Kopfkino

Ja, inzwischen wissen alle, dass ich unterm Messer war und mir eine Zyste vom Kehlkopf habe entfernen lassen (müssen). Lief soweit alles glatt – aber ich möchte es trotzdem nicht jede Woche haben. Und weil ich heute noch zur Nachkontrolle musste und mein Professor einfach ein besonderer Typ ist, hat er meine Operation auf DVD gebrannt und mir geschenkt. Ist das nicht toll? Ich meine: Wer kann sich schon zu Hause am Fernseher anschauen, wie in seinem Körperinneren rumgeschnippelt und gelasert wird, während man nichts davon mitbekommt? Also ich hatte bisher dieses Vergnügen noch nie.

Und weil der Professor selber so begeistert war von dieser überdurchschnittlich grossen und besonders eitrigen Zyste (jetzt wirds richtig heftig), wollte er mir und meinem Göttergatten den Film natürlich schon mal in der Praxis zeigen. Schliesslich ging es auch darum, uns zu erklären, was er da nun genau gemacht hat. Okay – klar doch!

Wir sahen also gespannt auf den Bildschirm, auf welchem man mein Halsinneres sehen konnte. Und er erklärte, dass das komische Rohr, welches da durch den Hals schlängelt, der Tubus sei. Alleine das fand ich schon eine komische Vorstellung. Dass ich dabei nicht erstickt bin … komisches Gefühl. Ja und dann kam da auf einmal ein zweites Gerät, welches ebenfalls den Weg zu meinem Kehlkopf bahnte. Die Kamera mit dem Laser – Hilfe! Und all das in meinem Hals?

Und dann kam DIE Erklärung des Professors, welche meinen Speiseplan in Sachen Nachtisch nachhaltig verändern wird: „So, und jetzt können sie hier sehr gut sehen, wie ich mit dem Laser anfange, diese Zyste abzutragen. Sehen sie? Hier, jetzt, genau jetzt kommt diese eitrige und klebrige Flüssigkeit raus – so ähnlich wie bei einer Crèmeschnitte.“

Falls ihr schon wieder zurück seid vom Kotzbecken: Ich vertrage so einiges und habe schon viele eklige Bilder gesehen, aber ich werde vermutlich NIE wieder eine Crèmeschnitte oder etwas ähnliches, welches mit Vanille gefüllt ist, essen können. Herzlichen Dank, lieber Herr Professor, für diese Bilder. Ich werde sie bestimmt nie wieder aus meinem Kopf bekommen. Und es wird für künftige Operationen im Inneren meines Körpers besser sein, wenn ich NICHT alles sehe, was da drin so abgeht…

24 Gedanken zu „Kopfkino

  1. Hey Modepraline,
    der Blogbeitrag hätte von mir sein können. Ich fand Deine Worte sehr spannend und erheiternd, weil es mich an mein Gespräch mit meinem Operateur erinnerte…
    Ich habe meinen abgestorbenen Hüftknochen in meinem Kühlschrank ….Jeder wie er es braucht 😀 klingt nach einem äusserst lustigen Professor-wie mein Behandelnder Doc. Ich hoffe Dir und Deinem operierten Kehlkopf geht es gut !

    Lg

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  2. Och, man kann auch in parasitologischen Vorträgen noch Appetit auf Spaghetti Bolognese oder während einer Patho-Sektion Hunger bekommen. Geht alles. 😉

    Denk‘ positiv:
    Ab sofort wird sich zumindest der Heißhunger auf Crèmeschnitten arg in Grenzen halten….da kann man nur Kalorien sparen.

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  3. Ein bisschen selbstverliebt der Prof, hm!? Möchte nicht wissen was bei ihm zuhause für ein TV-Programm läuft….ganz zu schweigen von den Mahlzeiten….arme Frau Prof….wenn sie leckeres auftischt heißt es nicht „Mmmmmmhhh…..das schmeckt mal wieder fein, Schatz“ sondern ( und dabei mit den Fingerspitzen auf den Tisch klopf ) „Oh Schatz….das hast Du aber gut hinbekommen…genau wie das Tralala von Patientin Hoppsala….ein bisschen mehr von dem grünen…und es wäre perfekt!“….oder wie…..oder was? 😳

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  4. Der gute Mann hat ja wirklich einen Charme wie ein Schützenpanzer! Cremeschnitten mag ich nun auch nicht mehr 😦 .
    Ärzte haben was masochistisches an sich. Mir ging es bei einer Magenspiegelung mal so. Während um mich herum begeistert alle über meinen Magen redeten, kniff ich die Augen zusammen und hoffte, vor dem Erstickungstod bewahrt zu werden, denn das Gefühl war sehr real.

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  5. Offen gesagt, ich mag solche Aufnahmen, egal ob Foto oder Film, überhaupt nicht, wo am offenen Körper rumgeschippselt wird. Weiß auch nicht warum. Ev. deswegen, weil das halt schon etwas ganz Besonderes ist, so ein von der Natur erschaffenes Meisterwerk. Etwas, dessen Vollkommenheit man nicht antasten sollte (aber muss, um es zu erhalten).
    Deine Creme-Schnitte wird dir irgendwann schon wieder schmecken, sobald genügen Zeit über die Erinnerung der Bilder gewachsen ist.

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  6. „Hey Modepraline, warum warst du im Spital?“ – „Ich hatte eine eitrige Crèmeschnitte im Hals stecken.“
    Siehst du, das klingt nach was. Kann nicht jeder von sich behaupten.
    Aber vielleicht solltest du künftig etwas weitere Rollkragen tragen… Damit die nächsten Crèmeschnitten genug Platz haben ganz durchzurutschen und nicht wieder eine da hängen bleibt. 😘

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  7. Liebe Daniela,
    sollten wir uns eines Tages doch noch persönlich kennenlernen, werde ich mehr als nur zusammenzucken, wenn du mich dann zu einem Kaffee und einer Crèmeschnitte einlädst!
    Liebe Grüße – und schön zu lesen, dass alles in Ordnung ist!
    Achim

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