Schaulaufen der Peinlichkeiten

Es ist heiss – sehr heiss. Und es ist weit und breit keine Abkühlung in Sicht. Da ich ein bekennender Winterfan bin und den Sommer ohnehin nicht mag, ist die aktuelle Hitze für mich einfach nur HORROR! Ich mag es nicht, weil man sich nicht davor schützen kann. Im Winter ziehe ich einfach soviel über, bis mir warm ist. Was aber tun, wenn es derart heiss ist, dass es nur noch im Keller erträglich ist? Ein Kellerkind werden?

Aktuell ist jede Bewegung genau eine Bewegung zuviel – und ausserhalb des Hauses ist sowie Kriechgang angesagt. Und dann gibt es Termine, zu welchen man einfach gehen muss, ohne Rücksicht auf Temperaturen oder Befindlichkeiten. Dafür ist meine Notfallkleidung – sprich, die „Flatterhose“ (dünner Stoff), das „Fluflu“-Shirt (weit und locker) und die Glitzersandaletten. Mehr ist zuviel, weniger aber auch. Und damit wäre ich beim Punkt: Das Schaulaufen der Peinlichkeiten.

Zugegeben, nackt wäre aktuell wohl am bequemsten … aber bitte nicht in der Stadt … und bitte schon gar nicht, wenn man keine 18 mehr ist. Die Hitze motiviert aktuell offenbar ganz viele, bauchfrei rumzurennen und Pobackenblitzer gut zu finden. Also, ich korrigiere: Es motiviert vor allem offensichtlich jene, die es besser lassen sollten. Nämlich die Generation jenseits der 40-ig, mit zu vielen Kilos auf den Rippen und Cellulitedellen an Armen, Beinen und Po. Ein Gruselkabinett in den Stadtgassen, welches seinesgleichen sucht. Da wird geschwabbelt, was das Zeug hält. Da wird rausgehängt, was es rauszuhängen gibt und Bauch-Bein-Po bekommt in meinem Kopf ein total neues Bild. Albträume lassen grüssen! Muss das denn wirklich sein. Ich gehöre selber zu exakt jener Generation, die es bitte lassen sollte, nackig durch die Stadt zu rennen. Und deswegen mute ich das auch keinem mehr zu. Es gibt leichte Kleidung, die witzig aussieht und alles verdeckt, was es verdecken sollte. Und dann gibt es noch den grossen Spiegel, der einem doch knallhart sagt, ob es angebracht ist, so das Haus zu verlassen, oder eben nicht. Oder sind im Moment die Spiegel ausverkauft?

Ich habe mich gestern mal bewusst darauf konzentriert, wieviele Leute ich gerne darauf hinweisen möchte, dass es doch auch anders ginge. Oh weh – ich hätte extrem viele ungeliebte Bekanntschaften gemacht. Schrecklich, was da alles so durch die Gassen schwabbelt. Und eines weiss ich nun mit Sicherheit: Zum Glück bin ich nicht tätowiert – das sieht ja auf der runzligen Haut richtig bescheiden aus. Dieser Körperschmuck wird zum Zerrbild auf einer alternden Blache … auch das ist nun wirklich nicht hübsch anzusehen. Wenn die hüsche Rose von früher auf einmal einer Trauerweide ähnelt, welche die Farbe verloren hat…..nun ja….

Im eigenen Garten und am Strand ist all das in Ordnung und egal – aber doch bitte nicht in der Stadt, im Restaurant oder einfach dort, wo man die Blicke zwangsläufig auf sich zieht. Sonst bringe ich diese Bilder nie wieder aus meinem Kopf. Und es reicht doch, wenn ich bei Vollmond nicht schlafen kann.

46 Gedanken zu „Schaulaufen der Peinlichkeiten

  1. Ich kann Deinen Beitrag ebenfalls „unterschreiben“.
    Selbst als ich noch nicht wechseljahrinfiziert war, habe ich auf eine anziehende, nicht aber ausziehende Kleidung geachtet.
    Aber es ist ein Spiegel der Gesellschaft, was Du beschreibst. Je freizügiger, umso besser. Eigentlich warte ich schon auf den Tag, an welchem Kleidung zur latenten Überflüssigkeit erklärt wird ….

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  2. Pahhhhhh jaaaaaaaaaaaaaa!!!

    WARUM … ich frage dich ersthaft: WARUM machen DAS immer die „Falschen“ ???
    Ich motze WIRKLICH nicht rum, aber …..
    die ganze Woche Im Freibad …. jaaaaaa ….
    DIE Frauen, die es besser lassen sollten, um sich eben nicht zum Gelächter zu machen
    … DIE machen es gerade… DIE ziehen den knappesten String an…. ZUM Schreien!!! 😆
    ABER die Männer sind auch nicht besser ….
    da sitzen sie dann „stolz“ mit ihrer behaarten Bowlingkugel und wenn sie aufstehen….
    und eigentlich will ich gar nicht HINschauen … aber WEGschauen kann ich auch nicht….
    da siehst du hinten dann eine halbe Spardose …. wenn du verstehst???

    Erotisch ist auf jeden Fall was anderes :mrgreen:

    Such dir mit Fluflu ein schattiges luftiges Plätzchen …. Lieb Gruß … Katja

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  3. Total deiner Meinung und ich habe da auch keine Hemmungen, es denen, die meine Augen echt beleidigen, mal so ganz leise hinterher zu flüstern oder laut zu denken !!!

    Jahaaaaaa, so gemein kann ich sein 🙂 😉

    Aber GottseiDank sind es nicht all zu viele, die sich diesem Wettbewerb, des Schaulaufens der Peinlichkeiten, anschließen.

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  4. Ich bin ja kurzsichtig. Das erspart mir viele Details aus der Schwabbelzone. Trotzdem gucke ich hier und da schon zweimal hin, weil ich es nicht fassen kann. Aber es gibt auch eine Seite in mir, die sich freut, unförmige Menschen in knapper Bekleidung zu sehen. Geschmack ist nicht demokratisch, kaum zu vermitteln, erst recht nicht zu erwarten. Dass es Leute gibt, die ihr Aussehen nicht an ästhetischen Maßstäben messen, sondern allein am puren Daseinswillen (hier bin ich, hier darf ich sein), gilt wohl als gegeben. Dass mein Geschmack kein Konsens ist, ist ja eigentlich auch mehr als erfreulich (würde mir jedenfalls schnell langweilig). Was mich so freut, ist, dass es offensichtlich ein anderes Selbstbewusstsein gibt (und hier meine ich nicht diese pure Daseinsfreude), eins, dass sich nicht von Mode und Schönheitsidealen etwas vormachen lässt. Ich sehe immer wieder runde Männer und Frauen, die sehr appetitlich im Sommeroutfit daherkommen. Auch wenn ich mich darin schon ausgestellt fühlen würde. Der öffentliche Raum verlangt Distanz, egal ob das die Bekleidung oder andere Formen des Sich-Darstellens betrifft. Aber das ist eben ein weites Feld.

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  5. Es ist keine Frage des Alters, sondern der Zumutung eines „Dellenkörpers“ und den haben sogar Mädels um die Zwanzig. Damit meine ich keinen Hang zu einer dünnen Bohnenstange, aber durchaus die futterzuträglichen Varianten der Menschheit. Deckt das bitte ab, auch wenn ihr meint, das Selbstvertrauen zu haben.

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  6. Man kann sich tatsächlich auch bei hohen Temperaturen locker anziehen ohne peinlich zu wirken. Aber das wissen viele nicht. Ich kann manchmal auch nur den Kopf schütteln … ich glaube, die Spiegel sind blind 😉
    Einen schönen Sonntag, der hier recht schwül werden wird 😦

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  7. Mir geht es genau so…..wechseljahrsgeschüttelt….trotz viel trinken, wichtige Dinge prokrastinieren, leichte Mahlzeiten etc. ist die Hitze nicht nur unangenehm, es gibt einen Unterschied zu einst – damals – früher…wo man es in jungen Jahren auch unangenehm empfindet…aber anders….wenn ich auf die Wetter-App schaue, die die nächsten vierzehn Tage ähnliche Temperaturen vorhersagt ( wohlwissend das es nicht möglich ist über so einen langen Zeitraum exakt vorherzusagen ) wird mir Angst und Bange…wohl denen, die die Hitze weitestgehend genießen können…und zum „Schaulaufen“ in der Öffentlichkeit gehe ich d,accord 😊

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  8. Ich bin hier sehr zwie gespalten – denn es geht um Vorschriften ohne sachlichen Hintergrund.
    Keine Diskussion, dass es eine ästhetische Frage ist – aber wer legt den Maßstab vor?
    Model und unter 20 (25?) Jahre in Ordnung, hässlich und ab 40 Jahre nur im Anzug?
    Micha ist mit seinen 47 Jahren sportlicher als die meisten 20jährigen – wie ist da die Vorgabe?
    Ich habe am Bein eine Narbe – hätte ich da auch trotz sportlicher Fitness keine kurze Hose mit 20 Jahren anziehen dürfen? Und was mache ich mit einem nicht ansprechenden Gesicht? Wo ist hier die Grenze?

    Das Empfinden und die Grenze ist für jeden anders und da gilt für mich – besonders bei diesem Wetter – das bayerische Motto „Leben und Leben lassen“ 🙂

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    • Schön, dass es so viel Toleranz gibt. Ich gehöre nicht dazu … meine Augen sind beleidigt, wenn diese Schwabbelberge halb nackig an mir vorbeiwatscheln. Und ich zähle mich definitv auch zu jenen, die es LASSEN MÜSSEN, drum darf ich das! Auch ästhetische Körper gehören nicht halb nackt in die Stadt oder in ein Restaurant, finde ich. Manche rennen aktuell genauso rum, wie in der Badeanstalt. Hä? Hallo? Erziehung? Anstand? Finde ich daneben!

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  9. Ich finde es auch schräg wie die Leute sich im Moment anziehen, aber, etwas verstehe ich sie…Der Zweck heiligt die Mittel. Ich bin am Freitag auch mit Jupe und offenen Schuhen ins Büro gegangen (es war ja auch „casual“ Freitag).
    Was ich morgen mache weiss ich noch nicht, netterweise muss ich auch noch mittags quer durch die Stadt von einem Büro zum anderen, ob im heissen Cabrio oder Bus ist nocht nicht klar, übel ist beides..

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