Paragraphenreiterei

Ich habe mit meinem Vierbeiner eine Hundefrau kennengelernt, welche bestimmt im letzten Leben eine Wölfin gewesen ist. Sie versteht hundisch. Und die Hunde lieben sie. Man könnte sogar behaupten, dass die Hunde ihr Leben sind. Und genau das wird ihr nun in unserer überreglementierten Schweiz zum Verhängnis. Sie hat nämlich zusammen mit ihrer Familie ihre ganzen Ersparnisse zusammengekratzt, um sich ein Haus mit viel Umschwung zu kaufen. Dies in der Absicht, dort eine Hundepension zu betreiben. Alle Ausbildungen und Amtsgänge dafür waren erledigt, der teure Zaun zur Sicherung der Umgebung aufgestellt und alles schien wunderbar.

Leider hatte die liebe Hundefrau aber die Rechnung ohne ihre Nachbarn gemacht. Diese hatten nämlich eine Minilücke im Gesetz gefunden und – ihr ahnt es – sofort Einsprache gegen diese Ferienpension für Hunde erhoben. Aus Angst vor mehr Verkehr und Hundegebell, wie sie meinten. Dazu ist zu sagen, dass das Quartier an einer stark befahrenen Hauptstrasse liegt, auf welcher die Lastwagen jeden Hund bei weitem übertönen. Aber das scheint die Nachbarn nicht zu stören.

Der eigentliche Knackpunkt, um mit der Einsprache durchzukommen, ist der Aufenhaltsraum der Hunde. Dieser eine Raum liegt nämlich – als einziger des Anwesens – in der Wohnzone. Und gemäss unseren Paragraphen dürfen in dieser Zone maximal drei Hunde gehalten werden. Hä? Gibt es nicht? Doch! Gibt es! Es gibt Menschen, welche anderen aufgrund eines winzigen Schlupfloches im Gesetz ganz einfach mit einem Fingerschnippen die Existenz zerstören können. Schwupp – und alles ist futsch. Wir sprechen hier ja nicht von einem Baum, der im Weg steht; oder von einem Strauch, dessen Blätter in Nachbars Garten fallen. Nein: Wir sprechen von einer Frau, welche sämtliche Ausbildungen zur Betreibung einer Tierpension gemacht hat und mit Sack und Pack umgezogen ist, um ihren Berufstraum zu verwirklichen. Und nun steht sie vor dem Aus.

Alle Gespräche, juristischen Gänge und Abklärungen haben nichts gebracht. Mitte Februar muss sie die Pension schon wieder schliessen und ihren Traum begraben. Und bis dahin darf sie auch keine neuen Kunden mehr annehmen.

Auf ihrem Facebookprofil hat sie jede Menge Filme online gestellt, in welchen sie die Tiere in der Pension und im Auslauf zeigt und … von Bellen ist da nichts! https://www.facebook.com/profile.php?id=100005736975691&fref=ts Die Tiere sind zufrieden und es wird so gut wie nie gebellt. Und inzwischen haben ihre Freunde sogar eine Facebookgruppe gegründet, welche die Pension retten möchte. https://www.facebook.com/Wir-K%C3%A4mpfen-f%C3%BCrs-Holidog-1639962862959060/?fref=ts Ohne ein Wunder scheint dies aber aussichtslos zu sein. Und da soll noch einer diese Welt verstehen. Ich für meinen Teil verstehe ehrlich gesagt nur noch Bahnhof. Und ich schüttle den Kopf über soviel Intoleranz von Nachbarn, welche offenbar keine anderen Probleme haben.

20 Gedanken zu „Paragraphenreiterei

  1. Unglaublich.Ich frage mich bei solchen Dingen immer wieder ob diese Menschen eigentlich keine Gefühle haben?! Wie würden sie es finden, wenn dank einer klitzekleinen Gesetzeslücke jemand ihnen ihr Haus, ihr Grundstück oder eben ihre Existenz wegnimmt?

    Gefällt 1 Person

  2. Dass es Regeln und Gesetze gibt, ist wichtig für ein gemeinsames Zusammenleben.
    Es gibt genug Menschen, die sich nicht an einfachste Dinge halten können (oftmals provokanter oder „mir-doch-egal“-Art) und meinen, dass allein die eigenen Bedürfnisse im Vordergrund stehen oder zu stehen haben. Ohne Rücksicht auf Verluste.

    ABER:
    Es gibt genauso viele Verrückte, die aus eigener Frustration oder Prinzipienreiterei (ohne jemals begründete negative Erfahrungen gemacht zu haben…dann könnte man die Motivation dahinter vielleicht noch nachvollziehen) heraus anderen Menschen das Leben unnötig schwer machen, ohne dass hieraus für sie ein sonderlicher Vorteil erwachsen bzw. großes Unbill verhindert werden würde. Es geht lediglich ums Prinzip, Recht zu haben und dieses durchzusetzen, wenn eine Gesetzesgrundlage (die aber in diesem Falle auch NICHT ohne Grund existiert!) vorhanden ist.

    Da die genauen Umstände (auch mögliche Vorgeschichten und Vorprägungen!) nicht bekannt sind, kann man nicht schon mal einfach so pro forma das Fegefeuer auf Betriebstemperatur hochfahren. Dennoch scheint diese Geschichte Bahnen einzuschlagen, die eindeutig aus dem Ruder der Verhältnismäßigkeit laufen (könnten).

    Der Knackpunkt ist, dass bei Problemen, die sich andeuten (hier zum Beispiel die Angst vor zusätzlichem Lärm etc.), nicht im kleinen Rahmen gemeinsam darüber gesprochen, sondern gleich die Keule ausgepackt wird.
    Das ist unser großes Kommunikationsdefizit der heutigen Zeit. Entweder wird in sich hineingefressen bis einer explodiert, oder es wird eben ganz unpersönlich und am besten noch anonym eine Anzeige oder dergleichen ertüftelt.

    Gefällt 1 Person

  3. Toleranz (ganz zu schweigen von Akzeptanz) wird heute oft vom fast schon zwanghaften Durchsetzen eigener Rechte verdrängt, was wirklich traurig ist. Das ist ja nun wirklich kein Einzelfall, auch Kindergärten u.ä. sind immer wieder von solchen Fällen betroffen. Was bewegt Menschen, die zwanghaft ihr Recht durchsetzen wollen, oftmals gänzlich ohne mit den Betroffenen zu reden gegen diese vorzugehen? Echt, ich hab keine Ahnung, Unzufriedenheit, Einsamkeit… Dabei könnte man, wenn man statt zu klagen erst mal redet als Person gewinnen, etwas gegen die eigene Unzufriedenheit oder Einsamkeit tun.

    Ich denk dabei konkret an meine damaligen Horrornachbarn in Hamburg, die permanent kamen um sich über „Trampeln“ (Anm. Wir wiegen beide nicht mehr als 60 Kilo und trugen keine Hausschuhe, die Musik war nie über Zimmerlautstärke etc.) beschweren kamen und uns X mal mit der Polizei gedroht haben. Und, was waren das für Leute? Bei denen gab es ständig Krach, da flogen nicht nur Worte, was wir oft lautstark um 3 Uhr morgens mitbekamen. Sie war offenkundig schwer alkoholabhängig, er cholerisch und auch nicht grad nüchtern. Wir waren das Feindbild, das ihnen offenkundig irgendeinen Sinn, irgendeine persönliche Aufwertung gab. Irgendwann mal kam die Dame hoch, als wir grad kochten, und sie sah ganz sehnend auf unser Essen, und wir boten ihr was an, sie lehnte ab, erzählte uns aber ihre halbe Lebensgeschichte und ging mit einem Lächeln. Die Beschwerden hörten kurz danach auf. Würde für die Einsamkeitstheorie sprechen.

    Wird sich so sicher nicht mit jedem lösen lassen (ich kapier bis heut nicht, wie das damals überhaupt zustande kam) leider ist es nicht so einfach. Trotzdem mein utopischer Lösungsansatz: Auf die Leute zugehen, ihnen trotz ihrer oft aggressiven und feindlichen Art die Hand in Freundschaft anbieten. Zumindest probieren kann mans…

    Gefällt 3 Personen

  4. Ich finde es so schade, wenn Nachbarn nichts anderes zu tun haben, als sich zu bescheren. Wir hatten auch schön Ärger, weil unser Hund gebellt hat und das nicht mal sehr oft. Ohne Witz hat uns die Nachbarin gefragt, ob er krank ist, weil er manchmal bellt. Eine Unverschämtheit.

    Gefällt 2 Personen

  5. Offenbar gibt es überall solche Typen, die nichts anderes im Hirn haben, als etwas zu suchen, womit sie dem Nachbarn an’s Bein Pinkeln können.
    Welche Karrieren solche Typen in braunen Vorzeiten bzw. in Mauer-Vorzeiten gemacht hätten, bedarf keiner allzugroßen Überlegung, sprich, ergibt sich von selbst.
    Das sind dann auch solche Typen, die den 3. Weltkrieg vom Zaun brechen, wenn ein Ast von Nachbars Baum 10 cm über die Grundstücksgrenze ragt.
    Meine Erfahrung: Es bringt absolut nix, sich mit solchen Typen abzugeben. Es ärgert sie am Meisten, wenn man sie vollständig ignoriert (was natürlich der Hundepension in keinster hilft, aber mit jeder anderen Reaktion würde man dem Typen nur Futter geben).
    Und zu sammeln, um einen eigenen Aufenthaltsraum für die Hunde zu bauen, bringt wohl nix????

    Gefällt 3 Personen

    • Lieber Reiner – das ist eine grosse Ehre … und ich hoffe Du nimmst mir nicht übel, wenn ich Dich bitte, das Stöckchen jemand anderem weiterzugeben. Ich mag diese Schneeballdinger nicht so….wurde schon oft angefragt, habe zweimal mitgemacht und fands eigentlich langweilig. Und meine Leser/innen hat es auch nicht wirklich interessiert. Nicht böse sein, soll nicht undankbar klingen, aber bestimmt freuen sich andere mehr darüber! Schlaf gut! 🙂

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s