Schreiben von A – Z: K = Klotzen bis zum Kotzen

Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal über Silvester nicht zu Hause war. Diesen Jahreswechsel habe ich das erste Mal in der Ferne verbracht. Ich habe mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und war mit meiner Familie in Monaco. Das war eines jener Dinge, die ich im Leben einfach mal gemacht haben wollte. Vorgestellt habe ich mir, dass das Schaulaufen der Schönen und Reichen etwas ganz Besonderes sein muss. Nun ja, besonders war es: Besonders enttäuschend! Im Fernsehen sieht man immer diese schönen Bilder, diesen Glamour und diese Glitzerwelt. Inzwischen habe auch ich begriffen, dass es die Kameraeinstellungen sein müssen, welche diese wahnsinnigen Aufnahmen herzaubern – ich habe auf jeden Fall dieses glamouröse Monaco nicht gefunden. Was man mir im voraus schon gesagt hatte war, dass das monegassische Pflaster sauteuer sei. Wir haben in der Schweiz auch Ecken, wo man mehr bezahlt, als anderswo. Beispielsweise in Gstaad, St. Moritz oder an der Zürcher Bahnhofstrasse. Aber das Ausmass der Dekadenz dort ist nahe dem Gefrierpunkt im Vergleich zu Monaco.  Hattet ihr schon mal eine Cola für 15 Euro – serviert in der Dose? Ich hatte: Sieht aus wie Cola, schmeckt wie Cola und ist ganz einfach Cola. Ohne Gold- oder Silberverzierung, nichts Besonderes, eben nur teuer.
Seufz!

Wir haben in einem riesigen Hotel mitten in Monte Carlo eingecheckt. Glamour? Fehlanzeige! Möglicherweise, weil wir „nur“ Doppelzimmer hatten und keine Suiten. Und wer nun denkt, die normalen Zimmer lägen halt im 1. Stock und nicht in den oberen Stockwerken, der hat weit gefehlt. Unsere Zimmer lagen im im Sousol (minus eins)! Zwar mit Meersicht, aber direkt unter der Bar (Lärm lässt grüssen) und überhaupt nicht glamourös. Schon wieder seufz!

Am Frühstücksbuffet fragten wir uns, wie sehr man sich denn noch im falschen Film fühlen kann. Die vermeintlich Schönen und Reichen hatten sich alle in Ungeheuer verwandelt. Ungeheuer, welche das Buffet stürmten, die Teller überluden, als gäbe es kein Morgen mehr. Mehr als die Hälfte der Sachen wurden nur angebissen und blieben auf den Tellern liegen. Zurück blieben Tische, die aussahen wie Schlachtfelder und Kellner, die nur noch den Kopf schütteln konnten. Wie gut, dass man das Botox und die Manieren nicht in Waagschalen legen kann: Das Botox hätte sowas von gewonnen – mehr geht nicht!

Ich dachte immer, die Geschichten der vollkommen misslungenen Schönheitsoperationen von Hollywood seien übertrieben. Ok, ich war noch nie in Hollywood, aber in Monaco stimmen die Geschichten auf jeden Fall. Entweder sind hier 90 Prozent der Frauen verwandt miteinander, oder sie haben den gleichen Beautydoc. Fakt ist, dass sie alle die gleichen Schlauchbootlippen, Stupsnasen und Mandelaugen haben. Egal, ob im Einkaufscenter, beim Italiener oder in der Hotelbar; hätte man gerufen „Alles raus, was nicht echt ist“, wir wären ziemlich alleine zurückgeblieben. Wir haben diesem Treiben manchmal einfach stehend und staunend zugeschaut. Mein Göttergatte sinnierte vor sich hin: „Weisst Du, die Reichen können es sich doch leisten, anders zu sein. Ich habe aber das Gefühl, dass hier alle gleich sein wollen. Den gleichen Pelzmantel, die gleichen Gesichter und die gleichen Haare.“ Er hatte sowas von recht! Wir fielen schon nur auf, weil wir keine Pelzmäntel trugen. Warum man im Monaco im Nerzmantel rumrennen muss, weiss ich nicht, denn wirklich kalt wird es dort nie. Aber man muss zeigen, was man hat. Und wieder: Seufz!

Also das Schaulaufen der Schönen konnten wir knicken, denn schön war so gut wie keine dieser unechten Fratzen. Reich mag sein, aber reich ohne Stil. Wer sein Vermögen unbedingt sichtbar und möglichst auffällig zur Schau tragen muss, der mag zwar reich sein, hat aber definitiv keinen Stil. Mir ist jetzt klar, warum die Reichen dieser Welt meist einen schlechten Ruf geniessen – Monaco hat es mir gezeigt. Protzen, klotzen und dick auftragen was das Zeug hält. Doppelseufz!

Dafür habe ich herausgefunden, warum alle Sonnenbrillen trugen: Das viele Blingbling ist ohne Sonnenbrille gar nicht zu ertragen. Und: Auch wenn ich ein bekennender Handtaschenfan bin, so kann ich in der nächsten Zeit keine Chaneltasche mehr sehen. Vor allem nicht das eine typische Chanelmodell, welches einfach jedes weibliche Wesen in Monaco mit sich rumträgt. Wieder nach dem Motto: Alle wollen das Gleiche haben!

Das Schönste: Die unglaublichen Autos. Ja, die waren wirklich der Hammer. Ich meine, bei uns bezahlt man Eintritt, wenn man das sehen will, was in Monaco auf den Parkplätzen und an den Strassen steht. Alles, wovon Jungs träumen und was man sonst vor allem in Zeitschriften sieht, fährt in Monaco in richtigen Wagenkolonnen durch die Strassen. Bei den ersten Boliden drehte ich noch den Kopf, bis auch ich merkte, dass da eigentlich nur solche Autos unterwegs sind. Wer auffallen möchte, fährt am besten einen Renault Clio. Oder einen alten Mitsubishi Colt.

Ach ja, und das Schlimmste an der Geschichte: Wir haben fast ausschliesslich griesgrämige Gesichter gesehen. Kein Lächeln, kein Lachen, keine Freundlichkeit, kein nettes „Hallo“, einfach nichts. Wir wussten nicht, ob es daran liegt, dass wir nicht zur High Society gehören, oder ob man es in Monaco ganz einfach nicht nötig hat, freundlich zu sein. Dass die starren Gesichter aber aufgrund der vielen Botoxtherapien gar keine Mimik mehr haben, wäre auch eine Erklärung. Vielleicht haben die Guten ja gelächelt, man kann es einfach nicht mehr erkennen. Wer weiss!

Auf meiner Liste der Dinge, die ich in meinem Leben unbedingt gemacht oder gesehen haben möchte, kann ich hinter Monaco ein Häkchen setzen. Erledigt! Es hat sich nicht gelohnt und allen, die davon träumen, kann ich nur sagen: Es gibt unzählige Orte auf dieser Welt, die 1000 mal schöner sind. Ich habe keine Ahnung, was mich geritten hat, dass ich meinte, Monaco unbedingt sehen zu müssen. Aber manche Dinge muss man wohl erst erleben, bevor man sie glaubt. Ach ja, etwas muss ich dringend noch loswerden: Liebe Frauen, bitte lasst eure Lippen in Ruhe. Diese Schlauchboote sind echt zum Kotzen. Eine schönere Umschreibung gibt es dafür leider nicht!

38 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: K = Klotzen bis zum Kotzen

  1. Oh je, da kann ich nur sagen, die „armen“ Menschen. Sie mögen zwar ein volles Konto haben, aber Glück und Zufriedenheit kann man nicht kaufen und sie werden wohl immer dekadenter! Über die Schlauchbootlippen etc. konnte ich wieder herzhaft lachen 🙂 Somit hatte Monaco doch was Gutes!!! ..wir durften uns Deine Eindrücke wieder mal so richtig schön bildlich vorstellen 🙂

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  2. Ich war auch schon mal dort. Hab seit dem den Eindruck, dass alle Franzosen griesgrämige, unfreundliche Deppen sind, die in Frankreich lieber für sich bleiben wollen.
    Eigenartig fand ich an Monaco, dass die Straßen teilweise so sauber wirkten, dass man davon hätte essen können. Wie dekadent.

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  3. Herrlich ehrlich- Danke!! Teile deine Meinung total!! Ich war vor ein paar Jahren mal in Cannes und Monaco – und hab mich noch nie so deplaziert gefühlt! Da verwechseln wirklich einige Arroganz mit ‚ich habe es geschafft’… Denn die wirklich Reichen laufen da meistens in Adiletten rum und sind arschfreundlich 🙂 LG L*

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  4. Klingt gruselig, eigentlich schade, wenn man sich einen Wunsch erfüllt und dann soo eine Realität erlebt, aber zugegebenermaßen unterhaltsam 😉 hinterher.
    Ich habe letztes Jahr einen Luxusstrand in Südfrankreich für einen Tag mit Abend besucht, gewisse Ähnlichkeiten vorhanden, aber da war es so, dass nachdem die Masse von Touristen weg war, die Einheimischen“ zwar sichtbar wohlbetuchten auftauchten, aber die waren nicht halb so „schlimm“, wie die Zugereisten, die vorher da aufgelaufen waren…

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    • Das waren auch nicht die „Eingeborenen“, die wir gesehen haben. Ich weiss gar nicht, ob Monaco ausser der Fürstenfamilie überhaupt „Eingeborene“ hat – sind das nicht ohnehin alles Steuerflüchtlinge, die nur die Sommermonate dort verbringen? Gibt es „echte“ Monegassen? Ich glaube nicht…. 🙂

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  5. Schöner Beitrag ! Ich will da nicht hin, nein Madame, nie nicht. Manchmal kommt im TV ( N24 oder n-tv ) ein Magazin über Luxus mit der Begrüßung „Hallo liebe Millionäre und Milliardäre…“ oder so ähnlich. Meist schalte ich eh weg, einmal habe ich staunend zugesehen, was da verzapft wird…. Häuser, Autos, Kleidung, Boote, äh meine natürlich Jachten und und und….
    Ich habe mir die Frage gestellt, ob die vorgestellten Herrschaften wohl zufrieden sind ? Eher nicht, aber mit Geld wird halt kompensiert.

    Echte Zufriedenheit kommt von innen und kostet nichts. Meine Erfahrung.

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    • Ersten: Ja! Zweitens: Es gibt auch welche mit Geld, die sich nicht wie komplette Vollidioten benehmen. Geld muss ja nicht zwingend bedeuten, dass man ohne Manieren und völlig daneben geboren wird. Ich denke, dass sich alle negativen Ausnahmen in Monaco treffen – hässlich 😦

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      • Ja klar, es sei jedem gegönnt wenn er erfolgreich ist und das auch genießen kann. Aber in Monaco und anderen ähnlichen Orten tummeln sich sehr viele Menschen, die eben durch ihr Vermögen, durch das „sich darstellen“ die innere Leere füllen wollen. Meine Vermutung.

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  6. Natürlich sehen alle gleich aus, denn in dieser Preisklasse formieren sich die Designerläden in einer Reihe. In der mittleren und unteren Preisklasse formieren sich auch die Labels. Gemäss Budget wird entsprechend eingekauft. Ausbrechen aus dem System kann man nur, in dem man seine Sachen selbst näht.
    Ich habe viele Jahre in Gstaad gearbeitet und oft gehört, wie teuer es ist. Wenn man mittendrin sitzen will, in der Hoffnung Berühmte und Reiche zu treffen, muss man den Quadratmeterpreis / Restaurantstuhl entsprechend eben bezahlen. Ein Stück weiter, hinten rechts oder links, ist es genauso schön, sympathisch, ruhiger und etwas günstiger. Jeder hat immer die Wahl. Und leider, es gibt Gastronomie die extrem überteuert ist und da gehört es zum Statement: ich kann mir das leisten. Die Cola für 15 Euro, die Chaneltasche usw.
    Unterm Strich: du hast dir einen Wunsch erfüllt! Sehr gut. Nächster Wunsch?
    Liebe Grüsse Erika

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  7. Ach, wie schön geschrieben, da gehe ich doch fröhlich Richtung Bahnhof, fahre in die Bank und arbeite für das Geld welches ich ausgebe.
    Und bleibe individuell, ohne Schlauchbootlippen. Das kann ich echt auch nicht verstehen, was daran schön sein soll. Ich habe noch nie ein gelungenes Resultat gesehen 😉
    Und, wenn du es nicht gemacht und gesehen hättest, würdest du denken etwas im Leben veerpasst zu haben, jetzt siehst du, dass du es gut hast 😉

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