Ladylike

Ich schaue in Schaufenster. Ich blättere Modezeitschriften durch. Ich sitze in Strassencafés und beobachte Menschen. Ich schaue fern. Und dabei frage ich mich: Was ist eigentlich Ladylike? Gemäss Duden heisst es „damenhaft“. Ja, und nun stellt sich die Frage, was eine echte Dame ausmacht.
– Eleganz
– Fraulichkeit
– Apartes Wesen
– Vornehme Art
– Kultiviertes Benehmen
– Manierliche Sitten
– Gepflegte Erscheinung
– Gewählte Sprache
So sagt es Wikipedia und so steht es im Knigge. Aber ist das wirklich so. Sind die edlen Damen, die sich als Ladies bezeichnen, auch wirklich ladylike. Kritisch betrachtet würde ich mal sagen, dass die Mehrheit der Damen, welche sich auch als Damen sehen, sich nicht wirklich so benehmen. Die Realität vieler Damen sieht nämlich in Wahrheit so aus:
– Behangen wie ein Weihnachtsbaum (vornehmlich Goldschmuck und Perlen)
– Steife Halten (Abteilung Stock im A…..)
– Blondiertes Haar (egal wie alt…)
– zusammengekniffene Lippen
– strenger Blick
– affektiertes Gesicht
– arroganter Ausdruck
– besserwisserische Art
– Zugepflastertes Gesicht
Die richtig edlen Damen, wie ich sie als Kind noch bestaunte, sind doch sehr selten geworden. Jene, die tatsächlich eine Aura haben, dass man sich nicht zu sprechen traut, wenn sie etwas sagen – weil sie nämlich gebildet und äusserst interessiert sind. Diese Art Frauen, die immer wissen, wo sie sich wie zu benehmen haben, wie man richtig sitzen muss, welcher Satz wann gerade angebracht ist und welche Regeln für welchen Anlass gelten. Ich weiss aber eines mit Sicherheit: Ich bin nicht ladylike – ich bin sogar Meilen davon entfernt, es jemals noch zu werden. Denn ich
– liebe meine alten Jeans
– mag Sneakers viel lieber als hübsche Damenschuhe
– setze mich meistens wie ein Junge hin
– habe eine grobe Sprache (an manchen Tagen ein bisschen wie ein Bauer)
– finde erzwungene Benimmregeln zum Brechen
– kann mich zwar gewählt ausdrücken, ziehe aber frei Schnauze vor
– bewege mich eher wie ein Trampeltier als wie eine Gazelle
– klopfe Sprüche, die nicht immer angebracht sind.
So – und deshalb bin ich nun also zum Schluss gekommen, dass ich bis ins Grab keine Dame werde und meine Art niemals ladylike sein wird. Aber die echten Ladies der alten Garde bewundere ich immer noch sehr. Und diejenigen, die meinen, Damen zu sein, über die amüsiere ich mich nach wie vor köstlich.

29 Gedanken zu „Ladylike

  1. Als ich 14 war, las ich einen bezaubernden Satz – Wer mit 70 eine reizende alte Dame sein möchte, muß mit 17 beginnen, sich darauf vorzubereiten.
    Ach – das wollte ich. Damals. Jetzt.
    Aber ich war alles andere als das, als Kind in Lederhosen, schlimmer als jeder Bengel, rüde, frech, später charmant – nie sehr zurückgenommen – wie wollte ich sein ?
    Katherine Hepburn – dieser Chic und Charme, diese Eleganz, Eloquenz,Witz, Geist – brillant – wie sie diese Hosen und Hüte trägt und den ständig besoffenen Spencer Tracy pflegt – Klasse !!!
    Das traf.
    Und immer das Lied der Moody Blues, Nights in white satin,das mit 18 mein Lieblingssong war – just, what you wanted to be, you will be at the end.
    Ich habe dieses Lied nie vergessen, diese Zeile – über 45 Jahre nie vergessen – und es stimmt.
    Just what I wanted to be, I will be in the end.
    Eine Dame, wenn ich es sein will, von überwältigendem Charme – jede Putzfrau, jede Verkäuferin, jeder Manager – ist beeindruckt, entzückt.
    Haltung, Bildung, Stil,Charme – und – der Gesprächspartner ist immer wichtiger, als ich – das machte schon Gunter Sachs zu dem, was er war – er schwätzte nicht über sich selbst – er hörte anderen zu.
    Das ist Gentleness.
    Also – ich bezeichne mich als Gentlewoman. Versuche, es zu leben.
    Ja – nicht Lady, sondern adäquat zu Gentleman.
    Vorbild s.o. und Tilda Swinton.
    Und Gregory Peck ja – mein Landsmann Sean Connery, Audrey Hepburn ?( so ätherisch bin ich nicht trotz Kleidergröße 36 – anderer Typ)
    Ich liebe Oscar Wilde, Fitzgerald – all diese wunderbaren stilvollen Schriftsteller voller Eleganz – sorry – ich bin antiquiert.
    Kann damit heut überhaupt noch jemand was anfangen????
    Is there anybody in there?????
    Liebe Grüße
    Bella

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  2. Pingback: Vertigo mit Kuschelfaktor | Alltags.Seele

  3. Ja, da hast Du recht, Daniela! Ich fühle mich auch nie so richtig ladylike, möchte auch gar nicht all diese Attribute haben. Spontan fällt mir eine Vertreterin dieser Klasse ein, die mich damals, als ich sie in Washington DC besucht habe, sehr beeindruckt hat: Letitia Baldrige, die ehemalige Privatsekretätrin von Jackie Kennedy. Sie ist 2012 verstorben, 14 Jahre, nachdem ich sie kennengelernt hatte.
    https://sl4lifestyle.wordpress.com/2013/10/29/neuer-stil-im-weisen-haus/
    Schönes WE!
    Sabine

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  4. Ich denke als Dame wird man geboren. Es gibt Frauen, die strahlen das einfach aus. Sie sind freundlich, höflich und einfach nur ‚damenhaft‘, man kann das schwer beschreiben. Man fühlt sich einfach wohl in ihrer Nähe, weil es ‚menschelt‘!
    Da spielt Geld auch gar keine Rolle.

    Im Gegensatz zu den ‚Möchtegernladys‘ die blondiert und mit unmöglichen Klamotten und sehr hohen Schuhen über das Kopfsteinpflaster stöckeln. Sie hängen meist am Arm des zahlungskräftigen Gemahlen oder Partners, damit sie nicht umkippen unterwegs.
    Also die Kleidung und Schuhe waren vielleicht teuer, das hilft aber auch nix.
    Und fast immer sehen sie so aus: Hinten Lyzeum und vorne Museum!

    Ich habe mich heute (lustigerweise) mit meiner Kollegin genau über das Thema unterhalten, weil ich mit meinen Klamotten vielleicht auch nicht ganz einer Oma entspreche. Jeansjacke über längerem Shirt, Jeans und bequeme Sneakers.Und ich fragte sie nach ihrer ehrlichen Meinung. Die Gute würde mir das schon sagen.
    Sie sagte : Bleib bloß so wie du bist!

    Also, eine Lady werde ich auch nie und meine Mama mit 80! trägt auch immer noch gerne Jeans. Zwar in einer etwas anderen Form, aber trotzdem.
    Ich glaube uns fehlt das ‚Ladygen‘ in der Familie.

    Wichtiger sind mir die Umgangsformen, Höflichkeit und angepasster Witz zur gegebenen Zeit !

    Und die „Möchtegernladys“ kann man damit manchmal (hinterrücks) etwas auf die Schippe nehmen..die kapieren das nicht so schnell..grins!!

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  5. Meine Schwiegermutter ist für mich eine Dame, aber absolut nicht negativ besetzt. Sie ist eine tolle Frau und extrem tolerant und gar nicht arrogant oder blasiert, weshalb wir bestens miteinander auskommen, obwohl wir so unterschiedliche Typen sind. Ich selbst finde mich in deiner eigenen Beschreibung wieder.

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  6. Auch ich bin keine Dame (und immer sehr irritiert, wenn ich als solche angesprochen werde) mein Vater hats mit Knigge versucht (warum auch immer…) was bei mir nur eine kurzzeitige Aversion gegen das Essen mir Messer und Gabel hervorgerufen hat ^^

    Die Frage ist wohl: passt „damenhaft“ überhaupt noch in unsere Zeit? Ich finde es wichtiger, als Frau selbstbestimmt zu sein und die eigene Meinung zu verkünden, wenn man dabei noch ein bisschen Stil hat, stört das sicherlich nicht.

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  7. Ich denke, es gab auch früher nicht allzu viele wirkliche Damen, die alle die genannten Eigenschaften wirlich hatten, und bei denen das kultivierte Benehmen nicht aufgesetzt wirkte. Und wenn wir mal nach England schauen, ist selbst in royalen Gefilden *wirklich* ladylikes Verhalten nicht immer garantiert, und auch ansonsten können die Ladies dort ganz schön arrogant wirken, was ich nicht unbedingt mit der von Dir beschriebenen Art des Umgangs mit Menschen in Übereinklang bringen kann.
    Am Ende ist mir persönlich eine Dame, die vielleicht nicht in jeder Hinsicht damenhaft auftritt, aber dafür ehrlich herzlich und nicht gänzlich ungebildet rüberkommt, angenehmer als eine meinetwegen auch gebildete, stets sich formal untadelig benehmende und gekleidete „Lady“, die aus ihrer Verachtung für die vermeintlich unter ihr stehenden kein Hehl macht.
    Schlimm sind natürlich die, die weder Bildung noch Benehmen, dafür aber obendrein ein gerüttelt Maß Arroganz besitzen und ihren vermeintlichen Anspruch auf ihr Über-Anderen-Stehen hauptsächlich aus ihrer wirtschaftlichen Position herleiten. Von denen kenne ich zu meinem Leidwesen auch die eine oder andere und muss bisweilen auch Umgang mit ihnen pflegen.

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  8. Ladylike 2015 ist meiner Meinung nach eine gute Körperhaltung beim gehen sollte es aussehen wie bei den Models, eine natürliche Schönheit ohne Lift und angenehme Umgangsformen. Sie sollte auch nie billig rüber kommen. Das bringe ich zur Zeit meiner Nichte bei

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