Ehrenamt

Wie viele Vereine, Verbände, Gruppen oder Institutionen gäbe es nicht, wenn es nicht auch Menschen gäbe, welche ehrenamtlich arbeiten? Und wie das Wort Ehrenamt schon sagt, sind dies Arbeiten, bei welchen es eine Ehre ist, sie ausführen zu dürfen. Das kann vom Kassieramt über Telefondienst bis hin zu Regale auffüllen sein. Vor allem soziale Institutionen und Vereine sind immer auf solche Leute angewiesen, weil das Geld an allen Ecken und Enden fehlt. Und drum ist es Ehrensache, dass ein Ehrenamt auch nicht entlöhnt wird.

Leider hat sich diese Arbeit im Verlauf der letzten Jahre immer mehr zur Arschkarte entwickelt. Die Netten, welche nicht nein sagen können, machen irgendwann alles, während jene mit den grossen Ellbogen nur profitieren und die Rosen kassieren. Ein Ehrenamt ist halt eben nicht lukrativ. Und in unserer Gesellschaft wird vor allem darauf geschaut, dass eine Tätigkeit möglichst rentabel ist. Das hatte schon die Auflösung von diversen Vereinen und Institutionen zur Folge, weil einfach keine Leute mehr gefunden werden konnten, die unentgeltlich arbeiten. Ehrenämter sind meist ja auch in der Freizeit auszuführen und wer will heute noch seine rare Freizeit für eine Arbeit opfern, die sich letztlich in der Brieftasche nicht niederschlägt.

Eigentlich schade, denn gerade diese Ämter kommen immer jenen zugute, welche sonst nichts hätten oder nichts machen könnten. Das können sozial schwache Menschen sein, welche sich an der Tafel (Tischlein deck Dich) mit Esswaren eindecken können, oder aber Kinder, welche an einem Frühstückstisch verpflegt werden, um nicht mit knurrendem Magen in die Schule gehen zu müssen. Da braucht es Leute, welche dies ohne Forderungen oder Gegenleistungen tun – für die Schwächeren unter uns. Genauso ist es mit Vereinsarbeit. Ein Verein kann nur funktionieren, wenn ein Vorstand seine Arbeit gut und zuverlässig macht. Auch da ist es zugunsten von Vereinsmitgliedern, welche dafür von einem Sportangebot oder einer Beschäftigung profitieren können. Müsste man den „Drahtziehern“ noch ein Entgelt bezahlen, könnte kein Verein existieren. Dann wäre er sofort Pleite oder die Mitgliederbeiträge müssten derart hoch angesetzt werden, dass es sich kein Mensch mehr leisten könnte.

Drum: Liebe Menschen (und ich sage bewusst Menschen!) … tut doch hin und wieder auch mal etwas ohne Gegenleistung, einfach für die Schwächeren unter uns – und weil es der Seele sehr gut tut! 🙂

29 Gedanken zu „Ehrenamt

  1. Es ist ein Fluch und Segen zugleich! Fluch, weil man nebst einem 100% Job oftmals an seine Grenzen stößt, wenn man nach der Arbeit, Familie, Tiere, Haushalt… Noch die Vereinsarbeit erledigen muss (vorgestern wurde es wieder 02.45 bis ich ins Bett konnte, weil ich die Weihnachtsaktion online stellen musste) Fluch auch, weil wenn man nicht sofort auf eine Mail reagiert, es heißt, die haben es gar nicht nötig! Entschuldigt man sich, bekommt man die Antwort, dass in anderen Vereinen die Leute nebenbei auch noch arbeiten! Das ist oft sehr frustrierend, denn es ist für die Leute ganz selbstverständlich, dass man diese ehrenamtliche Arbeit leistet und man gefälligst Tag und Nacht erreichbar sein soll!
    Segen, weil es so schön ist, wenn man Erfolge erzielt und helfen kann! ❤️❤️❤️
    Was mich aber am meisten belastet, ich weiß genau, wenn wir damit aufhören, im kalten Sibirien ca. 500 Tiere verhungern werden, denn aus dem eigenen Land bekommen sie keine Hilfe 😔

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  2. Und ich sag mal wieder gerne: genau, genau, genau! Auch wenn ich selbst es eher mit einer sehr verrückten Truppe zu tun habe, die sicher nichts für jedermann ist (ich bin ein clubkind). Jeder findet sicher n seiner Umgebung etwas, das zu ihm passt, denn wenn das ganze keinen Spass macht, ist es nicht erfüllend. Dieses erfüllende Gefühl ist es aber, was einen zufriedener und glücklicher macht. Ich wünsch Dir einen schönen Abend. liebe Grüße
    Andrea

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  3. Wenn ich an Ehrenamt denke, denke ich auch an Menschen, die teilweise ehrenamtlich ihr Leben riskieren. Zum Beispiel bei der freiwilligen Feuerwehr, THW oder der DLRG. Der DLRG bin ich selber auch sehr nah, und sehr oft geschockt, wie wenig den Menschen ihre Arbeit scheinbar wert ist. An deutschen Küsten habe ich noch nie einen „bezahlten“ Rettungsschwimmer kennen gelernt. Die Leute dort verbrauchen Ihren Jahresurlaub um Menschen vor dem Ertrinken zu retten und riskieren dabei tatsächlich auch mal ihr eigenes Leben.
    Fragt mal einen Rettungsschwimmer, wie viele Einsätze er denn schon hatte. Er wird euch sicher stolz von so einigen dramatischen Rettungen erzählen können. Und dann fragt, wie viele der geretteten sich den bedankt hätten.. Da wird’s still, und das finde ich schockierend.
    Ich bin mit einem ehrenamtlichen Rettungsschwimmer verheiratet, weiß also ziemlich genau, wovon ich spreche. Es wird immer schwerer junge Leute für so ein zeitintensives Hobby zu begeistern. Lieber lässt man sich beim Fußball zujubeln, als Menschen aus dem Wasser zu ziehen, und dafür nicht einmal ein „Danke“ zu bekommen. Wenn das Ehrenamt, gerade im Bereich Katastrophenschutz langsam ausstirbt, dann nur, weil die Gesellschaft immer undankbarer wird.

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  4. Ich war vor vielen Jahren im Tierschutzverein ehrenamtlich tätig und konnte es irgendwann nicht mehr aushalten. Das Leid der Tiere und unsere Hilflosigkeit. Aber engagiert habe ich mich passiv immer irgendwie. Nun seit ein paar Jahren ehrenamtlich aktiv in der Krebsberatungsstelle und ganz neu in der Flüchtlingshilfe. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre sovieles nicht möglich und ist doch so dringend nötig. Ich habe festgestellt, dass viele so gern über dieses Thema reden, aber wenn ich sie direkt anspreche wo wir Unterstützung gebrauchen können, dann höre ich die Worte Zeitmangel, andere wichtige Dinge zu erledigen usw. Und von Frauen, wo ich genau weiss, sie hätten sehr wohl die Zeit. Ich war schon mal in einer Situation wo ich auf Hilfe angewiesen war und sie bekommen habe. Deshalb möchte ich etwas zurückgeben. Jeder von uns kann mal in eine Lebenssituation geraten wo man auf andere Menschen angewiesen ist, jeder. Aber leider ist in unserer Gesellschaft das Ichdenken vorherrschend, trotz aller ehrenamtlicher Helfer(innen). Und das finde ich bedrückend.

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  5. Ja, ohne Ehrenamt müssten wir unser Land zusperren. Und deswegen kann es gar nicht hoch genug angesehen werden. Dessen sollten sich so Manche bewusst werden. Man stelle sich vor, hier in D gäbe es die Ehrenamtlichen nicht. Dann wäre das Land, v.a. angesichts der Flüchtlingssituation, schon lange zusammengebrochen.

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  6. Ich finde es gut, dass es soviele Ehrenamtliche gibt, auch wenn die Professionellen oft dagegen wettern, weil es Stellen kostet.

    Ich selbst arbeite seit über 20 Jahren ehrenamtlich, auch als ich noch berufstätig war, habe ich immer nebenher ehrenamtlich gearbeitet. Für mich ist das normal.
    Wenn man selbst gut versorgt ist, dann kann man doch denen helfen, die es nicht sind.

    Mir tut es immer weh, wenn jemand sagt, er wäre doch nicht so doof, umsonst zu arbeiten 😦

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  7. Ich bin jetzt seit fast zwei Jahren ehrenamtlich in der Kirche tätig, helfe bei Projekten und Aktionen oder beim Konfirmandenunterricht, und es macht mir um einiges mehr Spaß als mein Job im Restaurant. Wenn wir Geld dafür bekommen würden, wäre es ja quasi ein Nebenjob, und wir würden anfangen, ihn als unsere Pflicht zu betrachten und die Lust verlieren, was ich unglaublich schade finden würde, weil ich nirgendwo sonst diese Art von Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl erlebe. Ich habe über diese „Arbeit“ so viele wunderbare Leute kennengelernt, und finde es wirklich schade, dass Ehrenamt für die meisten Menschen heutzutage etwas ist, woran man nur teilhaben kann, wenn man entweder zu viel Langeweile oder kein Sozialleben hat.

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  8. Die Geschichte hat noch etliche Aspekte mehr. Einer ist, dass viele Ehrenämter, jedenfalls dort, wo ich selbst aktiv bin, immer mehr professionalisiert werden. Während das Ehrenamt eigentlich etwas sein sollte, das gerade nicht die Arbeit von Professionellen ersetzen sollte, entwickelt sich das aber an vielen Stellen dorthin, und das geht vermutlich auch gar nicht anders. Das hat wiederum mehrere Seiten. Zum einen wäre manches ohne ein professionalisiertes Ehrenamt längst nicht mehr machbar, und die, die jetzt davon letztlich profitieren, würden eben ohne diese Leistungen dastehen, wenn diese Professionaliserung nicht stattfände. Manche dieser Profite werden auch gar nicht gesehen, wirken aber trotzdem. So wird z.B. die gesundheitliche Selbsthilfe immer mehr in gesundheitspolitische Prozesse eingebunden, was sie selbst seit langem gefordert hat. Davon profitieren Patienten, ohne es zu wissen. Allerdings, wird diese Beteiligung nun auch eingefordert und muss geleistet werden, wofür wiederum Kompetenzen notwendig sind, die erstmal erworben werden müssen. Das kann für diejenigen, die sich engagieren, sehr befriedigend sein, die damit verbundenen, vor allem zeitlichen Belastungen steigen aber kontinuierlich an.

    Das führt teilweise zu ungesunden Entwicklungen, dass sich z.B. in manchen Fällen nur noch Menschen mit sehr viel Zeit (z.B. (Früh)Rentner) und/oder solche, die wirtschaftlich sehr gut abgesichert sind, dieses Engagement überhaupt leisten können und die damit verbundene gesellschaftliche Anerkennung erfahren.

    Menschen, vor allem auch junge Menschen, deren Engagement eigentlich gebraucht würde, die sehr im Berufsleben eingespannt sind in einer Phase, in der sie sich gerade orientieren und sich positionieren, und solche die schlicht wirtschaftlich so schlecht dastehen, dass sie außerhalb des für sie schwierigen Broterwerbs nicht genügend Zeit (und Geld) aufbringen können, werden praktisch von den anspruchsvollen Ehrenämtern und der damit verbundenen Anerkennug ausgeschlossen.

    Natürlich werden in vielen Fällen zumindest Reisekosten bezahlt und teilweise auch kleine Aufwandsentschädigungen gezahlt, dafür stehen aber in den meisten Fällen (außer offenbar im Sportbereich) nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung und die steuerlichen Regelungen betreffend dieser Entschädigungen sind recht restriktiv. Das führt m.E. insgesamt eher zu einer Überalterung des Ehrenamts und zum Ausschluss oder zumindest zu einer Benachteiligung ganzer gesellschaftlicher Gruppen. Engagierte Menschen aus diesen Gruppen sind aber wichtig, denn sie vertreten eben jene Gruppen, deren Situation oft genug von anderen überhaupt nicht wirklich verstanden wird.

    Damit plädiere ich nicht für eine auch finanzielle Professionalisierung des Ehrenamts, Ehrenamt muss ein solches bleiben, Entschädigungen können nicht Lohnersatz sein. Aber man sollte schon mehr Chancengleichheit schaffen, damit auch diejeningen, die sich aus prekären Verhältnissen kommend sich engagieren wollen, dieses können.

    Ein anderer Aspekt ist, dass die Professionalisierung des Ehrenamts auch intellektuell immer höhere Ansprüche stellt, was die Fortbildung der Beteiligten betrifft. Hier müssten Formen des Kompetenzerwerbs gefunden werden, die möglichst vielen zugänglich sind.

    Das sollte natürlich niemanden abschrecken sich zu engagieren. Im Gegenteil, das Engagement wird dringend gebraucht, und die meisten die sich dazu entschließen empfinden es als große Befriedigung, und ich kann das nur empfehlen. Allerdings sollte man dabei gut auf sich acht geben und nicht sofort viele Dinge an sich reißen und zunächst schauen, wieviel man realistisch wirklich *dauerhaft* schaffen kann. Wenn man sich einmal zuviel aufgeladen hat, ist es schwierig, das wieder auf ein zuträgliches Maß zurückzuführen.

    Gefällt 7 Personen

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