Pinkelpause

Die Fernsehlandschaft hat sich ganz schön verändert – nicht zum Positiven, wie ich finde. Also neben der Tatsache, dass die Gefahr der totalen Verblödung immer latent vorhanden ist, gibt es auch sonst so einiges, was mich nervt.

Früher, als ich mit meinen Eltern noch am Wochenende einen Film schauen durfte, reichte die Werbepause immer grad so knapp zum Pinkeln. Heute nehmen die Werbepausen mehr Zeit in Anspruch, als der Film in seiner ganzen Länge. Es kommt nicht selten vor, dass ich in der ersten Werbepause losdüse, um eine Wäsche in die Maschine zu werfen. Zurück aus der Waschküche merke ich, dass die Werbung immer noch läuft und räume also noch den Geschirrspüler aus. Dann werfe ich mich wieder vor die Glotze, grunze gemütlich vor mich hin und installiere mich erneut. Bis 15 Minuten später die nächste Unterbrechung folgt. Die Waschmaschine kann ich noch nicht nachfüllen, weil die immer noch läuft. Also ab zur Pinkelpause – aber wer pinkelt schon 6 oder 7 Minuten lang. Also düse ich noch ins Schlafzimmer, um mir den Pyjama anzuziehen und komme zurück, um mich zu fragen, warum diese Werbepause immer noch läuft.

Also eines weiss ich inzwischen. Wer nicht einschläft vor dem Fernseher, der kann alleine in den Werbepausen eines Filmes die halbe Haushaltung bewältigen. Oder sich über Waschmittel, Zahnbleaching, lange Wimpern und Hygieneartikel weiterbilden.

Am allerschlimmsten ist es, wenn man nachts fernsehen will. Da sind die Werbepausen nämlich inzwischen zu peinlichen Sex- und Stöhnfilmhotlines mutiert. Und zappen nützt irgendwie nichts: die barbusigen Jasmins, Estelles, Jennys und Vanessas stöhnen sich durch sämtliche TV-Kanäle. Kein Wunder, dass immer mehr Leute auf den traditionellen Fernseher verzichten und ihre Serien oder DVD’s nur noch auf den Laptops schauen. Da bleibt man von all dem unnötigen Mist nämlich verschont. Auch auf die Gefahr hin, dass ich nun ausgelacht werde, aber gelobt seien mir die Sender wie ARD, ZDF, ORF und Co., welche bislang nicht von diesem Schrott abhängig sind. Dann schaue ich halt zur Not auch mal eine Schnulze aus den Bergen, Hauptsache die Werbung hat nicht mehr Sendezeit, als der Film.

55 Gedanken zu „Pinkelpause

      • Ich dieses Jahr in bis jetzt 133 Vorstellungen seit April. Und ja, es sind im Durchschnitt ca. 30 Minuten Werbung inkl. Trailer vor dem Film. Zumindest in den Kinos in die ich gehe.

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      • Ist doch ok so. Man kann sich auf die 30 Minuten ziemlich verlassen, wer also keine Werbung sehen will, der umschifft die Zeit.

        Ich schau sie teilweise sogar gerne, weil zum einen spannend ist, welche Region welche Werbungen um wieviel Uhr bringt und zum anderen auch manchmal echt nette Ideen umgesetzt sind. Ich schau sie nur dann nicht mehr, wenn sie sich ständig wiederholen.

        Und obskure Dinge erlebt man so auch – beispielsweise gab es mal in einem Kinderfilm vor einer 14 Uhr Vorstellung Werbung für Dildos und Potenzmittel mit eindeutigen Bildern. Sowas ist dann schon fast amüsant (ich saß alleine im Saal, ist also kein Minderjähriger beeinträchtigt worden).

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  1. Ich lebe seit zwei Jahren glücklich ohne Fernseher – zumindest ohne Anschluss. Zeit zum Seriengucken habe ich kaum, weil ich lieber ein Buch lese 😀
    Aber ja, das Fernsehen stirbt aus und verjagt noch die letzten Zuschauer mit grauenvoller Werbung … Ein bisschen dämlich, aber der Mensch zerstört ja auch die Umwelt in der er lebt – wissentlich :/

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  2. Gut geschrieben! Ich wollte mich zuletzt über die Werbepausedauer bei Sat1 äußern, aber deinem Text habe ich nichts hinzuzufügen.
    Und trotzdem brauche ich abends/nachts etwas zum Lachen, was mir die Öffentlich-Rechtlichen oft nicht bieten.

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  3. ARD, ZDF etc. werden von mir recht gut über die GEZ-Gebühren, neuerdings „Rundfunkbeitrag“ genannt, bezahlt. Und zwar ganz egal, ob ich die Sender nutze oder nicht. Auch für die gilt, genau wie für die werbefinanzierten Sender: Ich möchte bezahlen, was ich konsumiere. Von mir aus über Abo-Sender oder Filme im Internet mit Monatspauschale oder individuellem Streaming gegen Geld, das ich je nach Geschmack nutzen kann oder eben nicht.
    Und weil man oft genug den Quatsch zwischen den unsäglichen Werbepausen auch nicht mehr ertragen kann, greife ich immer häufiger und lieber zu einem guten Buch 😉
    Schönen Sonntag

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  4. Dem allen stimme ich voll und ganz zu. Ich hab das immer schon so gemacht, dass ich in den Pausen „meine Dinge“ erledige, bis hin zum Duschen. Die öffentlich rechtlichen Sender sehe ich allerdings eher selten, weil deren Programm mich eher weniger interessiert (Ausnahme: 3sat und BR). Gottseidank entscheide immer noch ich als Verbraucher, was ich sehe und was nicht. Und die volksverdummende und betrügende Werbung (sorry, aber nix anderes is es, wenn einem einer verspricht, dass etwas fast von selber sauber wird), die tu ich mir schon lange nicht mehr an.

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  5. Wie jetzt? Die Aneinanderreihung von weichgespülten, künstlich gebleichten Zahnbürstenexperten, vom grünen Klee schwafelnden Babynahrungsverwurstern und Schönheitsdoktrinen hustenden Fassadenverputzern beinhaltet gar nicht die Haupthandlung des Abendprogrammes?
    Und ich habe mich immer gefragt: Was will mir der Künstler damit sagen?

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