Fragen, die gar nicht gehen

Unsere Tochter musste für die Schule ein mögliches Vorstellungsgespräch als Text niederschreiben. Dabei ging es in erster Linie um Fragen, welche bei einem Vorstellungsgespräch mit einem potentiellen Arbeitgeber gestellt werden könnten. Das hat mich zum Mithirnen angeregt, und ich habe mich an meine Vorstellungsgespräche zurückerinnert. An die Zeit, als noch Fragen gestellt wurden, die heute gar nicht mehr gehen. Fragen, welche die Grenze des Persönlichkeitsschutzes überschreiten. Damals war das aber noch ganz anders. Und es gab so dreiste Personalmenschen, welche die ganze Palette an geschmacklosen Fragen abspulten. Heute würde ich auf solche Fragen anders reagieren, als ich es damals getan habe.

Frage: „Haben Sie vor, demnächst schwanger zu werden?“
Antwort damals: „Ich plane keine Familie.“
Antwort heute: „Und sie? Haben Sie regelmässig Sex?“
–> Diese Frage ist eine Frechheit und das geht niemanden etwas an. Deswegen würde ich heute auch einen potentiellen Job bei einer solchen Frage in den Wind schiessen. Das überschreitet die Grenze des Anstands gewaltig und einen Mann fragt man schliesslich auch nicht, ob er demnächst plant, Vater zu werden. Was soll das also?!

Frage: „Nehmen Sie Drogen oder trinken Sie?“
Antwort damals: „Natürlich nicht, wo denken Sie hin!?“
Antwort heute: „Wenn Sie Schokolade, Popcorn, Gummibärchen und Chips als Drogen ansehen, dann ja. Und auf 2 Liter Wasser pro Tag komme ich locker.“
–> Diese Frage ist schlicht geschmacklos.

Frage: „Wieviel haben Sie früher verdient?“
Antwort damals: „Ehm, ich war irgendwo zwischen X und Y Franken angesiedelt.“
Antwort heute: „Glauben Sie mir, das wollen Sie gar nicht wissen, sonst erschiessen Sie sich.“
–> Solche Fangfragen sind richtig fies und schüchtern oft die Kandidaten derart ein, dass sie vor lauter Panik ihr Gehalt verraten. Hallo? Schliesslich möchte man sich ja im Gehalt verbessern, also geht diese Frage nicht. Wenn schon, muss sie lauten: „Was stellen Sie sich für ein Gehalt vor?“

Frage: „Haben Sie irgendwelche chronischen Erkrankungen?“
Antwort damals: „Also, ich leide unter Migräne. Aber ich versuche, auch bei akuten Schüben immer zu arbeiten.“
Antwort heute: „Nein – aber ich mache regelmässig 2 bis 3 Tage pro Monat blau!“
–> Die Frage nach Krankheiten ist eine regelrechte Frechheit, denn bei einer wahren Antwort wäre das wohl für 90% der Kandidaten ein Killerkriterium. Beinahe jeder hat irgendwo ein kleines oder grösseres Leiden. Das geht aber keinen etwas an!

Frage: „Sind sie bereit, ihr Privatleben dem Job unterzuordnen?“
Antwort damals: „Ich werde alles daran setzen, immer für die Firma da zu sein.“
Antwort heute: „Klar doch, sie können mich nachts und am Wochenende anrufen. Ich werde einfach nicht rangehen.“
–> Job ist Job, Privatleben ist Privatleben. Alles andere ist vollkommener Blödsinn.

Wenn ich mir heute überlege, wie oft ich auf freche Fragen nette Antworten gegeben habe, weil ich es nicht besser wusste, so wünschte ich manchmal, ich könnte solche oder ähnliche Gespräche in die heutige Zeit transferieren. Ich würde ja sowas von glänzen mit bissigen Antworten, dass ich bis ans Lebensende keinen Job bekäme … aber ich hätte eine diebische Freude dabei!

22 Gedanken zu „Fragen, die gar nicht gehen

  1. Ja, DEN Wunsch habe ich auch manchmal. Was mir schon an Fragen gestellt wurde, grenzt auch echt ans Unmögliche. Aber was habe ich nicht alles beantwortet, um den tollen/spannenden/außergewöhnlichen Job zu bekommen … ts.

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  2. Ich wurde einmal in einem Gespräch gefragt, warum ich aus einem Ort weggezogen sei und den Job dort aufgegeben hätte. Ob mir ein sicherer Arbeitsplatz nichts wert wäre. Das fand ich total unangenehm und ich hätte sofort losheulen mögen. Genau dieser Job war es nämlich, der bei mir einen Nervenzusammenbruch begünstigt hatte. Die Personalerin war auch schrecklich unsympathisch. Typ strenge Gouvernante.

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  3. An so Fragen kann ich mich bei meinen Vorstellungsgesprächen nicht erinnern, mehr an harte fachliche Fragen, wo sie meine Erfahrung abklopften. Das finde ich ok, sie sollen ruhig überprüfen was in meinem CV steht, damit habe ich kein Problem.
    Ich würde auch nie lügen bei einem Gespräch. Falls man mich fragt ob ich schon mal was mit xy gemacht hätte und es mir etwas sagt, ich aber nicht mehr genau weiss was es ist, sage ich es auch so.
    Ich war einmal dabei als ein Kandidat auf eine fachliche Frage sagte, ja das kenne er gut. Danach kam prompt das Nachhaken, erklären sie es mir…und der Kandidat konnte es nicht. Da hat man gleich verloren, grrr, war peinlich beim zuschauen..

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  4. Danke für den schönen Beitrag!
    Ich war auch schon verzweifelt genug, um in Firmen arbeiten zu wollen (meinte, dort arbeiten zu müssen), die solche Fragen stellen. Und ich habe daher viel zu freundlich auf solche Fragen geantwortet. Zum Glück hat es nie geklappt, wahrscheinlich passte ich nicht ins übergriffige Umfeld.
    Nett fand ich auch: „Warum, meinen Sie, würden wir uns für Sie entscheiden?“ Da war ich überfragt, ich hatte diesen schrecklichen Chef doch eben erst kennengelernt. Weiß ich, aus welchen fragwürdigen Gründen er Entscheidungen trifft? Ich hatte mich ja nicht als Profilerin beworben. Ich glaube, da schaute ich etwas konsterniert.

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