Happy birthday, Lieblingstochter

Heute vor genau zwanzig Jahren wurdest Du geboren. Morgens, kurz vor acht kamst Du mit stolzen 3800 Gramm zur Welt – und warst damit immer noch fast ein Kilo leichter, als Dein grosser Bruder. Obwohl Du über ein stattliches Gewicht verfügt hast, hatte ich das Gefühl, nun auch Baby bekommen zu haben (bei Deinem Bruder waren wir uns nicht sicher, ob er womöglich selber aus dem Spital marschieren würde, weil er so schwer und riesig war!). Du hattest kurze, pechschwarze Haare und eine süsse, kleine Nase.

Du hast so gut gerochen – wie ein Neugeborenes eben. Und ich musste an Dir schnuppern und Dich anstaunen. Die Angst, Du könntest uns das Leben mit Dauerschreien zur Hölle machen, war gross. Denn Dein grosser Bruder hatte da eine knapp 2-jährige Vorlaufzeit hingelegt, die es mit der Lautstärke in einer Grossraumdisco locker aufnehmen konnte. Aber: Weit gefehlt! Du hast Dich als Traumbaby herausgestellt. Ein Kind, wie im Lehrbuch! Wir konnten es kaum glauben. Du hast geschlafen wie ein Engel und wir mussten Dich sogar zum Trinken aufwecken, weil Du sonst sogar die Mahlzeiten verschlafen hättest. Wenn Du wach warst, hast Du alle angestrahlt. Dein grosser Bruder fand Dich zum Knutschen – aber nur solange, bis Du das Gehen und seine Spielsachen entdeckt hast. Da war Ende mit der Geschwisterliebe. Die Revierkämpfe gingen los; und damit das alltägliche „Hau drauf“! Und mit Deinem Dackelblick und Deinen Qualitäten einer Dramaqueen hast Du es immer geschafft, die Schuld Deinem grossen Bruder in die Schuhe zu schieben. Selbst dann, wenn er sich nicht einmal im selben Raum befand.

Deine Art brachte Dir im Verlauf der letzten 20 Jahre verschiedene Spitznamen ein. Dein Urgrossvater nannte Dich – aufgrund Deiner quirligen und lebendigen Art – kleine Rakete. Papa taufte Dich „Pieps“, so wie die Schneegans in der Geschichte von „Lars, der kleine Eisbär“. Diese Geschichte wolltest Du immer erzählt bekommen und weil Pieps eine kleine, vorwitzige und ewig schnatternde Figur ist, hat Papa Dich nur noch Pieps gerufen. Dein Nonno hat Dich Hollywood getauft. Und das hat sehr wohl einen guten Grund. Niemand konnte so schnell wie Du auf „Drama“ stellen und dabei glaubhaft die ganze Familie an der Nase herumführen. Am liebsten hast Du für Deine Vorstellungen Deinen Nonno veräppelt. Ein ausgefuxtes, kleines Weib eben!

Im Kindergarten hast Du Dich daheim in Wandmalerei, Vorhangschnippeln und Teppichfrisieren geübt – zum Ärger von uns, zum Amusement der Kindergärtnerin. Diese war sich nämlich sicher, dass Du ein überdurchschnittlich kreatives Kind seist. Übrigens war das die Kindergärtnerin, welche Dich im Eingang des Kindergartens einschliessen musste, weil Du Dich anfänglich strikte geweigert hast, dort zu bleiben. Warum? Weil Du in den gleichen Kindergarten gehen wolltest, wie Dein grosser Bruder. Du hast es sogar geschafft, Dich in der Garderobe des Kindergartens zwischen das Schuhbrettchen und die Sitzbank zu quetschen, damit sie Dich nicht mehr finden konnten. Nach ein paar Wochen waren dann die Kindergärtnerin und Du ein Herz und eine Seele und ich musste nicht mehr leiden, wenn ich Dich dort abgeben musste. Du hast damals auch fest daran geglaubt, dass Dein Papa magische Kräfte hat. Egal, was Du kaputt gemacht hast – egal in wieviele Stücke etwas zersprang: Du hast es zu Papa gebracht und gesagt: „Papi, flicken!“ Der dazugehörende Augenaufschlag war unbezahlbar!

Seither sind nun also 20 Jahre vergangen. Kaum zu glauben. Du bist erwachsen geworden, auch wenn ich weiss, dass Du das eigentlich gar nicht willst. Du möchtest Dir das Kind in Dir bewahren und das finde ich gut so. Verbitterte Erwachsene gibt es genug. Pippi Langstrumpf wollte auch nicht erwachsen werden. Sie hat sich dafür die Tablette „Spunk“ erfunden, welche verhindern sollte, dass man erwachsen wird. Weil ich weiss, wie gerne Du im Herzen Kind bleiben möchtest, wünsche ich Dir Deinen ganz persönlichen Spunk. Und ich hoffe, dass Du Dir die kindliche Unbeschwertheit bewahren kannst, denn das ist möglich, wenn man sich bemüht.

Ich wünsche Dir, dass all Deine Träume in Erfüllung gehen und drücke Dich ganz fest – das Leben hält noch viele Abenteuer für Dich bereit!

Für immer, Mami 🙂

31 Gedanken zu „Happy birthday, Lieblingstochter

  1. Das erinnert mich an mein Töchterlein. Wir nannten sie früher unser Hexilein und das nicht ohne Grund. Sie ist erst achtzehn Jahre alt und hat heute keinen Geburtstag. Stattdessen hatte ich gerade mit ihr einen riesen Krach. Es ging um die Weltreise, die sie nach dem Abi im August machen will und die unterschiedlichen Vorstellungen darüber was seriöse Adressen sind und darüber, dass Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist. Sie wollte von meinen „Ratschlägen“ natürlich nichts wissen, wie könnte es auch anders sein. Sie warf mir dreist vor dreist zu sein, worauf ich entgegnete, dass mich ihre Dreistigkeit auch anko…. Daraufhin war das Gespräch, wenn man das so nennen kann, erst einmal zu Ende. Die Sache mit dem Flugticket wird sich ein wenig verzögern.

    Gefällt 1 Person

  2. Oh je, habeTränchen verdrückt. Das ist so liebevoll und schön geschrieben, man fühlt fast die große Zuneigung oder besser die Liebe zu Deiner Tochter.
    Ich wünsche Euch einen schönen Geburtstag und ich finde, an den Geburtstagen der Kinder sollte man sich selbst auch ein wenig feiern..man ist ja schließlich für ihr Dasein verantwortlich!

    Also meine Kinder werden langsam unverschämt..sie erdreisten sich wirklich in diesem Jahr schon 28(die Tochter) und 27(der Sohn) Jahre alt zu werden. Was denken die sich eigentlich dabei?
    Heul…da fühlt man sich echt manchmal alt!

    Gefällt 1 Person

      • So meine Liebe Modepraline: Jetzt kommt was Schönes 😉 Ich möchte dich herzlich gern für den „Liebster Award“ nominieren, weil ich deinen Blog wirklich toll finde. Ich würde mich sehr freuen, wenn du meine Nominierung annehmen würdest 🙂

        Gefällt 1 Person

      • Du bist ein Schatz, ich fühle mich geehrt. Ich habe aber derart viele offene Nominierungen, dass es unfair wäre, wenn ich sagen würde, dass ich mitmache. Ich will bitte nicht undankbar erscheinen, aber das Ganze nimmt manchmal ein bisschen überhand und dann könnte man eine Woche nur Nominierungen beantworten. Ich fühle mich deswegen aber nicht weniger gebauchpinselt und wenn Du wirklich etwas Wichtiges von mir wissen möchtest, dann frag mich doch einfach hier – ich antworte immer! Nicht böse sein, gell! 🙂 🙂 🙂

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s