Rückgabe-Seuche

Es gibt Tage, an welchen man sich derart im falschen Film fühlt – mehr geht gar nicht. Wenn sich aber solche Tage im Job auf einmal häufen und das Personal kurz vor dem Sprung von der Brücke steht – liegt das dann am Vollmond, am Blutmond, an der Bise, am Frühling oder ganz einfach an allgemeiner Verblödung? Erst dachte ich, es wäre nur bei uns so … aber inzwischen habe ich erfahren und selber erlebt, dass es in anderen Textilläden offenbar auch so ist. Da hätten wir Fälle wie:

Die gekaufte Hose gefiel mir zu Hause nicht mehr. Als ich in die Hocke ging, schaute mein Po raus. Ich möchte sie gerne zurückgeben. Wie wär’s, wenn die Kundinnen künftig im Geschäft ihre Yogaübungen in der Kleidung vor dem Spiegel absolvieren, damit wir wissen, ob sie auch „hocketauglich“ ist.

Sie haben für mich drei paar Hosen gekürzt. Eigentlich finde ich sie nun zu kurz. Also genau genommen findet meine Mutter sie zu kurz – und eigentlich möchte ich sie einfach nicht mehr. Könnte ich bitte das Geld zurückhaben. Ähm – logisch, gekürzte Hosen, die man nicht mehr haben will, nützen einem Geschäft schliesslich noch extrem viel. Und dann noch Geld zurück? Hallo?

Ich habe vor einem Jahr bei Ihnen eine Ledertasche gekauft. Inzwischen lebe ich vegan und möchte die Tasche nicht mehr. Kann ich sie bitte zurückgeben – ohne Zettel, eingekauft im Outlet. Klar doch, für sämtliche Sinneswandel unserer Kundinnen sind wir natürlich auch verantwortlich und nehmen doch gerne auch Jahre später die Ware deshalb zurück – im Traum!

Ich gehe davon aus, dass sie auf der Outletware auch 15% Eurorabatt hinzugeben. Klar – eigentlich verschenken wir die Ware auch: Mit oder ohne Geschenkpapier?

Ich habe vor Ostern diese Bluse gekauft, und sie hat super gepasst. Nun passt sie auf einmal nicht mehr. Kann ich sie zurückgeben? Sicher doch, sie essen 20 Schokoladenhasen und wir sollen dann die Bluse zurücknehmen. Wie wär’s mit Weight Watchers?

Und falls nun jemand denkt, dass ich übertreibe – in diesem Fall ist es leider einmal nicht so. Die dreisten Menschen, welche irgendwann Ende Monat das Gefühl haben, sie müssten irgendwas wieder zu Geld machen, die gibt es immer mehr. Einen Monat tragen und dann wieder zurückbringen. Nein! So geht das nicht! Und deshalb gibt es bei uns kein Geld zurück, sondern maximal eine Gutschrift – und auch das nur dann, wenn der Fehler bei uns liegt. Wer also das Gefühl hat, er müsse seinen Schrank räumen, um die überflüssigen Sachen wieder zu Geld zu machen: Bitte geht zum nächsten Second Hand – unser Geschäft ist die falsche Adresse dafür!

76 Gedanken zu „Rückgabe-Seuche

  1. Du sprichst mir aus der Seele !!! 😀 Genial!! Ich kann es nur bestätigen, uns bringen die Kunden teilweise getragene Schuhe wieder und behaupten, diese wären neu und passen einfach nicht. Letzte Woche hatte ich aktuell erst eine Kundin, die ein Lacken zurück geben wollte, total nass und am muffen. Also bitte, das lag mindestens 2 Jahre im Keller und nun, da wir sie wieder im Angebot haben, möchten sie es wieder zu Geld machen…jaja ich kenn es nur zu gut!

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  2. Es geht ja noch weiter: Es soll Blogger geben, die sich Klamotten online bestellen, die Sachen posten und dann zurückschicken. Oder Kunden, die ein Kleid bestellen, damit Party machen (Etikett natürlich gut versteckt) und anschließend zurückschicken. Ganz schön krass.
    LG Sabine
    Bling Bling Over 50

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      • Ich habe mal einen BH bestellt, der kam mit einem Loch und roch nach Rauch, echt jetzt…!
        Boah, die Dame am Telefon konnte ja auch nix dafür, hab sie aber trotzdem zur Sau gemacht.
        Das gibt’s doch wohl nicht, daß die Firma die Ware ohne Kontrolle wieder einpackt und wieder verschickt ???

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      • Oh weh, gleich zur Sau gemacht … nicht nett von Dir, also ehrlich! Ich lach mich gerade schlapp über die Vorstellung, wie Du tobst über Deinen Loch-BH 🙂 🙂

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  3. Richtig übel und deine Beispiele sind wirklich nicht übertrieben, weil es eine unglaubliche Unzufriedenheit unter den Menschen gibt. Wenn ich solche Gespräche irgendwo höre (ach das tausche ich einfach um), könnt ich nur noch ko….. !

    Es reicht ja nicht, das die kleinen Unternehmen schon vom Staat genug ausgesaugt werden, nein, das machen die Leute auch nicht schlecht.
    Dann kommt der Neid noch dazu und schon geht’s los.
    Einen lieben Gruß und noch ein feines Wochenende.

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  4. Die Ausreden werde ich das nächste mal auch mal ausprobieren, die sind einfach einmalig.
    Aber wieso dreist? Man kann es doch mal versuchen….. lach drüber. Es gibt übrigen zahlreiche Händler, da kann man noch , mein erstaunen war auch riesig, nach Jahren was wieder loswerden. Ich habe es nicht probiert,( ich trau mich nicht) aber die schreiben es in den Geschäftsbedingungen.
    Liebe Grüße Wortgestoeber

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  5. Mein Favo ist die vegane Tasche ^^.
    Ich mache übrigens tatsächlich „Yoga“ in der Umkleide. In die Knie gehen, um zu sehen, ob das mit der neuen Hose bequem ist, oder nach vorne gebeugt mal schütteln, ob alles im BH bleibt, wo es hingehört, oder nach vorne gebeugt mich selbst umarmen, ob das Oberteil über den Schultern spannt… Ich dachte, es wäre normal, so was auszuprobieren. 😀 Nein?

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  6. Allgemeine Verblödung gepaart mit Dummdreistfrechheit in Verbindung mit Egozentrik par excellence und totalem Verlust von Anstand und Realitätsbezogenheit … und überhaupt. Ich fahr jetzt mal zum Aldi und frag nach, ob ich das Geld für 1.: das Geld für die doppelte Portion Spaghetti, gestern abend gegessen, zurückkriege, weil ungesund und 2.: Schadenersatz verlangen kann, weil meine schicke enge Jeans heute nicht passt. Mir fällt bestimmt noch mehr ein …
    Guten Morgen und schönen Tag, alle meine Lieben! ❤

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  7. Meine Mutter war ja auch in einem Klamottenladen Verkäuferin. Ich rede jetzt von den 70er und 80er Jahren, als ich zu Hause wohnte und ihre abendlichen Geschichten am Tisch hörte. Insofern kann ich sagen, dreist versuchte immer schon zu gewinnen. Irgendwie auch in dem Maß, je teurer die Sachen waren, die jemand gekauft hatte. Natürlich war meine Mutter empört. Aber das änderte sich irgendwann und sie hatte diebischen Spass an den Leuten. Schade, denke ich im Nachhinein, dass wir die Storys nicht aufgeschrieben haben. In so einem Laden kriegt man ja den kompletten Querschnitt der Bevölkerung mit. Eigentlich eine tolle Sache.

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  8. Da bin ich das Gegenteil. Mir ging neulich an einer schwarzen Hose zuerst am Bund eine Naht auf.
    Ach kein Problem dachte ich. Schnell zunähen, weniger mühsam als die Hose in Zürich über Mittag ins Kleidergeschäft zu bringen..
    Am Schluss hatte ich an dem Ding gefühlt jede Naht nochmals nachgenäht, ech nervig.

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      • Nachnähen geht dank Frau Singer (meiner Nähmaschine) schneller als reklamieren. Turnen in der Umkleidekabine ist übrigens auch bei mir Pflicht, ich mag’s nicht, wenn irgendetwas irgendwo kneift oder drückt. Lieber eine größere Größe …

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      • Tja, das mit der grösseren Grösse ist so eine Sache. Da kommt dann nicht selten der Satz: „Nein, sie brauchen mir das Teil gar nicht erst grösser zu bringen! Ich hatte IMMER eine 36, grösser kaufe ich es bestimmt nicht. Dann nehme ich es halt nicht!“ Okay … seit Geburt immer eine 36 und mit 90 Jahren vermutlich auch noch…..das muss ich alles nicht verstehen. Da hört bei mir der Verstand meistens auf und im Ohr beginnt ein hässliches Pfeifen! 😦

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    • Das möchte ich mir nicht vorstellen. Wie geht das? Kommen die mit einem Tütchen zu euch: „Als ich das bei euch gegessen habe, waren es Pommes und Schnitzel, nach nur einmal essen ist so was braunes stinkiges draus geworden. Kann ich das zurückgeben und kriege das Geld wieder?“
      Buääähhhh… >.<

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      • So ähnlich … Ein Beispiel von unendlich vielen aus dem Gastronomie-Alltag: Den Teller komplett aufessen – es würde nur noch fehlen, dass dieser von Herr oder Frau Gast noch genüsslich abgeleckt wird – um dann die Bedienung darauf aufmerksam zu machen, dass das Fleisch (oder was auch immer) ungenießbar war oder sogar verdorben, zahlen möchte man dafür freilich nichts. Die Antwort „Weshalb haben Sie denn nicht reklamiert, wir hätten Ihnen gern etwas anderes gebracht“ wird ignoriert. Übrigens „einen Gast zu bedienen“ hat nichts damit zu tun „einem Gast zu dienen“. Bedauerlich finde ich auch die permanente und dreiste Frage nach Rabatten oder Sonderpreisen in den kleinen Gaststätten oder Betrieben. Man stelle sich vor, vom Umsatz eines Gastes macht sich eben nicht nur der Chef die Taschen voll. Und ich hoffe innig, dass dieses frech-dreiste Benehmen nicht die Zukunft ist und irgendwann Anstand, Vernunft & Moral wieder siegen … und die Wertschätzung einer Dienstleistung oder eines Handwerksberufes. Liebe Daniela, vielen Dank für deinen tollen Beitrag, dessen Inhalt mich nicht die Bohne überraschte.

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      • So ungefähr. Sie bestellen einen Wein, behaupten, der wäre korkig und lassen ihn zurückgehen. Bringt man ihnen den Wein aus genau der selben Flasche, behaupten sie ,der wäre besser.

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    • in der Gastronomie wird das so gemacht: die Portion wird fast ganz aufgegessen, dann wird der Kellner gerufen und gesagt, es hat nicht geschmeckt oder das Fleisch war nicht in Ordnung. Diese Leute haben ja keine Kinderstube mehr. wenn ich Restaurantbesitzer wäre würde ich denjenigen an Kopf und Hintern nehmen und rauswerfen.

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