PPP – Pleiten, Pech und Pannen

Wusstet ihr, dass ich mal beim Radio als Redaktorin gearbeitet habe? Wusstet ihr zudem, dass ich damals nicht nur die Regionalnachrichten texten, sondern diese auch live on air präsentieren musste? Wusstet ihr zu guter letzt, dass auch eine Sprechausbildung einen nicht vor fiesen Versprechern schützt?

Am Anfang war logischerweise meine Praktikumszeit, in welcher ich das Handwerk lernen musste. Nicht nur das Wissen, wie man wichtige von unwichtigen Nachrichten unterscheidet und eine richtige Selektion macht, auch das Texten und die Präsentation gehörten zu dieser „Lehrzeit“ dazu. Zudem lernte ich auch, als rasende Reporterin unterwegs zu sein. Damals noch bewaffnet mit Dictaphone und/oder Mikrofon. Und manchmal unter höchstem Zeitdruck, was die Angelegenheit zwar spannend, aber nicht unbedingt einfacher macht. Und deshalb sind mir in meiner Radiozeit auch einige Pannen unterlaufen, die ich nie wieder vergessen werde.

Ich durfte diverse spannende Ausseinsätze machen, einer war aber ganz besonders. An einem Samstag in der früh (richtig früh!) klingelte zu Hause mein Telefon. Ich lag mit einer üblen Erkältung im Bett und hatte so gut wie nichts geschlafen (die Kinder waren nämlich auch krank). Der diensthabende Redaktor war in der Leitung: „Hey, ich habe ein dringendes Anliegen. Es hat eine Schiesserei mit einem Toten gegeben und ich habe niemanden, den ich hinschicken kann. Schnapp dir deine Gerätschaft und fahr bitte ganz schnell dorthin. Wir wollen das heute nachmittag senden.“ In meinem Kopf kämpfte die Begeisterung mit den verstopften Stirn- und Kieferhöhlen. „Ok, ich mach mich auf den Weg und komme anschliessend direkt in die Redaktion.“

Vor Ort fühlte ich mich – jetzt kann ich es ja gestehen – wahnsinnig wichtig. Ich meine, wer hat schon die Gelegenheit, an einem echten Tatort die echten Fragen an die echten Zeugen zu richten? Dass ich mir vor Angst fast in die Hose machte, liess ich mir natürlich nicht anmerken. Man ist ja professionell – dachte ich. Der Gemeindepräsident der betroffenen Gemeinde gab mir Auskunft über das Geschehen und ich war stolz wie Anton auf mein Interview. Auf dem Rückweg in die Redaktion überlegte ich mir schon mal den Titel und den Aufbau meines Beitrages.

In der Redaktion kurzer Rapport an den Tagesredaktor und dann ab ans Schnittpult. Dictaphon auf und – SCHOCK! In meinem Aufnahmegerät war keine Kassette drin. Nix! Leer! Herzstolperattacke. Ich hatte in der Aufregung die Kassette vergessen. Das ist wie Fotografieren mit dem Finger auf der Linse. Ich hatte unterm Strich nämlich einfach NICHTS. Und neben der Tatsache, dass mir die Story schlechthin soeben davongeschwommen war, musste ich das dem Tagesredaktor beibringen. Leute, ich kann euch sagen – ich hätte mir damals gewünscht, ich wäre im Bett geblieben. Dass mein Tag damit gelaufen war, muss ich wohl nicht betonen. Dass meine flatternden Nerven mich aber dann beim Lesen der Nachrichten noch endgültig ins Out kickten, darauf hätte ich gerne verzichtet.

Zwei Minuten vor Sendebeginn die letzten Zeilen durchlesen, ab ins Studio, Kopfhörer auf, rote „on air“-Lampe geht an und los gehts. Der Einstieg war noch in Ordnung, alles schien zu laufen. Bis zum Obersprachdisaster schlechthin. Die Herausforderung lautete: Regierungsstatthalteramt Aarwangen. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn nicht ohnehin schon der ganze Tag schief gelaufen wär. Ich stieg ein mit „Regierungstatthamerwalt Aangen“ ehm nein, „Regierungswaltstatterhamt“ ehm nein, Regierungswangenstatt Halter“ entschuldigen Sie bitte….und dann hatte ich keine Chance mehr. Ich musste die Stelle einfach überspringen um mich irgendwie durch diese verflixten Nachrichten durchzuschummeln. Und ich wusste, dass draussen in der Redaktion der ZS (Zusammenschiss) des Tages erneut auf mich warten würde.

Ich weiss noch, dass ich an selbigem Abend nach Hause fuhr und dachte, dass jeder andere Job an diesem Tag besser gewesen wäre. Und als ich zu Hause eintrat, traf ich auf eine grinsende Familie, die mich begrüsste mit: „Wie war das, mit dem Regierungsdings nochmal?“ Hahaha – herzlichen Dank. Daheim am Radio sitzen und über Mamas Versprecher lachen, was gab es für ein schöneres Ende dieses Pannentages? Aber die Radiozeit war trotzdem etwas ganz Besonderes.

13 Gedanken zu „PPP – Pleiten, Pech und Pannen

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