…und dann kam Lara…

Vorgeschichte: Mutter-Tochter-Tag! Wir hatten uns einen Tag freigeschaufelt, um Hundezüchter zu besuchen, weil ich mir ja einen kleinen Begleiter zulegen möchte. Und meine Tochter, die das Fell-Gen irgendwie wohl mitbekommen hat, war meine Begleitung. Also ab zu einer Züchterin, die ein Haus voller Bolonkas hat (12 an der Zahl), alle ausgewachsen (da derzeit keine Welpen) und trotzdem nicht grösser, als unsere Katzen. Lustige, wuschelige, liebe und anhängliche Gesellen, die einfach zum Knutschen sind. Und dort haben wir uns unendlich lange verweilt, waren begeistert (wir sind es immer noch!), haben viel erfahren und fanden es toll, dass die Züchterin und ihr Mann ihr Leben total auf die kleinen Gesellen abgestimmt haben. Hut ab – ich meine: Das ist ganz schön viel Arbeit und Ferien sind auf der Lebensliste gestrichen! Nun harren wir gespannt der Welpen, die im Herbst dann hoffentlich kommen werden.

Auf der Rückfahrt haben wir intensiv im Auto diskutiert – über Tiere, Motivation von Tierhaltern und noch mehr tierische Themen. Auch darüber, dass wir eigentlich bislang immer Tieren ein Zuhause gegeben haben, welche niemand haben wollte. Wir sind also eigentlich so die typische Familie für nicht ganz makellose Tiere, die möglicherweise eine Tasse zu wenig im Schrank haben. Und so kam es, dass wir  – ungeplant – auf der Heimfahrt einen ziemlich steilen Schlenker in Richtung Tierheim machten. Kein uns unbekanntes Tierheim…aber mit einem unerklärlichen Impuls aus dem Bauch, der uns ziemlich zielgerichtet dorthin führte.

Unverbindlich wollten wir uns informieren, was es denn für Hunde hätte, die ein Plätzchen suchen. Die nette Tierpflegerin erfragte unsere Wünsche. Welpe, geschlecht egal, Farbe egal, wenn möglich ausgewachsen nicht mehr als 8 kg (also ziemlich klein) und gerne auch mit ein oder zwei kleinen „Schönheitsfehlern“. Dass es genau das gerade nicht haben würde, war uns klar. Aber sie schrieb unsere Wünsche auf, notierte unsere Adresse und wir verabschiedeten uns wieder.

Draussen vor dem Tierheim sass ein Ehepaar mit zwei Hunden und beobachtete das rege Treiben vor dem Heim. Wie sich herausstellte, sind sie die Eltern des Heimleiters und die Vorbesitzer. Wir kamen ins Gespräch und erzählten den beiden von unserem Projekt Hund. Und da meinte die Frau: „Hat man ihnen Lara gezeigt?“ Wir: „Nein – Lara?“ Die Frau: „Wenn meine Hunde sie akzeptieren würden, ich würde Lara sofort nehmen. So ein toller Hund. Gehen sie noch mal rein und fragen sie nach Lara.“ Gesagt, getan! Wir gingen also zurück und der Tierheimleiter meinte: „Haben wir etwas vergessen?“ Wir: „Ehm, nein, aber ihre nette Mutter hat uns gerade gesagt, sie sollten uns doch bitte Lara zeigen.“ Sein Gesichtsausdruck entsprach dem eines lebendigen Fragezeichens. „Hä? Hatten sie nicht gesagt, dass sie einen Hund suchen, der nicht schwerer als 8 kg werden sollte?“ Wir: „Ja eigentlich schon, aber sie meinte, Lara sei dennoch einen Blick wert.“ Er daraufhin mit einem schelmischen Grinsen: „Ah, okay. Ich zeige Ihnen Lara schon, aber sie ist etwas mehr als 8 kg schwer.“ Nun ja, wir hatten ja nichts zu verlieren. Also führte uns der nette Tierheimleiter in die heiligen Gefilde der Hunde, wo Besucher eigentlich nicht zugelassen sind.

Es bellte aus jedem Gehege. Vor einem leeren Aussengehege blieben wir stehen, konnten aber hinter der Glastüre die Umrisse eines ziemlich grossen Etwas erkennen. Wir betraten das Gehege, er öffnete die Tür und….heraus kam  L A R A. Unsere Augen hättet ihr sehen sollen. Lara ist eine 4-jährige Cane Corso Hündin mit einem Gewicht von (ich schätze mal vorsichtig) rund 50 kg. Also eigentlich ein bellendes Pony. Ein Kraftpaket mit grossen, kugelrunden Augen, hängenden Schlabberlippen, riesigen Pfoten und einer Rute, mit der sie uns vor lauter Freude beim Wedeln quasi „auspeitschte“. Und Lara hat sich so über unseren Besuch gefreut, dass wir uns beim Spielen mit ihr fragten, was dieses Tier im Heim macht. „Nun ja, der Besitzer hat auf einmal gemerkt, dass er Lara eigentlich nun nicht mehr haben möchte. Jetzt ist sie halt hier.“ Hä? Kurz mal für Einfachdenker wie mich: Man schafft sich also einen Hund an, der bekanntermassen die Grösse eines halben Pferdes hat und merkt dann nach vier Jahren, dass es doch nicht der richtige Hund ist!? Müsste man da nicht eher den Besitzer einsperren, anstelle des Hundes? Sollte man sich das nicht vorher überlegen? Ist ein Hund nicht eine Herzensangelegenheit fürs Leben?

Nun ja, Tatsache ist, dass Lara für uns viel zu gross ist und unsere Kater zu Hause wahrscheinlich nie wieder reinkommen würden. Zudem könnten wir Lara niemals das bieten, was sie braucht. Aber wir haben uns jetzt mal auf die Spaziergängerliste schreiben lassen, denn es hat unendlich viele Hunde, die sich über Spaziergänge freuen. Auch Lara!

Fazit: Bitte, denkt doch vor der Anschaffung eines Tieres über die Konsequenzen, Kosten, Lebensveränderungen etc. nach – nicht erst, wenn das Tier gross und nicht mehr hipp ist. Ein Tier ist nunmal kein Modeartikel, den man einfach entsorgt, wenn er nicht mehr passt!

42 Gedanken zu „…und dann kam Lara…

  1. Ein Tier ist, wie du auch schon sagst, eine Lebensentscheidung finde ich! Dabei meine ich allerdings nicht nur Hunde, sondern auch Katzen und was man sich sonst noch so halten kann…

    Man muss sich halt vorher immer klar sein: Dieses Tier begleitet mich für ungefähr die nächsten 20 Jahre! Das ist heutzutage echt ne lange Zeit, wenn man überlegt, das es Menschen gibt, die nicht einmal wissen, was in 3 Jahren ist..

    Wir wollten bei unserem Kater damals „nur mal Babykatzen gucken“.. Aber Karlchen entschied dann für uns, dass er in unsere kleine Familie gehörte. Da wollte er auch keine Diskussionen zulassen..

    Die Entscheidung ihn mit zu uns zu nehmen hatten wir uns echt nicht leicht gemacht.. Aber schon auf dem Heimweg bekam er damals ein Versprechen: Wir werde ihn im Leben niemals wieder verlassen! Und daran halten wir uns auch.

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  2. So schön, dass Lara nun ein „GOTTI“ hat und sie ab und zu mit Dir spazieren gehen darf. Das macht doch den Tierheimalltag um soooooo Vieles schöner ❤️ Ihrem Vorbesitzer würde ich auch am Liebsten eine klatschen, aber vielleicht ist es für Lara besser, dass sie nicht mehr bei diesem Typen leben muss. Ich hoffe, sie findet ganz schnell ein wunderschönes Zuhause 👼🏼
    Noch was zum Auslandstierschutz! Ich dachte zuerst auch immer, wir haben genug Tiere in unseren örtlichen Tierheimen, die ein liebevolles Zuhause suchen. Das ist nach wie vor so, ABER die Tiere in unseren Heimen leben im Vergleich zu den ausländischen Tieren in einem „5 Sterne Hotel“. Was im Ausland mit den Tieren passiert ist unsagbar grausam und traurig. Die meisten Hunde und Katzen leben in sogenannten Tötungsstationen. Werden sie nicht innerhalb von 14 Tagen abgeholt, werden sie oft auf grausame Art und Weise getötet. Andere leben in staatlichen Tierheimen, was einer „Hunde- und Katzenhölle“ gleichkommt! Auf engstem Raum, versorgt nur mit dem Nötigsten (nicht von Tierschützern, sondern von Menschen, die es nur des Geldes wegen tun) im eigenen Dreck und oft werden sie dort noch misshandelt 😔 Ich weiss, wovon ich spreche!!!
    Tierschutz hat für mich keine Grenzen und ich engagiere mich seit 6 Jahren für Tiere im Ausland. Unsere Hauptaufgabe ist die Hilfe vor Ort (das ist auch am Sinnvollsten), aber wenn ab und zu doch mal so ein Seelchen das Glück hat, von lieben Menschen adoptiert zu werden (im eigenen Land will kaum jemand ein Tier aus dem Tierheim!!!) ist es für das Tier das Schönste was es gibt und sein Leben wurde gleichzeitig gerettet. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was in gewissen Ländern abgeht! Die Tiere haben dort weniger wert, als ein Sack voller Kartoffeln 😔 Das kann ich bei all der Armut noch nachvollziehen, aber wenn sie die Tiere aus Spass quälen, ist auch mein Verständnis nicht mehr vorhanden!

    Für mich ist es von daher ganz klar… egal wo ein Tier lebt, wenn ich irgendwie helfen kann tue ich es, weil ich sie ALLE liebe, egal wo sie leben 💖

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  3. Stimmt. Deshalb haben wir einen Herrchenkater. Der schläft mit Herrchen Nachmittags auf der Couch und schaut auch gerne Fußball mit Herrchen aber Nachts ist er am liebsten draußen. Beim Essen ist er sehr wählerisch die Wurst nur von Gutfried als Futter nur Markenware aber mit täglichem Wechsel der Marken sonst muss man Krach schlagen. Also einfach gesagt der perfekte Herrchenkater

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  4. ich habe eine lange Zeit in unserem örtlichen Tierheim ausgeholfen. Erst als Gassigeherin, dann habe ich die Katzen betreut. Dadurch bin ich dann auch Hunde-und Katzenbesitzerin geworden. Die Situation der Tiere hat sich nicht verbessert, immer noch werden Hunde und Katzen ausgesetzt oder aus schlechter Haltung befreit und kommen ins Tierheim. Darum bin ich gegen das Züchten von noch mehr Hunden und Katzen. Das Elend ist sehr sehr gross und wir kommen irgendwann dahin, dass wie in anderen Ländern, die Heimtiere eingeschläfert werden müssen, wegen Platzmangel und nicht aus gesundheitlichen Gründen.

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  5. Es geht ja um alle Wesen, die unserer Obhut anvertraut sind, weil sie abhängig von uns sind, schwach sind, ohne uns kaum überleben können.
    Kinder, Tiere, manchmal auch Erwachsene.
    Und immer wieder erschüttert mich die Inhumanität meiner Mitmenschen, die alle Spezies schlecht behandeln.
    Besonders Tiere – sie können nicht sprechen.
    Da wurden an Ostern als Deko Kükchen und Häschen gekauft – ach so süß.
    Ostern war vorbei und die Tierchen lagen in der Mülltonne, sie wurden halt nicht mehr gebraucht.
    Da wird ein Hündchen angeschafft, aber wenn die betuchte und herzlose Familie in Urlaub fährt, wird Hündchen einfach ausgesetzt ( nicht etwa in eine Tierpension gegeben, das kostet ja Geld)- auf Parkplätzen, an Laternenmasten – ich kann gar nicht so viel essen, wie ich „k“ möchte.
    Mich ekelt vor diesen Individuen – Personen, für die ein technischer Gegenstand dieselbe Wertigkeit hat, wie ein lebendes Wesen.
    Und ich wünsche all denen aus tiefster Seele, dass man sie behandelt, wie sie diese armen Wesen behandelt haben.
    Meist erfüllen sich diese meine Wünsche – und das ist gut so.
    Grausam.
    Das Hündchen, daß Du Dir ausgesucht hast, bzw. die Rasse, Dani, ist ja ganz bezaubernd.
    So ein goldiges kleines Wesen.
    Ich liebe Hunde, Tiere überhaupt ( mit Ausnahme eines Komodo Warans 🙂 – und Ihr könnt jetzt alle zusammenfahren – ich besaß eine Boa Constrictor, die ich von 42 cm auf 3,3 M großgezogen habe – ich habe dieses Tier sehr geliebt – und man glaubt es nicht – sie kennen Ihren Menschen.
    Ach ja,lange her.
    Liebe Grüße
    Bella

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      • Nein, Dani, Du kennst mich nicht – hab Dir auf Deine andere EMail Adresse geschrieben – wir haben uns bestimmt noch nie getroffen – aber ich denke – Schwestern im Geiste 🙂
        Deshalb – kennst Du mich !
        Bella
        Nice evening…
        Und liebe Grüße an alle Fellnäschen dieser Welt..

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  6. Das gilt nicht nur für Tiere, auch manchen Eltern sollte man vorher sagen, dass sie darüber nachdenken sollten, was es heißt, sich Kinder anzuschaffen. Nur dass man die später nicht so einfach ins Heim abschieben kann.
    Insgesamt verstehe ich auch nicht, wieso man sich ein Tier anschafft, wenn man nicht entsprechend für das Tier sorgen kann. Klar, Krankheit oder plötzlicher Jobwechsel mit erzwungenen Umzug in eine tierungeeignete Umgebung können passieren, aber sollten eher die Ausnahme sein. Viel schlimmer finde ich, dass Tiere aus dem Ausloand hier her gebracht werden während unsere Tierheime voll sind. Ja, ich weiß durchaus, was den Tieren in manchen Ländern blüht. Mir ist auch bewusst, dass es keine 100% perfekte Lösung gibt, dennoch wäre ich dafür, die lokalen Tierheime zu entlasten und Tiere nicht durch die halbe Welt zu karren, nur damit sie oder ihre Nachkommen irgendwann in unseren Tierheimen landen.

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    • Ein heikles Thema, das ist so. Am besten ist immer die direkte Hilfe vor Ort – da bin ich voll bei Dir – aber ist halt extrem schwierig! Und ja, Hirn einschalten bevor handeln ist in vielen Dingen wünschenswert – bei Kindern sowieso! Für die Haltung von Tieren braucht es eine Prüfung….Kinder kann jeder Trottel haben. Darüber habe ich mir auch schon so meine Gedanken gemacht….ob Tiere in unserer Gesellschaft heute besser geschützt sind, als Kinder 😦

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  7. Ich kenne beides….Hündin vom Züchter…Hündin vom Tierheim ( Stockmass mindestens Kniehöhe )…und beides hat seine Qualitäten….und beides war irgendwie eine Entscheidung danach wer zu uns will….also hingehen…verweilen….reinspüren…und gucken was passiert….somit haben sich alle Hunde uns ausgesucht…und es hat prima gepasst…Fatima vom Tierheim ( die sie Angie nannten….wuuuäääähhhh ) hat sich schon beim dortigen „Probe“spaziergang sehr anhänglich gezeigt….und das blieb dann auch so….heute nimmt sie ihren Job als Bioland-Gärtnerhündin nach wie vor sehr ernst….bringt Hühner ins Bett und dackelt geschäftig mit dem Gärtner umher…man sollte meinen ihr fehlt nur noch eine Aktentasche unter dem Arm, mit der sie zur Arbeit eilt…. :-))))

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  8. Meine Grosse jammerte uns vor Jahren die Ohren voll, dass sie so gerne einen Hund hätte. Sie würde auch IMMER mit ihm spazieren gehen (Naaa klaaar, auch während der Schulzeit??? Während des Fußball-Trainings??? Wenn sie gerade mit Kolleginnen abmacht???)
    Ich schlug ihr also vor im nahe gelegenen Tierheim Hunde auszuführen.
    Gesagt, getan.
    (Es war übrigens gar nicht so einfach, überhaupt einen Hund zu bekommen, weil wir keine Hundeerfahrung haben. Da haben sie uns nur so „Seniorenhunde“ gegeben.)
    Jedenfalls flaute die Begeisterung ziemlich schnell ab und Frau Tochter überlegte sich etwas neues: „Ich hätte so gern ein Reptil!“

    😁

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  9. Das find ich klasse, dass ihr euch auf die Spaziergängerliste schreiben lasst.
    Ich glaube auch, dass die Hunde sich sehr freuen.

    Und ich drück die Daumen, dass es noch klappt mit dem 8kg-Hund.

    Danke auf jedenfall für den Hinweis am Ende, leider ist es immer wieder notwendig darauf hinzuweisen.

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  10. Wahrscheinlich werden jetzt viele mit den Augen rollen, aber das „Tierheim um die Ecke“ beherbergt oftmals reichlich einsame Hundeseelen……….da kann ich immer nur schwer nachvollziehen, dass sich Menschen Tiere aus dem Urlaub/Ausland mitbringen.
    Sicher, die haben auch ein schweres Schicksal, dennoch, lieber erst einmal um die Ecke schauen…

    Schönen Sonntag ❤

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