Dick, doof, unglücklich

Was für eine nette Überschrift, nicht wahr? Und wer nun denkt, dass ich von mir rede, der kann sich das Grinsen auf den Stockzähnen gleich wieder verkneifen – das tue ich nämlich nicht. Die hiesige Tageszeitung tut dies heute! Und sie beruft sich dabei auf eine Studie, welche die Zürich Versicherung in Auftrag gegeben hat. Diese Studie trägt nun den hübschen Titel „Eidgenössischer Glücksindex“ (wow, heutzutage gibt es echt nichts, was es nicht gibt) und bringt Schreckliches zutage.

Der Fokus dieser Umfrage liegt auf Faktoren wie Geld, Konsum und Gesundheit. Zudem wurden Statistiken zu Arbeit, Demografie und Kriminalität ausgewertet. Das Resultat der Auswertung: Die Glückseligen in der Schweiz scheinen alle im Kanton Luzern zu leben. Die Luzerner scheinen mit sich und dem Leben im Reinen zu sein. Wie schön! Pech nur für mich, ich lebe nämlich … und jetzt kommt das bittere Elend … im Kanton Solothurn. Dieser Kanton ist weit abgeschlagen von untersuchten 19 Kantonen auf Platz 15 gelandet. Uns Solothurnern – das sagen offenbar die Google-Suchanfragen – mangelt es vor allem an Bildung und Sozialleben. Eigentlich sollen wir sogar richtige Miesepeter sein. Die Angst, in die Armut abzurutschen scheint bei uns besonders gross zu sein.

Und dies, nachdem Ende 2013 schon eine Studie ans Tageslicht brachte, dass die meisten übergewichtigen Männer im Solothurnischen zu finden sind. Logisch, denn ein tiefer Sozialstatus fördert gemäss diesen gescheiten Studienerstellern den Bauchumfang.

Kurz darauf kam Mitte 2014 der nächste Schlag: Unsere totale Unterbelichtung wurde entlarvt. Gemäss dem Gehirnportal Memorando (wusstet ihr, dass es sowas überhaupt gibt?) bildeten wir auch bei diesem Ranking das Schlusslicht.

So: Nun muss ich euch – meinen lieben Leserinnen und Lesern gestehen, dass ich ganz offensichtlich dick, doof und unglücklich sein muss. Wenn so viele Studien das belegen, muss daran doch etwas Wahres sein, oder? Ihr lest also hier immer die Zeilen einer Frau mit einem unendlichen Bauchumfang (tiefer Sozialstatus), die total doof (was sich auf mangelnde Intelligenz bezieht) und zu allem Überfluss auch noch unglücklich ist (sagt der eidgenössische Glücksindex). Ups – Mist! Ob es etwas nützt, wenn ich nun in den Kanton Luzern umziehe. Vielleicht nehme ich dann ab, werde blitzgescheit und strahle den ganzen Tag.

Also, wenn ich so an mir hinunterschaue, sehe ich da sehr wohl zu viele Speckröllchen, aber als dick würde ich mich nicht unbedingt bezeichnen. Die Tatsache, dass ich halbwegs vernünftig schreiben und mich ausdrücken kann, lässt mich zudem glauben, dass ich nicht unbedingt zu den Unterbelichteten gehöre. Und ich lache unglaublich gerne, sodass ich mich auch nicht als unglücklich bezeichnen würde. Ob ich insgeheim – ganz tief in meinem Inneren – vielleicht Luzernerin bin und versehenlich im Kanton Solothurn wohne?

Nein! Ich habe meine persönliche Antwort:

– Es gibt in der heutigen Zeit unendlich viele Studien
– Die meisten Studien taugen nichts
– Es gibt zahlende Institute, welche solche Studien in Auftrag geben (???)
– Als Basis gilt meistens das Word Wide Web (schon wieder ???)
– Zeitschriften und Zeitungen sind dankbare Abnehmer dieser Studien
– Studien liefern gut bieg- und dehnbare Headlines, die spannend klingen
– Hat man keine anderen Themen mehr, krallt man sich eine Studie.

Ha! Ich habe die Lösung, und das, obwohl ich im Kanton Solothurn lebe. Ich bin also der lebende Beweis, dass diese Studien kompletter Blödsinn sind, sonst hätte ich ja diese wahnsinnig weltbewegende Lösung nicht gefunden (an dieser Stelle tropft die Ironie aus den Zeilen, sorry für die Sauerei…). Ich bin also kein Sorgenkind in einem Sorgenkanton – ich muss mir höchstens Sorgen machen im Bezug auf Sinn und Unsinn von Studien!

 

46 Gedanken zu „Dick, doof, unglücklich

  1. Da ich in meinem Leben auch eine ganze Zeit Sozialwissenschaftler war kann ich ein Leid, nein ein Lied von diesen Studien singen.
    Das Gute an den Studien war, dass sie mich ernährt haben. Ich habe als Student davon gelebt Umfragen zu machen und auszuwerten, deshalb weiß ich auch, wie man solche Studien fälscht.
    Das ging schon bei der Datensammlung los. Wir sollten Interviews mit Autofahrern machen, die teure Neuwagen fuhren. Wo nimmt man die jetzt her, wenn man sie nicht stielt?
    Sich bei den Autohäusern zu erkundigen war bei Todesstrafe verboten. Datenschutz! Wer da einen Fehler gemacht hat, konnte die ganze Firma in Verruf bringen oder gleich in die Insolvenz treiben.
    Es blieb uns nichts anderes übrig, als bei den Umfragen Phantasie zu entwickeln, denn schließlich brauchten wir das Geld. Kurzerhand haben wir unsere besten Freunde, die schon einmal ein Auto von innen gesehen hatten zu Porschefahrern mit Jachtclub Background umfrisiert.
    Da wir damals keine Fotos oder Filme machen mussten, konnten sie bei den Interviews auch ihre Schlafanzüge anlassen. Für eine solche Nummer gab es Siebzig Euro für den Interviewer und eine Falsche Bier für den Interviewten.
    Mit unserer Phantasie haben wir unsere Firma unter die Top Ten der sogenannten Sozialforschungsinstitute gebracht, da bin ich heute noch stolz drauf.
    Einmal haben wir auch SPD-Parteimitglieder befragt, das war das traurigste Kapitel meiner Forschungsgeschichte. Die waren von einer solchen Intelligenz, dass sie gerade mal so das Kreuz bei der Wahl an richtigen Stelle machen konnten.
    Bei den Auswertungen, die wir als Fortgeschrittene auch machen durften, haben wir die Technik erlernt, wie man fünf auch mal gerade sein lassen kann.
    Unser oberster Vorgesetzter, der die Ergebnisse dann den Kunden von der Partei oder der Automobilindustrie verkauft hat, hatte selbst nicht die geringste Ahnung von Statistik.
    Er war Lehrer und einem der Vorstände auf einem Elternabend aufgefallen. Seine Qualifikation bestand ausschließlich in seiner äußeren Erscheinung, in seiner Fähigkeit teure Anzüge zu tragen und seiner Gabe in Italienischen Designerschuhen scheinbar sicher aufzutreten. Er hatte in seiner Tätigkeit als Lehrer gelernt, kleinen Kindern schöne Geschichten zu erzählen, die sie alle gerne geglaubt haben. Dieses Talent gab den Ausschlag und er durfte am Montag nach dem Elternabend in der neuen Firma im Chefsessel der Automobilmarktforschung Platz nehmen. Der Mann war sein Geld wert.
    Soviel zu diesem Thema aus meinem praktischen Leben.
    Sonst fallen mir nur ein paar Kalauer ein:
    Statistiken sind wie Bikinis, sie zeigen sehr viel verhüllen aber das Wesentliche.
    oder die alte Lebensweisheit:
    Glaube nur den Statistiken, die du selber gefälscht hast.
    Ob jemand dick ist, sieht man sofort, ob jemand doof ist, erkennt man nach den ersten drei Worten und ob jemand glücklich ist, sieht man ihm schon von weitem an.
    Wenn sich diese einfache Erkenntnis aber durchgesetzt hätte, wovon hätte ich mein Studium finanzieren sollen? Auch die Journalisten werden sich mich recht fragen, wofür sie denn studiert haben, wenn sie keine Studien mehr veröffentlichen dürfen.
    Fliegenbeine sind dazu da gezählt zu werden. Wenn die Stichprobe garantiert zufällig ausgewählt wurde und mindestens zwanzigtausend Fliegen groß ist, erst dann darf man wissenschaftliche gesichert davon sprechen, dass eine Fliege im Durschnitt sechs Beine hat. Mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis kann man leicht drei bis fünf Seiten eines Hochglanzmagazins im Friseurladen füllen.

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  2. Ich frag mich: wo gehen die Institute hin um ihre Fragen zu stellen? Wo finden sie die Menschen, die als Durchschnittsbevölkerung als Maßstab für die Statistik bewertet werden? Wann hört diese bescheuerte Pauschalisierung auf? Ich bin blond, manchmal herrlich doof und genauso unübertroffen clever. Aber kommt mir ein Autofahrer blöd, ist es leider meistens ein AG-Auto und weiß Socken sterben niemals aus, nicht mal bei Menschen mit Doktortitel. Jeder, so gut wie er kann….

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  3. 1. Dick? Hast du nicht gesagt, du trägst Größe 40? Was bin ich dann? Vordick? Halbfett?
    2. Studien sind teilweise wie selbst erfüllende Prophezeiungen. („Wenn’s da steht, muss es ja stimmen“)
    3. Behalten Studien ihre Gültigkeit, bis sie widerlegt werden. Irgendein Institut wird sich schon finden. In Deutschland halte ich Studien und Umfragen nur für halbwegs glaubhaft, wenn sie von der GFK, Fesenius oder… wie hießen die anderen noch? Forca! sind.

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  4. Was sagen die Statistiker denn über die Berner, die fast an der Grenze zu Solothurn wohnen? Dick, dumm, faul unglücklich und… langsam???
    😀
    Hahaha, solche Studien taugen höchstens als Klopapier.
    Und mal so unter uns… Hauptsache nicht aus dem Aargau, oder? Die Weisse-Socken-Träger und Schlecht-Auto-Fahrer. (Jedem sein Vorurteil bitte *lach lach*)

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