Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Wie oft im Alltag und in unserem Leben sagen wir bei diversen Gelegenheiten: „Nein, geht nicht, das lässt sich nicht mehr ändern.“ Entweder geht es um Termine, die sich scheinbar nicht mehr verschieben lassen, um Pläne, die sich unmöglich ändern lassen oder um Abmachungen, die keineswegs geändert werden könnten. Zumindest meint man immer, dass das so sei. Auf Gedeih und Verderben in Stein gemeisselt und niemals anzutasten. „Ich kann unmöglich kommen, habe Termine“, oder „Das ist mir zu kurzfristig, darauf bin ich gerade nicht vorbereitet“, oder „Wenn ich das früher gewusst hätte, dann hätte ich es noch organisieren können.“ Alles so einfach Alltagssätze. Aber: Stimmen diese auch wirklich? Ist es wirklich so, dass wir unsere Tages-, Wochen-, Monats- oder Lebenspläne so gar nicht umschmeissen, spontan ändern oder einfach mal total umkrempeln können?

Also seit kurzem weiss ich es defintiv: Es gibt Momente im Leben, da muss man einfach so flexibel sein, sich täglich auf eine neue Situation einzustellen. Dies auch, wenn der Plan eigentlich total ein anderer war, und zwar schon Monate im voraus geplant. Wann das so ist? Ganz einfach: Wenn ein fieser, mieser und hinterhältiger Virus den Körper derart lahm legt, dass nichts mehr geht. Einfach gar nichts! Und wenn man dann im Spital noch hört, dass man sich auf einen wochenlangen Genesungsprozess und auf lange Bettruhe und all den Krempel einstellen muss – ja dann kann man eigentlich die Agenda gleich aus dem Fenster werfen. Dem Mistkäfer im Körper ist nämlich relativ egal, ob es sich bei den Plänen um eine Weltreise, ein Auslandstudium, wichtige Geschäftspläne oder einen Umzug in ein neues Zuhause handelt. Der kleine fiese Virus übernimmt auf einmal das Kommando und man muss im Kopf sehr schnell den Schalter umlegen. Von langer Hand geplante Vorhaben werden kurzerhand über Bord geworfen. Das muss zwar verdaut werden, aber ändern lässt sich daran nichts. Und scheinbar unüberwindbare Hürden müssen bezwungen werden; der Käfer lässt einen nicht wählen. So einfach ist das! Und gleichzeitig auch saukompliziert. Denn es erfordert eine Menge Flexibilität, 180 Grad umzudenken, planlos von Tag zu Tag zu leben und vorerst einmal die Kraft darauf zu bündeln, wieder auf die Beine zu kommen. Alles andere ist auf einmal Nebensache.

Und so kann es also im Leben sein, dass man auch über Monate perfekt geplante Vorhaben in ein paar Minuten loslassen muss – weil man dazu gezwungen wird. Wozu das gut sein soll? Ich habe keine Ahnung, aber irgendwann erfährt man es manchmal – vielleicht aber auch nie. Ändern tut es ohnehin nichts. Es kommt eben manchmal anders, als man denkt.

P.S.: Keine Sorge, ich bin gesund – gehöre aber zu jenen, die mitbetroffen sind und die Erfahrung gerade mittragen müssen. Deswegen diese Zeilen!

23 Gedanken zu „Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

  1. Der Text ist schön geschrieben. Aber wenn man länger Krank ist so nach etwa 6 Monaten wird man ruhiger und tut sich den Terminstress gar nicht mehr an. Nach 2 Jahren hat man das so verinnerlicht das man schon Panik hat wenn jemand einen Termin machen möchte

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  2. Wozu das gut ist? Na ja….zumindest nachdem was die Gerontologie ( Wissenschaft des Alterns ) sagt ist jede Krise eine Vorbereitung / Übung für das Altern / Alter. Und das ist eins der schwersten Themen des Lebens…sagt meine Erfahrung als ehemalige Altenpflegerin…es ist was es ist, sagt nicht nur Erich Fromm, sondern auch der spirituelle Mensch, versuche es anzunehmen und loszulassen…

    Es ist so eine schwere Zeit des Bangens, wo man sich fragt warum das ganze, eine Zeit der Angst um das nackte Leben, Grenzerfahrungen die verdammt weh tun können, Hilflosigkeit die lähmt…und das bei Menschen die eigentlich total taff mit beiden Beinen im Leben stehen…mein Mitgefühl ist bei Euch…mit den besten Genesungswünschen, auf das möglichst bald wieder normaler Alltag Einzug hält…sagt das Marinsche

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    • Und was Marinsche sagt, ist Gesetz! Nein, da hast Du vollkommen recht. Und es ist ja auch nicht so, dass wir das nicht wüssten. Aber als Vorbereitung aufs Altern haben wir das alle nicht wirklich gesehen….eher als Familienchallenge, die wir meistern werden! 🙂

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      • Das mit der Gerontologie war auch nur so als soziales Erklärungsmodell gesehen..als kleiner Exkurs 😉 hinter jedem steckt natürlich ein Mensch, der betroffen ist und dem so Modelle so ziemlich sch… egal sind in dem Augenblick – verständlich! Ihr schafft das! Das ist zu spüren 🙂

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  3. wunderbarer Text! Es ist die Wahrheit und manchmal muss das vor Augen geführt werden, dass nicht alles sicher ist und sich alles in jeder Minute ändern kann! Aber das wichtigste ist doch, das Beste daraus zu machen und wer weiß, vielleicht war es das Schicksal, dass es so „geplant“ hat. 🙂

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  4. Genau diese Flexibilität wurde verlangt, als ich vor 2 Jahren für 5 Wochen ins Spital musste. Wohl dem, der eine(n) große und tatsächlich flexible(n) Familie/Freundeskreis hat. Bei allem Drüber und Drunter hat uns das extrem zusammen geschweisst. Ich kann gar nicht zum Ausdruck bringen, wie dankbar ich all diesen lieben Menschen bin.

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