Ich habe gejagt…

…und dabei hasse ich doch eigentlich Schnäppchenjäger/innen. Oh je … ich glaub, ich muss mich jetzt in die Ecke stellen und mich schämen. Das kam irgendwie so über mich, total ungeplant und mein Hirn hat angefangen, verdreht zu denken.

Der Göttergatte und ich haben den „Offenen Sonntag“ in Hamburg zum Anlass genommen, durch die Geschäfter zu ziehen und total ohne Stress und ohne Einkaufszettel einfach nur zu Flanieren. Dumm nur, dass der Ausverkauf die Preise auch in Hamburg derart purzeln lässt, dass man fast nicht wegschauen kann. Und so kam es, dass ich mich tatsächlich dazu hinreissen liess, meine ersten richtigen Schnäppchenjeans zu kaufen. Dabei hat mein Gehirn auf Selbstverarschungsmodus gestellt und ich habe nicht mehr überlegt, was die Hose noch kostet – nein – ich habe nur noch in eingesparten Euros gerechnet. Und da es ja nicht bei einer Jeans bleiben konnte, ergriff mich tatsächlich der Schnäppchenwahn und ich sah überall total tolle Sachen zu noch viel tolleren Preisen. Mein Standardstatz zum Göttergatten:
„Guck, ich habe 150 Euro eingespart.“
„Schau mal, ist um 60 % reduziert, da muss ich doch fast zugreifen.“
Und genau mit diesem schrägen Gedanken haben wir Dinge gekauft, die wir zwar schon genügend haben … aber wir haben ja so viel eingespart, dass sich das alles rechtfertigen lässt.

Dass ich einmal anfangen würde, mir die Dinge über den Preis schön zu reden, hätte ich niemals geglaubt. Aber ich habe es getan. Und zwar über einen halben Tag lang. Oder anders gesagt: Einfach so lange, bis wir die Taschen nicht mehr tragen konnten. Und ich habe mich diebisch gefreut, als ich sogar noch einen tollen Outletstore entdeckt habe, der einfach ALLES zu Schleuderpreisen darbot. Von der Designerhandtasche bis zum Kaschmirpulli – einfach alles. Da läuft man schon mal Gefahr, dass man einen Pulli gleich in jeder Farbe nimmt, anstatt zu überlegen, welche man am besten brauchen könnte. Schliesslich sind die Einsparungen bei mehreren Pullis um einiges grösser, als bei einem einzigen Stück. Logisch, oder? Typisch weibliches Denken und mein Göttergatte hat nicht einmal versucht, mir das ausreden zu wollen. Er hat über seine Schnäppchenjägerin gegrinst und mit stoischer Gelassenheit die Taschen geschleppt.

Und jetzt gehe ich mich mal so richtig schämen ….

36 Gedanken zu „Ich habe gejagt…

  1. Das ist ja der Clou an der Schnäppchenjagd-Strategie:

    Der Kunde meint, ganz viel zu sparen, und bemerkt nicht, wie ihm dabei von hinten eben doch das Geld aus den Rippen geleihert wird, was er sonst rational denkend nie ausgegeben hätte.
    Im besten Fall bekommt er es noch nicht einmal mit.

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  2. An einem Punkt bin ich fast etwas stolz auf mich: Vor vielen Jahren hab ich mir, ohne Beeinflussung von außen, mal die Frage gestellt, was diese Werbesprüche sollen, die einem einreden, wie viel man gespart hat, wenn man doch gleichzeitig einen Haufen Geld ausgegeben hat. Ich hab es nie begriffen.

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  3. Ich glaub, darüber gibt es sogar Studien 😉 Wenn der Handel nicht wüsste, dass sich das menschliche Hirn durch diese verdrehte Logik austricksen lässt, würden sie das ja nicht so exzessiv betreiben…! Ist mir auch schon passiert übrigens.

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