Warum geht ihr nicht auf Reisen?

Ja, warum eigentlich? Die Kinder sind erwachsen, der Göttergatte ist zum Hausmann mutiert und ich bin manchmal ziemlich … müde! Warum also machen wir uns nicht einfach auf Reisen? Irgendwo hin, wo es schön ist. Oder noch besser: Warum reisen wir nicht einfach mal um die Welt?

Wie oft werden wir das gefragt? Sehr oft! Und wie oft fragt der liebe Göttergatte mich, warum ich mich nicht dazu aufraffen könne, doch ein bisschen zu reisen. Der arme Mann leidet, denn er würde es lieben. Im Gegensatz zu mir! Leider! Ja, und jetzt kommt die Gretchenfrage: Wie macht man aus einer Reisemuffelin eine reisefreudige Frau? Hat irgendjemand eine Lösung?

Ich habe schon die abenteuerlichsten Vorschläge gehört, von welchen mich keiner auch nur einen Schritt weiterbrachte. Stell Dir doch einfach vor, Du gehest nicht auf Reisen, sondern zur Arbeit. Aha – und dann? Fühlt sich das Reisen dann besser an? Kaum! Oder: Beiss doch einfach in den sauren Apfel und mach es Deinem Mann zuliebe. Klingt völlig einfach, ist aber ziemlich schwierig. Ich kenne mich nämlich … und drum weiss ich, dass diese Option keine Gute ist! Das würde vielleicht maximal so zwei oder drei Tage gutgehen. Und dann ginge es auch schon los mit: „Ich habe Bauchschmerzen von diesem fremden Essen. Wären wir nur zu Hause geblieben.“ Oder: „Diese Scheisshitze, Du weisst doch, dass ich nicht gerne warm habe. Wenn wir nur schon wieder daheim wären.“ Oder: „Ich finde das Bett total unbequem – ich wünschte, ich läge in meinem eigenen Bett.“

So, und dieses Gequengele einer erwachsenen Frau braucht doch wirklich kein Mann, oder? Zumal ich eher vom Typ Eisbär bin – mein Mann vom Typ Sonnenkönig. Ich könnte locker auf einer Eisscholle leben; er am liebsten in Thailand zwischen Meer und Hummer. Hilfe! Warum wir uns überhaupt gefunden haben? Wegen unzähligen anderen Dingen, aber ganz bestimmt nicht wegen des Reisens. Denn schon unsere Hochzeitsreise war ein ziemliches Desaster: Vier Monate im Wohnmobil durch Australien. Und das, mit einer Frau, die nicht gerne schwitzt, Angst hat vor allem Kriechgetiere, das Meer ätzend findet und die gerne ein eigenens Bett hat (man muss dazu sagen, dass unser Wohnmobil die Grösse eines kleinen VW-Buses hatte; mangels Geld…).

Noch heute höre ich von meiner Mutter, dass ich damals aus jeder Telefonzelle (es gab noch keine Handys) anrief, um ihr mitzuteilen, dass ich beim nächsten Flugplatz in einen Flieger sitzen und nach Hause fliegen würde. Zum Schluss dieser Reise war der Zwischenstopp in Bangkok dann noch das Tüpfelchen auf dem i, welches das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Ich marschierte nach 2 Tagen (anstelle der geplanten Woche) in ein Reisebüro, und buchte einen früheren Rückflug. Von Sonne, Hitze, Fisch und allem, was fremd war, hatte ich sowas von die Nase voll. Unglaublich!

So, und nun werden wir immer wieder gefragt, warum wir nicht mehr wegfahren und reisen. „Ihrer hätte doch jetzt Zeit.“ „Ihr habt doch alle Möglichkeiten.“ „Warum geniesst ihr euer Leben nicht mehr?“

Zur endgültigen Erklärung für alle, die fragend den Kopf schütteln: Meinetwegen! Ich bin schuld daran, ich weiss. Aber ich kann nunmal nicht auf einmal den Schalter umlegen und zum Reisefreak werden – bei mir zieht sich der Magen schon beim Kofferpacken zusammen. Sorry, Fehlzündung im Hirnbereich, der für das Reisen zuständig ist. Und ja, ich scheine die einzige Ausnahme auf der grossen weiten Welt zu sein. Aber es ist nunmal so. Und alle, die jetzt mit meinem Mann leiden: Er reist inzwischen mit Freunden, die dies auch gerne tun. Allemal besser, als eine ständig motzende Frau nebenher schleppen zu müssen.

37 Gedanken zu „Warum geht ihr nicht auf Reisen?

    • First world problems, meinst Du? Glaub mir, das sind auch nicht meine Probleme, da hätte ich ein Liste anderer Dinge. Aber es sind halt die lustigen Dinge, über die man schreiben kann – das Leben ist auch so doch ernst genug! 🙂

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      • Ich weiß! 😀 Deswegen lese ich auch gern bei Dir. Du glaubst aber nicht, was ich mir für vieles Gejammer anhören muss, dabei sind das alles Luxusprobleme. Einige Menschen könnten gern dankbarer sein. Dann noch eine kleine Erkenntnis, was wirklich wichtig ist im Leben und schon wäre unsere Welt ein bisschen besser. Dann würden diese Menschen helfen und hätten noch dazu eine innere Befriedigung.

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  1. Man kann so und SO reisen. Auf den beschriebenen Albtraum kann ich auch gerne verzichten. Das taugt weder zur Erholung, zum Ausruhen oder Kräfte sammeln – ich bin nämlich müde und mitunter auch etwas erschöpft, wenn Urlaubszeit vor der Tür steht. Also reise ich lieber SO: seit fast 30 Jahren ( ..wie spießig …:-D 😀 ..) immer an denselben Ort in Süditalien im Transporter mit Motorrad innendrinnen und Mann dabei auf einen Campingplatz mit Paradiesambiente und hauptsächlich Italienern um uns herum. Ankommen, ausladen, großes Wiedersehen. Im Liegestuhl mit Zehen, Pfoten, Ohren wackeln … wir sind da vom ersten Tag an. Keine Infrastruktur erkunden müssen, alles freiwillig. Mit Mopped zur Eisdiele, Pizzabude, Piazza pöttern in kurzen Buxen und Schlappen. Nix müssen, nur können, Sonne scheint, das Meer rauscht, ich will weg hier….
    Ach ja, wir versuchen jedes Jahr aufs neue, woanders hin zu reisen, irgendwie will das Auto immer, immer über den Brenner und wir wollen immer an der zweiten Raststätte in Italien den ersten richtigen italienischen Cafe trinken..
    Kurz und gut: du bist nicht allein!!

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    • Und noch eines, der Platz ist nicht, aber auch überhaupt nicht vom ADAC oder sonstigen Vereinen empfohlen, ganz im Gegenteil, viel zu italienisch – die sprechen noch nicht mal deutsch an der Rezeption 🙂 :-)…dem Himmel sei Dank! So lernt man auch Land und Leute kennen.

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    • Yeah! Diese Art, die Du beschreibst mit dem „Nachhausekommen am immer gleichen Ort“ habe ich mit Österreich seit Jahren so. Das wars dann aber auch schon. All die Malediven-, Bahamas-, Seychellen oder was auch immer Reisefreaks, die mich immer missionieren wollen, verstehe ich genauso wenig, wie sie mich. Und dann kommen noch die Kreuzfahrer, die mir erklären, dass DAS doch nun das Ultimative des Lebens ist. Neiiiiinn!! Einfach nur neiiiiin!! 🙂

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      • Kreuzfahrt – der ultimative Schrecken!!!!! :-O Egal wo – im Spiegel schaut dich immer nur dieselbe an. Wenn die dir dann ausgeschlafen, entspannt und vielleicht mit einer gebräunten Nase entgegenlächelt, ist alles richtig!

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  2. Liebe Daniela, jeder ist anderes und das ist ja das Spannende an anderen Menschen, finde ich. Deshalb lerne ich unheimlich gerne neue kennen. 🙂

    Ich liebe, ganz im Gegenteil zu dir, Reisen. Ich könnte ständig irgendwo hinreisen, wenn dazu nicht oft so viel Geld nötig wäre, das ich leider nicht habe. Ich bin einfach auch unglaublich neugierig und probiere gerne neue Sachen aus, lerne gerne fremde Kulturen kennen, probiere gerne neue Sprachen aus (meist nur ein paar Worte :-)) und liebe es, neue Speisen etc zu probieren. Ich bin zwar jetzt auch nicht die Sonnenanbeterin, aber ich liebe es zumindest warm und sonnig; ich liebe auch das Wasser (nicht den Regen, außer im Hochsommer). Das Meer, Seen, Flüsse. Da bin ich am liebsten. Die Berge hat mir mein Schatz näher gebracht. Werde wohl kein richtiger Fan mehr davon, kann aber mehr damit anfangen, als früher.

    Ich finde gut, dass du bist wie du bist. Wenn dein werter Schatz auch alleine reist, dann passt doch alles. 🙂

    Herzliche Grüße,

    Caroline

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  3. Und da kommt der Havaneser ins Spiel. Er will auch nicht gerne verreisen, er liebt sein ZUHAUSE und würde es eigentlich nie verlassen, wären da nicht dringende, körperliche Bedürfnisse, die erledigt werden müssen. Havaneser sind die idealen Partner, wenn es nicht ums Reisen geht. Havaneser lieben Menschen die auf Australien, Thailand, die Berge usw. verzichten können. Havaneser sind einfach der HIT!

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      • Uiiiiuiii! Ich sehe da schon ein kleines Hundebaby in deinem Haus, deinen Armen und deinem Herz😘
        Stimmts?
        Weil einfach so..schaut man nicht, wenn der Wunsch schon im Hinterkopf rumort!

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  4. Naja, solang dein Mann nicht aufs Reisen verzichten muss, wär ja schad, so scheint das die Beste Lösung zu sein. Aber wirklich eigenartig, ich hab noch nie jemanden kennengelernt, der nicht zumindest hin und wieder gern reist, sehr spannend!

    Aber jeder hat hald so seine Eigenheiten, wenns Reiseunlust is – auch gut ^^ ich persönlich muss mindestens einmal alle zwei Jahre raus aus unserem Kaff von Land (Österreich) könnte ich mir gar nicht vorstellen, so ganz ohne Reisen.

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