Lesen und Schreiben

Ich lese und schreibe, weil ich lesen und schreiben kann. Könnt ihr alle auch! Warum tut ihr es dann nicht? Eigentlich kann doch jeder in der ersten Welt lesen und schreiben … und doch tun es nur wenige. Entweder weil sie keine Lust haben, weil sie – wie sie selber sagen – es nicht gut können oder warum auch immer. Vom ersten Buchstaben meines Lebens an habe ich gelesen und geschrieben. Irgendwie logisch … für mich! Nicht für andere. Die fragen nämlich nicht selten, wie man sowas freiwillig tun könne. Und ich frage mich dann, wie man sowas freiwillig nicht tun kann? Schreiben und lesen ist doch wie essen und trinken. Das tut man doch auch freiwillig – in der Regel zumindest. Warum also nicht auch lesen und schreiben? Was ist daran so verflixt schwierig, dass man es als Zwang ansehen kann? Ich verstehe es nicht! Das Sortieren der Buchstaben? Das Aussprechen der Laute? Das Verstehen des Geschriebenen? Oder einfach alles zusammen? Ich stelle mir gerade vor, wie ein Leben ohne Lesen und Schreiben sein würde. Schreckliche Vorstellung. Langweilig. Öde. Für mich eigentlich unmöglich!

Ich kann verstehen, wenn jemand davon spricht, dass man zum Zahnarzt gehen muss, dass man die Wäsche bügeln muss, dass man das Papier bündeln muss oder dass man den Müll rausbringen muss. Wie kann man aber davon sprechen, schreiben zu müssen? Klingt für mich fast so wie „ich muss atmen“. Ehm, hä? Nein, das tut man doch einfach! Automatisch.

Ich überlege mir gerade, wie es wäre, wenn alle einfach lesen und schreiben würden – immer. So richtig gerne. Wir wären weit gebildeter, würden vieles besser verstehen und hätten wieder viel mehr zu diskutieren. Und in der Schule würden sich die Lehrer auch nicht ständig die Zähne an Leseverweigerern und Schreiballergikern ausbeissen. Das wäre ja ein richtiges Traumland. Und die Bücherregale in den Zimmern wären alle wieder voll. Bis das so ist, träume ich mal weiter davon, wie schön lesen und schreiben ist. Und wie einfach!

31 Gedanken zu „Lesen und Schreiben

  1. Ich hab das WORT immer schon als etwas schönes empfunden. Was man damit alles machen kann: Lesen, Schreiben, interpretieren, im Mund herumdrehen, fehldeuten, wechseln und und und
    Und in der Schule da haben wir sogar „Die Räuber“ gelesen und derlei mehr.
    Und was gibt es Schöneres als ein Bücherregal oder gar eine Bibliothek in einem hochherrschaftlichen Haus.
    Aber ich finde auch die neuen Sachen á la eBook-Reader eine „geile“ Sache. Da drin ist MEINE Bibliothek.
    Und immer noch kann ich mit dem WORT alles das machen, was ich oben geschrieben habe.
    Ob unseren Nachkommen etwas fehlen wird, das ist eine ganz andere Sache.

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  2. Ich gehe aktuell davon aus, dass mein Kind mal gerne lesen wird.
    In diesem Haushalt wird sehr gerne gelesen.
    Mit kleinem Kind zwar weniger effektiv, aber wir besitzen Bücher und sie stehen nicht nur im Regal.
    Ein paar Zeitschriften wie Geo, PM und so haben wir auch.
    Lesen sollte immer Spaß machen.
    Aktuell komme ich nicht so zum Lesen wie ich möchte und dann muss ich immer von vorne Anfangen, weil ich inzwischen vergessen habe, worum es zuletzt ging.
    Manche Bücher sind leider Ebooks gewichen.
    Tablet und iPhone werden auch zum Lesen genutzt.
    Weil es einfacher ist, aber nicht schöner.
    Aus EBooks kann das Kind eben keine Seiten heraus reißen.
    Dennoch wird viel gelesen.
    Mein Kerl tauscht Bücher mit meiner Tante. Wir haben alle einen ähnlichen Buchgeschmack.
    Wir haben auch Freunde, die gerne lesen.

    Jetzt muss ich nur leider immer wieder schmerzlich feststellen, dass ich nicht der Durchschnitt bin. Und das, obwohl ich durchschnittlich viel auf Facebook unterwegs bin.

    Mit jedem Tag, den mein Kind älter wird, lässt meine Schwangerschafts-/Stilldemenz nach. Ich erlebe mich konzentrierter/fokussierter, lese wieder mehr und finde wieder mehr Kontakt zu meinem Alltag vor dem Kind.

    Ich lese viel. Ich hinterfrage aber auch, was ich lese.

    Neben der Bereitschaft zu lesen scheint vielen auch eine gewisse Lesekompetenz zu fehlen. Inhalte werden nicht richtig erfasst, Satire wird ernst genommen, …

    Liegt das an der Schule? Liegt das am Elternhaus?

    Meine Eltern lesen eher wenig, haben uns aber als wir klein waren, viel vorgelesen. Schullektüren fand ich meist doof.

    Ich wurde durch meinen Großvater sehr gefördert, was das Lesen angeht.

    Ich schreibe auch sehr gern. Ja, ich glaube, ich kann mich auch einigermaßen gut ausdrücken.

    Jedes Kind braucht Vorbilder. Es wäre, so glaube ich, wirklich förderlich, wenn eines dieser Vorbilder eben auch gerne ließt und schreibt. – Und ich denke, da fängt das Problem für viele an.

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      • Wie ich das sehe, ist die Sache mit dem Verstehen nicht nur ein schulisches Problem. Auch an der Uni – und das ist ein Grund, weshalb ich froh bin, da nicht mehr hingehen zu müssen – sind einige nicht in der Lage, den Sinn eines Textes zu erfassen. Ich muss zugeben, dass ich wissenschaftliche Texte meines Fachs nur ungern reingezwungen habe, aber ich habe es getan und wollte sie auch verstehen. Denn dafür habe ich mich eingeschrieben.

        Und ganz allgemein: Es scheint heute nicht mehr notwendig zu sein, lange Texte zu lesen und zu schreiben. Vieles wird nebenbei mal eben angeschaut (Smartphone) und schon allein deshalb scheint es sich kaum zu lohnen, längere Artikel zu verfassen. Diese Enwicklung gefällt mir gar nicht. Und dabei handelt es sich in meinen Augen oft um Faulheit. Wenn es sich um Legasthenie handeln sollte, dann wäre das aus evolutionären Gesichtspunkten ziemlich besorgniserregend. Aber es wird sich eher um ein gesellschaftliches Phänomen handeln. Und das geht mir ein wenig gegen den Strich. Auch weil die eine Institution von der jeweils anderen erwartet, das Defizit aus der Welt zu schaffen. Meistens geht das in eine Richtung: Eltern -> Schule.

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      • Leider, ja. Ich hatte immer fremde Kinder bei mir um bei den Hausaufgaben zu helfen, weil sich die Eltern keine Zeit mehr nehmen oder schlicht zu doof sind. Da wären wir wieder beim alten Problem: Für alles braucht es eine Prüfung, nur Kinder kann jeder Vollhorst bekommen! 😦

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  3. Auch ich bin Legastheniker, wenn man das auch damals zu meiner Schulzeit noch nicht so genannt hat, oder wenn es bekannt war, eher mit einem Schulterzucken abgetan hat. Das merkt man vermutlich oft genug daran, dass Beiträge und Kommentare von mir immer mal wieder etliche Fehler enthalten können, wenn ich sie nicht wirklich sehr sorgfältig und mehrfach korrekturgelesen habe.

    Trotzdem kommuniziere ich bisweilen lieber schriftlich als mündlich, etwa telefonisch, weil ich eher introvertiert bin.

    Bei anderen mag das aber umgekehrt sein: Sie haben Angst, dass das, was dann geschreiben steht, nicht das ausdrückt, vielleicht gerade auch, was ihre jeweiligen Emotionen betrifft, was eigentlich in ihnen vorgeht.

    Und machen wir uns nichts vor: Dass jeder oder fast jeder in der ersten Welt lesen und schreiben kann, trifft bei weitem nicht zu. Viele Menschen ohne Schulabschluss aber auch mit hauptschluabschluss können als Erwchsene tatsächlich nur (noch) sehr rudimentär lesen und schreiben. Manche sind wirklich, auch ohne eine organische oder psychische Krankheit zu haben, echte Analphabeten, obwohl sie mal zur Schule gegangen sind, sonst wären entsprechende Alphabetisierungskurse für Erwachsene nicht notwendig.

    Lesen und vor allem Schreiben ist auch Trainingssache. Übt man es nicht, verkümmert die Fähigkeit. Jemand, der überwiegend schlechte Erfahrungen mit dem von ihm Geschriebenen hat, weil man ihn vielleicht wegen seiner vielen Fehler lächerlich gemacht oder abgewertet hat, wird wenig Lust verspüren zu schreiben und damit auch zu üben, was das Problem natürlich verschlimmert und einen Teufelskreis erzeugt
    .

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  4. Theoretisch lesen und schreiben wir ja alle täglich. Du meinst wahrscheinlich hobbymäßig oder so. Wenn alle sich intensiv damit beschäftigen würden zu lesen und zu schreiben, dann würden viele Dinge auf der Strecke liegen bleiben. Es müssen ja auch einige irgendwelche Sachen berechnen und neue Ideen ausklügeln. Jeder kann nicht alles machen. Daher ist es wichtig, dass sich die Massen mit ihrem Wissen und der Vielfältigkeit des Könnens vereinigt und zusammen agiert.

    Gefällt 2 Personen

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