Ich habe Rücken…

Überall und immer wieder beschweren sich die Kirchen, dass die Besucherzahlen rückläufig sind und die Pfarrer/innen nicht selten vor leeren Kirchenbänken predigen müssen. Nun, dass das sicher nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass unter dem Deckmantel der Kirche viel Negatives gelaufen ist, weiss wohl jeder. Immer mehr Menschen sind nicht mehr bereit, Kirchensteuern zu bezahlen, um dann aus den Medien erfahren zu müssen, was wieder in welcher Pfarrei oder welchem Kloster an Sauereien abgelaufen sind. Die Menschen sind kritischer geworden und halten (zum Glück) nicht mehr einfach blind an Traditionen fest, bloss weil man es halt immer so gemacht hat.

Ich habe aber kürzlich noch einen anderen Grund gefunden. Jetzt muss ich beichten: Ja, ich war in der Kirche in einer musikalischen Andacht – und nein, ich habe es nicht der Kirche wegen gemacht, sondern wegen der Musik. Ein befreundeter Tenor hat nämlich gesungen und der Besuch war ein Genuss. Bis auf den Sitzplatz! Also Kirchenbänke sind der Horror. Die ersten fünf Minuten gehen ja noch, aber danach wird es mit jeder weiteren Minute mühsamer. Man rutscht unruhig hin und her, lehnt sich zurück, was sich anfühlt, als ob man einen Stock im Rücken hätte, beugt sich wieder vor, was aber auf die Dauer auch anstrengend ist. Und ich habe dabei beobachtet, wie rund um mich das Gerutsche und die Schulterlockerunsübungen mit jeder Minute zunahmen. Manche haben sich den Rücken mit den Jacken ausgepolstert, um 70 Minuten schadlos überstehen zu können.

Dabei habe ich mich dann also gefragt: Wenn schon alle über leere Kirchen jammern, warum müssen dann die wenigen, die gerne zur Kirche gehen, noch auf diesen absolut unbequemen Kirchenbänken sitzen? Wäre es nicht schöner, wenn man entspannt einer Predigt oder einer Musik lauschen könnte? Wäre es nicht besser, wenn man sich auf den Inhalt der Worte und nicht auf die Rückenbeschwerden konzentrieren könnte? Hat es einen Sinn, dass Kirchenbänke absolute Knochenkiller sind?

Bestimmt werde ich nun von versierten Kirchengängern belehrt und werde erfahren, dass all das einen guten Grund hat. Ich habe aber nach dieser musikalischen Andacht keinen gehört, der es als angenehm empfand, sich beim Lauschen der wunderbaren Musik ständig eine neue Sitzposition suchen zu müssen, um danach nicht gleich zum Chiropraktiker gehen zu müssen. Und ich hatte an diesem Abend „ganz übel Rücken“…

72 Gedanken zu „Ich habe Rücken…

  1. Kirchen sind ja von alters her ungeheizt gewesen und eben auch nur sehr puristisch ausgestattet, was die Sitzmöbel angeht….wo hingegen der Prunk katholischer Kirchen eher gegen Purismus spricht….und auch der Umstand das man eher auf Gemälde schaut, die durch die Kälte Schäden nehmen….hm….

    Die Gemeindeschar sitzt also eine Dreiviertelstunde lang ( 3/4 Stunde nur…also bitte…. ) in und auf ihren Mäntelchen…also weitestgehend weich und warm 😉 hätten die damals gewusst das in diesen heiligen Räumen mal lange Konzerte stattfinden hätten sie das bestimmt in ihre Baupläne einbezogen…😀

    Aber ich persönlich unterscheide da stark zwischen Amtskirche ( die ja nun wirklich so manche Fehlentscheidung bestimmt ) und GLAUBEN an sich….und da ist es mir wurscht ob es sich Christentum, Buddhismus u.ä. nennt….denn das was alle Religionen verbindet ist das Thema LIEBE….und wenn die unterm Strich rauskommt und zählt ist ( fast ) alles gut 😊

    Das es im Universum etwas gibt was JEDEM Lebewesen wohlgesonnen ist und so hie und da die Netze spinnt ist für mich ein schönes Bild und ganz sicher!

    Und das ist etwas unfassbar großes, omnipräsentes was man eigentlich kaum in Worte fassen kann….deshalb die unterschiedlichen Denkansätze der Religionen….denn die Exegeten sind auch der Meinung das die Geschichten der Bibel mystische Bilder sind….da saßen Menschen im Orient beim Wasserpfeifchen oder was auch immer zusammen und haben philosophiert….über Gott und die Welt…..und irgend jemand hat sich mal die Mühe gemacht und es überliefert 😊

    So…stay cool….and sit down pliiiiiiiieeeeeees 😊

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  2. Die Härte der Kirchenbänke soll bestimmt symbolisch auch die Schäfchen sich darauf besinnen lassen, dass all das irdische Leid noch nicht das Paradies ist, auf das es noch dringendst hinzuarbeiten gilt.
    Wäre zumindest eine halbwegs stimmige Ausrede, warum man es trotz Scharen abwandernder Schäfchen noch nicht geschafft hat, Relax-Sessel mit Massagefunktion einzuführen.
    Vielleicht stört aber auch nur das Summen und Brummen solcher Entspannungsgeräte die Predigten und Andachten. ODER das seelige Schnarchen ihrer Benutzer.

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  3. Das habe ich mich auch immer wieder gefragt, wenn ich dann doch mal in der Kirche war (was im Lauf der Jahre immer seltener passierte). Ich bin katholisch (was auch der Grund dafür ist, dass ich noch NIE eine „Pfarrerin“ gesehen hab).
    Ich hab mich jedenfalls ab einem bestimmten Alter standhaft geweigert, mich dann auch noch hinzuknien, wenn der Ablauf der Messe dies vorschrieb. Es war mir ohnehin immer unerfindlich, weshalb die Stärke meines Glaubens damit zu tun hätte, wo oft ich vom Sitzen zum Knien wechsle und wieder zurück. Und diese Einstellung endete dann in der Frage, warum die Antwort auf die Frage, ob ich „glaube“ etwas damit zu tun haben kann, wie oft ich in die Kirche gehe. V.a. dann, wenn doch dieser „Gott“ es einem frei stellt, ob man glaubt oder nicht.
    OK, das führt jetzt zu weit….. Ich ziehe auch eine bequeme Sitzhaltung vor, wenn ich etwas genießen möchte. Aber von Alters her hatte Glauben ja immer schon etwas mit Spartanität zu tun, womöglich auch mit Selbstkasteiung (warum auch immer) ….. und deshalb ev. die harten Bänke.

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  4. Sicher sind so alte Bänke nicht rückenfreundlich, doch unsere Rücken sind auch nicht die neuesten.
    Am letzten Freitag kam ich entspannt und schmerzfrei aus der Sauna und am nächsten Morgen gar nicht mehr aus dem Bett – Hexenschuss.
    Ich habe mit der Amtskirche auch so meine Probleme, doch die Betrachtung Kirchensteuer sparen, Missbrauch etc. ist mir zu pauschal. Ich will das nicht wegdiskutieren oder so was, aber ich wehre mich auch dagegen, Negativerscheinungen mit noch mehr Negativen zu bepflastern.

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  5. Alsooooooo.

    Ich mag Kirche als Ort, an dem besondere Stimmungen (Schwingungen) herrschen. Ich glaube. Aber mit der Instituion habe ich heute, da ich irgendwie dazugehöre (Rel.: ev-luth.) weinger am Hiut als zu DDR-Zeiten, da ich dort zwischen 1982 und 1989 einige ganz wundervolle Erlebnisse hatte …

    Und so kenne ich ganz unterschiedlihe Sakralbauten mit ganz unterscheidlichen Sitzgelegenheiten. Die klassische Kirchenbank macht mich immer wieder demütig, was ich sogar als gut empfinde …

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