Briefe an mich….

…und zwar von oben bis unten!

Meine nächste Challenge steht an. Logisch, ich muss mal wieder was Neues ausprobieren. Irgendwie kam mir letzthin in einer schlaflosen Nacht (Wechseljahre lassen grüssen) die Idee, an alles, was zu mir gehört, einen Brief zu schreiben. Angefangen von der Haarwurzel bis zu den Zehennägeln.

Schräge Idee? Vermutlich schon, aber dann passt es ja prima zu mir. Heute starte ich mit:

Liebe Haare

Nun sitzt ihr seit 46 Jahren auf meinem Kopf – und das, obwohl ich schon 48 Jahre alt bin. Das kommt daher, dass ich die ersten zwei Lebensjahre als Glatzkopf durch die Welt marschierte. Zur Belustigung meiner Umgebung, die das obersüss fand. Dann seid ihr endlich gesprossen, und zwar in weissblond und gelockt. Damit habt ihr mich aussehen lassen, wie ein kleiner, übergewichtiger Engel (ich war kugelrund). Alle fanden das zum Fressen. Mir war das damals noch egal.

Im Schulalter seid ihr dunkler geworden, und leider noch gelockter. Ich wurde durch euch zum absoluten Lockenkopf (Afrolook) und bekam deswegen immer wieder auf den Deckel. Ich wurde ausgelacht, was das Zeug hält 😦 ! Ich hätte alles gegeben, wenn ich dafür lange und glatte Haare bekommen hätte. Im Nähzimmer meiner Mama habe ich euch immer unter den Stoffresten versteckt und habe mir vorgestellt, ich hätte walle-walle-langes Haar, welches im Wind weht. Snüff. Ihr habt euch gekraust was das Zeug hält. Damit habt ihr mir zu einem Aussehen eines Jungen verholfen, was mir das Leben auch  nicht gerade leicht machte. Wachsen lassen, war hoffnungslos, denn dann sah ich aus wie ein mini Jimmy Hendrix.

In der Pubertät habe ich euch blondiert, auf der Seite abgeschnitten (heutiger Sidecut), rot gefärbt – es hat alles nichts genützt. Ihr bliebt kurz und kraus.

Als junge Frau habe ich euch derart gehasst, dass ich euch für viel Geld beim Friseur strecken liess – mit einem der heftigsten chemischen Streckverfahren überhaupt. Tags darauf habe ich euch unter der Dusche gewaschen und … ihr habt euch schlagartig wieder in Locken verwandelt. Nicht einmal das wollte gelingen. Also musste ich mich mit diesem Unfall auf meinem Kopf wohl oder übel zufrieden geben. Und gerade, als ich soweit war mit euch Frieden zu schliessen, habt ihr beschlossen, einfach so auszufallen (Hormonumstellung nach der Geburt). Jeden Morgen wischte ich euch vom Badezimmerboden auf und das war das erste Mal, dass ich hoffte, ihr würdet mir treu bleiben. Die Panik, mit Glatze rumrennen zu  müssen, bescherte mir damals sogar haarige Albträume.

Irgendwann besserte sich euer Loslassen wieder und ich schnitt euch ganz kurz und frech ab – schwarze Farbe drauf und: Mein Look war auf einmal cool. Jahrelang bin ich nun so mit euch durchs Leben gegangen, bis ihr beschlossen habt, grau zu werden. Damit habt ihr mich erneut gestresst: Alle 10 Tage musste ich die letzten Jahre mit euch zum Friseur rennen, damit ich nicht wie ein Stinktier aussah. Das war mir irgendwann zuviel. Also habe ich beschlossen, euch zu entfärben und nun in naturgrau zu belassen.

Ich glaube, dass wir uns inzwische angefreundet haben. Ich fand euch immer hässlich, jetzt finde ich euch in Ordnung! So wie ihr jetzt seid, passt ihr gut zu mir und meinem Alter. Und lang und blond müsst ihr jetzt auch nicht mehr werden!

45 Gedanken zu „Briefe an mich….

  1. Ich finde die Idee auch genial! Das hat so ein bisschen was von „Selbstbewusstseinaufbauen leicht gemacht“, finde ich 😀 Alles, was ich bisher hier gesehen habe, gefällt mir richtig gut, ich werde deinen Blog einfach mal abonnieren und fleißig mitlesen 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Mein Dauergrinsen lässt im Moment so gar nicht nach, weil ich 1. diese Idee total genial finde und 2. es sowas von an mich erinnert und sogar an durchweinte Nächte, wegen der Lockenpracht.

    Es ist schon verrückt, weil einem andere drum beneiden und man selbst nicht damit zufrieden sein kann.
    Toll geschrieben und ich freue mich, dass es die Versöhnung doch noch gab 😉

    Schönes Wochenende noch und liebe Grüsse,

    Uschi

    Gefällt 1 Person

  3. Ach ich finde es so schön, daß viele Frauen jetzt zu ihren grauen Haaren stehen.
    Klar, mit 40 wollte ich auch noch nicht ergrauen. Habe noch 10 Jahre ! gefärbt.
    War das nervig, alle 3 Wochen erschien der Silberstreif..nicht am Horizont..sondern auf dem Kopf.
    Also entweder Stinkechemie draufgeschmiert, oder Naturfärbemittel benutzt, welches entweder stundenlang einwirken musste und auch nach zwei Wochen rausgewaschen war.
    Ich habe mir dann zum 50. Geburtstag erstens meine grauen Haare geschenkt und zweitens den monatlichen Hahn zugedreht (jippieehh)

    Ich trage schon lange eine Kurzhaarfrisur, da war es etwas einfacher als mit langen Haaren.
    Bin halt etwas öfter zum schneiden gegangen und nach drei bis vier Mal war es vollbracht.

    Die Reaktionen waren unterschiedlich. Zu 99% positiv und die anderen sind mir egal.
    Die mit dem : „Ach du bist aber jetzt grau geworden“ sind meistens die straßenköterblond gefärbten Gleichaltrigen.
    Mich haben aber auch schon wildfremde Frauen und vereinzelt Männer, auf der Straße angesprochen und gefragt zu welchem Friseur ich gehe und wie der das mit der Farbe hinbekommen hat. Die meinen manchmal das Grau sei gefärbt.
    Wenn ich dann sage : „Nix gefärbt, ist natürlich grau“ , kommt meistens ein “ Wow toll,wenn ich wüsste, daß das bei mir auch so gut wird,würde ich es probieren“

    Na also, gar nicht schlimm…im Gegenteil…traut euch ruhig!
    Und wenn es gar nicht geht, kann man ja wieder färben.

    Gefällt 1 Person

  4. „Alles, was zu mir gehört…“ (Wechseljahre lassen grüßen 🙂 ). Dieser Satz hat mich sofort angesprochen, ich brauchte gar nicht weiterlesen. Gedanken, an alles und jeden, was und der zu einem gehört. Resumieren, Frieden schliessen, Ängste… so what…

    … ich habe natürlich trotzdem weiter gelesen. Und Thema Haare, die ich heute wunderschön finde, früher aber bei jedem feuchten Tag verflucht habe, weil sie sich sofort anfingen zu kräuseln… Alle Versuche halfen nichts. Locken bleiben Locken und alle anderen haben mich darum beneidet… ich verstand nie, warum 🙂

    Schönes Frühlingswochenende!
    Tine

    Gefällt 1 Person

  5. Super Challenge! 😀
    Ich selbst habe/hatte auch Naturlocken und wollte sie mit allen Mitteln der Welt glätten…jetzt habe ich hier 2 Mäuse mit glattem Haar und 2 mit Korkenzieherlocken 🙂 Die Älteste hat sich letztes Jahr nach langem Überreden mit mir, einen Undercut oder Miley Cyrus Look verpassen lassen…jetzt sind die Locken weg…Unsere Jüngste sieht so süß aus mit ihren Löckchen und wird ständig angesprochen 🙂 Meine Zeitälteste Tochter hat ganz langes glattes Haar…sie jammert immer, dass sie keine Locken hat…;))

    Gefällt 1 Person

  6. Schön, dass Ihr Euch doch noch anfreunden konntet… 😉 Ich sag Dir, lang und glatt war auch nicht immer so der Hit. In der Jugend geht man wohl immer kritisch mit sich selbst und seiner Haarpracht um. Was hätte ich für eine Locke gegeben??? Aber bei mir wars genau anders rum. Stundenlang beim Friseur gesessen, endlich mal ein paar leichte Wellen im Haar, Locken hat selbst der Friseur nicht rein bekommen, hängen die doch schon nach ein paar Stunden wieder glatt und platt runter. grrrrr
    Heute bin ich auch ohne Locken zufrieden! 😀
    LG Susanne (die ein paar Bilder von Dir sehen will – von jeder Station der Haargeschichte eins, bitte!!!) 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s