Die Fasnacht kommt…

…und ich flüchte! In unserer Region steht die Fasnacht vor der Tür. Und damit beginnt für mich die Zeit des Flüchtens – in meine warme Stube. Ich war nie eine Fasnächtlerin. Eine Närrin bin ich schon, aber das bin ich das ganze Jahr hindurch. Dazu brauche ich keine Fasnachtszeit. Ich mag den Lärm, das allgemeine Besäufnis und die Konfettisauerei überhaupt nicht. Man könnte schon fast von einem Fasnachtshass sprechen. Und das in einer Stadt, welche hier im Schweizer Mittelland als Fasnachtshochburg gilt. Während dieser Zeit herrscht in unserer sonst so schönen und besinnlich barocken Altstadt der Ausnahmezustand. Alles steht Kopf – und ich greif mir an selbigen. Ich kann dieser Zeit einfach so gar nichts Positives abgewinnen.

Hans Müller (sorry für allfällige Ähnlichkeiten) und Trudi Meier (nochmals sorry), die sonst ein biederes 08/15-Leben führen, werden in dieser Zeit hinter ihren Masken zu saufenden Ungetümen. Schliesslich kennt sie im Kostüm niemand. Da kann man so richtig die Sau rauslassen. Ich kapiere das einfach nicht. Ich kann es auch unterm Jahr lustig haben und zum Affen mache ich mich ohnehin andauernd, ohne Maske! Am allerwenigsten verstehe ich den übermässigen Alkoholkonsum in dieser Zeit. Gelacht werden kann nämlich demzufolge nur betrunken. Und am anderen Tag, wenn ich versuche, durch die Konfettisuppe in mein Geschäft zu gelangen, kommen mir überall übernächtigte Alkoholleichen entgegen. Vorausgesetzt, sie können überhaupt noch gehen. Manche sitzen einfach auch irgendwo auf einem Randstein und schlafen bei Minustemperaturen ihren Rausch aus. Ich finde all das einfach nur eklig.

Ich habe nach der ersten Fasnachtssaison in meiner selbständigen Geschäftstätigkeit beschlossen, an den „extremen“ Tagen das Geschäft kurzerhand zu schliessen. Die Einzigen, welche sich nämlich in dieser Zeit in die Geschäfte verirren, sind voller Konfetti und betrunken. Nein danke, darauf kann ich gerne verzichten. Auch auf die Gefahr hin, dass ich als langweilig gelte – macht nichts, ich bin in dieser Hinsicht gerne langweilig. Und es ist allemal besser, in dieser Zeit gleich zu Hause zu bleiben, als sich in den aktiven Fasnächtlern tödlich zu nerven. Gegenseitig. Schliesslich gehen nicht nur sie mir auf die Nerven, umgekehrt ist es genauso. Sie finden mich öde, ich sie doof! Und wenn dann noch der brave Bürger, der das ganze Jahr im Anzug im Büro sitzt, mit einer Alkoholfahne seinen Arm um mich legt, überkommt mich das grosse Würgen. Drum werde ich mich in den nächsten Tagen noch häuslicher einrichten, als ich es ohnehin schon bin. Und darauf hoffen, dass diese Zeit schnell vorbei geht!

28 Gedanken zu „Die Fasnacht kommt…

  1. Mit 20 fand ich die Fasnacht richtig cool. Natürlich war ich immer verkleidet und ich hatte richtig Spass beim närrischen Treiben mit dabei zu sein. Heute nerven mich die pseudo Fasnächtler nur noch, wenn sie betrunken in den „Beizen“ hocken und denken, die Fasnacht sei ein Freipass um nachzuholen, was sie das Jahr durch nicht „dürfen“…! Ne, dann bleib ich auch lieber unter der Kuscheldecke und geniesse einen guten Film 🙂

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  2. Ich finde nicht, dass du langweilig bist! Im Gegenteil, wenigstens eine die nachdenkt und den Sinn von dem ganzen Sch…. hinterfragt! Ich kann deine Gedanken und Gefühle absolut nachvollziehen!!!!! Wir bleiben hier zum Glück verschont von diesem übertriebenen Getue.

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  3. Ich liebe Karneval (wie man’s in meiner Gegend nennt). Nicht den „sauf zu viel und benimm dich daneben“-Teil. Aber das Verkleiden und die Straßenumzüge. Klar, kann man auch während des übrigen Jahres lustig sein, aber wenn man im August als Elfe, Superheld oder Hexe herumläuft wird man doch eher schräg angeguckt. Die Straßenumzüge habe ich schon als Kind geliebt: All die geschmückten Wagen 🙂 und natürlich die Süßigkeiten. Heute gefallen mir die politisch-satirischen Wagen besonders gut. Leider muss ich die letzten 2 Jahre an Karneval immer Prüfungen schreiben (in Stuttgart ist Rosenmontag kein Feiertag, das bin ich aus Köln anders gewohnt 😦 ). Vielleicht klappt es nächstes Jahr mal wieder.

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  4. In genau 13 Minuten um 20.11 wird auch bei mir im Ort die Faschingssitzung wieder eröffnet. Ich bin auch diesmal nicht dabei. Ich finde es gut, dass sich die Leute das ganze Jahr so viel Mühe geben um für diesem einen Abend ein gutes Programm zusammenstellen. Großer Respekt, die stellen noch was gemeinsam mit vielen Leuten auf die Beine, alles ehrenamtlich. Wer macht das noch? Ich leihe dem Verein gerne meine Mikrophone und schätze den Vorsitzenden und viele Mitwirkende sehr. Aber die Sitzung selbst tut ich mir nicht mehr an. Ich habe in meinem ganzen Leben an vier solchen Sitzungen teilgenommen. Ich habe nie bereut, dass es nicht mehr waren. Da ich ohnehin schon seit einem Jahr kein Fernsehen mehr schaue kann ich mir sogar das Weiterzappen in der närrischen Zeit sparen.

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  5. Hm, als Kind mit einem Basler Vater liebte ich die Umzüge in Basel Land und der Stadt Basel.
    Ich trug mega stolz ein Waggis Köstum welches ich von meine grossen Cousin bekam.
    Da merkte ich auch nicht, dass da viel Alkohol getrunken wurde.
    Ich denke Basel ist da auch nicht ganz so schlimm, sie feiern die Protestantische Fasnacht.
    Da gibt es keine Vergebung nach einer Sünde. Bei den Katholiken schon 😉
    Darum würde mir nie in den Sinn kommen, mich hinter einer Maske zu besaufen oder so.
    Letzes Jahr dachte ich mal abends im Zug ich sei am durchdrehen, weil ein Huhn und ein König mit mir in der S Bahn fuhren 😉

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  6. Befremdlich – Fastnacht klingt wirklich sehr befremdlich. Und im Rheinland feiern die das schon seit dem 11.11. des Vorjahres. Noch befremdlicher! Macht doch mal ein paar Tage bei uns in Norrdeutschland Urlaub. Wir sind Karnevals-/Faschingsfrei! Helau! Aaaaaaalaf! Prost!

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