Tattoo

Tätowiert ist heute beinahe jede und jeder. Ein Tattoo ist schon lange nichts besonderes mehr und es wird glücklicherweise auch nicht mehr mit Gefängnis und Drogen in Verbindung gebracht. Das Tattoo ist salonfähig geworden und hat seinen Schrecken schon lange verloren. Die Älteren, die das immer noch nicht glauben können: Haben Sie Ihren Bankberater, Ihre zuständige Person bei der Versicherung oder den Anwalt schon einmal gefragt, ob er tätowiert sei? Sie würden staunen. Wenn nämlich viele dieser Schlipsträger ihre Hemden ausziehen, kommt am Oberarm, im Nacken oder sonstwo ein Tattoo zum Vorschein. Unter dem Anzug gut versteckt. Deswegen macht die Person bestimmt keinen schlechteren Job.

Ich gehöre zu jener kleinen Gruppe der Menschen, die nicht tätowiert sind. Warum? Ganz einfach: In der Jugend durfte ich nicht, dann wurde ich sehr jung Mama und hatte andere Prioritäten. Ich habe mich danach lange nicht mehr mit der Materie befasst. Bis unsere Kinder ins Alter kamen, als Tattoos wieder ein Thema wurden. Und ich muss gestehen, dass ich diese Körperkunst sehr schön finde. Zumindest solange, wie sie sich in vernünftigen Grenzen bewegt. Gesicht und Hände sind für mich tabu. Diese kann man nämlich nicht verstecken und trägt quasi einen Dauerstempel zur Schau. Das muss nicht sein und kann im Beruf und allgemein im Leben doch sehr hinderlich sein.

Sonst finde ich diese Art der Verzierung des Körpers sehr schön. Leider bin ich jetzt aber zu alt dafür. Kürzlich hat mir zwar ein Tätowierer erzählt, seine älteste Kundin sei 84 – aber das muss nicht sein. Ich finde meine Haut nicht mehr elastisch genug, um sie noch zu tätowieren. Wie muss das erst mit 84 sein? Muss man da nicht zuerst mit Klebeband die Haut straffkleben, damit man überhaupt darauf arbeiten kann? Ich stelle mir das so ein bisschen vor, als ob man auf der schrumpeligen Haut eines Grillhähnchens ein Bild malen möchte. Schwieriges Unterfangen.

Besonders schlimm finde ich die Mütter, welche sich die Namen ihrer Tochter tätowieren lassen und die Töchter, die dasselbe dann mit Mamas Namen machen. Dieses typische Klischee: „Hallo, wir hätten gerne ein Mutter-Tochter-Tattoo. Wir sind drum beste Freundinnen!“ Ja, schon klar. Mama schiebt eine Midlife-Crisis und die Tochter hat keine anderen Freunde – dann ist das der Verzweiflungsakt schlechthin. Fast so schlimm wie: „Wir haben uns das gleiche Piercing stechen lassen.“ oder „Wir tragen dieselben Kleider.“ Arme Kinder!

Dass ich mich nie tätowieren liess, bereue ich heute manchmal schon – aber irgendwann ist die Zeit für manche Dinge eben vorbei. Und vermutlich werde ich im Altersheim in eine Showbox kommen – als einzig untätowiertes Exemplar. Und die Pfleger werden sich um mich reissen, weil ich nirgends ein schrumpeliges Bild auf dem Körper habe, welches leider nicht mehr als solches zu erkennen ist. Mit diesem Gedanken tröste ich mich!

34 Gedanken zu „Tattoo

  1. Also ich finde nicht, dass es eine Zeit gibt, um sich tattowieren zu lassen, die irgendwann endet. Ich beschäftige mich auch gerade sehr mit dem Thema, habe mich aber noch kein Tattoo machen lassen.
    Und zum Alter, viele Tattowierte sagen, alte Haut sieht nie schön aus. Natürlich muss man sich wirklich sicher sein, wenn man Hände, Hals oder Gesicht tattowieren lassen will, eben weil es sichtbar ist. Bei Frauen kommt natürlich auch die Bauchzone dazu, die sich in der Schwangerschaft verändert. Aber man kann sich auch nach den Kindern tattowieren lassen ^^ Doch wenn man es wirklich möchte, dann sollte man sich von sowas nicht abhalten lassen, man kann ja auch immer (viel) ab- oder zunehmen. Schade ist es, wenn man sich sagt, erst nehme ich ab und dann … Vielleicht tritt das Dann niemals ein :/ … Außer, es soll der Motivation dienen ^^
    Neulich habe ich einen Artikel gelesen von einer Frau, die – ich glaube – sich zu ihrem 90. Geburtstag sich tattowieren lassen hat, dass sie nicht wiederbelebt werden möchte. Also, es ist nie zu spät, sich tattowieren zu lassen 😉

    Liebe Grüße, Tinka

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  2. Ich habe mich mit 17 Jahren tätowieren lassen, wollte aber seitdem meine beiden Arme komplett volltätowiert haben. Vor zwanzig Jahren fand ich das total cool und schick. Ich habe das aber nie wirklich gemacht. Entweder war keine Kohle übrig oder keine Zeit bzw. Termine beim Tätowierer abgekriegt (mit halbwegs passablen Wartezeiten).

    Mittlerweile gibt es unglaublich viele Leute in unserer Kleinstadt, die sich beide Arme (und mehr) volltätowiert haben. Ich finde das klasse.

    Allerdings finde ich es jetzt ebenso klasse, (fast) nicht tätowiert zu sein. 🙂

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  3. Ich bin am linken Handgelenk tätowiert und liiiiiebe, liiiiiebe, liiiiiebe meinen Anker! 🙂
    Es wird sicherlich nicht das letzte Tattoo sein, und ich freue mich schon auf jedes Kunstwerk, dass ich mir überlegt habe. Sprich – ich habe es (bis jetzt) nie bereut!
    Was ich streckenweise bereue, ist mein Piercing. Ich habe ein Madonnapiercing, also über der Lippe. Ich finde es schön und stehe dazu. Ich bereue allerdings, dass ich nicht vorher darüber nachgedacht habe, dass das Loch/ die Einstichstelle bleibt, wenn ich ihn rausnehme. Es ist also immer zu sehen. Und leider entzündet sich mein Piercing auch oft, was wirklich nervig ist. Aber zu 90 % bin ich froh es zu haben. 🙂 Also, egal ob Tattoo oder Piercing, ganz wichtig – GUT ÜBERLEGEN! Denn im Regelfall hat man für den Rest seines Lebens etwas davon, soviel steht fest.

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  4. Ich habe mir ein Tattoo stechen lassen, da war ich auch schon ein wenig älter. Mit Mitte 20 habe ich mich einfach nicht getraut … Eins reicht mir, und es gefällt mir immer noch (es ist nicht auf meinem Bauch :-)) Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen mir mit 50 noch ein zusätzliches stechen zu lassen … Lieben Gruss und ein schönes Wochenende, Melanie

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  5. Mir fällt grad ein Biker ein, Presi eines Rockerclubs, so richtig wie ausm Bilderbuch. Eines Tages kommt ein mittelalter Herr in Anzug und Krawatte in unsere Kneipe, sehr gepflegt und eindeutig am falschen Platz. Hat mit nem Bekannten irgendwas zu reden, die beiden gehen kurz raus – Versicherungsmensch oder so denk ich mir… als mein Bekannter wieder reinkommt, erklärt er, dass das der Presi vom XY-Club war – ich hätt den in tausend kalten Wintern nicht erkannt! 🙂

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  6. Tatoos sind Mode. DAS MUST HAVE der jungen Leute. Wer sich mit 50 noch Tatoos stechen lässt, hat Angst vor dem Alter. Ich finde das total albern… Außerdem soll die Mischung in den Farben krebserregend sein. Ich liebe meinen Körper viel zu sehr, um ihn so etwas anzutun!
    LG Susanne

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  7. Oh, ich habe mich einfach nie getraut, bereue das aber oft. Adelbert von Chamisso, der von 1815 bis 1818 auf Weltreise ging, hat es immer wieder – vergeblich – versucht. Tätowierungen standen damals in einem religiösen/sozialen Kontext. Da blieb ausnahmsweise mal der Europäer außen vor. Aber schon ein paar Jahrzehnte war auch diese Grenze gefallen. Ein Kölner Weltreisender, damals schon als Aussteiger, sicher als Kulturtourist zu bezeichnen, hatte den Oberkörper voller Tattoos. Das muss natürlich in Köln für so manche Aufregung gesorgt haben. Matrosen hatten ja oft welche. Und konnten schon mal nach dem Tod im Meer an solchen wiedererkannt werden. Mir gefällt eben auch diese Herkunft: Meist waren Außenseiter tätowiert. Es gehört eben Mut dazu.

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  8. Ich bin auch untätowiert.An mir ging das ganze vorbei.Obwohl ich immer wieder gern Tatoos anschaue.
    Ausschlaggebend war bei mir auch der spätere Schrumpelfaktor.Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm wie ich denke?!?

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  9. Wenn du es bereut hast dich nicht tätowieren zu lassen, dann mach es doch jetzt. Sehe deine Haut als Leinwand für ein Gemälde an. Stelle es dir mal richtig vor, mit 84 und allen Runzeln und kleinen Narben die das Leben mit sich bringt. Wenn dir das nicht zusagt, dann solltest du dir niemals Bilder der alten Meister ansehen. Die Mona Lisa ist ausgebleicht, der Kontrast hat gelitten und Risse machen die Sache unansehnlich. Trotzdem bewudern wir ihr abblätterndes Lächeln und so sollte man Tattoos auch sehen. Als Gemälde auf besonderer Leinwand. Meine Tattoos altern wie ich, mit stolz es bis jetzt geschafft zu haben.

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    • Diejenigen, die sie jung haben stechen lassen und jetzt altern, ist für mich völlig was anderes. Aber mit bald 50 noch stechen zu lassen, finde ich nun doch – mit Verlaub – dämlich. Nee….das gehört zu mir unter das Ressort „Jugendwahnsinn“ … und den hab ich wohl verpasst 🙂

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      • Ich gehe ebenfalls stramm auf die 50 zu und werde mir demnächst einen Termin zum stechen holen, frei nach dem Motto: Jetzt erst recht.
        Wie wäre es bei dir mit einem temporären „Tattoo“? Keine Ahnung wie das genau funktioniert, aber das wäre ja auch ein netter Kompromiss.

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      • Hennatattoo, habe ich mal aus Jux am Strand machen lassen – lustig, ja. Aber ich fühl mich einfach zu alt dafür – selbst da. Ich merke grad, dass ich offenbar ein Problem mit meinem Alter habe – Kreischalarm 🙂 🙂 🙂

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  10. Tattoos müssen Kunst sein. Wenn ich sehe, was sich manche für hässlichen Unsinn stechen lassen, finde ich das peinlich. Man sollte seinen Körper nicht gedankenlos verschandeln. Bezüglich der Wabbel-Haut: Ein kleines, unauffälliges aber schönes Tattoo am Knöchel oder generell am Fuß wäre doch eine Alternative, die auch für Wabbel-Haut geht 😉 Nicht, dass du Wabbel-Haut hast, ich meine nur. Die Stelle ist erstens nicht super auffällig, zweitens wabbelt sie nicht so schnell und drittens hat nicht jeder dort ein Tattoo. Eine schöne, feminine Blume oder ein hübsches Ornament kann wunderbar sein. Man sollte sich generell nicht gleich den kompletten Bauch/Rücken/Arm tätoowieren lassen. Immer klein anfangen. Ich finde, für Tattoos ist man nie zu alt. Es ist nur eine Frage des Motives und des Platzes. Wieso solltest du darauf verzichten müssen? Wie gesagt..mit der richtigen Stelle sieht das auch mit 84 noch schick aus!

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  11. Also ich könnte mir schon ein Schrumpel Tattoo vorstellen, wenn das Motiv passt, also auf schrumpelig ausgelegt ist – da ändert sich dann das Motiv je nachdem, wie man die Falten verschiebt ^^

    Das wär eigentlich wirklich ne coole Idee, ob sich das schon jemand machen lassen hat?
    Dürfte auf jeden Fall eine recht komplexe Angelegenheit sein, so ein Motiv zu entwickeln, eine Herausforderung 🙂

    Ich finds durchaus gut, dass Tattoos salonfähig werden, finde aber trotzdem, dass man sich die Sache gut überlegen soll.
    Vor allem das Motiv, diese Art der Körperkunst ist ja recht persönlich, wesentlich näher wirds fast nicht mehr, und da bereut man dann leicht ein 08/15 Motiv, das man den Rest seines Lebens mit sich rumtragen oder per teurer Laserbehandlung entfernen lassen muss.
    So wie in deiner Anmerkung mit dem Mutter-Tochter Tattoo.

    Ich persönlich hab ein Tattoo, möchte mir auch ein zweites stechen lassen, überlege aber seit gut 7 Jahren wegen des Motivs und wo ichs hinhaben will. Ursprünglich war ja Bauch angedacht, aber wegen des Schrumpelfaktors hab ich mir das dann doch überlegt ^^.

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