Weiterschenken geht nicht!?

Ich habe als Kind gelernt, dass man ein Geschenk nicht weiterverschenken darf. Und ich habe auch gelernt, dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut. Das bedeutet, dass man sich immer brav bedankt und erfreut über ein Geschenk zu zeigen hat, selbst wenn man es potthässlich findet. Also beim Bedanken bin ich noch voll dabei – aber mit dem Rest?

Mal angenommen, ich bekomme ein Geschenk, welches ich vielleicht schon zweimal selber im Haus habe. Irgendwas, was ich mir schon lange selber gekauft habe. Das ist ja in der heutigen Zeit nichts aussergewöhnliches. Die Wahrscheinlichkeit, dass man jemandem etwas schenkt, was er selber schon besitzt, ist in der Konsumgesellschaft im Jahr 2015 relativ hoch. Was also tun? Herzlich bedanken – logisch! Aber was dann? Ab in den Schrank und dort verstauben lassen? Wegschmeissen? Also dort bin ich genug Realistin, dass ich sowas gerne mal weiterschenke, bevor ich in Versuchung komme, es irgendwo vergammeln zu lassen. Jemand anderes freut sich vielleicht darüber.

Die ultimative Knacknuss ist ja aber immer jene, wenn man etwas bekommt, bei dem der Überbringer total begeistert ist und man selber könnte laut schreien vor lauter Brechreizattacken. Was dann? Nett bedanken – bin dabei! Und dann? Bislang habe ich es immer so gehandhabt, dass ich das tolle Geschenk nicht sichtbar verstaut habe, bis besagte Schenker wieder zu Besuch kommen. Dann holt man es schnell hervor und heuchelt Freude. Das wird aber mühsam, wenn man nicht mehr weiss, was man von wem geschenkt bekommen hat. Ich weiss, dass das nun vermutlich total undankbar klingt. Und normalerweise kommt das ja glücklicherweise auch nicht vor. Aber was, wenn doch? Wie handhabt ihr sowas? Ich meine: Der Göttergatte und ich haben damals zur Hochzeit die hässlichsten Fotorahmen in Vollsilber geschenkte bekommen, die man sich nur denken kann. Bestimmt waren die Dinger sauteuer – aber das machte sie deswegen auch nicht schöner. Lange haben wir sie gehütet und bei Umzügen immer wieder in der „Unwichtiges“-Kiste mitgeschleppt. Inzwischen sind sie entsorgt!

Ich finde es so schwierig, jemandem etwas zu schenken, wenn man nicht weiss, was er/sie sich wünscht. Dann ist mir nämlich lieber, einfach mit leeren Händen zu erscheinen. Oder mit einem hübschen Blümchen. Dinge, die nämlich wirklich Gold wert sind, lassen sich nunmal nach wie vor nicht in Geschenkpapier packen: Zufriedenheit, Gesundheit, Glück und Liebe! Davon kann man nie genug haben. Ach ja: Und ZEIT! Wie wär’s, wenn wir künftig einander mehr Zeit schenken würden?

63 Gedanken zu „Weiterschenken geht nicht!?

  1. Ja so ein wunderbares Geschenk steht auch bei uns beim Fischteich. Vor vielen Jahren zu Ostern von meiner Mutter und Schwester zu Ostern bekommen und zwar so ein potthässlicher Steinschuh welcher als Blumenkübel dient. Da ich meine Mama nicht verletzen wollte steht er immer noch wie eine eins, obwohl ich so gehofft habe, dass er den Winterfrost nicht überlebt. Meine Mutter ist leider inzwischen verstorben und jetzt habe ich noch mehr Skrupel ihn zu entsorgen.

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  2. Also ich liebe es Geschenke zu bekommen. Egal ob ich das Geschenke dann gebrauchen kann oder nicht. Es zeigt doch, das jemand an mich gedacht hat und sich im besten Fall auch Gedanken gemacht hat. Wenn er oder sie dann daneben liegt finde ich das auch nicht schlimm. Ich bedanke mich dann – wie gelernt – ganz höflich und verschenke das Teil dann weiter. Bis jetzt ist es erst einmal passiert das jemand noch mal nach seinem Geschenk gefragt hat. Ich habe dann ehrlich geantwortet. Ist doch schön wenn´s bei jemand anderem besser aufgehoben ist und nicht bei mir verstaubt.

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  3. Schenken und schenken lassen beinhaltet ja immer beide Komponenten….das eine will empathisch und mit Bedacht getan sein….das andere ebenso….

    Aber hier geht es ja um das beschenkt werden…und das halte ich sehr individuell.

    Wenn zu befürchten steht das ich immer und immer wieder etwas bekomme was nicht zu mir passt etc. kommuniziere ich es freundlich. das wiederum erleichtert den Schenkenden auch ungemein….vorausgesetzt er besitzt ein wenig Sozialkompetenz und nicht das Zickige „Dann schenk ich Dir eben gar nichts mehr!“

    Bei anderen Gelegenheiten schaue ich ganz individuell hin.

    Zudem birgt aber auch ein Geschenk die Freude / Überraschung das ich mal etwas bekomme was ich mir nie im Leben gekauft hätte….was mir aber in der Praxis viel Freude macht.

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  4. Ich stimme dir aus vollem Herzen zu: „Gemeinsam verbrachte Zeit “ ist das Wertvollste, was wir alle zu geben haben und wenn sie von anderen wert geschätzt wird, sind WIR das EINMALIGE Geschenk! Diese gemeinsame Zeit kann uns die schönsten und erhabendsten Momente schenken, zu der keine Kristall-Schüssel oder Vase, irgendwelches Gedöns oder ein Gutschein in der Lage ist!

    Dabei spielt es keine Rolle, ob wir aus einem neuen Buch vorlesen, eine Lieblingsspeise kochen, einen gemeinsamen Spaziergang mit Einkehr organisieren oder jemandem einen Liebesdienst erweisen, für den sich sonst keiner findet. Herzenswärme miteinander zu teilen ist für mich das wertvollste Geschenk! Und die meisten Menschen freuen sich darüber mehr als über irgendwelchen Tinnef, der nur herum steht oder die Bäuche füllt, weil sie sich gern und voller Freude an diese gemeinsam verbrachte Zeit erinnern! Das sind Geschenke, die weder Motten noch Rost fressen!

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  5. ich habe mit allen Menschen die mir wichtig sind ein agreement: wir schenken uns nur was, wenn es eine Überraschung ist. Nicht wegen Weihnacht oder Geburtstag. Zu diesen Anlässen verschenke ich nichts und möchte nichts geschenkt bekommen. Auf diese Konjunkturprogramme verzichten wir. Ein Geschenk weil du in Stimmung bist jemand was zu schenken, einfach so, ohne Termin, ist viel schöner.

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  6. Ich verschenke gerne Zeugs, und bekomme auch gerne welches. Wegen Missverständnissen oder „Dubletten“ will ich mir da den Spass nicht verderben lassen. Gerade gestern hat eine beste Freundin angerufen und mir gesagt, dass sie die CD, die ich ihr geschickt habe, schon hat. Sie hat sich gefreut, weil ich drauf gekommen bin, und fand, ich hätte ihren Geschmack wirklich top getroffen. Sie hat dann einfach gefragt, was sie machen soll – wir konnten uns auf weiter verschenken einigen. Schenken ist auf eine Art „unvernünftig“ und persönlich. Ich wünsche mir, dass das so bleibt. Geldgeschenke sind zwar manchmal ein großer Segen, und auch ich habe mir zum Geburtstag schon Geld gewünscht, z.b. für eine neue Kamera. Ich mag einfach die Überraschung. Und manchmal sind ungewollte Geschenke dann doch was: ein Freund hat mir vor Jahren, wenn auch mehr zum Spass, das Parfüm „Poisson“ geschenkt. Überhaupt nicht mein Fall. Aber. Ich habe es doch irgendwann für mich entdeckt. Sicher nicht für den Büroalltag. Auch nicht im Sommer. Aber hin und wieder. Wer hätte das denn vorher gedacht!???

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  7. Ich finde man darf auch sagen, dass man für das Geschenk dankt allerdings es nicht ganz den eigenen Geschmack trifft. Am liebsten verschenke ich Gutscheine (entweder von einem Geschäft wo ich weiss das die Person sich gern etwas aussucht, für einen Ausflug oder ähnliches).

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  8. Ich bin ehrlich und nehme das Geschenk nicht unbedingt an. Mit Begründung. Dankbar für die Geste. Nur einmal habe ich dankt jemanden vor den Kopf gestoßen. Daraus habe ich gelernt und war dann vorsichtiger und aufmerksamer. Diese Person hat nur übrigens ab da vor Schreck nur noch Geldgeschenke gemacht ; ) wunderschön in stundenlanger Arbeit verpackt

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  9. Das erinnert mich gerade an eine peinliche Situation. Von meiner Tante bekam ich ein Buch geschenkt, das ihr selbst enorm gefallen hatte. Sie schwärmte vor Begeisterung. Ich bedankte mich und stellte es ins Regal.
    Gelesen hab ich es nicht, aber meinte Tante fragte immer wieder, wie es mir gefallen hat.
    Irgendwann war ich die Fragerei leid und saugte mir irgendwas aus den Fingern. Nennen wir es ‚Notlüge‘ mit Win-Win für uns beide.
    Eines Tages kam die Tante mal wieder zu Besuch. Ihr geschenktes Buch stand ordentlich im Regal – noch immer original eingeschweißt.
    Sie hat nichts dazu gesagt, aber sie hat es gesehen.
    Bücher bekam ich keine mehr von ihr 🙂

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  10. Da gibt es von Kishon zwei tolle Geschichten. Eine von einer Bonbonniere, die Jahre hinweg die Runde dreht, bis sie irgendwann wieder als Geschenk beim ursprünglichen Käufer landet. Und eine zweite handelt von hässlichen Bildern, die eine Tante geschenkt hat, und die ihr Dasein auf dem Balkon fristen, bis die Tante ihren Besuch ankündigt. Beide sehr lustig. Ich könnte eigentlich mal wieder Kishon lesen… 😀

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