Schreiben von A – Z: I = Irrsinn

Unfreundlicher Titel – unfreundlicher Beitrag. Warum? Weil ich sauer bin. Seit Wochen frage ich mich, ob ich mir eine Alp mieten soll, mit Ziegen, Schafen und Hühnern. Wieso? Weil ich die Nase voll habe von Schreckensnachrichten, von negativen Schlagzeilen, von reisserischen Headlines, von Amokläufen, von Kriegen, von Börsencrashs, von Stellenabbau, von Mord und Totschlag! Jetzt mal im ernst: Ich habe drei Tageszeitungen abonniert und merke immer mehr, dass diese mich zwar informieren, mich aber gleichzeitig aggressiv machen. Wenn nämlich etwas Schreckliches passiert (und bekanntlich tut es das tagtäglich irgendwo), dann gehen die Berichterstattungen über Wochen, die Mutmassungen über Monate und die Schreckensbilder werden zu Selbstläufern auf allen Plattformen. Tagesschau war früher Pflicht. Heute frage ich mich vorher, ob ich mir das jetzt gerade antun möchte. Vogel Strauss-Politik: Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob mich das alles nichts anginge. Feige, aber vermutlich gesünder als das ewige Horrorkarussell der Medien.

Seit ich denken kann, mussten alle Kinder in den Geschichtsunterricht. Meine Grosseltern, meine Eltern, wir und unsere Kinder. Der Sinn darin sollte doch sein, dass die Menschheit aus den Fehlern lernt, welche in der Vergangenheit gemacht wurden. Aus Kriegen, aus Religionen, aus allem, was über Jahrhunderte immer wieder passiert ist. Wenn ich mich aber umschaue, so stelle ich fest: Die Menschheit hat absolut nichts gelernt! Im Gegenteil! Der Irrsinn und die Verblödung greifen um sich. Ich bezweifle, dass es noch eine andere Spezies gibt, die sich selber Schritt für Schritt so zerstört, wie die Menschheit dies tut. Jedes Tier ist schlauer, als der Mensch. Oder habt ihr schon einmal einen Tiger mit Sprengstoffgürtel gesehen? Oder Koalabären, die Bäume fällen? Oder Hyänen, die ihr Fressen verhökern, um anschliessend mühsam Neues jagen zu müssen? Solchen Mist produzieren nur die Menschen.

Und in einer Zeit, in welcher sich solche Nachrichten häufen und man sich manchmal fragen muss, in welchem Film man gelandet ist, tun die Medien noch ihren Teil dazu. Reisserische Titel und negative Stimmungsmache verbessert die Situation auch nicht. Im Gegenteil. Die Leser fühlen sich dadurch nicht besser. Ein Mord ist tragisch – die Tatsache, dass man dann aber über X Tage darüber berichten muss, macht ihn nicht weniger tragisch. Im Gegenteil. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die Medien die Anleitungen für Nachahmer und Trittbrettfahrer gleich mitliefern, indem sie noch im Detail mutmassen, was noch alles könnte/würde/hätte/täte, wenn es so weitergeht. Psychologisch vollkommener Quatsch. Jeder Film und jedes Magazin wird gesichtet und mit einer Altersangabe versehen, um die kleinen Erdenbürger zu schützen. Zeitungen und Nachrichtenmagazine sind aber eigentlich viel gefährlicher. Wenn ein Knirps jeden Tag die Zeitung liest, dann läuft man Gefahr, dass er schon in der Schulzeit von einer Brücke springt. Das kann doch nicht gesund sein. Wenn wir schon am Verblöden sind, dann bitte nicht noch mit täglichen Anleitungen auf allen Kanälen. Ich steige so langsam um auf CD’s, DVD’s, Promizeitschriften und Bücher. Da bin ich zwar schlechter informiert, aber dafür weniger deprimiert.

Was wohl passieren muss, bis die Menschheit das kleine Organ im Kopf endlich einsetzt? Wir wurden nämlich damit ausgestattet, um es zu verwenden…

41 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: I = Irrsinn

  1. Hallo Daniela, kann ich gut nachvollziehen, was du schreibst. Ich habe meinen Medienkonsum auch arg reduziert. Es gibt zum einen die „üblichen Horrornachrichten“ zum anderen werden völlig natürliche Dinge dramatisiert: Da fällt mal ein wenig Schnee, schon wird von Schneechaos etc. geredet. Es blitzt und donnert mal, schon werden Unwetterwarnungen herausgegeben … Dafür gibt es auf der anderen Seite Geschehnisse und jede Menge unveröffentlichter Wahrheiten, die uns wirklich interessieren sollten … Für alle, die nicht mehr stumpf alles glauben wollen, was uns die Medien vorgaukeln, hier ein Link zum Udo Ulfkotte im Interview – er hat gerade ein aktuelles Buch geschrieben über „Gekaufte Journalisten“. Er wird schon deutscher Edward Snowden bezeichnet: https://www.youtube.com/watch?v=ZaZjvkPNjpQ

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  2. Ganz Deiner Meinung. Deshalb habe ich das Fernsehen seit einem Jahr kompeltt abgeschaltet und lese nur noch fünf Minuten die Regionalzeitung um zu wissen wie der „Feind“ gerade heißt,
    damit ich weiß wovon die Leute reden. George Orwell ist es 1984 schon aufgefallen, dass der Feind immer neue Namen trägt und er sich nicht sicher ist, ob diese Kriege überhaupt stattfinden. In meiner Zeitung gibt es noch Leserbriefe, in denen echte Meinungen zum Ausdruck gebracht werden und die lese ich immer. Ich habe dadurch schon interessante Menschen in meinem drirekten Umfeld kennen gelernt.

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  3. Punktlandung. mir reicht eine Tageszeitung und eine Wochenzeitung völlig aus, um aufgestellte Nackenhaare zu kriegen. Und dann noch die täglichen Zumutungen bei Facebook, Twitter und im TV. Und die schlimmste Nachricht ist die, dass nichts davon erfunden ist. Ich frage mich, ob man nicht eine Zeitung gründen sollte, die auschließlich über positive Dinge berichtet. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es die nicht gibt. Aber die sind nicht spektakulär genug. Viele, vielleicht die meiste, wollen den Thrill, den leichten Grusel, Ekel oder Schock, solange er nicht ganz real im eigenen Leben Einzug hält.

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  4. Ich kann den Wunsch gut nachvollziehen, geht ja auch vielen so. Nur: Dann wird es auch nicht besser, oder? In Berlin kann man ja eigentlich täglich demonstrieren gehen und ob’s wen interessiert ist fraglich. Aber wenn ich gar nichts täte und auf die Alp auswandern würde – bin nicht sicher, aber ich glaube, ich hätte ein schlechtes Gewissen. Auch wenn’s nur ein kleiner Beitrag ist, wenn ich eine Petition unterschreibe, wenn ich auf eine Demo gehe oder bei einem Volksbegehren meine Stimme abgebe – immerhin ist das Tempelhofer Feld jetzt kein Bauland für Reiche, Veolia und der Senat kamen mit ihrer Wasserpolitik nicht so davon und die Nazis können auch nicht einfach so durch die Stadt marschieren. Das ist doch auch was wert und macht die Welt ein winziges bisschen besser, oder?

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  5. Der Konsum von medialen Nachrichten ist eines der wenigen Dinge, die man selbst in der Hand hat. Wir haben keine Tageszeitung mehr, auch weil in letzter Zeit schlecht recherchiert wurde und meist nur Agenturmeldungen angereichert wurden – kurz, weil die Qualität nachgelassen hat. Ich kann mich online informieren. Die Tagesschau gucke ich oft im stehen und breche vorzeitig ab. Man muss unbedingt informiert sein, aber man muss sich nicht jede Katastrophe in Einzelheiten reinziehen. Tue ich es doch mal wieder, merke ich, dass es mir gar nicht gut bekommt.
    Was die Menschen und eine Verbesserung angeht … hm … wenn ich im Internet unterwegs bin, habe ich Hoffnung, wenn ich in die Stadt fahre und Beobachtungen mache, eher nicht.
    LG, Ingrid

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      • Das nicht, aber im Internet trifft man auf Gleichgesinnte und gewinnt dadurch auch ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit sieht man tagtäglich im ‚real life‘: was die Leute so einkaufen, was sie in der Öffentlichkeit tun, worüber sie reden, auch Freunde und Bekannte …

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  6. Du sprichst mir aus der Seele, schlimm ist das. Und noch viel schlimmer, dass die Presse zuweilen so viel Einfluss hat, dass sie die Meinungen von Tausenden steuert. Beispielsweise frage ich mich, wo Pegida heute stünde, wenn in ihrer Anfangszeit mit wenigen hundert Demonstranten einfach niemand darüber berichtet, sie nicht beachtet hätte?

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  7. Die Medien, was und wer auch immer das ist, präsentieren vor allem, was das Publikum gerne lesen oder hören möchte. Nicht, dass ich damit d’accord gehe: Eine Nachricht muss bitteschön nicht so arrangiert werden, dass der/die Hörer/in oder Zuschauer/in nicht abschaltet oder der/die Leser/in weiter blättert. Aber es kommt aus diesem Impuls, dass die Informationen immer dünner, die Aufregung dagegen immer größer wird. Ich denke, es ist müßig, sich darüber aufzuregen: Kapitalismus regiert die Welt – oder wir zetteln vielleicht am besten gleich die ganz große Revolution an! Ich fühle mich erwachsen genug, auszuwählen aus dem, was uns präsentiert wird. Es gibt nach wie vor Sendungen und Artikel mit Hintergrundinformationen, manchmal wird man da übrigens auch im Ausland fündig. Der andere (hoffentlich ermutigende) Gedanke: Die Menschheit lernt vielleicht nicht aus dem Geschichtsunterricht. Aber manchmal reicht es ja, wenn ein Mensch was gelernt und im entscheidenden Moment die zündende Idee hat.

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  8. Ich bemerkte wie ich beim Lesen leicht nickte.
    Deswegen habe ich mich auch dazu entschlossen keinen Fernseher zu kaufen und in Zeitungen nur ausgewählte Artikel zu lesen. Ich will natürlich nicht die Augen vor der Wahrheit verschließen, ich weiß schlimme Dinge passieren aber muss ich mir das wirklich jeden Tag vor Augen halten? Nö
    🙂
    Toller Beitrag

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  9. Zuviele Meldungen, zuviele Katastrophen, zuviel Input.
    Man kann das alles gar nicht mehr verarbeiten, man mag entweder daran verzweifeln oder bekloppt werden.
    Da ich beides nicht so prickelnd finde, verweigere ich bewusst das „Zuviel“. Schlagzeilen reichen tatsächlich manchmal völlig aus.

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  10. Ich kann dir da einfach nur zustimmen. Es ist schlimm genug, was auf der Welt alles so abgeht, aber gerade die Medien beeinflussen uns nich mal so stark… Inzwischen bin ich mir sehr sicher, dass so Sender wie RTL, Pro7 und Sat1 ihre grösste Aufgabe darin gefunden haben, die Massen zu manipulieren und möglichst hirnlos zu machen. Traurig.

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  11. Ich lese Nachrichten nur online und zunehmend lese ich nur noch die Schlagzeilen. Wenn es z.b. um Kindesmisshandlung oder -missbrauch geht, will ich keine Details wissen. Ich war vor zig Jahren mal in einer Ausstellung von Wildwasser eV in meiner Schule und eines der Bilder verfolgt mich bis heute. Seit ich selbst Kinder habe bin ich noch empfindlicher. Zerbombte Hochzeitsgesellschaft in Afghanistan, erschossene Kinder in Gaza, die IS-Spinner , Al Kaida… Ich mag nicht mehr.
    Es ist wichtig zu wissen, was in der Welt passiert, aber wird uns das überhaupt so präsentiert, wie es ist? Mit allen Hintergründen und Fakten? Eh nicht.
    Ich weiß nicht, ob die Medien jemals so verwirrend waren wie heute. Ich glaube aber nicht.
    Und der Mensch an sich… Tja… Dazu gibt es oft nichts zu sagen ausser „???????????“

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  12. Ja..die Medien haben uns gut im Griff, es wird mal Zeit anzufangen selbst zu denken und nicht immer einfach alles vorgekaute zu schlucken. Ist nicht das erste Mal das Medien benutzt werden um für Unruhe zu sorgen ..Echt traurig diese Welt!Echt grausam diese spezies Mensch!

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