Der Wanderprediger

Kennt ihr auch die Sorte von Menschen, die dermassen aktiv mit den Händen sprechen, dass man ausweichen muss, um nicht eine Klatsche zu kassieren? Mein Göttergatte gehört zu dieser Sorte. Ich nenne ihn deswegen auch des Öfteren mal „meinen Wanderprediger“.

Wenn er uns zu Hause etwas erzählt, dann wirbeln die Arme und Hände – manchmal im Takt, manchmal auch völlig unkoordiniert – zur Geschichte mit dazu. Er schmückt damit seine Erzählungen aus, verleiht ihnen Nachdruck oder beeinflusst deren Wichtigkeit. Ich habe mich nach all den Jahren an diese Art der Kommunikation gewöhnt, zumal er nicht der Einzige ist, der sich so mitteilt. Ich arbeite auch im Beruf mit einer Kollegin zusammen, bei der die Gefahr besteht, dass sie sich irgendwann beim wilden Rumfuchteln den Arm bricht. Aber zurück zu meinem Göttergatten. Mir kommen bei seinen Geschichten lustigerweise immer die Kasperlipuppen in den Sinn, weil die doch auch mit Leib und Seele leben müssen, um die Geschichten spannend zu machen. Mein Liebster kann aber auch einen simplen und trockenen Zeitungsartikel so vortanzen, dass er zum Schluss einfach nur lustig ist. Wenn er vom Euro erzählt, dann formt er mit den Händen die Kreise eines Euros; wenn dieser aktuell gerade in den Keller fällt, zeigt er wild fuchtelnd in Richtung Boden; wenn er sich darüber nervt, schlägt er sich mit der Handfläche gegen die Stirn und wenn all das nichts nützt, verleiht er der Geschichte Nachdruck, indem er zum Erzählen noch aufsteht. Sorry, wenn ich da manchmal auch bei der ernstesten Diskussion laut lachen muss, weil mich seine Körpersprache vom Thema ablenkt. Ich weiss gar nicht so recht, ob man daraus nicht einen neuen Tanz kreieren könnte.

Ich habe mich letzthin, als er wieder einen sehr ausgeprägten Fuchtel-Erzähl-Anfälle hatte tatsächlich gefragt, was passieren würde, wenn ich ihm die Hände auf dem Rücken zusammenbinden würde. Ich befürchte, dann wäre er stumm. Und das wäre ja auch schade, dann gäbs am Familientisch gar nichts mehr zu lachen.

Tschuldigung, mein liebster Göttergatte, aber ich musste Deine Wanderpredigten hier mal erzählen, so lustig finde ich sie. Und das ist eine Ehre, denn nicht jeder ist es wert, von mir durch den Kakao gezogen zu werden. Du schon!

35 Gedanken zu „Der Wanderprediger

  1. Ist Dein göttlicher Gatte Italiener? 😉
    Da gibt es doch so einen Witz: Wie macht man einen Italiener sprachlos? Fessle ihm die Hände! ;-)))))))))))
    LG Susanne
    PS: Der Witz ist nicht von mir und ich habe absolut nix gegen Italiener. Man muss heute ja so aufpassen politisch korerrekt zu bleiben… 😉

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    • Nein, ist er nicht! Ich bin halbe Italienerin – mein Papa ist Süditaliener – aber mit dem Gefuchtel können wir nicht mithalten. 🙂 Ich habe Mühe mit der political correctness – man darf kaum noch piep und papp sagen, ohne nicht Gefahr zu laufen, rassisstisch zu wirken. So ein Quark! Ich finde den Witz lustig und wer dabei schlechte Gedanken hat, ist inkorrekt. Ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen, hättest Du das nicht geschrieben. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Aber nicht doch, dein Mann spricht Nonverbalitalienisch! Das ist eine äußerst schwierige Sprache, die zu lernen es ein ganzes Leben braucht 😉
    Diese Sprache verhilft mir derzeit optimalstenstenst, ohne umfassende Dänischkenntnisse perfekt zu überleben und Unterstützung zu bekommen, wo keine vorgesehen ist. (Ich werde darüber berichten, hihi)
    Freu dich, dein Mann vermag dich selbst aus der zivilisationsfernsten Gegend sicher zu befreien, falls ihr euch verlaufen habt: Nonverbalitalienisch sprechen sogar Naturvölker (und Tiere, glaube ich, auch).

    So, genug gelacht. Made my day!
    🙂

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  3. Schon beim ersten Satz fühlte ich mich kalt erwischt. Ich war am Samstag auf der Hauptversammlung unseres Chores. Als ich mich das erste Mal zu Wort meldete, wies mich der Vorsitzende darauf hin, dass ich mit meinen ausdrucksstarken Händen meinen Nachbarinnen vor dem Gesicht rumfummelte, sodass er sich Sorgen machte ob ich sie nicht aus Versehen verletzen könnte.
    Heute haben wir im Chor ein Lied gesungen in dem Angler vorkamen. Der Chorleiter fragte, ob jemand im Chor Angelt. Keiner meldete sich. Ich drehte mich um und fragte, was keine Angler im Chor? Wo bleibt der männliche Jagdinstinkt? Wo sind die Männer? Sind die alle schon degeneriert?

    Gefällt 2 Personen

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