ich Türklinken auf WC’s mit dem Ellenbogen aufzumachen – für den Kopf. Und ich habe letztens gelsen, dass die erste Toilette auf öffentlichen WC’s am wenigsten genutzt wird, weil viele denken, dass die meisten sie benutzen würden.

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  4. Oh je. Wann ging das los, daß alles desinfiziert sein muß? Kurz danach nahmen die Allergien massenhaft zu.

    Als Kind in Dreck und Mist zu spielen hat nicht krankgemacht, denn dadurch waren und wurden wir widerstandsfähiger gegen das, was morgen dann wohl Thema sein wird, gegen die Bazillen! 😉

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  5. Sejr schön geschrieben 🙂
    Hab diesen tick teilweise auch extrem ausgelebt und wurde schon fastfür verrückt gehalten! Mittlerweile hat es sich auf ne flasche desinfektionsmittel für die hände beschränkt 😉

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  6. Ups etwas exterm,aber: Ich musste wegen Magen Darm auch Massnahmen ergreifen…weil ich es immer auch erwischte. Das sind bei mir dicke Gummihandschuhe. Die ziehe ich heute noch konsequent an, wenn ich etwas erbrochenes aufputzen muss. Oder verk…Bettwäsche auswechsle. Danach werden die entsorgt. Ab da blieb ich vor Ansteckung verschont, ohne mein Immunsystem zu schwächen. Den Bakterien sind ja per se nicht schlecht..
    Nach der Zugfahrt ins Büro wasche ich auch als erstes meine Hände gut mit Seife.
    Damit bleibe ich vom schlimmsten veschont.

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  7. Hej…ich fasse es nicht! Du hast den selben Tick wie ich!!!! 😀 Ich muss mir u.a. auch sofort die Hände waschen/desinfizieren, wenn ich z.B Geld angefasst habe…wenn ich Unterschreiben musste, weil ich ein Paket angenommen habe…etc. Wir haben uns sogar extra wegen meines Ticks einen nagelneuen Wohnwagen gekauft, damit ich entspannter Urlaub machen kann – ich kann schließlich nicht für Hotel, Ferienhaus und Co. einen 10 Liter Kanister Desinfektionsmittel mitnehmen und den ganzen Urlaub mit Desinfizieren verbringen. So ist der Urlaub kein Urlaub, oder?! 😉
    Trotzdem, im Wohnwagen steht natürlich auch Desinfektionsmittel stets griffbereit und zuhause sowieso….bin gespannt, ob du noch mehr mit mir gemeinsam hast. 🙂

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    • Witzig! 🙂 Nö, das mit dem Hotel habe ich nicht. Und ein Wohnwagen käme bei mir nicht in die Tüte, weil ich dafür viel zu platzeinnehmend (gibt es dieses Wort überhaupt?) bin. Du scheinst diesen Tick noch perfektioniert zu haben. Wir sind wandelnde Desifektionsflaschen – help 🙂 🙂

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      • Naja…dass ich etwas extremer ticke als du, habe ich mir schon gedacht! ; ) Es war in erster Linie auf die Desinfektionsmittel bezogen, aber ich weiß…bei mir schütteln Viele mit dem Kopf und halten es für krankhaft. Ich war nicht immer so…irgendwann hat es angefangen und ich kann es nicht mehr abstellen.

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    • Wegen der Angst müsstest Du meine Kids fragen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ihnen ihr Leben lang beim Geruch dieser Sprays die Mama einfallen wird. Ich hoffe, ich bin nicht für ein vermeintliches Trauma verantworltich. 🙂

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    • Danke für den Reblog 🙂 Euer Satz „weil trotz Charlie Hebdo das Leben weitergeht“ hat es genau getroffen. Habe bewusst nicht darüber geschrieben. Ich hatte das Gefühl, überall nur noch das zu lesen und: Es macht nichts ungeschehen und auch nicht besser. Aber NUR noch darüber zu schreiben, macht uns wahnsinnig! Danke 🙂

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  8. Mega guter Anfang :). War jetzt auch tatsächlich nicht das erste Wort, was mir mit A eingefallen wäre ;). Ich bin gespannt, drücke die Daumen und lese eifrig mit. Motivation! Motivation! Den Buchstaben B kriegst du auch noch hin!

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