Sterneköche und ihre Esstempel

Kennt ihr die Gault-Millau-Punkte und die Michelin-Sterne in der Gastronomie? Also ich kenne sie insofern, als dass ich weiss, dass nur die auserlesensten Köche mit ihren Gastrotempeln diese Auszeichnungen erhalten. Und ich weiss, dass ich kein Fan dieser Tempel bin. Für alle, die nun verständnislos den Kopf schütteln, hier die simple Erklärung einer ziemlich einfach gestrickten Frau:

Wenn ich zum Italiener, zum Griechen oder zum Chinesen gehe, dann weiss ich, worauf ich meinen Magen einstellen darf und ich weiss auch, dass meine Brieftasche deswegen nicht gleich einen Heulkrampf bekommt. Ich kann deren Karten lesen und weiss daher auch, was ich bestelle.

Wenn ich ins Sternerestaurant gehe, kommt die erste grosse Herausforderung schon beim Lesen und Interpretieren der Karte. Die Speisen haben – in aller Regel auf Französisch – die unglaublichsten Namen, welche mir meistens nichts sagen. Ich muss gefühlte 20 mal nachfragen, was nun wo drin oder dran ist, bevor ich überhaupt weiss, was auf diesen Speisekarten steht. Dann kommt Herausforderung Nummer zwei: Keine der Speisen ist in diesen auserwählten Tempeln einfach nur „normal“. Habt ihr schon mal versucht, bei einem Sternekoch einen simpeln, grünen Salat als Vorspeise zu bestellen? Da wird man angeschaut, als ob man ein Dinosaurierschnitzel mit Krokopommes haben möchte. Und das leicht irritierte Servicepersonal reagiert in der Regel mit: „Da muss ich den Chef fragen, ob das geht.“ Aha, habe verstanden! Ein grüner Salat ist ja aber auch was extrem kompliziertes….! Nicht selten kommt die liebe Bedienung dann etwas verlegen zurück an den Tisch und erklärt: „Also, ausnahmsweise könnte der Chef das schon machen, aber auf unserer Kasse gibt es keinen Button (Knopf) für diese Speise. Wir müssen ihnen einfach den „Salad de printemps“ verrechnen, der halt eigentlich noch Kalbsmilke und ein Wachtelei beinhaltet.“ Im Klartext würde das dann einfach heissen: Wenn sie das wirklich wollen, bezahlen sie für den grünen Salat einfach 20.– Franken. Logisch, man geht ja auch nicht in einen Sternetempel, um einen grünen Salat als Vorspeise zu bestellen.

Der totale Systemkollaps kommt bei mir dann beim Hauptgang. Da gibt es irgendwas auf Gedöns von irgendwem, gebettet auf komisch farbigem Geschnipsel (das Essen hat schliesslich im Sternetempel ein eigenes Bett) und gedämpft, gedünstet und geröstet mit Gekrieche von irgendwo. Hilfe! Und wenn ich dann mutigerweise das Mysterium bestelle, wird mir ein riesiger weisser Teller mit einem winzigen Etwas in diversen Farben vor die Nase gestellt – Kostenpunkt: 76.– Franken. Und mein Magen fühlt sich total verarscht.

Fazit eines solchen Sterne-Essens: Brieftasche leer, Magen auch nicht viel voller und eine riesen Lust auf ein Döner oder eine Pizza. Ich bin ganz offensichtlich nicht geschaffen für die kunstvolle Welt der Sterneköche – wer mich also einladen möchte: Der Italiener ist mir 100 mal lieber!

49 Gedanken zu „Sterneköche und ihre Esstempel

  1. Liebe Daniela

    Wenn du das nächste mal Abends in Zürich bist, gib mir bescheid.
    Dann gehen wir zusammen in einen Sterne-Schuppen.
    Dort gibts Bratwurst am Meter und Rösti. 😉

    Liebe Gruess vo de van Dok’s

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  2. Schöne Diskussion die du ins rollen gebracht hast, toller Beitrag, tolle Antworten. Ich gehe komplett mit dir was meinen Geschmack angeht zumal ich auch noch Vegetarier bin. Die komplett überbezahlten einfach nur in Butter geschwenkten Gemüsen… und dieses Kopfschütteln über alles was ausserhalb der Empfehlung erbeten wird. Man fragt sich schon wer ist der Dienstleister und wer der Gast. Trotzdem habe ich ich in einigen diesen Restaurants auch grossartig gegessen. Ich glaube mann sollte sich vorher immer genau anschauen wohin man geht. Es ist beim essen wie in der Mode, über Geschmack sollte man nicht streiten… diskutieren macht Laune ; D

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  3. Grundsätzlich bin ich absolut bei Dir.
    Aber wenn ein Bekannter, der beruflich in einem dieser Tempel kocht, für uns kocht (was anständiges!), dann sind es geschmacklich andere Welten.

    Der Preis in Tempel dafür ist es uns aber trotzdem nicht wert.

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  4. ich kenne einen Gourmetkoch hier mit einigen Sternen oder Gault Millot weiss ich nicht genau, das heisst ich kannte seinen Vater gut, der hat bei uns gearbeitet und sich geschämt weil sein sohn Koch lernen wollte. Weiss ich noch gut. heut wär er wohl stolz auf seinen Sohn, der es soweit gebracht hat. Der Vater lebt nicht mehr. Ich selbst würde nie in so ein Gourmetlokal gehen, da würde mir der Appetit schon gleich vergehen, wenn ich die Speisekarte sehe auf der
    zwar viel draufsteht, aber im endeffekt nichts auf dem Teller ist. neeee Danke …..

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  5. Kochen, bzw. Essen ist ein Ausdruck von Elite. Das fängt schon damit an, dass Geschmack erlernbar ist. Sieht man ja bei Kindern, die bis 12 nur Nutellabrote essen und dann vielleicht auf einen Schlag beantragen, in die Sushi-Bar mitgenommen zu werden. Mit Essen setzt man sich ab. Natürlich auch, weil das Essen im Sterne-Lokal deutlich teurer ist, als anderswo. Wer dorthin geht, um einen soliden Vorspeisensalat zu bestellen, ist vielleicht genauso falsch beraten, wie jemand, der in einer Kunstausstellung Comics erwartet (wobei es das mittlerweile sicher auch gibt). Sterne-Küche ist Luxus. Wie die teuren Stöckelschuhe im Vergleich zu den bequemen Alltagstretern. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, könnte man meinen, wenn eben nicht diese Elite-Schranke wäre. Aber das ist ein weites Feld…

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  6. Wenn Du Dir vorher zuhause ein schönes dickes Leberwurstbrot (2 Scheiben Brot, Leberwurst dazwischen, evtl. mit saurer Gurke) einverleibst, dann geht das schon im Tempel …. 😀 Fürchterlich find ich diese Beschreibungen mit an/auf/in und der Erwähnung jedes einzelnen Körnchens. Das ist so, als wenn die Frau beim Date gleich erzählt, welche Unterwäsche sie trägt …nur das alles klar ist und keine Mißverständnisse aufkommen … Ansonsten habe ich viel Respekt vor der Kochkunst. Guten Appetit!

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    • Du willst mich also motivieren, mich zu Hause erst satt zu essen, um dann im Gourmettempel ein Schweinegeld für ….. XY …… auzugeben. Also bitte, dann bleib ich doch gleich daheim mit meinem Leberwurstbrot. Und ja, wenn dann die silbernen Hauben vom Teller gehoben werden und das Personal gefühlte 3 Minuten erzählt, was sich auf dem Teller befindet (während das Essen kalt wird), frage ich mich immer wieder, wie man über so wenig auf dem Teller soooooo viel erzählen kann….. *losprust*

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  7. Italiener, Grieche, Türke – was auch immer – bei mir kommt das Futter aus der Dose oder dem Sack und schmeckt jeden Tag verdammt gut! Ich bin nun mal kein Tempel-Versteher und beneide euch nicht um eure Auswahl. Ich muss da nix selber entscheiden. Was in den Napf kommt wird gefuttert. Pasta!

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  8. Am besten sind die Gemüseschäumchen im Gläschen mit Miniatürlöffelchen fürs kleine Appetitchen. Ich gebe zu, dass ich was das angeht, bekennender Banause bin. 1000 Mal lieber gehe ich bei einer türkischen oder nordafrikanischen Freundin essen. Das ist lecker, macht satt, und man wird nicht während des Essens noch von 50 Angestellten beobachtet. Denn dann fällt einem garantiert jeder dritte Bissen aus dem Mund, oder man sabbert, oder ein Schalzipfel hängt unbemerkt im Salätchen und saugt langsam, aber stetig den teuren Balsamico auf. Brrrr….

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  9. Da kann ich dir aber wirklich nur sehr bedingt zustimmen.
    Auf der einen Seite, ja es ist ein Unterschied ob man sich in ein „normales Restaurant“ oder in einen wie du es nennst „Sternetempel“ geht.
    Man weiss was man hat wenn man zu den ueblichen Verdaechtigen geht. Wobei ich aus Erfahrung sagen muss das man Chinesen in Deutschland definitiv meiden sollte da das servierte dort nur in den ganz seltensten Faellen etwas mit authentischem chinesischen Essen zu tun hat.Aber das ist ein komplett anderes Thema.
    Gourmet Restaurants sind da schon etwas ganz anderes. Das ist eine hohe Kunst die das Ziel hat den Gaumen und die verschiedenen Sinne zu reizen und zu ueberraschen.
    Ich bin selbst Koch ohne das ich auf Sterne Niveau kochen wuerde,und geniesse es ab und an mir das Erlebniss Gourmet Kueche zu goennen und zu geniessen.
    Meiner Meinung nach hat alles seine Zeit, das dicke Schnitzel genau so wie der Doener oder eben das Dings aus Bumms auf xxx Beet.Man muss sich nur mal darauf einlassen wollen.

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      • Ich bin halt die, die nie große Portionen isst, lieber öfter…..😉…und es ist schwierig in Restaurants kleine Portionen zu bekommen….daher bin ich eher obiger Typ…wobei mein Portemonnaie da eher der Imbiss-Typ ist….😣….mein Portemonnaie und ich müssen reden….😜😂😂😂😎😋

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    • Ich habs schon zig mal versucht und … frage mich jedes mal wieder, warum ichs wieder getan habe (meist jemandem zuliebe….). Und bei manchen Dingen frage ich mich einfach echt, ob das seinen Preis wert ist: Wenn die Pinienkerne geräuchert werden (hä?) und sie dann schmecken wie Salami, könnte ich doch gleich Salami essen….wäre doch einfacher!

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