Schminken bis zum Abwinken

Ich bin mit einer Mama aufgewachsen, die sich nie geschminkt hat und dies auch heute noch nicht tut. Nie! Nicht einmal Wimperntusche. Einfach null! Ja, das gibt es wirklich. Für mich war das als Kind total normal, aber ich habe immer die geschminkten Frauen bewundert, weil ich das halt nicht kannte. Zum Beispiel meine Taufpatin hat sich immer geschminkt – ich war fasziniert. Oder meine Stiefoma hatte immer wunderbar gestrichene Fingernägel, das fand ich besonders hübsch.

Selbst wenn ich spasseshalber mich hätte schminken wollen, so wäre ich kläglich gescheitert, denn in unserem ganzen Haus gab es weder einen Mascara, noch einen Lippenstift. Von Nagellack ganz zu schweigen. Meine Sandkastenfreundin aber hatte eine Mama, die in einer Parfumerie arbeitete. Sie war immer wie aus dem Ei gepellt, wunderbar geschminkt und hatte so ziemlich alles an Schminkzeug zu Hause, was man sich nur denken kann. Wenn ich also am schulfreien Nachmittag bei meiner Freundin zum Spielen war, dann fühlte ich mich wie die Prinzessin im Schlaraffenland. Wir durften an den Schminktisch ihrer Mama sitzen (ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt), durften ihren üppigen Schmuck anziehen und … wir durften uns schminken. Und das schien mir so wichtig gewesen zu sein, dass ich das heute noch weiss. Ich weiss sogar noch, dass es im Zimmer ihrer Mama immer nach Parfum duftete. Vermutlich fiel mir das auch extrem auf, weil meine Mama allergisch auf jede Art von Düften reagiert und wir also auch keinerlei solcher Duftwässerchen zu Hause hatten.

An solchen Spielnachmittagen malte ich mir immer die Augendeckel blau an, tuschte mir die Wimpern, trug Wangenrouge auf und marschierte anschliessend wie ein Clown durch die Gegend. Der knalligste Lippenstift war natürlich mein Liebling. Und um den Hals und die Handgelenke hängte ich mir alle Ketten und Armbänder, die ich finden konnte. Und ich fühlte mich so – edel! Habe ich mir aber meine Mama so gewünscht? Nein, nie! Ich fand nämlich die Vorstellung, dass meine Mama sich schminken würde, total absurd. Ich konnte mir dieses Bild nicht vorstellen, weil ich das nicht kannte. Und ich habe das auch bis vor kurzem sehr der Mama gleichgetan. Gross geschminkt war ich nämlich auch nie. Seit ich aber die Haare grau trage, muss ich mich mehr schminken, weil ich sonst ziemlich müde und fad aussehe.

Aber die Kindheitserinnerungen an die Schminknachmittage sind geblieben. Auch nach so vielen Jahren! 🙂

30 Gedanken zu „Schminken bis zum Abwinken

  1. Ich habe als Kind immer die Schuhe von meiner Mutter angezogen, weil mich die Schuhe von meiner Religionslehrerin so fasziniert haben. Das hat immer so schön geklungen, wenn sie auf dem Parkettboden hin und her gelaufen ist. Das habe ich zu Hause immer imitiert ☺️

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  2. ich benutze nur eine leichte Gesichtscreme und ein Deodorant, kein Parfum, trage keinen Schmuck, ich fühle mich damit nicht wohl, ich trage auch nur Hosen, keine Kleider, ich denk ich hätte ein Mann werden sollen ? Ich hab mich nie geschminkt weil ich es im Gesicht nicht vertrage wenn da so eine Make up Pampe drauf ist und womöglich noch in die Augen kommt. ich bin da sehr sehr empfindlich. wer mich nicht ohne Maskerade mag, mag mich auch nicht mit. Lieben Gruss in die Schweiz.

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  3. Das kommt mir irgendwie bekannt vor 😉 Seitdem ich mich selber jeden morgen ein wenig schminke – auch wenn es meistens bei Foundation und Wimperntusche bleibt – fängt meine Ma auch an… Ich bin so ein richtiges Kosmetik Kind, mit immer lackierten Fingernägeln, nem Beautyblog parallel zur Fotografie und hab eigentlich alles außer rouge (weil ich das irgendwie nicht mag)…
    Mittlerweile kommt dann die Frage von ihr, ob man Sachen kaufen kann, ob die gut sind… Zu Silvester habe ich sie das erste mal wirklich geschminkt… Ungewohnt aber hübsch…

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  4. Ich habe heute auf dem Nachhauseweg ein kleines Mädchen auf seinem Fahrrad gesehen mit Eis und super lackierten winzigen Fingernägelchen. Das sah einfach süß aus, aber ich erinnere mich als Kind nicht an eine einzige Anwandlung. Ich habe lieber im Matsch gespielt. Neulich hat sich der Sohn meiner Freundin auch die Nägel lackiert. Erst haben wir beide verdutzt geguckt und dann mussten wir lachen. Sah auch prima aus…

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  5. Meine Mutter hat sich auch nie geschminkt. Als ihre Haare ganz grau wurden könnte ich sie überreden, sich von mir die Haare färben zu lassen. Wir haben auf ihrem Kopf so ziemlich alles ausprobiert. Meist war die Haarfarbe zu dunkel. Und alles mit Rotbraun mochte meine Mutter auch nicht. Irgendwann lies sie sich von einem Friseur die Haare dunkelblond färben und blieb dabei.

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  6. An kindliche Schminksessions erinnere ich mich auch, ich bekam dazu von meiner Mum immer diese kleinen Lippenstiftpröbchen, ich hab diese Dinger geliebt (und tue es bis heute). Wie meine Cousine und ich uns hergerichtet haben ^^ und zu der Zeit hörte ich das erste Mal den Spruch „Beim Schminken ist weniger oft mehr“ an den ich mich bis heute halte (wenn ich mich mal schminke)

    Allerdings zähle ich heute auch eher zu den Nicht-Schminkern, in meiner Jugend hab ich mich noch hin und wieder geschminkt, heute ist das besonderen Gelegenheiten vorbehalten.

    Und meine Mum ist das genaue Gegenteil von dir, früher hat sich sich noch öfters mal geschminkt, heute (in halb-grau… sie wäre so gern ganz grau, aber die Gene haben was dagegen) macht sie das fast gar nicht mehr ^^

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  7. Ich schminke mich auch nicht, nur eine Feuchtigkeitscreme verwende ich seit ein paar Jahren. Parfüm nehme ich auch nur selten. Schmuck liegt mir auch nicht so. Hin und wieder trage ich schon etwas, aber nicht jeden Tag. Meine Mama hat sich immer geschminkt, alle Schwestern tun das auch. Kleiden sich toll, tragen Schmuck und Parfüm. Das ist alles an mir vorüber gegangen. Meine Geschwister und ich haben uns als Kinder auch gerne verkleidet und so, aber ansonsten bin ich, was diese Dinge angeht, keine typische Frau. Ich kaufe auch nicht gerne Kleidung oder Schuhe ein. Das Schöne ist doch, dass wir eben alle unterschiedlich sind.

    Herzliche Frühlingsgrüße,

    Caroline

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  8. Das sind tolle Kindheitserinnerung, finde ich! Vor allem, dass der knallige Lippenstift so besonders beliebt war, kann ich mir vorstellen 😀

    Ich hatte eine Mutter, die niemals ungeschminkt aus dem Haus ging. Überhaupt, wenn ich mich jetzt an ihr Gesicht erinnere, dann weiß ich nicht mal, wie sie ohne Make-Up aussah …
    Ich selber schminke mich gerne, habe aber als Kind niemals die Schminke meiner Mutter angerührt – ich glaube, das hätte sie etwas „verstimmt“ … 😉

    Da sie immer sehr sparsam war, habe ich ihr – als ich älter war – von meinem Taschengeld immer teure Mascara aus der Parfümerie gekauft. Immer eine von Lancome, mit der sie dann besonders sparsam umging. Sie reichte immer locker von einem bis zum nächsten Geburtstag …

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  9. Genau daran kann ich mich auch besonders gut erinnern, wie fasziniert du warst und wir Stunden mit schminken und verkleiden verbracht haben. Und dass Deine Eltern es gar nicht gerne gesehen haben, wenn du so geschminkt herum gelaufen bist..hihi! Ich kann mir im Übrigen meine Mutter ungeschminkt auch nicht vorstellen und genau wie Sie gehe ich auch niemals ungeschminkt aus dem Haus….tja, so ist das halt
    mit dem Apfel fällt nicht weit vom Stamm….

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      • Ach super..so geht es mir auch. Ich trau mich ungeschminkt nicht zum Bäcker. Allerdings könnte ich in einen anderen Stadtteil fahren, dann ginge das, da kennt mich keiner.
        Ich verwende Mineralpuder, damit kann ich(jetzt) gut umgehen und es geht schnell.
        Habe mir das von einer perfekt geschminkten, glatten und duftenden Kosmetikfachverkäuferin zeigen lassen. Also ich gebe nicht gerne viel Geld für Kosmetik (höchstens mal für ein schönes Duftwasser) aus, aber ich hatte einen Gutschein für eine teure Parfümerie geschenkt bekommen.
        Der Besuch dort war auch eine Herausforderung sage ich euch.
        Die schöne, glatte, perfekte, duftende und auch noch nette Frau (ich hasse sie!) fragte:

        Also sie möchten gerne ein Puder verwenden statt MakeUp?
        Ja?
        Kompakt oder Lose?
        Lieber kompakt, lose staubt so, glaube ich?
        Ja dann Mineral oder anderes Puder?
        Äh?
        Also ich denke in ihrem Fall(?) nehmen wir Mineralpuder!
        Ja wenn sie meinen!

        Schön und gut, mein ‚Fall‘ wurde abgewickelt und nach Farbfindung für meinen Hauttyp (und nicht zu vergessen für die abzudeckenden Äderchen und Rötungen) bekam ich ein kompaktes Mineralpuder für 45€…ohne das schöne güldene Döschen, das hätte nochmal 28€ gekostet und ohne den aus von 10 Chinesen handsortierten Rotmarderschwanzhaaren(nur die vom Schwanz, die anderen gehen anscheinend nicht) gebundenen Pinsel. Also die Marder werden für die Pinsel nicht getötet..nur rasiert oder so?
        Und er muß unbedingt (natürlich von Hand) glatt abgeschnitten sein, weil mit Rundung geht da gar nichts beim Verteilen des Mineralpuder im Gesicht.
        Mich hätte es fast umgehauen, ja das ist halt mal der beste Pinsel für die Verteilung des Puder, kostet 54!!!€ Also das kannte ich bisher nur von guten Aquarellpinseln.
        Nein danke, Puder im Plastikschälchen und popeliges Schwämmchen für 45€ reichen erst mal.
        Hab mir den Pinsel und das güldene Döschen dann für die Hälfte im Internet bestellt, ich hasse das übrigens..ich kaufe lieber vor Ort im Laden, aber da hört der Spaß echt auf.

        Hihi und seit ich eine Gleitsichtbrille mit etwas dunklerem Rahmen habe, braucht es den Lidschatten nicht mehr, Kajal und Wimperntusche reichen.. und natürlich Puuuuder!
        Alles hat sein Gutes.. und wenn es eine Brille ist!

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  10. Meine Mutter war auf ihre Art eine sehr feine, elegante Frau. Sie benutze kein MakeUp. Keine Creme. Nur ein leichtes Pflegfluid. Und sie hatte eine wunderbar weiche zarte Gesichtshaut. Ihr Markenzeichen: Rote Haare, rote Fingernägel. Sie hatte sehr schöne, gepflegte Hände und mit dem Nagellack fiel das noch mehr auf. Auch die Blässe ihrer Haut. Wenn sie ab und an mit meinem Vater tanzen ging, trug sie meist ein Kleid. Ein wenig hellgrünen Lidschatten. Roter Lippenstift. Dazu ein feines Goldkettchen. Und ganz diese ganz feinen goldene Armreifen. Die leise klirrten, wenn sie aneinander rieben. Und ich saß bei all dem auf dem Sofa und hab zugeschaut. 🙂

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