Jammerlappen

Kennt ihr den Ausdruck Jammerlappen – oder ist euch Heulsuse, Jammertante oder Pussy geläufiger? Und kennt ihr so jemanden? Also grundsätzlich sind Jammerlappen Menschen, die immer jedes Wehwehchen laut mitteilen müssen. Ihnen ist wichtig, dass alle rund herum immer über ihre Unpässlichkeiten Bescheid wissen und sie bedauern. Nützt zwar nichts, ist aber so!

Während ein Normalo Kompfschmerzen hat, die er maximal einmal erwähnt, stirbt der Jammerlappen beinahe, weil er so wahnsinnig unsägliche Schmerzen hat, die er im 10-Minuten-Takt erwähnen muss. Schliesslich vergisst sonst das Umfeld, dass er Schmerzen hat. Drum macht das „Auaa“, „Uhhhh“, „Ächtz“ und „Stöööhn“ das Leben zwar nicht besser, lässt aber die Aufmerksamkeit der Mitmenschen aktiv bleiben. Und während die anderen vielleicht schnupfengeplagt sind, hat der Jammerlappen Erstickungsanfälle und eine schlimme Sinusitis.

Der Jammerlappen hat im Winter auch nicht kalt – er erfriert! Und im Sommer schwitzt er nicht, er zerschmilzt und ist hitzschlaggefährdet. Schmerzhafte Blähungen lassen den Jammerlappen krümmend auf dem Sofa liegen, während ein Normalo vermutlich noch aufrecht gehen kann. Und einen Magendarminfekt steckt ein Jammerlappen niemals in zwei Tagen weg – schliesslich ist er geschwächt vom dauernden Erbrechen und braucht mindestens eine Woche, in welcher er bestimmt 100 mal erwähnt, wie schlecht es ihm geht.

Keine Ahnung, warum es Menschen gibt, welche Schmerzen klaglos ertragen, während andere sie mit den Mitmenschen teilen möchten, um sich dabei besser zu fühlen. Ebenso wenig Ahnung habe ich, warum manche mit Migräne arbeiten können, während andere komplett ausser Gefecht gesetzt sind. Ob das mit der Schmerzgrenze, mit dem Charakter oder ganz einfach mit dem unterschiedlichen Empfinden oder der Tapferkeit zusammenhängt – keine Ahnung! Ich weiss aber eines mit Sicherheit: Ich gehöre zur Spezies der Jammerlappen. Auch wenn ich mit Migräne arbeiten kann – mein Umfeld muss es ständig hören und mitleiden. Und ich möchte bitte, dass man mich betüdelt und umsorgt! Und wenn ihr nun wissen möchtet, warum das so ist – ich habe leider keine Ahnung. Vermutlich habe ich ein aussergewöhnliches Aufmerksamkeitsdefitizsyndrom – sprich, ich habe sonst von meiner Umwelt zu wenig Aufmerksamkeit und jammere einfach so laut, bis ich diese bekomme. Das wäre nun also eine ganz neue Interpretation des ADS (oder ADHS), abgeändert speziell für mich! So, und jetzt können alle ihr tiefstes Bedauern mit meinem Umfeld haben – die haben es nämlich verdient….schliesslich müssen die mein Gejammere immer ertragen!

63 Gedanken zu „Jammerlappen

  1. Ich habe „meinen“ Gōttergatten als „Mādchen“ tituliert, da angeblich seine Schmerzen so arg sind beim Zahnarzt. Natūrlich hat er dies dem lieben Doktor prompt rapportiert und was sagt dieser? Intelligente Menschen hātten ein sensibleres Schmerzempfinden. Na der kam mit erhobenem Haupt nach Hause. Ich bin wohl eher strohdumm, ich ertrage recht viel Schmerz.

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  2. Ich neige zu beiden Seiten, je nach Schmerz und Laune. Dennoch bin ich wohl eher kein Lappen, was mich stellenweise sehr nervt. Vor allem wenn alle anderen die Wehwechen haben sich mit Schmerztabletten voll pumpen und dann auch nich betüdelt werden.

    Es muss aber auch gar nicht ADS sein sondern vielleicht das Münchausener-Syndrom dritten Grade oder so?^^ Also dass die Schmerzen unterbewusst produziert werden, wobei dass ja wieder rumm psychosomatisch wäre… Ach, Jammerlappen sind eine Wissenschaft für sich.

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  3. Hallo,es gab da eine Erhebung über die Empfindlichkeiten von Patienten, dem nach handelt es sich dabei um ein Überbleibsel aus der Kindheit.Kinder die im Alltag nicht so viel Aufmerksamkeit bekamen wurden bei einer Krankheit mit mehr Aufmerksamkeit bedacht.Schlussfolgerung“wenn ICH Krank bin bekomme Ich meine Beachtung“

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  4. Pingback: @ Modepraline | Schnipselsammlung

  5. Also ich würde mich als Semi-Jammerlappen bezeichnen, bei meiner Gallenkolik und der letzten Grippe mit Fieber hab ich auch wirklich gejammert und gestöhnt. Selbst wenn keiner da war. Irgendwie half es, sich mit den Beschwerden auseinanderzusetzen. Man hat in dem Moment ja keine Kontrolle über den Körper und ist schon ziemlich hilflos. Ich persönlich finde es aber auch anstrengend, wenn mir dauernd jemand erzählt, dass er (oder auch sie) im Sterben liegt, weil er /sieSchnupfen hat. Aber man kanns ja einfach ignorieren wenns zu viel wird oder auch einfach mal sagen, dass mans nicht mehr hören möchte. 😉 Sehr cool jedenfalls, dass du dich so selbstkritisch äußerst!!

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    • Gallenkolik – bin dabei! Kannte ich auch … jetzt ist sie weg! Dann sind die Dinger also wirklich schmerzhaft und ich war gar kein Jammerlappen? Oh weh … und ich dachte damals echt, ich hätt wieder für Anfänger gejammert….bis die Gallenblase rauskam. Dann hab ich gejammert, weil ich Angst hatte, das Duschmittel würde durch die Naht in meinen Bauch laufen – die Ärzte haben sich schlapp gelacht…. 🙂

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      • Ne du, da hast du nicht übertrieben! Wenn Kinder kriegen nur halb so schlimm ist, bekomme ich meine nur unter Vollnarkose, da kannste drauf wetten! Meine ist ja zum Glück auch weg! Das mit dem Duschgel ist aber schon leicht paranoid. 😛

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      • Leicht kannst Du weglassen – bei meinen Kaiserschnitten habe ich mich die ersten Tage geweigert zu duschen, weil ich überzeugt war, dass mein Bauch anschliessend Seifenblasen blubbern würde.

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  6. Pingback: Nachtrag zur “Montagsneurose” | Wunderwaldverlag

  7. Also ich glaube, dass Menschen erstens unterschiedliche Schmerztoleranzen haben, und zweitens manche Schmerzen besser auszuhalten sind als andere.
    Ich fand z.B. meine Geburten weniger schlimm als die jährliche Zahnreinigung mit diesem Ultraschalldingens, das einem immer in Mark und Bein fährt.
    Mich plagt alles, was in Kopfnähe ist viel mehr als andere Schmerzen. Ob Migräne oder etwas mit den Nebenhöhlen… Das muss nicht mal SO fest schmerzen, um mich außer Gefecht zu setzen. Grässlich. Und ich finde nicht, dass ich ein Jammerlappen bin. Aber vielleicht denken das ja viele Oberjammerlappen von sich 😁.

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