Mensch ärgere Dich nicht

Die Devise, sich nicht zu ärgern, gilt für das Spiel genauso, wie für das echte Leben. Habt ihr euch auch schon einmal wie eine Spielfigur in diesem Spiel gefühlt? Ich sehe mich lustigerweise immer als die Gelbe der Figuren (warum auch immer, ich mag gelb nicht mal besonders). Wie eine Wilde würfle und renne ich manchmal um mein Leben, um dann kurz vor dem Ziel von einem Mitspieler überholt und wieder zurück auf Anfang gestellt zu werden. Schönen Dank auch!

Ich habe dieses Spiel als Kind immer gehasst. Immer, wenn ich dachte, endlich gewonnen zu haben, hat mich in letzter Sekunde noch jemand kalt erwischt. Jetzt weiss ich auch, warum das Spiel Mensch ärgere Dich nicht heisst. Es ist nämlich wirklich ärgerlich, wenn man auf der Zielgeraden immer wieder auf Anfang gestellt wird. Doppelt ärgerlich ist es, wenn das im echten Leben passiert. Aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof und auch kein Ferienlager. Hin und wieder ein bisschen mehr Schub kurz vor dem Ziel wäre echt kein Luxus.

Das Phänomen, dass solche Phasen, in denen es immer wieder zurück auf Anfang geht, sich meist konzentriert anhäufen, ist mir auch ein Rätsel. Es ist nicht so, dass man schön zweimal jährlich mal eins auf den Deckel bekommt. Nein! Entweder läuft über Monate alles rund – was man im übrigen viel zu wenig geniesst; oder dann kommt es richtig dicke. Das sind dann eben jene Zeiten, in denen einfach jede Rettungsinsel versagt, alle Schuhe mit Betonsohlen ausgestattet sind, jeder Randstein zur Stolperfalle wird und jeder fallende Dachziegel auf dem Kopf landet. So fühlen sich solche Zeiten mindestens an. Was man anfasst, verwandelt sich – mit Verlaub – in Scheisse. Nix von Goldmarie, nur noch Pechmarie. Und dieses Gefühl kennt bestimmt jeder ab und an.

In diesen Zeiten braucht es unendlich viel Energie, um sich wieder aufzurappeln und nochmal von vorne anzufangen. Egal bei was. Und ich ziehe meinen Hut vor jedem, der solche Phasen optimistisch durchschreiten kann. Mir will das manchmal einfach nicht gelingen. Dann finde ich alles schrecklich: Das Wetter, die Menschen, die Tiere, das Licht, die Dunkelheit – einfach alles! Und da bin ich froh, wenn mir jemand einen Arschtritt versetzt, damit ich nicht im Selbstmitleid zerfliesse. Das ist nämlich weder förderlich noch gesund. Wie gut also, dass ich ein paar versierte Arschtreter in meinem Umfeld habe, die bei allzu langem Jammern die spitzen Schuhe montieren und mir so richtig mit Anlauf in den Allerwertesten treten. Danke dafür! So komme ich auf jeden Fall nicht auf die Idee, bei Zeiten, in welchen es zurück auf Anfang geht, in Lethargie zu verfallen. In diesem Sinne wünsche ich allen mindestens einen Arschtreter, der sie vor dem Jammertal bewahrt!

17 Gedanken zu „Mensch ärgere Dich nicht

  1. Auch wenn das, was du hier beschreibst wirklich mehr als ärgerlich ist, klingt es durch deine Worte fast gar nicht mehr soooo schlimm. Bei mir hätte ein Beitrag mit diesem Thema schon gleich wieder „Weltuntergang“ angezeigt…. aber die Tatsache, dass ich mir um zwei Uhr Nachts, die Zeit im Netz vertreibe, deutet auch schon leicht daraufhin….
    Kopf hoch! LG Summer

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    • Das mit dem Weltuntergang habe ich auch drauf, wenn ich mich nicht bemühe – ich will aber mit Absicht nicht so schreiben, denn die Welt wird auch so schon genug schlechtgeschrieben von den Medien. So ändert sich aber nichts, es fühlt sich nur schwerer an…. 🙂

      Gefällt 1 Person

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