Vorstellungsgespräch

Schweissausbruch – Herzrasen – nasse Hände – Magenschmerzen – Stottern – Blackout – alles sichere Anzeichen für eine nervöse Kandidatin oder einen nervösen Kandidaten, der unmittelbar vor dem Vorstellungsgespräch steht. Hinter der Türe wartet der Boss mit dem vermeintlichen Traumjob, vor der Tür macht sich der nervöse Bewerber beinahe in die Hose.

Ich weiss, dass es unglaublich vielen Menschen so zu gehen scheint. Als Mentorin von Arbeitssuchenden musste ich mich erst in diese Situation einzuleben versuchen, denn selber kenne ich dieses Nervosität nicht. Aus Erzählungen weiss ich aber, dass diese Ausmasse annehmen kann, die einer Phobie nahe kommen. Das ist unangenehm und muss nicht sein.

Vorbereitung: Wer eingeladen wird, sollte sich gut in die Materie der potentiellen Arbeitgeberfirma einlesen. Es ist immer gut, wenn man mit diesem Wissen punkten kann. Das macht Eindruck und zeugt von Interesse. Die Kleidung sollte der Position entsprechend gewählt werden – und man sollte sich wohl fühlen. Alles andere fällt negativ auf. Wer nie eine Krawatte trägt, sollte das auch beim Vorstellungsgespräch vermeiden. Minirock und hohe Schuhe sind nie angebracht, es sei denn, es handelt sich um einen Job in einem Nachtclub. Saubere, gepflegte Kleidung die zum Typ passt und vor allem geputzte Schuhe sind das A und O. Wer sich nicht für einen Chefposten vorstellt, sollte den Anzug oder das Edelkostüm besser im Schrank lassen. Das schreckt nur ab!

Mitnehmen: Eine Mappe oder ein Notizbuch, in welchem man sich Stichworte und Fragen notiert. Dies dient erstens als Gedankenstütze und zudem als Halt, wenn man nicht weiss, wohin mit den Händen. Darin kann man sich auch einen „roten Faden“ aufschreiben, damit man in der Hitze des Gefechts nicht die Hälfte vergisst. Keine Geschenke mitnehmen – das sieht nach Erpressung aus.

Auftritt: Ein Gruss mit festem Händedruck und Augenkontakt ist Pflicht. Und wer vor lauter Aufregung nicht klar denken kann, sollte dies gleich zu Beginn thematisieren. „Ich muss gestehen, dass ich gerade ziemlich nervös bin. Das könnte erklären, wenn ich wirre Sätze von mir gebe.“ Solche Einstiege brechen das Eis, machen sympathisch und menschlich und sind keineswegs eine Schwäche. Im Gegenteil! Man macht sein Defizit damit zur Stärke, indem man dazu steht. Möglichst natürlich sein ist die Devise. Fremdwörter, die man sonst nie braucht, sollte man auch in einem Vorstellungsgespräch nicht gebrauchen. Man klingt damit nämlich nicht intelligent, sondern wagt sich auf Glatteis – und das könnte mit einem Beinbruch enden. Fluch- und Trendwörter sollten vermieden werden. Dazu gehören Alltagswörter wie Scheisse, Quatsch, mega, geil oder ey. Diese Wörter passen in den täglichen Sprachgebrauch, nicht aber in ein Vorstellungsgespräch.

Bevor alle Stricke reissen, gibt es noch einen winzigen Trick: Man stelle sich sein Gegenüber auf dem Klo vor. Nur für einen Bruchteil einer Sekunde. Dann wirkt der Boss gleich nicht mehr so „gefährlich“ und das Nervensystem entspannt sich wieder.

Übrigens: Kleine Schwindeleien, um sich besser zu machen, sind gefährlich. Die Aussage: „Darin bin ich noch nicht wirklich geübt, möchte es aber wirklich gerne lernen.“, kommen weit besser an und verhindern Stolperfallen, weil man womöglich mit Wissen glänzt, welches man gar nicht hat. Toi toi toi! 🙂 Ein Besuch beim Zahnarzt ist weit schlimmer!

20 Gedanken zu „Vorstellungsgespräch

  1. Aaaalsooo…ich war auch so eine Bewerberin. 😉
    Die Bachblüten Rescue Tropfen haben trotz Überdosierung leider nicht bei mir gewirkt. Was macht man, wenn man zusätzlich noch Stressflecken am Hals & Dekolleté bekommt? Und das Gegenüber ständig auf die Flecken schaut… Zum Glück war es November und ich konnte sie einigermaßen unter einem Halstuch verstecken. Aber, ich hatte Glück! Ich bin an einen Blender als Chef geraten. Schon bald hat sich herausgestellt, dass alle nur Menschen sind, vor denen man keine Angst haben muss…er konnte sich anfangs nur gut verkaufen! Anfangs – wohlgemerkt!!! 😉
    Seitdem gehe ich lockerer an solche Angelegenheiten dran! 🙂

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  2. Tja, alle haben nun einmal Verdauung und müssen aufs Klo. Der Lehrer, die Society Lady, der Superstar und Teenieschwarm, die Kanzlerin, der Chef…da ist keiner vor gefeit. Sind alles nur Menschen.
    So abgehoben die Position auch sein mag, aber das bringt alle gemeinsam auf den Boden der Tatsachen zurück. Da geht es den Menschen wie den Leuten. (-:

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  3. Hallo,
    schöner Artikel mit hilfreichen Tipps 🙂
    Ich persönlich finde es sehr wichtig immer authentisch zu bleiben und auch Standardfloskeln zu vermeiden. Ganz beliebt als Antwort auf die Frage nach der Schwäche ist immer: „Ich bin Perfektionist“. Das kann kein Personaler mehr hören.
    Ich war kürzlich in einem Assessment Center und so kurz nach der Ausbildung die einzige ohne mehrjährige Berufserfahrung. Überraschenderweise habe ich trotzdem den Job bekommen.
    Beim Vorstellungsgespräch steht wohl doch manchmal nicht im Mittelpunkt, den perfekten Mitarbeiter zu finden, sondern jemanden, der arbeitswillig ist und gut ins Team passt…
    Liebe Grüße
    Kietzemaze

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  4. Genau, nie lügen. Denn, ich war einmal als Projektleiterin bei einem Vorstellungsgespräch für einen Test Manager dabei. Der Chef der Testmanager fragte den Kandidaten ob er xy kenne, etwas spezifisches nicht so häufiges bei der Testfall Erstellung. Der Kandidat sagte, ja er kenne das, worauf er prompt gefragt wurde er solle es erklären. Bingo, er wusste es nicht! Und wir stellten ihn nicht an.
    Ich selber sage in so Situationen, Wort bekannt, aber ich kann es nicht zuordnen, ob sie noch mehr dazu sagen könnten? Das führte noch nie zu Problemen, da ehrlich.

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  5. Nein, ich habe da einen kleinen Einwand:
    Ein Vorstellungsgespräch auf Dänisch, welches man derzeit nur auf Alltagsniveau sprechen kann, ist gefühlt viel schlimmer als ein Zahnarztbesuch.
    Obwohl….wir beide sind in schallendes Gelächter ausgebrochen, als dann der Hinweis auf die „Geschäftssprache“ Englisch kam. Ich soll also auf Englisch über Deutsch arbeiten und mit den Kollegen auf Dänisch Planungen dafür machen.
    Mein Tipp: ein entwaffnendes Lächeln öffnet Tore!
    Danke trotzdem für die vielen Ratschläge.

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