Teure Kundengeschenke

Die Adventszeit ist jene Zeit, in welchen Versicherungen, Banken, Autounternehmen, Bauunternehmen und Geschäfte aller Art ihren besten Kunden Geschenke bringen, um sich für die Kundenbeziehung zu bedanken. Das ist ein netter Gedanke. Manche übertreiben dabei aber gewaltig. Da werden Schachteln mit Kuchen und Champagner überbracht, unglaublich aufwändige Werbebücher verschickt, Einladungen an Konzerte verschenkt und und und …. ich kapiere es nicht.

Nein, ich bin nicht undankbar, nur andersdenkend. Ich verstehe nicht, warum man den besten Kunden, welche demzufolge gut und gerne ihre Sachen selber bezahlen können, zum Jahresende noch teure Dankesgeschenke macht, während jene, die sich vermutlich extrem darüber freuen würden, leer ausgehen. Also: Grundsätzlich verstehe ich sowieso nicht, warum man diese Kundengeschenke, welche ein riesen Vermögen verschlingen, nicht einfach weglässt und das Geld stattdessen einer wohltätigen Institution spendet. Total einfache Überlegung – aber doch irgendwie logisch, oder sehe ich das falsch?

Ich stricke in meinem Kopf ein einfaches Beispiel: Versicherungsunternehmen XY überbringt einem Topkunden zwei Flaschen Champagner, welche er in seinem Keller zu den anderen 200 Flaschen stellt und sich nett bedankt. Hä? Oder die Grossbank XY schenkt ihren Topkunden einen riesigen Schlemmerkorb mit Spezialitäten, welche in deren Küchenschränken ohnehin schon stehen. Man bedankt sich aber freundlich und zeigt sich erfreut. Hä?

Liebe Grosskonzerne und andere Geschäfte, welche all diese gutgemeinten Geschenke machen: Wie wäre es, wenn ihr stattdessen einmal das gesamte Budget solcher Dinge für einen guten Zweck spendet und den Kunden einfach nur per Händedruck „Danke“ sagt – das würde bestimmt alle freuen. Da bin ich mir sicher!

34 Gedanken zu „Teure Kundengeschenke

  1. Wir handhaben es im Betrieb seit paar Jahren so, dass es statt Weihnachtspräsenten eine nette Karte gibt mit dem Vermerk, dass für dieses und jenes Projekt gespendet wurde. Letztes Jahr mit seperatem Flyer was konkret mit den Spendengeldern realisiert wurde (z.b. Neuanschaffung von Lehrmitteln im Kinderhaus, eines zusätzlichen Therapiepferdes für Behinderte Kinder oder oder) das kam gut an, weshalb es in der diesjährigen Weihnachtspost gleichgetan wird. Mitarbeiter wollen ebenfalls dass der Gegenwert etwaiger Mitarbeitergeschenke gespendet wird.

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  2. Erfreulicherweise ist das in meinem Kundenkreis bereits so, dass es nur eine Karte mit dem Vermerk „statt eines kleinen Geschenkes spenden wir das Geld an …“ gibt.
    Bei 100 Flaschen Wein zu je 8 Euro kommt hier auch viel zusammen.
    Kleinigkeiten können eben auch etwas ändern.

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  3. Das Problem anfangs dürfte sein das jemand mal den Anfang macht…..und das es kommuniziert wird….denn wenn Versicherung A dem Autohaus B ein obligatorisches Geschenk macht wirkt es für alle Beteiligten irgendwie komisch…denn Autohaus B zieht die Idee durch und schenkt niemandem etwas sondern spendet….koooooomisch….würde man sich dann in der ein oder anderen Chefetage denken….und dümmstenfalls Konsequenzen ziehen….spätestens seit Martin Suters „Business Class“ wissen wir ja, wie der gemeine Manager so tickt….

    Also: nette Kärtchen drucken lassen mit den besten Wünschen und dem Hinweis das für Zweck XYZ gespendet wird….so dürfte jeder dafür Verständnis haben…und falls nicht: Herr Suter, guckön se ma!!!

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  4. Hey, ich lebe unter anderem von Kunden, deren Kunden Werbegeschenke machen. 😉
    Aber im Ernst, der Aufwand, der für sogenannte Key Customer getrieben wird, ist schon teilweise pervers und nicht nachzuvollziehen. Allerdings auch nicht so ohne weiteres vermeidbar, weil da inzwischen auch ein gewisses Anspruchsdenken herrscht. Ja, ich weiß, im Prinzip ist das Bestechung und korrupt, nur glaube ich nicht, dass es gerade in diesem Bereich, wo es wirklich um teilweise erhebliche Summen geht, ohne weiteres machbar ist, das abzustellen, vor allem, wenn es die Konkurrenz trotzdem macht.
    Dagegen in dem Bereich, der meine Kunden und mich betrifft, wo es um Artikel im Wert von einigen 10 cent bis wenigen EURO geht, die in aller Regel noch einen konkreten praktischen Nutzen für den Empfänger beinhalten, wird inzwischen gern auch mal das Werbegeschenk durch eine Spende ersetzt, wie bei einem meiner Lieferanten, der das regelmäßig tut und irgendein lokales Projekt fördert.

    Über die kleinen praktischen Dinge freuen sich jedoch viele Kunden nachweislich und so auch ich, wenn das ein oder andere eintrudelt. Die großen Gechenke zu teilweise abenteuerlichen Preisen, die an die gehen, die sie eh in der Regel nicht wirklich brauchen (können) wären eigentlich sinnvoller durch Spenden zu ersetzen, gerade bei denen dürfte das aber schwieriger durchzusetzen sein.

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    • Ich weiss nicht, ob das wirklich so schwierig durchzusetzen wäre – oder ob einfach die Angst herrscht, wenn man es versucht, den Kunden zu verlieren. Das sieht ja schon sehr nach Bestechung aus…echt jetzt! Kleine Geschenke okay … aber auch die könnte man locker durch eine liebe Karte mit dem Vermerk „Anstelle von Geschenken haben wir der Institution XY gespendet“ ersetzen. Meine Meinung! 🙂

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      • Grad bei den kleinen Geschenken wird das auch schon gemacht.

        Bei den großen stelle ich mir das wirklich schwierig vor. Es Marinsche deutete es ja an: Ab einer gewissen Etage tickt man anders.

        Ich kannte mal einen Außendienstler, der in diesen Kreisen tätig war. Der erzählte, dass wenn er bei einem Kunden gesagt bekäme, dass man die Rolex an seinem Arm sehr interessant fände, es der Aufforderung gleich käme, sie wenn nicht gleich wortlos auszuziehen und auf dem Konferenztisch zu „vergessen“ das gleiche Modell doch möglichst bald anonym aber mit freundlicher Erinnerung an das Meeting zuzusenden.

        Natürlich „weiß“ davon hinterher niemand was.

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      • Also auf einer etwas niedrigeren Ebene kann ich das aus eigener Erfahrung schon teilweise bestätigen, auch wenn ich in die o.g. Preisklassen nie vorgedrugen bin. Natürlich wird niemand direkt die die Hand aufhalten oder sagen, dass man ein Geschenk einer gewissen Preiskategorie erwartet, aber es gibt eine Reihe Möglichkeiten das zum Ausdruck zu bringen, ohne zu direkt zu werden. z.B. kann man erwähnen, was man doch für eine edles Weinset vom Lieferanten XY letztes Jahr bekommen habe.

        Natürlich ist das nicht überall der Fall. Bei einigen großen Konzernen herrscht auch ein strenges Verbot solche Geschenke und Gefälligkeiten überhaupt anzunehmen. Bei manchem inhabergeführten Unternehmen kann einem das aber immer noch begegnen. Da wird sich dann in einer Nebenbemerkung auch schon mal über das doch sehr „einfache“ Werbegeschenk eines Mitbewerbers beschwert, was man dann gern als dezenten Hinweis verstehen darf.

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      • Kundengespräch:
        Ach, Ihr Porsche sieht aber toll aus. Würden Sie ihn freundlicherweise auf dem Parkplatz vergessen und stattdessen mit dem Bus nach Hause fahren?
        Natürlich möchte ich Sie an dieser Stelle keinesfalls unter Zugzwang setzen (Sie fahren ja eh mit dem Bus heimwärts…^^), aber einen gewissen Grad an Vergesslichkeit Ihrerseits darf ich doch wohl erwarten…
        Alternativ können Sie den Wagen auch einfach vor meinem Grundstück parken, sowie Schlüssel und Papiere in den Briefkasten einwerfen.

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