Alle Macht der Klofrau

Bestimmt war jeder schon einmal auf einer öffentlichen Toilette. Am Bahnhof, Flughafen, im Theater, dem Club oder wo auch immer. Und nicht selten sitzt vor dem Klo eine Frau mit einer Schale für Kleingeld. Die Anständigen legen etwas in die Schale rein, die Dreisten gehen ohne zu bezahlen durch. Die besonders Dreisten kichern dämlich, wenn sie in der Schlange anstehen. Ob sie es tun, weil sie auf die Klofrau runterschauen, bleibt dahingestellt. Anständig wirkt das doofe Gekichere aber nicht.

Ich bewundere diese Klofrauen (oder Männer), denn es gibt bestimmt angenehmere Jobs, als diesen. Meist sitzen die Masters of Klo (und das ist NICHT abschätzig gemeint!) nämlich an Orten, wo kein Fenster ist. Dies bei Kunstlicht und einem Geruch, den unsereins schon nach ein paar Minuten wieder vertreibt. Zu allem Überfluss müssen sie regelmässig den Unrat der Besucher wegputzen. Das kann durchaus des öfteren unangenehm stinkendes Etwas sein, welches neben der Kloschüssel landet, weil die Besucher entweder nicht mehr nüchtern waren, oder einfach weil sie kein Benehmen haben. Und doch muss die Klofrau immer nett sein und lächelnd danken, wenn sie etwas Kleingeld bekommt.

Beim Anstehen in der langen Schlange auf einem Konzert habe ich mir letzthin überlegt, wieviel Macht die Klofrau eigentlich hat. Ich meine: Es liegt in ihrer Macht, ob wir auf ein sauberes oder ein versch….. Klo gehen können. Dies ist schon mal sicher. Aber sie könnte doch eigentlich auch mal so richtig ihre Machtkarte ausspielen und gerade bei doofen Kichererbsen einen auf „Mit-mir-nicht“ machen. Wie das aussehen könnte? Die zappelnde, leicht betrunkene Blondine zuvorderst in der Kolonne, die besonders dringend aufs Klo muss und mit abschätzigem Blick schon lange auf die Klofrau runtergrölte – der könnte man doch so richtig einen Strich durch die Rechnung machen. „Ehm, sorry Miss, aber die Toilette ist die nächsten 10 Minuten gesperrt – ich muss erst putzen.“ In meiner Vorstellung stellt sich die Klofrau so richtig breitbeinig vor die kleinen Möchtegern-wichtigen-Pinklerinnen und versperrt ihnen den Weg! „Ach, sie haben ihre Tasche mit dem Kleingeld nicht dabei? Tja dann müssen sie wohl nochmal zurück gehen und diese holen.“ Jaaaa, liebe Klofrau, gibs ihnen – so schreit es in meinem Kopf!

Schon mal darüber nachgedacht? Wenn ja, dann seid ihr auf meiner Seite. Wenn nicht, dann könntet ihr demnächst an eine Klofrau geraten, die meinen Beitrag gelesen hat und ihre Macht ausspielt. Ich finde den Gedanken cool – alle Macht den Klofrauen (und Männern)!

32 Gedanken zu „Alle Macht der Klofrau

  1. Ich gebe auch immer was und bedanke mich ganz herzlich. Ich finde es schlimm, wenn man auf andere Menschen herabschaut und sie womöglich noch belächelt. Nicht alle haben die selben Chancen in ihrem Leben und ich finde es schön, dass solche Leute so einen Job annehmen und nicht nur auf der faulen Haut sitzen und sich vom Staat bezahlen lassen.

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  2. Heutzutage stoße ich selten auf Klofrau-besetzte Klos. Und ja, ich gestehe, wenn ich ohne Kleingeld unterwegs war hab ich mich auch schon mal gratis erleichtert (wenn ich muss, dann muss ich) allerdings mich jedes mal entschuldigt, dass ich grad eben nix dabeihab. Ich seh das ähnlich, dass es ein sch… Job ist, der von vorneherein ordentlich bezahlt gehört (man denke mal an die Gesundheitsgefahren durch Ansteckung und reizende Chemikalien, denen sich diese Frauen und Männer ausgesetzt sehen) so dass „Trinkgeld“ einfach nicht nötig ist, das wäre sicher auch für den Selbstwert der Betroffenen besser, und nicht zuletzt für Kleingeldlose Dringendbedürftige.

    Ich muss aber gestehen, wenn mich eine Kloperson, einfach aus dem Grund, dass ich kein Kleingeld dabeihab, nicht aufs Klo gehen lassen würde, oder weil ihr meine Nase nicht passt, dann würd ich einen gewaltigen Rappel kriegen (dass ich auf diese Person nicht herabsehe in dem Fall von vorneherein angenommen, weil ich prinzipiell immer versuche auf niemanden herabzusehen und alle, die mir nichts getan haben, mit Freundlichkeit und Respekt zu behandeln).

    Wenn diese (hypothetische) Kloperson diese Macht einfach so, aus Rache an der Gesellschaft ausspielen würde, dann wäre jegliche Sympathie dahin, sch… Job oder nicht.
    Mir stellt sich die Frage, wo’s rein menschlich wirklich gerechtfertigt ist, einem anderen Menschen eines der grundlegendsten Bedürfnisse zu verwehren, reicht da ein Kichern, das vielleicht nicht mal auf die entsprechende Person bezogen ist? Allerdings, wenn jemand sich so richtig danebenbenimmt würd ichs verstehen.

    Allerdings wirklich alles sehr hypothetisch, mir ist noch nie jemand untergekommen, der mir wegen fehlendem Kleingeld das Pinkeln verwehrt hätte ^^

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  3. Ja, wenn die Toiletten nachweislich gereinigt werden, sollte man dafür auch zahlen. Allerdings ist es viel zu oft der Fall, das die Örtlichkeiten auch nach Stunden noch im wahrsten Sinne des Wortes aussehen, wie Scheiße. Und dann sehe ich nicht ein, dafür auch nur einen Pfifferling zu zahlen. Ohne Kichern – versteht sich.

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  4. In den letzten Jahren bin ich zudem dazu übergegangen, mich bei besonders blitzblanken WCs mit einem kleinen „Danke schön, grazie ..“ persönlich bei der Klofrau/mann zu bedanken! Ich glaube, das hat der ein oder anderen schon gut getan. Unabhängig von den paar Kröten. Ein Trauerspiel sind die deutschen Autobahnraststätten mit ihren Zahl-WCs, super, wenn einem das Wasser schon aus den Augen tropft und natürlich kein passendes Kleingeld zur Hand ist..:-( .
    Als Mann kann man sich da im Notfall zumindest hinter die Büsche schlagen. Habe vollstes Verständnis..

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  5. Und wieder geht ein Problem an mir vorbei. Wenn ich mal muss, und das kommt während eines Spaziergangs häufig vor, dann ist mein Service-Personal immer in de Nähe und putzt die Sche… weg. Ich muss nicht mal etwas dafür geben, nein, ich bekomme sogar noch ein Leckerli dafür, dass ich mich „erleichtert“ habe. Da versteh‘ einer die Menschen!

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  6. Guter Beitrag. Wie wichtig diese Frauen und Männer sind wird einem spätestens dann auffallen, wenn es mal keine gibt.
    Kannst bei Gelegenheit mal die Zolltoilette am Autobahnübergang Rheinfelden besuchen. Horror!
    Ich muss ja sagen, verglichen mit den öffentlichen Toiletten meiner Kindheit ist das heute ein Träumchen 😉 Vor allem diese Spender zum Desinfizieren der Klobrille sind ein Geschenk. Vorbei die Zeiten, als man sich da freischwebend erleichtern musste. (Wie ich das hasse!)

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