Herbsttage

Wenn sich der Nebel dicht über die Landschaft legt, und es gar nie wirklich Tag werden will, dann kann das ganz schön aufs Gemüt schlagen. Vor allem dann, wenn man – wie wir – am Schweizer Jurasüdfuss wohnt. Im Sandwich zwischen der Jurakette (Bergmassiv) und der Aare (Fluss) liegt der Nebel phasenweise während Wochen so dicht, dass man nicht einmal bis zu Nachbars Haus sehen kann. Und es ist erschreckend, wie sich in dieser Zeit im Radio auch die Meldungen häufen, von wegen „Wegen eines Personenunfalls ist die Strecke zwischen A und B aktuell unterbrochen“. Der chronische Entzug des Lichts hat definitiv eine Auswirkung auf unser Gemüt. Und weil das so ist, flüchte ich dann des öfteren mit meiner Hündin über die Nebeldecke an die Sonne.

Wenn man mit der Gondel aus dem Nebel in die Sonne fährt, fühlt sich das an, als ob jemand die Mundwinkel von „down“ zu „up“ umstellen würde. Ich habe dann das wohlige Gefühl, grinsen zu müssen. Und wenn ich von oben aufs Nebelmeer schaue, geniesse ich die Sonne noch viel mehr. Unglaublich, wieviele Gute-Laune-Hormone das Licht im Körper in Wallung zu bringen vermag.

Und doch bin ich immer wieder überrascht, dass es selbt über dem Nebelmeer, mit Blick auf die Alpenkette, bei 16 Grad im November, auf der Restaurantterasse bei einem Latte Macchiato immer noch Nörgler gibt. Jene eben, welche finden, dass die Sitzfläche des Stuhls zu kalt, die Bedienung zu wenig schnell, der Kaffee zu heiss, der Nussgipfel zu trocken oder Frau Müller zu dick ist. Und all das mit einem Gesicht, dass man meinen könnte, zwei Minuten später gehe die Welt unter.

Ob es wohl einen Aufruhr gäbe, wenn ich an einem wunderbaren Herbsttag über dem Nebelmeer diesen Nervensägen mal eine Runde Macchiato in den Nacken kippen würde? Lust dazu hätte ich manchmal! 🙂

32 Gedanken zu „Herbsttage

  1. Ob du es glaubst oder nicht: Wie ich deinen Beitrag lese, kommt hier bei mir die Sonne raus. Seit Tagen, das erste Mal. Hier in Oberfranken, genauer gesagt in Hochfranken, liegen wir im Stau des Erzgebirges, und da setzt sich im Herbst gerne grau in grau fest. Bis letzte Woche hatten wir das Glück, dass wir, auf Grund der Höhe (ca. 550 Meter), in der Sonne lagen, während woanders, in den Niederungen sich der Nebel hielt. Jetzt war wieder 1 Woche grau, und ich merke grade, wie die Sonne mein Gemüt verändert.

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  2. Die meisten mögen so einen dichten Nebel nicht.
    Ich mag ihn, wenn ich mich verletzlich fühle, dann schützt er mich irgendwie, so fühlt es sich jedenfalls an.

    Hey….ich dachte, dass die Deutschen das einzige Land der Nörgler und Jammerer ist….lach… 🙂

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