Eine Frage:

Angenommen, ihr seid Eltern – oder ihr wärt Eltern – oder ihr werdet Eltern: Eure Kinder werden erwachsen, gehen ihre eigenen Wege und treffen ihre eigenen Entscheidungen. Angenommen, ihr liebt eure Kinder bedingungslos und würdet alles für sie tun, findet aber trotzdem nicht immer alles gut, was sie tun. Was dann?

Variante A: Machen lassen, auch wenn man im Vorfeld aus Erfahrung weiss, dass es eine Bruchlandung wird. Was bedeutet, dass man die Zähne zusammenbeissen und einfach den Schnabel halten und dabei zusehen muss.

Variante B: Tipps geben, in der Hoffnung, dass etwas davon auf fruchtbaren Boden fällt und zum Einsehen anregt. Dabei aber bloss keine Forderungen stellen. Nur Empfehlungen aussprechen. Und damit leben, wenn das Kind diese Empfehlungen nicht will.

Variante C: Sich einmischen und klar die Meinung sagen – mit dem Risiko, dass das erwachsene Kind (welches die Kind-Eltern-Beziehung im Kopf programmiert hat) auf Trotz stellt und genau das Gegenteil macht von dem, was man sich als Eltern eigentlich gewünscht hätte.

Variante D: Knallhart erpressen, um zu verhindern, dass das Kind womöglich einen Fehler macht, den man nicht mehr so schnell hinbiegen kann.

Jeder schlaue Elternrageber sagt, dass Kinder ihre eigenen Fehler machen müssen und daraus lernen. Schon klar, aber wer hört schon auf Elternratgeber? Oder anders gefragt: Was, wenn die Realität nicht immer so klar und einfach ist, wie es in diesen Ratgebern zu sein schein. Da stehen ja manchmal Sätze wie „Lassen sie ihrem Kind seinen Freiraum um sich entwickeln zu können“ oder „Vertrauen sie auf ihr Kind, nur so kann es seine Grenzen selber erfahren“.

Nein, ich schreibe diese Zeilen nicht, weil ich Probleme mit meinen Kindern habe (obwohl es die hin und wieder sehr wohl gibt). Ich schreibe das, weil ich gerade eine Situation in meinem Umfeld erlebe, bei welcher ich mich frage, wie ich das handhaben würde – und keine Antwort weiss. Es ist ja so: Sobald ein Kind erwachsen (volljährig), fertig ausgebildet und damit eigentlich selbständig ist, aber noch bei den Eltern wohnt, bekommen diese ja manchmal mehr mit, als ihnen eigentlich lieb ist. Oder das Kind wohnt vielleicht schon in der eigenen Wohnung und den Eltern kommt auf dem Buschtrommelweg zu Ohren, was der vermeintlich erwachsene Spross mit wem so treibt. Was dann? Welche Variante ist denn nun angebracht?

Also ich hätte auf die Schnelle gerade mal keine Lösung – denn mein Naturell ist (zum Leidwesen meiner Kinder), dass ich mich viel zu viel und mit gaaaaaaanz viel Nachdruck einmische, wenn ich etwas nicht gut finde. So irgendwas zwischen Variante C und D – wobei man sagen muss, dass jedem Elternratgeber dabei die Haare zu Berge stehen.

Und ihr? Was macht ihr so?

53 Gedanken zu „Eine Frage:

  1. Ich kann jetzt nur theoretisch antworten, weil ich altersmäßig wohl eher in die Kategorie des erwachsenen Kindes falle ^^ dennoch: eindeutig B

    Wenn das Kind irgendwann nur halbwegs so wird wie ich wird einmischen und erpressen genau gar nichts bringen. Aber ins offene Messer laufen würd ichs auch nicht lassen wollen. Deswegen B, meine Erfahrungen schildern, Tips geben, aber die Entscheidung liegt auf jeden Fall bei ihm.

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  2. Ich finde es kommt immer auf das Thema an.
    Ich würde mich nicht einmischen, wenn ein Kind sich für meine Begriffe „unmöglich“ anzieht.
    Auch in Beruf- oder Partnerwahl würde ich mich nicht ungefragt einmischen.

    Ich musste einmal eine ganz schwierige Entscheidung treffen, meine älteste ist durch ihren Freund und späteren Mann in die rechte Szene geraten.
    Da habe ich sie vor die Wahl gestellt, die Szene oder ich, solang sie in der Szene und bei dem Typ bleibt, hat sie bei mir Hausverbot.
    Das habe ich ihr so gesagt und auch, dass ich sie sehr sehr liebe.
    Sie hat sich für die Szene entschieden. 😦

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      • Es war ein Alptraum. Und es war die schwierigste Entscheidung, die ich je getroffen habe in meinem Leben.
        Es tut immer noch weh. Aber ich denke auch heute noch, dass es die richtige Entscheidung war.
        Zu schlimm war es, was sie mir alles erzählte, von Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime in den 90ern, ich habe sie nicht angezeigt, soweit konnte ich nicht gehen.

        Ich habe sie seitdem auch nicht wieder gesehen. Sie war von Geburt an schwer krank, war immer intensivpflegebedürftig in den ersten 10 Jahren ihres Lebens, sie hat keinen Enddarm- keinen Dickdarm mehr und nur noch 30cm Dünndarm mit künstlichem Darmausgang.
        Aufgrund dieser Erkrankung weiß ich nicht mal ob sie überhaupt noch lebt, wahrscheinlich nicht.
        Sie sagte mir damals, ich würde sie nie wiedersehen und auch nicht mehr finden.

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      • Oh meine Güte, mir laufen kalte Schauer über den Rücken. Das ist ja fürchterlich! Wie steht man sowas durch – ich würde das nicht packen. Meine Kinder sind mein Ein und Alles! Du musst ja leiden wie ein Hund….

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      • Ja, ich habe unheimlich gelitten, hatte damals auch mehrere Suizidversuche.
        Ohne gute Therapie hätte ich es nicht geschafft, damit klarzukommen.
        Auch heute ist es noch manchmal schwer, dieses Nichtwissen, ob sie noch lebt, und wenn, wie es ihr geht.

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      • Nein, es sieht so aus als würde sie nicht mehr in D-land leben. Und so habe ich keine Chance mehr sie zu finden.
        Ich habe auch keine Vorstellung davon wo sie sein könnte.
        Durch die Szene kann sie sich auch neue Papiere besorgt haben.

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  3. Ich habe keine Kinder. Deshalb weiß ich nicht, was ich wirklich täte. Wenn die Kinder erwachsen sind, tja, dann sind sie im Grunde raus aus dem mütterlichen oder väterlichen Verantwortungsradius. Allerdings wohl kaum aus den Elternherzen. Und da wird es schwierig. Ich würde es vielleicht so halten wie mit besten Freund/innen: Sie sehr direkt und wenn nötig auch öfters auf die Angelegenheit ansprechen, auch dann, wenn es Ärger gibt. Versuchen, andere Lösungen anzubieten, klar machen, welche Meinung ich habe und warum. Zusagen, dass ich im Fall für sie da bin, sie aber keineswegs unterstütze. Und damit Ende. Junge Menschen sind auf „action“ gebürstet, auf neue, extreme Erfahrungen, das steckt im frisch zum Erwachsensein umgerüsteten Hirn fest. Sie haben ein Recht auf Fehler, so wie wir auch idiotischste Dinge gemacht haben, im Fall auch hinter dem Rücken unserer Eltern. Sollte es sich um eindeutig kriminelle Dinge handeln, wüsste ich erst mal auch nicht weiter. Aber so krass klang es jetzt doch nicht – ?!

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  4. Hallo Modepraline,
    vielleicht aus Sicht des Kindes, das wir ja alle auch sind. Also meine Eltern haben mich mit einer Mischung von B und als das nicht half Variante D vor einem großen Fehler bewahrt und auch wenn ich damals ganz schön auf Trotz geschaltet habe und eigentlich auch ganz schön sauer war, das hat sich schnell gelegt und heute bin ich ihnen sehr dankbar.
    LG Wortgestoeber

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  5. Ideal fände ich persönlcih die Variante B und ich versuche auch, so zu leben – aber das ist leider nicht immer die Realität. Ich neige aber auch dazu, den Kindern meine Meinung aufdrängen zu wollen, das klappt natürlich nicht immer und ist auch gut so.

    Das ist ein Thema das sehr viele Nerven kostet wie ich schon erfahren musste, obwohl meine Kinder noch nicht mal so alt sind – die Große kommt jetzt erst laangsam in die Pubertät. Aber auch mit 11 und 9 sind schon viele Konflikte da.

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  6. Kleines Mutter-Sohn-Telefonat vom Samstag:
    M: …..
    S (16 J): Du willst mir also verbieten zu fahren!!!!!
    M: Nein, aber ausreden will ich es dir.
    Fazit, er ist trotzdem gefahren, hab ihm noch einen Rucksack mit seinen Sachen vorbei gebracht.
    Morgen sehen wir uns wieder, dann kann er ja erzählen wie es war.
    Ich denke, das wäre B oder C?

    Und er andere Sohn (17,95 J), bei dem freue ich mich, wenn er mich informiert, was er so vorhat.
    Nein, Sorgen muss ich mich nicht, er war schon immer recht vernünftig. Ich hoffe, dass es so bleibt.

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  7. Ich nehme Variante B und kaufe ein W…….W wie Wohlwollen…wenn das Kind all die Jahre das Vertrauen aufbauen konnte, das es wohlbehütet ist, die Eltern verlässlich für es da sind und alles, selbst liebevolle! Konsequenz es sich ent-falten lassen, wird es auf dieses Vertrauen auch bauen können, wenn es in dem Alter ist unbedingt eigene Erfahrungen machen zu wollen. Und das bedeutet ja, gerade in der Pubertät ( bekanntermassen das Alter in dem die Erwachsenen schwierig werden 😉 ) auch oftmals über das Ziel hinauszuschiessen….um dann zu balancieren und die eigene Mitte zu finden. Und…mal ehrlich….ist die Pubertät nicht die Zeit in der man der Wahrhaftigkeit am nächsten ist?

    Also würde Frau Dr. Dr. Marinsche raten: liebe Eltern seid vorausschauend in Eurer Erziehung, die schon ohne Worte beginnt….schafft ein Vertrauen für Eure Kinder, welches nicht endet wenn alles gesagt ist…und geht mit ihnen den Weg durch die Pubertät ( und andere Phasen ) in einer Gelassenheit die beiden förderlich ist…und vertraut darauf das Eure Kinder sich auf das besinnen, was Ihr ihnen mit auf den Weg gegeben habt….auch wenn der Weg dann so manches Mal nicht derselbe ist, wie Ihr ihn aktuell wählen würdet…

    Dieser Song ist mir gerade dazu eingefallen…es gibt glaub kein schöneres Bild als dieses „Gib mir Wurzeln zum wachsen und Flügel zum Fliegen“…das wäre denke ich das was Kinder zu diesem Beitrag sagen würden… https://youtu.be/DQa0uf-vA3A

    Und….jaaaaa…ich gebe zu…manchmal habe ich Variante B auch mantra-artig wiederholt…einfach um es nochmal gesagt zu haben 😉

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  8. Wieder mal ein schönes Thema,also bei mir war es eine Mischung aus A und B.Ist zwar manches mal etwas schwer aber da müssen Eltern durch und den Idealweg gibt es nicht.Meine mittlere hatte mit 22 einmal auf Stur geschaltet und kam dann ein halbes Jahr später wieder Reumütig angedackelt.Aber Papa macht das ja nichts aus…

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  9. Ich selbst bin nach Variante A erzogen worden. Fand ich damals natürlich super, weil ich echt tun und lassen konnte, was ich wollte. Folge: eine Klasse wiederholt und Erfahrungen gemacht, die tödlich hätten enden können und die ich heute auch gerne aus meiner Erinnerung streichen würde, was aber leider nun mal nicht geht.
    Ich habe meinen Vater vor einigen Jahren gefragt, warum sie mit nie Grenzen gesetzt haben. Er sagte, sie hätten Angst gehabt, ich könnte aus Trotz weglaufen.
    Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Wo hätte ich denn hinlaufen sollen? Und besonders trotzig oder streitsüchtig war ich auch nie. Ich verstehe bis heute nicht, wie die darauf kamen.

    Aber darin sehe ich ein großes Problem. Feigheit der Eltern, Grenzen zu setzen ist bequem, aber nicht gut.

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  10. Liebe Daniela, leider habe ich noch keine Kinder, aber ich würde je nach Thema zuerst Variante A probieren, dann B, notfalls C. Also zuerst nicht einmischen und machen lassen, dann Empfehlungen abgeben und im Notfall einmischen, wenn es z. B. um eine akute Gefahr für das Leben geht etc. Variante C und D sind mir leider selbst wohlvertraut, deswegen würde ich diese nur im Notfall anwenden wollen. Wenn ich konkret nach Empfehlungen gefragt werden würde, würde ich auch welche abgeben, auch wenn das erwachsene Kind danach trotzdem anders entscheidet.

    Liebe Grüße,

    Caroline

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  11. Variante B: Tipps geben, in der Hoffnung,… klingt am besten. Meine Mutter neigte zu Variante C: Sich einmischen und klar die Meinung sagen … Nur leider verfügte ich über wenig Trotz und habe es geglaubt und einfach gelassen. Es hat mir auch nicht geholfen eine andere Lösung zu finden.

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  12. Ich bin der A Typ. Da ich weiß das Einmischung zu nichts führt. Bei nächster Gelegenheit machen sie es dann wie sie wollen und haben vielleicht noch größeren Mist gemacht. Meine Elter waren der D Typ vielleicht bin ich gerade deswegen der A Typ. Oder Männer sind generell der A Typ weil sie so Ruhe haben.

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  13. Gutes Thema…
    mein Sohn 22 handsam, lebt zu Hause, Hotel Mama, und von seiner Sorte könnte man 10 haben.:-)
    Mit Variante B / C bin ich stets gut gefahren, so das Variate D zum gutrn Glück stumm blieb.
    Was für ein Geschenk!!

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  14. Je nach Härtefall zwischen B und D. Aber das Kind sehenden Auges ins Unglück rennen lassen? Definitiv Nein.
    Wir sind bis jetzt eigentlich mit B immer gut gefahren. D kam eher im Kleinkindalter vor, meist als Folge von C.

    Gar nicht verwirrend, nein. 😁

    Aber es kommt total auf die Umstände an, finde ich. Und auf den Charakter des „Kindes“.

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