Zehn kleine Negerlein…

Ich erinnere mich noch gut an diese lustige Kindergeschichte – um nicht zu sagen: Ich habe sie geliebt! Immer und immer wieder musste meine Mutter mir diese Geschichte erzählen. Und ich habe das Buch auch meinen Kindern erzählt.

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Das Schöne daran: Wir hatten keine Hintergedanken. Das Wort Negerlein war süss und einfach nur als Beschreibung für die dunkelhäutigen Menschen gebraucht. Rassistische Hintergründe? Keine! Warum auch? Menschen sind Menschen!

Und die Kasperlikassetten, die ich so liebte und auch meinen Kindern vorspielte, handelten manchmal auch vom kleinen Negermädchen mit dem Lockenkopf. Kasperli war ohne Zweifel Meilen entfernt von einem Rassisten. Schade, dass das heute anders ist. Stellt euch mal vor, die Kindergärtnerin erzählt den Kindern die Geschichte von den zehn kleinen Negerlein. Tags darauf hätte sie von entrüsteten Eltern eine Klage am Hals, wäre bald ihren Job los und könnte schlimmstenfalls zehn kleine Besucherlein im Knast empfangen. Wegen rassistischen Geschichten und dem Vermitteln falschen Gedankenguts – oder so ähnlich.

In unserem Dorf gab es über Jahrzehnte zur Fasnachtszeit einen Negerball. Das war ein bekannter Maskenball, der jedes Jahr unzählige Leute anlockte. Auf einmal musste dieser umbenannt werden. Wegen der political correctness. Nun heisst er Mooreball (eine Moore ist bei uns im Mundart eine Muttersau) – das arme Tier könnte es auch persönlich nehmen … grunz grunz!

Ich bin absolut nicht rassistisch – egal welcher Nationalität oder Hautfarbe jemand angehört. Allerdings finde ich es übertrieben, dass man manche Wörter heute nicht mehr in den Mund nehmen darf, ohne Gefahr zu laufen, gleich verurteilt zu werden. Wörter wie Scheisse oder Arschloch sind in Ordnung – die zehn kleinen Negerlein gehen aber gar nicht mehr. Und der Kasperli darf auch nicht mehr vom Negermädchen mit dem Lockenkopf erzählen; vermutlich muss er auf das Mädchen mit der maximalpigmentierten Haut und dem welligen Haar umschwenken. Versteht zwar kein Kind und ist auch nicht mehr halb so lustig, aber es entspricht dem neuen Sprachkodex. Man kann die Welt auch unnötig verkomplizieren!

38 Gedanken zu „Zehn kleine Negerlein…

  1. möchte dir zu deinem beitrag folgendes feedbacken..
    Du schreibst, dies sei ja nur eine „lustige Kindergeschichte“ du verstündest die ganze Aufruhr nicht und begründest die mit platter „political correctness“ frei nach , „man wird ja wohl noch was sagen dürfen“. nee, darf „man“ nicht. dabei geht es nicht um eine inhaltsleere erfüllung politischer korrektheit sondern um eine reale einbettung dieses wortes und den stil dieser geschichte(n) – auch wenn du ja schon mit der abgemilderten variante, die ohne 10 tote auskommt und nur einer person ein baströckchen illustriert, aufwartest – in einen kolonialhistorischen kontext und ,mit verzicht auf das belobhudeln so „süßer“ geschichten um anerkennung und respekt.
    n.. ist zum einen keine selbstbezeichnung sondern eine , die im kontext von sklaverei , menschenhandel und rassifizierung während der kolonialzeit von weißen menschen gewählt wurde um schwarze menschen zu bezeichnen, zu kennzeichnen .der verzicht auf dieses wort und konsorten ist zeichen von respekt vor schwarzen menschen und auch anerkennung des erfahrenen leids durch von weißen verübten genozid, sklaverei , entmenschlichung.es geht dabei nicht um deine sichtweise und deine einschätzung ob bestimmte begriffe verletzen oder „angemessen sind“. und ja, auch wenn du eine person kennst, die gesagt hat dass.. gibt es eine riesen zahl derer, für die es überhaupt nicht ok ist.

    und wer sind eigentlich „die schwarzen“?.. individuelle personen , mit tatsächlich unterschiedlichen frisuren, kleidungen , gesichtszügen ,charaktern , vorlieben u.s.w. .die weißen wirfts du ja auch nicht alle in einen dartstellungspott.
    man kann die welt nämlich auch unnötig simplifizieren.weniger lustig, das mädchen aus deinem kaspertheater bspw anna zu nennen und ihr eine individuelle, nicht stereotypisierende geschichte zu geben wäre das allerhöchstens für die weißen kinder, die sich nicht mehr über das komische aussehen und merkwürdige verhalten des mädchens belustigen können ..
    gleichermaßen geht es dabei nämlich auch um eine aktive auseinandersetzung mit nach wie vor bestehenden weißen privilegien und machtverhältnissen.

    zum nachlesen der herkunft dieser „harmlosen bezeichnung“ dieser artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Neger und grundsätzlich, eine buchempfehlung „deutschland schwarz weiss“ von noah sow.

    ich hoff, es ist verständlich worum es mir geht und du nimmst diese kritik ernst, gerade wenn du dich als „nicht rassistischen“ menschen begreifst .
    thx,f*

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    • Danke für die Ausführliche Kritik – ich nehme grundsätzlich jedes Feedback ernst, muss aber deswegen nicht zwingend der gleichen Meinung sein. Das ist zum Glück das Schöne an der Kunst des Schreibens, Sprechens oder Lesens. Man muss nich einer Meinung sein. Das kann einen Dialog ergeben, der anschliessend zu einem Resultat führt, kann aber auch sein,dass man trotzdem unterscheidliche Meinungen hat. Bei uns ist das der Fall. Dein Feedback klingt absolut verständlich – ich sehe es nur halt anders. Ich finde, dass heute alles zu einem unnötigen Theater aufgebauscht wird, welches das Leben nur unnötig verkompliziert. Und ich lebe – aussherhalb jeden Rassismus’s – lieber frei Schnauze, alles ständig mit einem Vorhängeschloss in den Lippen. Macht ja nix, jeder, wie er möchte! 🙂

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  2. Oh je oh je….also ich komme da manchmal nicht mehr mit. Man darf „N..er“ nicht mehr sagen, das habe ich mir ja auch abgewöhnt, war aber als Kind noch ganz normal.
    Man darf aber auch nicht Schwarzer sagen, auch nicht dunkelhäutig..ist alles nicht korrekt!
    Ja aber was denn dann bitte? Ich stelle mir manchmal vor, wie ich eine Personenbeschreibung abgeben könnte, ohne diese Bezeichnungen.
    Was bitte sollte ich denn angeben, wenn ich gefragt würde? :“Äh, ja da war ein Mann/Frau mit dunkler Pigmentierung?“
    Aber das ist wahrscheinlich auch nicht ok.
    Oder :“Er sah afroamerikanisch aus, vielleicht kam er aber auch aus Indien,Pakistan oder sonstwo her, die sind auch nicht hellhäutig“

    Meine Güte echt wahr, das nervt! Mensch ist Mensch! Und da werd ich doch wohl irgendwie die Hautfarbe beschreiben dürfen, ohne daß mich der Staat einsperrt deswegen.

    Mein Bruder lebt seit über 20 Jahren in NY und ist mit einer wunderschönen dunkelhäutigen (sag ich jetzt mal so!) Frau mit jamaikanischen Wurzeln verheiratet und die Söhne..also meine Neffen, sind selbstverständlich auch etwas dunkler geraten.
    Sie hatten als ‚gemischte Ehe‘ anfangs auch ihre Probleme, die Amerikaner finden das nämlich auch nicht so toll..ha..von wegen tolerant!
    Sie hatten und haben es nur gut, weil Beide einen tollen Job haben und meine Schwägerin sich sehr sozial engagiert in NY.
    In unserer Familie hatte niemand je ein Problem damit..und ich finde es echt schade, daß man händeringend nach einem passenden Ausdruck suchen muß, nur weil jemand etwas dunkler, oder ganz dunkel ist.

    Jetzt ist mir noch etwas eingefallen aus grauer Vorzeit..Ich saß mit meiner ca.2jährigen Tochter im Bus und ein ..sorry?..dunkelhäutiger Mann hielt sich an der Haltestange vor unserem Sitz fest..meine Tochter strich ihm mit einem Finger über die Hand und sagte leise: „Lade?“
    Mir war die Schokoladenfrage etwas peinlich, aber der Mann hat sie nur breit angegrinst!
    Wir sollten mehr wie die Kinder sein

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  3. „Political correctness“ dient doch in vielen Fällen nur dazu, bestimmte Dinge nicht mehr direkt ansprechen zu müssen (nicht nur die Hautfarbe betreffend).
    Bestimmte Tatsachen werden jedoch durch solche erzwungen-gestelzten Umständlichkeiten sogar noch mehr in den Fokus gerückt und stoßen den Anwendern, Rezipienten und „Betroffenen/Gemeinten“ erst recht sauer auf.
    Die zehn kleinen Negerlein stört es sicher am wenigsten, so genannt zu werden,

    Man muss Kulturen und Völker und Andersartigkeiten achten. Doch so ein dahergestolpertes „alles über den Haufen Werfen“ macht uns einfach nur lächerlich.
    Manchmal hilft es, vorher nachzudenken, bevor man auf Teufel komm‘ raus alles in gutmenschlicher Manier umstößt…

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  4. Stimmt genau. Ich hatte das gleiche Buch. Übrigens frag doch heute mal aus Jux im Supermarkt , wo sie denn die Negerküsse haben? Aber mach mich nicht verantwortlich , wenn Du rausfliegst;-)
    Es ist einfach unglaublich was sich im mißverstandenen Zuge der Political Correctness so einige Gutmenschen einfallen Lassen, Denk mal an den armen Sarrotti Mohr, den mochte ich immer so gern, der darf bestimmt noch nicht mal mehr im Museum wohnen. Liebe Grüße Pünktchen

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  5. Vielen Dank, du sprichst mir aus der Seele. _Natürlich_ halte ich es für sinnvoll, dass mensch sich darüber Gedanken macht, bevor er/sie etwas sinnlos dahinblabbert. Aber ganze Kinderbücher umschreiben? Wärs da nicht schlauer, wenn sich die Eltern beim Vorlesen mal zwei Minuten extra Zeit nehmen würden und mit ihrem Kind über Hautfarben etc. zu reden?
    Ich hatte neulich das Problem, dass ich in einem Text das Wort „Behindertenklo“ gebraucht hätte. Nach langem Überlegen habe ich den Text komplett umgeschrieben. Erstens wusste ich nicht die aktuell p.c. Bezeichnung für … Menschen, die nicht 08/15 sind. Zweitens habe ich mir überlegt, ob die sich nicht erst recht verar***t vorkommen, wenn ich irgend eine „Fantasiebezeichnung“ aus dem Hut zaubere, in der Hoffnung, dass sich Nichtdurchschnittsmenschen dadurch … ja, was eigentlich? Ernster genommen fühlen?

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  6. Der Versuch, eine richtige, wenn auch oft lächerliche „korrekte“ Bezeichnung zu finden, hat mit unserer Geschichte zu tun, nicht mit einzelnen Menschen. Die Europäer konnten es sich nun mal über Jahrhunderte nicht verkneifen, sich als Herrscher der Welt zu fühlen (und leider auch aufzuführen). Um hier eine Wiedergutmachung hinzubekommen, gibt es erstaunlich viele Missgriffe. Natürlich sind die lächerlich. Aber eben. Südseekönig finde ich gar nicht mal so schlecht. Obwohl Negerkönig eben brassiger daherkam und die Aussenseiterstellung von Pippi in dem wohlbeordneten schwedischen Städtchen besser darstellt. Mein Freund Emanuel hatte eine deutsche Mutter und einen afrikanischen Vater. Ich dürfe ihn Neger nennen, hat er mir mal lachend gesagt. Aber ich wusste, welchen Anfeindungen er täglich (!) in der deutschen Hauptstadt ausgesetzt war (vom Umland gar nicht erst zu reden). Ich wollte es einfach nicht.

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  7. Ich konnte auch alle Strophen auswendig und lauthals singen und das ohne Hintergedanken – Kinder sind unschuldig. Und die Krönung der Glückseligkeit war eine Negerpuppe! Da musste sogar mein geliebter Zottel eine Weile in die 2. Reihe zurück. Sprache ist sicher Ausdruck des Bewusstseins, aber leider nicht immer. So bleibt es dann doch oftmals bei Worthülsen, die dann aber politisch korrekt. Auch was. Das setzt sich fort mit den wichtigen Ansprachen an die Bürger und Bürgerinnen(!) – phhhhh … Die Welt ist nicht wirklich besser geworden…
    Max und Moritz gehört wegen Kinder-und Tierquälerei dringend aus den Regalen, und die ganzen Märchen erst recht!!
    Die Welt ist bunt.

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  8. Dass der Ball aber dann vom „Neger“ zur „Muttersau“ umbenannt worden ist, könnte aber auch rassistisch ausgelegt werden …

    Bei uns fährt ein Handwerkerauto durch die Gegend, dessen Besitzer mit Nachnamen Mohr heißt. Als Marketinggag ziert ein dunkelhäutiger Arbeiter den Wagen. Hier wird in meinem Freundeskreis diskutiert, wie korrekt das ist. Mir ist’s ehrlich gesagt wurscht.

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  9. Stimmt, aber trotzdem gilt es halt zu versuchen nicht andere Leute zu verletzten. Und Leute mit schwarzer Hautfarbe fühlen sich durch solche Dinge verletzt. Das ist auch eine Folge des Sklavenhandels, der Apartheit etc. Da wurde so extrem gehandelt, das führt halt dann zu so Ergebnissen.

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    • Ich kenne welche mit schwarzer Hautfarbe, die selber über den Schwachsinn der political correctnes lachen und sagen, dass man dann uns als Witz auch nicht Bleichgesicht nennen dürfte, wäre nämlich aus rassisstisch! 🙂

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