Wer hat hier das Sagen?

Ich habe eine kleine, vierbeinige Freundin. Sie heisst Ellie, ist eine dreijährige Mischlingsdame mit grau-schwarzem Drahthaar und einem Blick, der jeden um den Finger wickelt. Ellie wohnt – nach 5 Wochen Probe – nun seit 10 Tagen definitiv bei uns. Ein lustiges und spannendes Abenteuer hat begonnen.

Niemand weiss so wirklich mit Sicherheit, was Ellie alles erlebt hat. Könnten Tiere, welche im Tierheim auf ihre Vermittlung warten, ihre Geschichten erzählen, so würde das die Platzierung um einiges einfacher machen. Leider können sie das nicht. So ist es an uns, anhand ihrer Reaktionen und ihres Verhaltens möglichst viel ablesen zu lernen.

Bei Ellie ist eines ziemlich klar: Sie meint vermultich, sie sei ein Gummiball – denn in etwa so hüpft sie durch die Welt. Und ihre Batterien sind definitiv von Duracell oder sie hat ein ADHS (haben Hunde sowas auch?), denn sie ist daueraktiv. Ihr wachsamer Blick und ihre Art sprechen für eine interessierte und lernwillige Hündin, die aber vermutlich nie wirklich erzogen wurde. Und das macht es für mich, als Leinenhalterin, nicht unbedingt einfacher.

Wenn wir zusammen loslaufen, ist vorerst mal wildes Schnüffeln und aufgeregtes Rumzappeln angesagt. Logisch – das ginge mir genauso, wenn mich jemand aus dem Tierheim wieder in die Natur ausführen würde. Dann wird umgehend ein Häufchen gemacht, um sofort wieder loszuzappeln. Und im Zickzack-Kurs geht es über den Spazierweg. Mal nach links, dann wieder nach rechts – vor und zurück. Bis ich entscheide, dass ich nun gerne das Kommando übernehmen würde. Dumm nur, dass Ellie die Sache mit den Kommandos nicht ganz so sieht, wie ich. Ein lautes. „Ellie, Fuss!“ funktioniert nur, wenn nichts in der Nähe ist, was spannender sein könnte. Und auch nur, wenn sie ein Leckerli in meiner Hand wittert. Dann kommt sie angedüst und springt an mir hoch. Mit strengem Gesicht (was mir bei Ellie wirklich schwerfällt) sage ich laut: „Ellie, sitz!“ Freudig schwänzelnd tut sie das … so ungefähr für 3 Sekunden … um dann wieder an mir hochzuspringen, weil sie das Leckerli haben will. Ich also erneut: „Ellie, sitz!“ Sie setzt sich mehr schlecht als recht hin und schaut mich mit ihren treuen Hundeaugen an. Ungeduldig wedelt sie mit dem Schwänzchen. Ich bin aber mindestens genauso stur (dachte ich zumindest) und sage laut: „Ellie, bleib.“ Erst nach ungefähr 30 Sekunden Erfolgserlebnis bekommt sie das Leckerli um … danach sofort kehrt zu machen und wieder loszudüsen.

Dieses Spiel machen wir täglich so ein bis zwei Stunden und inzwischen kennt sie zwar die Kommandos „Fuss“, „Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Warten“ und „Aus“. Aber eben, sie kennt sie nur – von ständigem Befolgen sind wir noch ziemlich weit entfernt. Ich bin jeweils saumässig stolz, wenn es mal ausnahmsweise fehlerfrei funktioniert und bilde mir ein, dass sie es NUN von mir gelernt hat. Bis ich zwei Minuten später merken muss, dass die Ente im Fluss doch interessanter ist, als mein Kommando. Sie hört es zwar, kann es aber perfekt ignorieren. Und ich lache mich schlapp über ihren Blick, der in etwa soviel sagt wie: „Ehm, können wir später darauf zurückkommen? Ich habe im Moment grad wichtigeres zu tun!“

Ellie ist zum Knutschen – aber an den Kommandos und deren Befolgung arbeiten wir noch! Eines ist aber schon ziemlich sicher: Wir sind ein enges Team … ohne mich macht nämlich Ellie inzwischen eigentlich gar nichts mehr. Sie hat mich als Leinenführerin akzeptiert und weiss, dass ich sie nicht im Stich lasse. Und genauso verteidigt sie auch ihren Platz an meiner Seite … zur Misere unserer drei Kater. Aber auch das bekommen wir noch hin. Mit viel Liebe und Geduld… 🙂

41 Gedanken zu „Wer hat hier das Sagen?

  1. Hi Ellie, willkommen im Club! Wenn du noch mehr erfahren möchtest, wie hund die Zweibeiner erfolgreich um die Pfoten wickelt, kannst du dich gerne bei mir zum Einzelunterricht melden. Aber vorab: Du bist schon auf einem guten Weg!

    Halt die Ohren steif! Nacho

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    • Hey Nacho. Meine Frauchen ist ein verdammter Sturkopf – selbst meine Terrier-Schnauzer Zähnchen beisse ich mir an der aus….meine Güte. Sie sagt, sie bringe mich nicht mehr zurück ins Tierheim, weil sie sturer sei, als ich….und das will wohl was heissen. Ich wickle zwar mit den Augen wie wild…aber funktioniert also nicht immer. Meine Tricks hat sie inzwischen schon durchschaut. Ich glaube schon, dass ich womöglich irgendwann Hilfe brauchen könnte … die ist ganz schön hart. Ich darf viel, sehr viel, aber eben nicht alles. Am Esstisch will sie mich nicht haben, da schickt sie mich immer weg. Manchmal 50 mal pro Abend….meine Fresse, ist die mühsam. Irgendwann wirds mir dann halt zu blöd und ich leg mich in meinen Korb. Wuff…. Der Klügere gibt schliesslich nach. Du weisst ja … 🙂 Ellie

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    • Ich habe mir sie ausgesucht….ich glaube, dass jene, die sagen, der Hunde hätte sich sie ausgesucht, ein schönes Geschichtchen daraus machen. Wenn ein Hund zufälligerweise oder aus Freude zu einem rennt, dann hat er den nicht ausgesucht, sondern er will spielen oder gestreichelt werden. Und entscheiden tut immer noch der Mensch! 🙂

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      • Das will ich auch gerne glauben!
        Wenn man sich allerdings überlegt, dass man sich den 4-Beiner ja wegen dem ausgesucht hat, was er einem so zusendet (Verhalten, Aussehen etc.), DANN, ja DANN könnte man auf die Idee kommen, dass das eigene „Aussuchen“ doch nicht so unbedingt von einem selber nur ausgeht.

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      • Bezüglich der Ähnlichkeit zwischen Zwei- und Vierbeiner:

        Na ein Glück hast du dir keine überzüchtete französische Bulldogge ausgesucht!
        Spitze Stehohren und eine fast retrograd ins Hirn wachsende Nase sähen schon etwas kurios an dir aus.
        Und was würde deine Familie sagen, wenn du plötzlich den ganzen Tag vor dich hin sabbern und röcheln würdest…? 😉

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  2. Hey Elli, da bist du ja an eine geraten. Ich drück dir ganz fest die Pfoten, dass du das mit der Waldorf-Erziehung noch hin bekommst. Und merk dir: Leckerli (also Blumenstrauß oder so) darfst du ihr erst dann geben, wenn sie etwas gemacht hat und nicht dafür, dass sie etwas macht. Halt mich mal auf dem geheimen Nacho-Odie Kanal auf dem Laufenden. Und: viel Glück, du kannst es brauchen. Nicht aufgeben, da wird noch etwas draus!

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  3. Einfach toll, dass du dich für ein Hund aus dem Tierheim entschieden hast. Auch wenn du jetzt jede Menge Geduld und Nerven brauchen wirst.
    Eine Hundetrainerin sagte mir mal, es braucht ungefähr ein Jahr bis es beim Hund wirklich fest sitzt mit den Kommandos, leider hätten die meisten nicht die Geduld solang konsequent zu sein.
    Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert.
    Aber ich bin sicher, ihr kriegt das hin. Auch wenn es schwer ist, einem Hundeblick zu widerstehen.

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  4. übrigens…Du kannst die Kommandos auch flüstern, Hunde hören sehr gut ! 😉 Ich schätze, DU brauchst noch eine Menge an Leckerli Beutel, bis es perfekt klappt ….und Nerven und Geduld ;-)))))

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    • Ja, ich weiss, aber es macht erstens Spass und zweitens habe ich Nerven wie Drahtseile, schliesslich habe ich auch 2 Kinder grossgezogen und in den letzten 20 Jahren diverse Katzen durchs Leben begleitet – selbst die hoffnungslosen Fälle waren bei uns zu guter Letzt prima zu handeln….

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      • also hast Du den größeren Dickkopf…da sehe ich wirklich grosse Chancen ;-)) Halt uns auf dem Laufenden, das ist spannend 😉

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    • Als ich noch Hunde hatte genügte oftmals schon Zeigefinger aufzeigen mit hochgezogenen Augenbrauen oder ein ausgestreckter Arm in die Richtung wo Hündin sich trollen sollte…oder ein kurzes ÄH wenn man sie von etwas zurückhalten wollte, was sie grad geplant hatte 😊

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