Schubladendenken

Die Zeiten ändern sich – immer und überall. Und das ist gut so! Unvorstellbar, wenn es nicht so wäre … Stillstand wäre der Tod des Fortschritts, egal ob positiv, oder negativ.

Es gibt verschiedene Jahreszeiten; es gibt verschiedene Bildungsphasen; es gibt stetig neue Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen. Und genauso ist es auch mit dem Leben. Manche Dinge haben ihre Zeit, in welchen sie gut und passend sind. Irgendwann ist diese Zeit aber vorüber und es bricht eine neue Ära an. Veränderungen bringen einen weiter – auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind. Was gestern noch gut war, ist es morgen vielleicht nicht mehr, weil sich die Situation, das Umfeld, die Umstände oder die Einstellung verändert hat.

Das krampfhafte Festhalten an allen Mustern, wie man es früher gelernt hat, ist heute zum Glück vorbei. Wer früher mit Traditionen brach, hat nicht selten auch mit dem Umfeld brechen müssen, weil das Verständnis dafür nicht da war. Das ist heute doch eher selten. Und dafür bin ich dankbar, denn ich bin ein Mensch, der seit der Geburt auf dem Weg ist. Ja, das sind wir alle – aber ich bin eine Suchende. Ständig! Ich kenne mich nicht anders. Alle Dinge in meinem Leben hatten ihre Zeit, in welcher sie gut waren und zu mir passten. Und irgendwann war das vorbei – und die Suche ging von vorne los. Nur die Familie war die stete Konstante, und das ist ein wahres Glück! Im Leben einer Suchenden ist es immer anstrengend, aber bestimmt nie langweilig. Das Gefühl, „angekommen“ zu sein, wie es manche beschreiben – dieses Gefühl kenne ich nicht.

Früher fand ich das extrem mühsam. Alle wussten immer, wo ihre Start- und ihre Ziellinie waren. Ich wusste das nie. Und gerade eben ist mir das wieder bewusst geworden, weil mich die Lieblingstochter darauf brachte. Sie wurde – in ihrer neuen Wahlheimat – gefragt, was ihre Eltern beruflich machen. Und sie erzählte mir, dass das bei den anderen irgendwie so einfach sei. Deren Mütter oder Väter seien einfach Koch, Pilot, Lehrer oder Maurer. „Und was soll ich bei Dir sagen?“ Ich daraufhin: „Lies doch einfach aus, was Dir am besten gefällt. Unternehmerin, Bloggerin, Autorin, Familienfrau, Tiermama, Journalistin, Kauffrau – die Palette ist doch breit genug.“ Sie daraufhin: „Das ist ja das Problem – es ist soviel, dass ich nie weiss, was ich sagen soll.“ Ja, so ging es mir mein ganzes Leben lang. Ich habe noch nie in DIE Schublade gepasst. Es war immer eher ein Schubladenstock mit mehreren kleinen Schublädchen, welche so alle paar Jahre mal wieder wechseln. Das Leben ist doch einfach viel zu kurz, um es nur in einer Schublade zu verbringen!

54 Gedanken zu „Schubladendenken

  1. ankommen ist doch gar nicht unbedingt erstrebenswert! Ich finde diese Ungewissheit ungemein motivierend. Eine Schublade würde mich persönlich auch einengen. Ich verstehe Dich ! (meine ich zumindest und jetzt bin ich nicht müde ;-))

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  2. Beim 2. Mal lesen kam mir ein Gedanke: Angenommen wir würden uns nicht ändern, also immer gleich bleiben, dann wäre es aber trotzdem ständig so, dass sich alles um uns herum verändert. Geht schon los mit der Natur. Die ändert sich, ohne Rücksicht auf uns. Auch unsere sonstige Umgebung ändert sich ständig. Wenn wir Menschen also immer gleich wären, dann kommt es automatisch so, dass das, was zuvor für uns positiv war, früher oder später nicht mehr so ist. Wenn wir also nicht untergehen wollen, in der ein oder anderen Hinsicht, wird uns nix anderes übrigbleiben, als uns stetig zu verändern, anders gesagt – uns anzupassen.
    Und deswegen sehe ich Stillstand als etwas Schlechtes. Und „ankommen“ könnte man als einen Prozess sehen, bei dem es darum geht, die eigene Person so zu verändern, dass sie zu den Umgebungsbedingungen sich wieder in Harmonie befindet.
    … nur mal so gedacht.

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  3. Ich denke, ich bin auch noch nicht so ganz angekommen und habe noch Träume.
    Lange haben wir von einem Gnadenhof geträumt, voll mit Tieren, die keiner mehr haben will oder dem Schlachter gerade nochmal von der Schippe gesprungen sind. Egal ob Groß- oder Kleintier, jedes sollte willkommen sein und dürfte bis Ende seines Lebens bleiben. Leider verschlingt so ein Hof Unmengen an Geld und wenn man nur auf Spenden angewiesen ist, kann man so ein Projekt nicht realisieren. Also schweren Herzens ab in die Schublade!
    Mein Mann und ich leben ja seit 3 Jahren größten Teils vegan, was oft mühsam ist, weil man immer das Kleingedruckte auf den Verpackungen akribisch genau lesen muss. Unser Traum war, ein Geschäft zu eröffnen, wo ALLES vegan, ohne Tierversuche und unter fairen Bedingungen produziert worden ist. Ein Laden, wo man einfach bedenkenlos alles aus den Regalen nehmen kann und weiß, dass kein Leid dahinter steckt. Ohne finanziellen Background ist das leider auch nicht realisierbar, v.a. wenn man schon ein gewisses Alter erreicht hat und nicht sagen kann, wenn es nicht funktioniert, dann suchen wir uns halt wieder Jobs im Angestelltenverhältnis. Also wieder ab in die Schublade und zumachen.

    Auch jetzt hätte ich wieder einen Traum aber eben…. Schublade!

    Klar gehört auch eine gewisse Portion Mut dazu, aber leider überwiegt oft die Vernunft! In der heutigen Zeit kann man leider nicht immer, wie man gerne möchte…

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  4. Schubladen können viel zu eng sein ( meistens dann wenn man von anderen hineingezwängt wird ), viel zu dunkel ( dann sieht man womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht ), viel zu miefig ( wenn kein frischer Wind mehr wehen kann )…

    Aber Schubladen können auch Halt geben, Zuflucht sein in stürmischen Zeiten, Rückzugsort in Entscheidungsfindungsphasen, man kann andere dazu einladen mit Platz zu nehmen in der jeweiligen Schublade, man hat die freie Wahl sie so weit man will zu öffnen und es erleichtert anderen eine erste Beurteilung dessen der vor ihnen steht…

    Gerade in der Arbeitswelt kommt man mit „Aber hör’n se ma, ich will zwar weg aus meinem alten Beruf aber ich habe sooo viele andere Talente…äh…Schubladen…guckön se ma…“ nicht weit…

    Also: ein HOCH den dynamischen Schubladen! Denen die man nur kurz antippen braucht und SCHWUPPS gleiten sie auf…oder wieder zu…. 😀

    Und ein HOCH den kleinen Schmuckkästchen die darin zu finden sind…wie z.B. ein Diamant, der ja schliesslich auch all seine Facetten zeigen darf…

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  5. Werden wir nicht eher von der Umwelt in Schubladen gesteckt?Und in jeder „Schublade“ wird etwas anderes von uns erwartet?als Mutter immer „lieb“ sein. als Frau“ immer gut aussehen, ihm den rücken frei halten“ als Mann “ für die Familie sorgen“ Im Beruf bitte immer „perfekt funktionieren“ und wir bemühen uns alle auch diese unterschiedlichen Kriterien zu erfüllen mehr oder weniger hoffen wir auch das es uns gelingt, Es muss uns ja auch gelingen, sonst brauchen wir wenigstens eine gute Ausrede warum wir nicht in die Schublade passen, die andere für uns vorgesehen haben.
    Schönen Sonntag
    LG Wortgestoeber

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  6. Menschen denken gerne in Schemata. Es ist einfacher, in Schubladen zu stecken. Es erleichtert das Leben ungemein. Macht aber auch oberflächlich.
    „Der Asylant“, „der Obdachlose“, „die alleinerziehende Mutter“… Sofort hat man Bilder im Kopf.

    Ich sitze gerne oben auf der Kommode, baumle mit den Beinen und passe nirgends hinein. Ich bin halbtags arbeitende, ledige Krankenschwester mit Kleinkind und wilder Ehe, Tragemama, Familienbetter, Langzeitstillende, Impfbefürworter, LARPerin (in Elternzeit), Bloggerin und vieles mehr und nie passe ich ins Klischee.

    Schweinerei! 😉

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  7. ich stimme dir eigentlich zu….aber möchte etwas zu dem Satz“Das Gefühl, “angekommen” zu sein, wie es manche beschreiben – dieses Gefühl kenne ich nicht.“ schreiben.

    Solange ich denken kann, habe ich genau das angestrebt. Denn: Ich kenne nicht, dass man mir sagt, ich hab dich lieb! Oder ich bin stolz auf dich!
    Meine Eltern brachten sowas nie über die Lippen.

    Angekommen sein heißt für mich, bei jemanden so anzukommen wie man ist, angenommen sein und geliebt ohne Tabu, ohne dass ichmich verstellen muß. Ich erlebe genau das und ich habe dafür fast 41 Jahre gebraucht

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