Unfassbar

Seit ich mich aktiv im Bereich der Tierhaltung engagiere und mich damit täglich befasse, wird mein Entsetzen über manche Menschen immer grösser. Da ich seit 20 Jahren Tiere halte, war für mich irgendwie immer klar, dass man sich fair und anständig um Tiere kümmert. Seit ich aber oft und gerne im Tierheim bin – wo übrigens auch unser bellender Familienzuwachs herkommt – kann ich manchmal nur noch den Kopf schütteln.

Wer kommt auf die Idee, Tiere einfach vor die Türe zu setzen, um in Urlaub fahren zu können? Menschen!
Wem fällt ein, einfach unterzutauchen, und sein Tier zu Hause seinem Schicksal zu überlassen? Menschen!
Wer sperrt Tiere in einen Kofferraum, um sie auf einem Parkplatz wie Ausschussware zu verkaufen? Menschen!
Wer schmeisst auf der Autobahn sein Tier aus dem Auto, weil es ihm zu mühsam, zu teuer oder zu aufwändig wurde? Menschen!
Wer meldet sein quicklebendiges Tier als tot, um keine Steuer dafür bezahlen zu müssen? Menschen!

Und auf diese Weise könnte ich die Liste endlos erweitern – leider. Aber zum Glück gibt es auch die Anderen. Jene, welche genau diese Tiere aufnehmen, aufpäppeln und pflegen, um für sie gute Plätzchen zu suchen. Und da kommt der Glaube an die Menschlichkeit wieder zurück, denn das sind auch Menschen. Meine persönlichen Helden in den Tierheimen, den Auffangstationen und den Tierrettungsgruppen. Jene eben, welche nachts aus dem warmen Bett kriechen, um ein Tier entgegenzunehmen, welches sonst vermutlich sterben würde. Das sind für mich echte Helden. Vor allem dann, wenn sie dies über Jahre tun, ohne dabei den Glauben an das Gute zu verlieren. Nicht selten werden sie nämlich für ihren Einsatz belogen, betrogen und verarscht (sorry für das Wort, aber es gibt keines, welches besser passen würde).

Ich bewundere die Geduld und die Liebe, mit welcher solche Tierfreunde immer wieder ihre Kraft zur Verfügung stellen, ohne dabei auszurasten. Ich habe mir nämlich selber auch schon überlegt, wie gefasst ich wohl beim 10. mal reagieren würde, wenn mir jemand eine offensichtliche Lügengeschichte aufzutischen versuchte, nur um ein Tier loszuwerden. Und ich rede da nur vom 10. mal! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich da bereits das erste mal eine Schimpfitrade gefolgt von einer handfesten Watsche austeilen würde. Was müssen diese lieben Tierretter also für Nerven haben!? Hut ab, ihr habt alle meine grösste Bewunderung!

29 Gedanken zu „Unfassbar

  1. Ich sage es immer wieder: Das Dümmste, was jemals von der Natur hervor gebracht wurde, ist der Mensch. Das sehen wir in der Politik, aber auch in solchen Dingen. Wir haben einen Hang zur Perversion. Sicher würde uns eine hungrige große Miezekatze in freier Wildbahn wohl auch fressen, aber sie käme nie auf den Gedanken uns in der Massenmenschhaltung zu überzüchten, mit Antibiotika zuzupumpen, weil wir ständig unter diesen Umständen krank werden und diesen Müll (so muss ich uns in dem Fall mal nennen) auch noch zu essen.

    Und was der Mensch auch niemals lernen wird ist das Leben im Moment und die unendliche Dankbarkeit eines Tieres, dem man ein Dach über den Kopf schenkt. Manchmal können wir uns echt eine Scheibe dieser Unschuld abschneiden…

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  2. Deinen positiven Gedanken kann ich mich nur anschließen.
    Was das andere angeht, so kann ich mir nur vorstellen, dass all diese Menschen, die Tieren sowas antun, schlicht krank sind. Ich denke da an einen psychischen Defekt. Anders kann ich mir das nicht erklären, wie man dazu in der Lage sein kann, ein Tier einfach auszusetzen oder die Verantwortung dafür abzuschieben.
    Für mich geht das noch weiter: Wer schon mit Tieren so umgeht, der wird ein Stück davon sicherlich auch Menschen gegenüber praktizieren. Da braucht es einen dann nicht zu verwundern, wie so manche Verhaltensweisen zustande kommen. AUCH in den jetzigen Aktualitäten.

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  3. ich habe in den 80er Jahren einige Jahre im Tierheim ausgeholfen. Was ich dort gesehen und erlebt habe, war leider sehr oft grauenhaft. Was Menschen Tieren zufügen, mag ich hier nicht beschreiben. Ich war dann auch nicht mehr fähig hinzugehen, denn oft genug mussten wir gequälte Tiere wieder an ihren Besitzer herausgeben. Letzten Endes haben wir dann gegen das Gesetz verstossen und die Tiere versteckt und an verantwortungsvolle und vor allem liebevolle Menschen weitervermittelt.
    Ich ziehe meinen Hut vor all denen die sich täglich um ausgesetzte, gequälte und vernachlässigte oder nicht mehr gewollte Tiere kümmern. Du musst voller Liebe für das Lebewesen sein, aber Dich auch abgrenzen können. Das ist mir persönlich nicht mehr gelungen.

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