Der richtige Trick

Ein freier Tag – zusammen mit der Liebsten meines Sohnes. Und was machen zwei Weibsbilder bei schönem Wetter an so einem Tag? Richtig, ja, Shopping! In der Schweizer Hauptstadt Bern. Ich mag diese Stadt mit ihren Gassen, dem Markt, den bunten Menschen und den Musikanten an jeder Ecke. Kaum guckt die Sonne raus, fängt diese Stadt zu beben an. Aus allen Gassen strömen Menschen, die Kaffees haben keine freien Plätze mehr und wir hatten mal wieder das Riesenglück, mit unseren gefühlt zehn vollen Einkaufstaschen einen Tisch an vorderster Front zu ergattern. Das ist besser, als RTL 2, VOX, SIXX und all die anderen Trash-Sender zusammen!

Es hat auch nicht lange gedauert, bis sich ein bettelnder Akrobat ein paar Meter von uns entfernt platziert hatte und anfing, seine Kunststücke zu vollführen. Mit einem Hut für das kleine oder lieber grössere Geld – versteht sich. Und kaum hatte er per Handy und Verstärker die Musik aufgedreht, blieben die Leute stehen und fingen an, wie wild Geld in den Hut zu schmeissen. Und das in der Schweiz, wo normalerweise jeder auf seiner Brieftasche sitzt, als ob das letzte Hemd Taschen hätte. Wir haben Bauklötze gestaunt und auf einmal die Erklärung gefunden, warum der Gute
– Nike Air Max an den Füssen
– Billabong Hosen am Popo
– Dakine Tasche in der Hand
– Einrad unterm Po
– iPhone 6 in der Hand
– Superverstärker in der Tasche
– und Tattoos am ganzen Körper hatte.

Muss ganz schön lukrativ sein, so ein Betteljob in der richtigen Innenstadt, bei richtigem Wetter, zur richtigen Zeit und richtig postiert. Nicht, dass wir das dem Bettelkünstler nicht gegönnt hätten, aber es sieht schon komisch aus, wenn einer den Bettelhut hinlegt und von Kopf bis Fuss inkl. technischer Ausstattung voll auf der teuren Markenschiene fährt. Irgendwie verwirrend. Drum mein Tipp für solche, die einen gutbezahlten Sommerjob suchen: Laute Musik, breites Grinsen, ein Hut vor sich auf den Boden legen und all das am besten in Bern. Scheint zu funktionieren. Ich staune noch immer!

22 Gedanken zu „Der richtige Trick

  1. Es heißt: den Hut rumgehen lassen! Alte Tradition bei Strassenkünstlern und Strassenmusikern, jegliche Form von Darbietung. Bettler tun in der Regel nichts. Da trifft Schweizerdeutsch auf Deutsch. Wie schmecken und riechen. Wer wären wir ohne die kleinen Unterschiede?! Liebe Grüße Erika

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  2. Ein Freund von mir ist Pianist. Wenn er Konzerte gibt, die keinen offiziellen Eintrittspreis haben, geht nach der Veranstaltung ein Hut rum. Damit jeder das gibt, was sein Portemonnaie hergibt für so einen Abend. Das hat nichts mit betteln zu tun, sondern mit dem Vertrauen auf ein kluges und herzliches Publikum.

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  3. Straßenkünstler sind keine Bettler, die arbeiten für ihr Geld. Außerdem sind die meisten nicht NUR auf der Straße unterwegs, sondern auch auf Veranstaltungen und Festivals, manche sind sogar richtig erfolgreich und leisten sich ganze Marketingpakete. Wieder andere finanzieren sich so ihr (Musik-) Studium, wie es z.B. in Paris ganz gang und gäbe ist.
    Ich finde es nicht fair, diese Berufsgruppe als Bettler zu bezeichnen, Betteln entsteht aus der Not, Straßenkunst ist ein Lebensstil.

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    • Na dann – muss ich mich wohl geschlagen geben, wenn dieses Votum schon wieder kommt! Ich finde diesen Lebensstil etwas…..ehm…..heikel? Mit Bettelhut und so…..aber eben: Der clevere Kerl hat ganz schön verdient in der Zeit, in der ich ihn beobachtet habe…

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      • Ich glaube der Hut ist nicht allein den Bettlern vorbehalten, das hat meines Wissens nach auch in der Straßenkunst lange Tradition. Genau betrachtet ist es ja an sich nur ein Gefäß, das man gut mit sich rumschleppen kann ^^. Abgesehen davon würd ich heute eher vom Bettlerbecher sprechen, die meisten Bettler, die mir unterkommen, verwenden zum Betteln leere Kaffeebecher.

        Es ist die Straßenkunst sicher kein Lebensstil für jedermann, und ganz sicher auch kein einfacher Weg. Für manche ist es eine Art Aussteigertum (aus der Lohnsklaverei) für andere wie gesagt ein Weg, das Studium zu finanzieren. Ich persönlich finde, dass man als Straßenkünstler ruhig auch gut verdienen kann, es ist nämlich eine oft schwere und undankbare Arbeit. Die wenigsten ziehen das ein Leben lang durch, verständlicherweise.

        Was genau findest du denn daran so heikel?

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      • Bettler und Künstler zu unterscheiden finde ich heikel…..es ist schliesslich nicht alles Kunst, was hüpft und einen Hut vor sich auf dem Boden liegen hat….:)

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      • Da ist vielleicht die Begriffsdefinition problematisch. „Kunst“ in dem Sinn ist es vielleicht nicht immer gleich, aber Arbeit, und Betteln, wenn auch sicher anstrengend und undankbar, ist in dem Sinne nicht unbedingt Arbeit…

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  4. Nun ja….andersrum ist zu beobachten das die Leut ihr Geld lieber in „was richtiges“ investieren….nach dem Motto „Wenn es teuer ist muss es ja gut sein – Understatement is 80th“ 😉 von daher hat er sich doch gut angepasst – und der Erfolg spricht offensichtlich für sich 😊

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      • Heutzutage lässt sich Bedürftigkeit nicht mehr unbedingt am äußeren Erscheinungsbild festmachen. Brocki und Second Hand Läden gibt es viele…und diese Sachen sind mittlerweile gesellschaftsfähig geworden….da ist ein Straßenkünstler, der ordentlich gekleidet daher kommt, allemal netter anzusehen als jemand der sich verloddert präsentiert…und ist mir jemand sympathisch bin ich auch eher bereit mal genauer hinzuspüren oder zu helfen 😊

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    • Genauuuuuuu!!! Freiberuflicher Akrobat!!!! Dass ich darauf nicht gekommen bin – …..!!! Tschuldigung, der musste sein! Also, wenn ich einen Bettelhut auf den Boden stelle, sehe ich das eher als Betteln, denn als freiberuflichen Erwerb an…..

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  5. Das geht nur bei den reichen Schweizern. In Deutschland kann sich das niemand mehr erlauben. Wir sind schließlich ein Land am Rande des billig Lohnes. Ich kenne auch Schweizer Firmen die deshalb in Deutschland produzieren lassen. Nur die Endkontrolle ist in der Schweiz da dort der Lohn zu hoch ist hat man mir erklärt

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