Seelenbalsam

In letzter Zeit brennt immer wieder irgendwo das Thema „Tiere in Alters- und Pflegeheimen“ unter den Nägeln. Entweder, weil eine zugelaufene Katze in einem Heim für Diskussionen sorgt, oder weil gerade ältere Menschen, welche ins Heim umziehen, ihre Tiere vorher fremdplatzieren müssen. Ich kann bis heute diese Diskussionen nicht nachvollziehen. Zumal immer wieder die Hygiene als Negativpunkt vorgebracht wird.

Also man weiss ja, dass die gefährlichsten Keime – welche jedes Jahr Menschenleben kosten – in den Krankenhäusern lauern. Desinfektionsmittel und totale Hygiene züchten derart aggressive Keime, dass ein geschwächtes Immunsystem eines Patienten darunter komplett zusammenbrechen kann. Und weit und breit ist dabei kein Tier mit im Spiel. Also sind es doch wir Menschen, welche viel gefährlicher sind. Nicht die Tiere! In einem Senioren- oder Pflegeheim wird aber weder operiert, noch werden dort ansteckende Krankheiten behandelt. Dort leben Menschen, die etwas mehr Unterstützung in ihrem Alltag brauchen und die nicht selten ziemlich alleine sind. Oft wird ihnen also beim Umzug vom autonomen Zuhause ins betreute Wohnen auch noch der tierische Begleiter abgenommen, da diese bislang in Heimen in der Regel nicht erlaubt sind. In meinen Augen ist das ein kompletter Blödsinn. Warum? Weil Tiere der Seele extrem gut tun. Vorausgesetzt, man mag Tiere. Wer keine möchte, auch gut. Wenn aber jemand seinen kleinen Hund, seine Katze oder sein Kaninchen bei sich haben möchte – warum nicht? Nicht selten sind die Vierbeiner sogar die bessern Seelsorger, als Pflegepersonal das je sein kann. Sie spüren, wie es dem Frauchen oder Herrchen geht. Sie legen sich ins Bett, kuscheln sich an den Menschen und geben ihm das Gefühl, nicht alleine zu sein. Sie hören zu, sind geduldig, lassen sich streicheln und motivieren die Heimbewohner, einem halbwegs geregelten Alltag nachzugehen, weil sie weiterhin eine Aufgabe haben. Das Gefühl von „nutzlos auf dem Abstellgleis“ zu sein, entfällt. Und genau das ist oft der Schlüssel zum Lebensinhalt.

Gut betreute Tiere sind auch tausend mal weniger gefährlich, als kranke Heimbesucher. Die normalen Tierkeime stärken sogar das Immunsystem. Man weiss, das gerade bei Patienten, bei welchen auf normalem menschlichem Kommunikationsweg kein Zugang mehr möglich ist, mit Tieren grosse Erfolge erzielt werden. Da gibt es Reittherapien, Delfinschwimmen oder Therapiehunde. Warum also dasselbe nicht auch in Senioren- und Pflegeheimen einführen? Mehraufwand für die Pfleger – unwesentlich mehr, würde ich behaupten. Denn das, was die Tiere an Entlastung übernehmen, würde die Zusatzbelastung der Pflegenden locker wettmachen. Das Tier hat schliesslich immer Zeit zum Zuhören. Es ist immer da, auch nachts. Und es begleitet fraglos seinen Menschen überall hin. Man muss nicht mal nach ihm klingeln.

Ich fände es ein echter Fortschritt, wenn endlich Tiere in die Seniorenheime einziehen dürften. Bestimmt wären auch diverse Tabletten und Spritzen auf diese Weise nicht mehr nötig, da gehe ich jede Wette ein…

48 Gedanken zu „Seelenbalsam

  1. Es wäre hilfreich, wenn es Tiere in Altenheimen gäbe, die Leute sind ja in der Regel allein.

    Man müsste nur eine gute Lösung finden.

    Was die Hygiene angeht, so sehe ich eher das Problem, wer sich um die Katzentoiletten kümmert, wer geht Gassi mit den Hunden, wenn es die alten Leute nicht mehr können.
    Das kann der ohnehin überlastete Pflegedienst nicht übernehmen.

    Was ich einen guten Mittelweg finde, das gibt es hier in einigen Heimen, Leute von einem Tierheim kommen ein bis zweimal in der Woche mit Schaf, Hund, Ziege, Katze, Kaninchen etc. für ein paar Stunden in ein Heim, die Tiere nehmen sie dann wieder mit, somit ist die Pflege und die Hygiene kein Thema.

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  2. ich habe einige Zeit in einem Seniorenheim gearbeitet, wo Tiere erlaubt waren. 2 Hunde, 2 Katzen, einige Wellensittiche lebten dort und sie wurden entweder von ihren Frauchen versorgt, von den Angehörigen oder dem Personal. Dem Personal waren sie auch sehr ans Herz gewachsen und man hätte die Tiere, falls Frauchen eher verstirbt, dort behalten. Die Seniorchefin hatte über all das ein wachsames Auge gehabt. Auf jeden Fall konnte ich den Unterschied zwischen einem „herkömmlichen Seniorenheim“ und diesem sehen. Alle Bewohner waren glücklich mit den Tieren, oft übernahmen andere Bewohner das Gassigehen oder das Katzenklo saubermachen, wenn Frauchen nicht mehr konnte. Die Tiere teilten ihre Liebe sehr gut ein, keiner kam zu kurz. Es wurden sehr viel weniger Medikamente gebraucht, gerade was die psychische Medikation betrifft. Ich wünschte wirklich es würde mehr solcher Heime geben. Ach, das Thema Seniorenheime geht mir immer wieder unter die Haut. Auch für Demenzkranke sind Tiere als Begleiter ein Segen, aber das wird hier nicht so gesehen, bzw. wenige Heimbetreiber sind davon überzeugt. Dein Beitrag ist jedenfalls richtig gut und ich unterschreibe ihn voll und ganz!

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  3. Ich bin grundsätzlich auch deiner Meinung und wie du weißt ein absoluter Tier vor allem katzenfreund. Mein Vater ist seit einem Jahr im Seniorenheim und dort gibt es vier hauskatzen welche nach Abspache mit den Heimbewohnern ihr zu Hause bekommen haben. Ich finde dies auch super! Jedoch habe ich nun schon mehrmals beobachtet wie der „rote Tiger“ wunderbar die Dekoration im Hause markiert und dies finde ich dann schon weniger schön. Das Pflegepersonal kann ja nicht überall sein und dann bleibt die Pisse halt ungesehen und macht sich dann durch den unangenehmen Geruch bemerkbar. Also eine richtig gute Lösung ist nicht so einfach umzusetzen. Dafür finde ich super, dass im besagten Heim jeden Montag ein hundetraining stattfindet und die Senioren welche möchten dies mit großer Freude miterleben.

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  4. Für Mensch und Tier wäre das ein Segen, wenn die Tiere mit ins Altersheim ziehen dürften. Die Tiere von alten Menschen sind ja meistens auch nicht mehr die Jüngsten und würden von daher gut dazu passen. Wenn sich das Pflegepersonal nicht um die Tiere kümmern kann, sollte es Institutionen geben, die genau das machen. Ich denke, das ist eine regelrechte „Marktlücke“! Ich fände es auch schön, wenn dieser Job vielleicht von anderen Rentnern (gratis oder für wenig Geld) übernommen werden könnte. Oft ist es tierlieben, pensionierten Menschen langweilig, die noch nicht in einem Heim leben. So wäre allen geholfen!!! Ich hatte die Idee schon lange, aber leider überhaupt keine Zeit, sowas auf die Beine zu stellen 😔

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  5. Bei demenzkranken Pflegebedürftigen wird hier die Tiertherapie erfolgreich eingesetzt, auch in besonders schwierigen Schulklassen habe ich das schon gesehen, die Schule hat einen eigenen Hund, der während des Unterrichts im Klassenzimmer bleibt – Ergebnis – die Schüler sind viel entspannter und konzentrierter – man denke! (Füttern übrigens verboten- zu recht)
    Jeder Pflegebedürftige mit seinem eigenen Haustier – das halte ich für organisatorisch – gemessen an der Lage des Pflegepersonals, wie hier schon beschrieben, nicht realisierbar.
    Wer kümmert sich um die Tierchen.
    Also – kann jemand sein wohlerzogenes Tier selbst betreuen, dann sollte der Umzug ins Heim mit ihm möglich sein.
    Für alle anderen Fälle empfehle ich die Pflegehunde ( oft Retriever), die häufig das Heim besuchen.
    Das gibt es hier schon.
    Und es wirkt sehr erfreulich.
    Katzen ???
    Wenn sie aufs Katzenklo geht und kastriert bzw. ist – auch.
    Stellt Euch mal sonst die Schweinerei vor.
    Man kann auch einen solchen Hund im Heim selbst halten ( so einer für alle) aber das halte ich für sehr schwierig – der wird binnen Kürze überfüttert sein und es gibt Eifersüchteleien.
    Wie immer ist der Mensch das Problem, nicht das Tier.
    Jemand noch eine Idee ?????
    Grüßchen
    Bella

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    • Ja, liebe Bella, ich hätte tausend Ideen – aber offenbar bastle ich wie gesagt an einem Utopia! Gerade in der privilegierten Schweiz dürften die Kosten echt nicht das Problem sein. Die Schweizer sind einfach extrem gut im Jammern. Alles andere ist absolut richtig, was Du schreibst. Bin voll bei Dir. Aber der Mehraufwand würde unterm Strich den Erfolg locker aufwiegen – 100%-ig! 🙂

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      • Geld ist in beiden Fällen genug da – sowohl Deutschland ( wenn ich denke, was hier alles verballert wird für zweifelhafte Projekte) als auch Schweiz – gerechte und humane Nutzung der Mittel zum Vorteil aller, das wär´s,aber krieg das in Politikerköpfe, in die Köpfe von gewinnorientierten Unternehmen etc.
        Utopia.
        Immer wieder scheitert es an unserer Spezies, egal wo – mit sehr löblichen Ausnahmen ( zu wenige) 😦
        Herzlichst
        Bella

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  6. Das Ganze zeigt ein grundlegendes Problem auf, das auch über die Thematik der Tierhaltung im Heim hinausgeht: Personalmangel und (in manchen Heimen) Sparen vor Menschen.

    Klar, richtig organisiert wär es sicher möglich, Tiere im Altenheim einzusetzen, es wäre natürlich ein nicht zu unterschätzender bürokratischer, organisatorischer und praktischer Mehraufwand, der sich im Endeffekt aber lohnen würde. Nur dafür fehlt es an Personal, Zeit und Geld in sehr vielen Heimen (und in manchen WILL man dieses Geld einfach nicht für sowas einsetzen, schmälert die Einnahmen, so wie dieses lästige Einsetzen von geschultem Personal das man ordentlich bezahlen und mit realistischen Arbeitszeiten versorgen müsste). Überhaupt sind in diesen sozialen Berufen, vor allem in der Arbeit mit alten Menschen, die Angestellten oft überarbeitet und unterbezahlt, weil der Wille, mehr Leute einzustellen statt die vorhandenen auszubrennen oft fehlt. Am Ende hat da keiner was davon, bis auf die Leute, die am Ende die Gewinne einstreichen.

    In der Arbeit mit Menschen sollte nie der Profit im Vordergrund stehen, aber wir leben nun mal nicht in Utopia und so wird auch das Thema Tiere im Heim noch lange lange Zeit kein groß beachtetes sein…

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  7. Dazu darf man nicht vergessen, dass Tiere auch Lärmen können und dass es durchaus wieder Mitbewohner gibt, die kein Verständnis haben, wenn Wauzi nachts bellt, weil jemand über den Flur schlendert. Sehr schwieriges Thema, im Grunde wäre es schön, wenn die Bewohner ihre Tiere behalten dürften, aber realistisch sehe ich da auch derzeit keine wirkliche Lösung (die vielen Argumente dagegen wurden ja schon hinreichend aufgeführt). Die allerbeste Lösung wäre natürlich, wenn die Familie die Pflege übernehmen würde, da das aber heutzutage aufgrund diverser Faktoren oftmals nicht mehr möglich ist, ist das natürlich auch keine wirkliche Lösung…

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  8. Ich bin zwar noch nicht im „heimfähigen“ Alter, habe aber trotzdem schon selbst erlebt, wie wichtig Tiere im Krankheitsfall sein können. Auf meiner Blog-Seite „Über den Leinenhalter“ habe ich das ja auch schon angedeutet.

    Nachos Leinenhalter Achim

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  9. Es geht nicht um die Tier Menschbeziehung… es geht um den Kostenfaktor. In einem Pflegeheim gibt es gewisse Abrechnungsschlüssel in denen die Versorgung eines ebenfalls versorgungsbedürftigen Tieres nicht auftaucht. Selbst wenn das geliebte ebenfalls alte Tier bleiben dürfte, wer versorgt es, wenn die zu pflegende Persohn es nicht mehr kann… du hast völlig recht, Tiere sind eine absolute „Flaumtherapie“ aber sie brauchen auch Pflege und wenn ein Senior die nicht mehr leisten kann, dann nützt auch ein Pflegeheim mit Tiererlaubnis nichts :

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    • Ich glaube eben, dass die Pflege der Senioren dafür weniger würde – glückliche Seele, weniger Beschwerden…unter Strich ginge die Rechnung auf. Zumal es früh genug wäre, den Vierbeiner neu zu platzieren, wenn Herrchen oder Frauchen stribt. So muss man die Tiere ja immer schon viel früher umplatzieren – kommt also unterm Strich nicht teurer…

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      • Meine Ma musste ich vor einem halben Jahr in ein Pflegeheim unterbringen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das müsste…
        Es ist eine Institution, die auch Tiere akzeptiert aber nicht versorgt.

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      • Ich bin nicht gegen Tiere im Alters- bzw. Pflegeheim, im Gegenteil. Aber das hier angeführte Argument dürfte so kaum ziehen. In aller Regel, die ich beim kürzlichen Einzug meiner eigenen Mutter in ein Heim aus eigenem Augenschein bestätigt sehen konnte, zieht ein Heimbewohner gerade dann dort ein, wenn er nicht mehr in der Lage ist, sich ausreichend selbst hinsichtlich alltäglicher Verrichtungen zu versorgen geschweige denn ein Tier angemessen zu versorgen. Das muss dann schon von der Einrichtung mit übernommen werden und wird von den Kostenträgern mit Sicherheit nicht extra honoriert, womit die Kosten auf den Bewohnern selbst hängen bleiben, die sie ebenfalls in den meisten Fällen nicht tragen können werden, da die eigene Altersversorgug inklusive der Leistungen der Pflegekassen für sehr viele Menschen schon lang nicht mehr für die Kosten der Betreuung in einem Pflegeheim ausreicht, sodass oft genug das Sozialamt die Fehlbeträge aufbringen muss, was ich ebenfalls aus eigener Anschauung weiß. Letzteres wird aber die zusätzlichen Kosten der Versorgung eines Tieres nie übernehmen.

        Es mag Senioren geben, die dies wirtschaftlich leisten können, dies dürfte aber kaum die Mehrheit sein.

        Da jeder Kostenträger bedacht sein wird (und muss), die eigenen Aufwendungen niedrig zu halten, wird es aus Sicht der Kostenträger immer „billiger“ sein, wenn die Kosten für ein Tier, durch Umplatzierung oder andere Maßnahmen von anderen Stellen, und sie es ein ehrenamtlich geführtes und spendenfinanziertes Tierheim, übernommen werden.

        Eine generelle Mitnahme von Tieren ins und deren Versorgung im Altersheim dürfte bis auf weiteres ziemlich illusorisch sein, so wünschenswert das wäre.

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      • Mag alles stimmen – dann hätte ich (zumindest für die Schweiz) noch das Argument oder die Frage: Warum werden den Alkoholikern und den Suchtkranken auf der Strasse die Tiere vom Amt bewilligt und bezahlt, den Senioren in den Pflegeheimen aber nicht? Braucht deren Seele das weniger? Komische Gesetze bei uns!!! 😦

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      • Ja, natürlich sind das komische Gesetze, und wenn es hilfreich ist, ist eigentlich nicht einzusehen, warum die Sozialämter den bedarf nicht übernehmen, ist aber leider so.

        Gesetzlich versicherten wird ja auch längst nicht alles bezahlt, was ihnen gute tun würde und noch nicht mal immer das, was sie dringend brauchen.

        Menschen in prekären wirtschaftlichen Situationen geraten zunehmend aus dem Blickfeld, weil sie ganz offensichtlich keine Lobby haben. Und das birgt eine Menge explosives Potential.
        Die Menschen, die entscheiden (durch Gesetzgebung), was bezahlt wird oder nicht, sind praktisch nie solche, die es in ihrer jeweils gegenwärtigen und in den meisten Fällen auch zukünftigen Situation betreffen wird. Und wenn sie mal großzügig was verteilen, dann meist unter dem Gesichtspunkt, ob man damit populistisch und bei der nächsten Wahl punkten kann.

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