Vorschnell urteilen…

…oder einfach nur Angst haben!?

Was mache ich falsch, wenn ich nach den negativen Ereignissen der Silvesternacht und den Geschehnissen im vergangenen Jahr in jedem fremdartig und womöglich arabisch angehauchten Antlitz einen potentiellen Feind sehe? Kennt ihr das Gefühl, nicht wertend, oder gar abwertend sein zu wollen und in eurem Magen verkrampft sich doch etwas, wenn ihr in ein Gesicht seht, das nur annähernd so aussieht wie jene Gesichter, die man in den letzten Monaten zu Hauf in den Medien sieht. Dunkle Augen, mitteldunkle Haut und schwarzes Haar. Dabei eine Sprache, die total fremd klingt und Blicke, die ich nicht recht einordnen kann.

Nein, es steht ausser Frage: Ich bin kein Mensch, der fremdenfeindlich ist. Oder müsste ich sagen, dass ich das bislang nicht WAR? Dieses komische Gefühl ist neu für mich. Ich weiss nur nicht so recht, wohin damit. Und Gefühle sind halt schwer zu kontrollieren. Sie passieren einfach. Ich war auch noch nie in meinem Leben ängstlich. Allein unterwegs – auch nachts: Für mich nie ein Problem. Und nun? Man kann ja nicht einfach alles fremdartige über einen Kamm scheren und als schlecht beurteilen. Mir fällt es aber im Moment ziemlich schwer, dieses ungute Gefühl aus der Magengrube zu bringen, wenn mir diese Menschen in einer Gruppe irgendwo begegnen. In meinem Kopf kommen Blitzgedanken wie „Terrorwarnung“, „Attentat“, „Sicherheitsvorkehrungen“ oder „flüchten“.

Ich habe – bis auf die Silvesternacht – noch nie schlechte Erfahrungen mit fremden Kulturen gemacht. Oder: Doch, einmal noch – das ist aber lange her und betraf einen mir sehr nahestehenden Menschen. Er wurde nämlich zum Ziel einer Bande mit Migrationshintergrund. Resultat: Stichverletzung! Passiert ist den Tätern … ehm … nichts!

Ja, und so frage ich mich, wo diese Angst noch hinführt und wie man diese unter Kontrolle hält. Ich will mich ja nicht in Watte packen. Aber irgendwie beschleicht mich dieses Magenkribbel-Ungut-Gefühl immer öfters, wenn mir solche Menschen begegnen. Vermutlich sind diese total nett und haben nicht einmal ansatzweise einen negativen Gedanken im Kopf. Mir ist das aber egal. Mein Kopfkino spielt mir des öfteren mal einen gehörigen Streich. Und da beginne sogar ich zu verstehen, warum sich in der Bevölkerung Unmut breit macht, wenn immer mehr Flüchtlinge aufgenommen werden. Wo führt das hin? Müssen unsere Töchter künftig alle bewaffnet in den Ausgang gehen? Sollten wir abends besser gar nicht mehr aus dem Haus gehen? Ist es Zufall, dass die Pfeffersprays überall ausverkauft sind? Warum machen sich meine Eltern auf einmal Sorgen, wenn ich mit dem Hund im Wald unterwegs bin? Fragen über Fragen…

Eines ist sicher: Die Ereignisse der letzten Monate haben doch so einiges verändert. Und auch wenn wir laut sagen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen und dass wir gerade EXTRA alles machen, um zu zeigen, dass der Terror keine Chance hat … bei mir schwingt irgendwo die Angst seit neustem immer ein kleines bisschen mit. Und die Wut, dass es soweit gekommen ist. Dabei schaffe ich es leider nicht mehr, den netten Flüchtling vom miesen Extremisten zu unterscheiden. Schade!

P.S.: Ich denke, dass die nächsten Wahlen in der Schweiz gerade deswegen eigentlich schon entschieden sind…

59 Gedanken zu „Vorschnell urteilen…

  1. Ich vermute, dass wir einfach auf das reagieren, was einem immer und immer wieder eingetrichtert wird. Sei es über das Fernsehen, über Zeitung, über Bekannte. Man baut das ins Hirn ein und reagiert darauf. Wohl so ähnlich, wie wenn ein Mensch immer wieder erfährt, dass andere hysterisch auf Spinnen reagieren (ohne hier jetzt wirkliche Parallelen ziehen zu wollen). Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es ihm dann genauso ergeht, obwohl er die Tiere bisher sehr neutral gesehen hatte.

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  2. So schlimm das auch in Köln gewesen ist, hat es für mich persönlich nichts geändert. Seit Jahren schon passe ich sehr genau auf, wo ich mich als Frau alleine Abends hin bewegen kann und gewisse Dinge sind seit vielen Jahren out (z.B. abends alleine S-Bahn fahren) .
    Hauptbahnhöfe sind seit jeher ein Sammelpunkt krimineller Energie, in jeder Großstadt. Ich würde im Traum nicht daran denken, mich an Silvester in die Nähe des Bahnhof Zoo zu begeben. Das ist in Köln nicht viel anders (eine Freundin lebt in Köln und hat mir das bestätigt).

    Die Welt hat sich verändert, seitdem Menschen nur noch an sich und ihre Belange denken, Werte nicht mehr leben, Gesetze zu lasch sind.
    Ich denke, das was in Köln passiert ist, zeigt nur wieder ganz deutlich, was seit langem in unserem Land los ist. Das kommt wie die Spitze des Eisberges zutage.
    Integrationspolitik in den letzten Jahren ist nicht ernst genug genommen worden. Man hätte nicht zulassen dürfen, dass sich wie in Düsseldorf das Maghreb-Viertel, oder in Berlin Wedding und Kreuzberg zuviele Migranten an einem Punkt ansiedeln.
    Angst ist ein schlechter Begleiter. Vosicht, Aufmerksamkeit sind angebracht, aber ich habe aus eigener Erfahrung gerade in den letzten Tagen gemerkt, auch Flüchtlinge haben Angst, sind misstrauisch, wenn man auf sie zugeht.

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      • Ja, das mag gut sein. Ich dagegen war immer der besonnene und sehr umsichtige Mensch (durch Erziehung), was auch nicht immer gut war.
        Als ich noch kein Auto hatte und meine Eltern am anderen Ende von Berlin besuchte, fuhr ich mit der U-Bahn nach Hause. Meine Mutter bestand darauf, von der U-Bahn 2 Stationen mit der Taxe zu meiner Wohnung zu fahren, weil ich an einem Park entlang musste. Ich kam mir zwar blöd vor, aber so bin ich immer sicher nach Hause gekommen.

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  3. Danke für Deine offenen Zeilen… 🙂 Auch ich kämpfe verstärkt mit Angst – vor dunkelhäutigen Männern. Dabei weiß ich, dass sexuelle Gewalt von Männern aller Hautfarben ausgehen kann. Aber sie wird vor allem dann öffentlich thematisiert, wenn sie von Fremden, jetzt von „dunkelhäutigen Männern arabischer Herkunft“ begangen wird.

    Ich versuche mir bewusst zu sein, wie sehr ich von Medienberichten beeinflussbar bin: Aus der Willkommenskultur wird nun eine Angstkultur gemacht. Das macht mich traurig und auch wütend, weil Gewalt gegen Frauen instrumentalisiert wird. Man denke mal daran, dass erst in den 90er Jahren in Deutschland die Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde!

    Und dennoch hänge ich in diesem Zwiespalt, wenn ich allein unterwegs bin und besonders, wenn mir dunkelhäutige Männer begegnen. Dann ist die Angst seit kurzem viel schneller da und sie ist größer geworden.

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  4. Leider sieht man es einem Menschen nicht wirklich an der Nasenspitze an, welches kriminelle Potential im nächsten Moment zum Tragen kommen könnte.
    Weder beim Flüchtling oder Zuwanderer, noch beim Einheimischen.

    Deshalb sind derlei Gefühlsregungen, die vermeintlich alle einseitig über einen Kamm scheren, nur allzu normal und nachvollziehbar.
    Weiß ich, was die mir entgegen kommende Truppe junger Migranten im Schilde führt?
    Weiß ich, was die Gruppe deutscher Halbstarke für schlechte Gedanken mit sich führt?
    NEIN!

    Man darf sich jedoch nicht davon übermannen und einschränken lassen.

    Es ist traurig, dass man (fast) immer vom Schelchten im Menschen ausgeht oder ausgehen muss….es geben sich aber auch immer wieder genug Leute „Mühe“, dass die Skepsis immer weiter wächst.

    Auch die Debatte darum, dass es verhältnismäßig wenige Personen betrifft, die so handeln wie beim Auflauf in Köln….
    ….selbst, wenn es nur 3 Personen gewesen wären….das sind imernoch 3 zu viel!

    Mir kann auch keiner weismachen, dass es NUR am Alkohol gelegen haben könnte. DAS glaube ich nicht. Für eine derart organisiert erscheinende Tat (koordinierte Abläufe etc.) braucht es Strippenzieher und ein Netzwerk. So etwas passiert nicht mal eben aus einer Alkohollaune heraus.

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    • Genau – und weil es nun an einem Ort funktioniert hat, werden die Nachahmer ganz schnell auf dem Plan sein! In Hamburg war es tatsächlich nicht viel anders…also hatten wir dort doch auch bereits eine ähnliche Situation und … mich macht verdammt wütend, dass ich tags darauf darüber schrieb und nirgends auf den Medienplattformen etwas las, sah, hörte etc. Tagelang haben die Städte versucht, ihr Image zu schönen, indem man es einfach nicht an die Öffentlichkeit lassen wollte. Ich kam mir ganz schön verarscht vor, als ich dann auf einmal auf allen Kanälen hörte, dass es „Kommunikationsprobleme“ gegeben habe und man die Lage „unterschätzt“ habe. Ach nee…komisch nur, dass meine Familie und ich sofort erkannt haben, dass da was nicht sauber läuft – und wir sind nicht vom Fach! Sauerei, sowas!

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      • Was uns Menschen in Bezug auf das friedliche Miteinander irgendwann das Genick brechen wird, ist die Politik der Desinformation.

        Gerade das schürt doch zum einen Vorurteile, aber auch die kriminellen Energien im Lande.

        Wenn ich erst im Nachhinein mehr oder weniger erfahren darf, was mir vorenthalten worden ist, um mich in einem trügerischen Frieden einzulullen, dann kann mir das nicht recht sein und in mir als Mensch wachsen die Skepsis und das Misstrauen.
        Auf der anderen Seite: Wenn ich sehe, dass meine kriminellen Taten nicht geahndet werden (können) oder unter den Teppich des allgemeinen Schweigens gekehrt werden, dann mache ich doch einfach so weiter.

        Wenn das das Ziel ist, dann gute Nacht.
        )-:

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      • Uns haben die Hamburger gesagt, dass es in diesem Jahr offenbar bedingt durch das Flüchtlingsproblem besonders schlimm war…aber ja, sonst sei es auch immer ein ziemliches Chaos!

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  5. Eine gewisse Xenophobie ist leider normal.
    Alles, was wir nicht verstehen oder kennen macht Angst. Veränderungen machen auch Angst.
    Sich dessen bewusst zu sein, erleichtert den Umgang mit solchen Gefühlen.

    Leider spielen die Medien damit, um Quoten zu erfüllen.

    Objektiv betrachtet haben wir aktuell mehr dunklere Menschen um uns herum, die eben nicht so aussehen wie die Leute, die wir sonst nicht in unserem Umfeld haben.

    Sie sehen anders aus und sprechen anders. Sie fallen uns deshalb auch sehr auf. In Gegensatz zu Europäern, die uns in der Regel nicht sonderlich auffallen.

    Der Mensch ist darauf geeicht, Ähnlichkeiten zu suchen. Das hält uns als Herde zusammen.

    Was das angeht, sind wir wohl noch in der Steinzeit.

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      • Sind wir alle noch. Tief im Inneren.

        Mit fortschreitendem Alter und fortschreitender Technik lässt sich das leichter nachvollziehen.

        Ich habe meine Eltern früher belächelt, jetzt tue ich mich auch zunehmend schwerer, noch mitzukommen. Mein 12 Jahre jüngerer Cousin hat mich früher gefragt, ob ich ihm am PC helfen könne. In 10 Jahren wird sich das umkehren. Spätestens.

        Ich komm nicht mehr mit.

        Es ist eben einfach so, dass unser Gehirn in seiner Lernfähigkeit eine Begrenzung erfährt. Erst wird aufgebaut und dann abgebaut und wenn wir erst mal 60/70 sind, wird es richtig gemein.

        Nur wer sich stetig fordert, behält seine Lernfähigkeit.

        Leider sind die Zeiten der Gastarbeiter schon etwas her und auch damals wurde die Integration sehr vernachlässigt.

        Es sind viele. Sie halten sich an Ihresgleichen und an Bekanntem fest.

        Wie wir.

        Sich das bewusst zu machen, hilft etwas. Die Umsetzung ist die Kunst.

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    • Ein sehr reflektierter Beitrag, akelena!

      In vielen Punkten hängen wir noch in der Steinzeit fest….was auch nicht immer schlecht sein muss.
      Gepaart mit Uneinsichtigkeit, (Sensations)Gier und gewalttätig durchgesetzten Macht- und Besitzansprüchen macht es der Jetzt-Mensch in jedem Fall nicht besser und vergibt somit eine Vielzahl an Chancen auf eine friedfertige Coexistenz.

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      • Ich versuche es als Chance zu sehen, sehe aber die Fehler der Politik sehr gewichtig an.

        Ich bin ja Deutsche. Ich stehe der Merkelkratie schon immer sehr kritisch gegenüber. Ebenso der Seehofer-Logik.

        Was Anthropologie angeht, habe ich bei „Bones“ gut zugehört und bin beeindruckt wie wenig diese wertvollen Äußerungen verstanden werden.

        Ich versuche immer, das ganze kühl und distanziert zu betrachten.

        Seit kurzem kann ich auf der kognitiven Schiene auch nachvollziehen, warum mancher, der nicht politisch rechts ist, bei Pegida mit läuft.

        Klar, sind diese Menschen auf die falschen wütend, aber Frust und Wut kann ich verstehen, seit wir mit ALG I und ALG II (Hartz IV) in Kontakt kamen. Unverschuldet. Er ist eben nicht mehr arbeitsfähig.

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      • Über die Jahre hat sich sehr viel angestaut, was sich nicht nutzbringend kanalisieren konnte und teilweise auch nicht durfte.

        Im Endeffekt baden nun alle das Unvermögen der Politik in einigen Belangen (nicht alles war und ist schlecht!), aber auch das eigene Versagen eines jeden Mitbürgers (wie wenig wird miteinander konstruktiv kommuniziert!) aus.

        Zu viele Chancen wurden vergeben, sodass jedes Störfeuer- das einzeln noch zu bewältigen wäre- immer nur mehr Zunder für den ganz großen Knall darstellt.

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  6. ja, das Gefühl kenne ich, und dafür habe ich auch viel Kritik abbekommen. https://sunflower22a.wordpress.com/2016/01/06/gewaltexzesse-und-die-politisch-korrekte-reaktion-darauf/

    Aber totschweigen hilft nicht weiter. ein sehr guter Kommentar dazu von Barbara Sichtermann http://www.deutschlandfunk.de/publizistin-barbara-sichtermann-die-gesellschaft-muss-die.694.de.html?dram%3Aarticle_id=342712

    und deshalb: ich hoffe sehr dass du und deine Leserinnen nicht die Rechtsradikalen von Blocher, Köppel & Co wählen. Das ist eine Faschistenbrut. Wenn die die Macht übernehmen, erscheinen demnächst woanders Blogs über schweizerisch aussehende Männerhorden, die über südländisch aussehende Frauen herfallen. in Sachsen ist es schon so weit.

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    • Brisante Themen holen immer Kritiker auf den Plan, das soll ja auch so sein. Wir Blogger wollen ja auch nicht immer nur gestreichelt werden, oder? Ich auf jeden Fall nicht. Nehme ich ein heisses Eisen in die Finger, muss ich damit rechnen, dass ich mich verbrenne – that’s life. Und: Blocher, Köppel und Co. sind keine Rechtsradikalen. Das heisst nicht, dass ich die Typen gut finde, im Gegenteil – besonders Köppel jagt mir die Galle hoch. Aber rechtsradikal ist er noch lange nicht. Dafür hat er zu viel Niveau. Das sind nur Hardliner in ihrer Partei – sind aber von rechtsradikal weit entfernt. Rechtsradikale demonstrieren, zerstören und töten zur Not auch mal – sie zünden Häuser von fremden Menschen an und gehen das Risiko ein, damit Leben auszulöschen. Das würde ich einem Blocher und einem Köppel nicht unerschieben wollen – dafür haben sie nun definitiv zu viel Niveau und auch einen Ruf zu verlieren. Und das heisst nicht, dass ich eine Rechte bin!!! 🙂

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  7. Man muss das relativieren.
    Was mich an der ganzen Diskussion schon lange stört, ist, dass der Faktor Alkohol so ausser Acht gelassen wird. Der ganze Mist in Köln und sonstwo wäre doch nicht passiert, wenn die nicht alle besoffen gewesen wären. Und schauen wir andere Plätze oder Situationen an, in denen übermässig viel Alkohol fliesst: Das gleiche – und nicht nur „Fremdländer“ sind dann die Übeltäter. Ich sage als Stichwort mal nur Oktoberfest. Da werden auch jedes Jahr Frauen vergewaltigt und sexuell belästigt, aber es wird nicht an die grosse Glocke gehängt. Würde ja keiner mehr gern hingehen, klar.

    Ich sage also: Nicht die Leute an sich oder ihre Nationalität und Herkunft sind das Problem, sondern der verflixte Alkohol.

    Ich habe meinen Mann neulich gefragt, ob er sich dessen bewusst ist, dass er genau unter den von dir genannten Gesichtspunkten angesehen wird seit Silvester. Er sagte, ja, er sei sich dessen bewusst. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn ich kenne kaum jemanden, der korrekter und zuverlässiger ist als mein Mann. Er wäre der erste gewesen, der sich gegen diese Übeltäter gestellt hätte und die Frauen verteidigt hätte.
    Mir tut es einfach schrecklich leid für all die aufrichtigen Männer, die zufällig aus orientalischen Ländern kommen, und die sich jetzt für die Taten einiger weniger (denn relativ gesehen waren es wenige, das ist Fakt) rechtfertigen oder entschuldigen.

    Aber ich kann nachvollziehen, was du schreibst. Gegen Gefühle kannst du nichts machen. Ich selbst hatte das (in harmloserer Form) nach der Abstimmung zur Minarett-Initiative. Egal, welcher Schweizer mir über den Weg lief, ich fragte mich immer, ob er dafür oder dagegen gestimmt hat.

    Ich kann nur sagen, dass ich in den fünf Monaten, in denen ich jetzt zwei Mal wöchentlich ins Asylzentrum gehe, kein einziges schlechtes Erlebnis hatte. Keine Anmache, keine Respektlosigkeit, sondern ganz im Gegenteil. Vielleicht würde es ja helfen, wenn du gezielt Kontakt zu diesen Menschen suchst und siehst, dass der Grossteil ganz normal ist. Idioten gibt es halt überall. Und die Kombination mit Alkohol ist dann verheerend.

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    • Da hast Du vermutlich recht – aber seit jener Nacht zieht sich bei mir der Magen zusammen, wenn ich nur daran denke. Ich wäre keine Hilfe im Asylzentrum … im Gegenteil! Und im Fall von Hamburg war es in meinen Augen nicht nur der Alkohol, es war Aggression, sinnlose Knallerei, Zerstörung und blindes Um-sich-Grabschen … und ich habe dabei nicht einen einzigen Deutschen gesehen … ich hatte das Gefühl, ich sei in Syrien oder so…echt, seither ist in mir alles anders – jede Faser sträubt sich gegen dieses Fremdartige…

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      • Ich sehe das ähnlich. Es geht auch hier nicht um Familien mit Kindern, die geflüchtet sind um ihr Leben zu retten. Die wollen sich integrieren, die Sprache lernen, mit einheimischen Familien in Kontakt kommen u.s.w..
        Wobei man auch bei den Familien bemerkt, daß die Mutter selten zu sehen ist draußen, ist wohl eine Sache der Mentalität. Frau gehört ins Haus, egal wie gebildet sie ist.
        Was ich sehe, sind vor allem junge Männer, die in Horden auf dem Bahnhofsgelände auftreten. Die zu sechst nebeneinander auf dem Gehweg unterwegs sind und gar nicht dran denken jemandem..und vor allem keiner Frau..Platz zu machen.
        Ich habe eine hübsche blonde Kollegin. Sie hat drei ebenso hübsche blonde Töchter 9,9,13 Jahre alt. Und sie musste neulich..wohlgemerkt tagsüber.. in der Fußgängerzone erleben wie sich genau solche Männer verhalten, anzügliche Geräusche, Anmache..“schäääna Määdche“. Soviel Deutsch geht wohl schon!
        Sie hatte Angst.
        Wie soll das weitergehen? Meine Kollegin meinte, daß sie ihre Kinder nicht mehr alleine von der Schule nach Hause fahren läßt, oder im Sommer ein paar Stunden im Schwimmbad fröhlich sein lassen kann, ohne ihre permanente Aufsicht, was bei drei Kindern auch nicht einfach ist.
        Sollen wir zukünftig nur noch ängstlich unterwegs sein??
        Ich finde das echt schlimm.
        Und ich weiß auch, daß jetzt bestimmt viele aufschreien..aber ich stehe dazu, daß hier einiges schief läuft.

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  8. Es sind ,die gleichen Situationen wie Anfang der Achtziger Jahren in Hamburg. Durch die Bezirke gehende Jugendbanden, Schlägereien, Messer usw.

    Der Kiez, die Reeperbahn, wurde von den Zuhältern bereinigt, den Rest hat das LKA nach Jahren kassiert.

    Mich wundert deine Angst nicht. Sie ist berechtigt.

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  9. Liebe Dani,
    in einer Hinsicht kann ich Dich beruhigen: Deine Reaktion ist völlig normal. Eine Gefahr, die gerade erst zugeschlagen hat, wird stärker wahrgenommen, als eine, die noch nicht oder vor längerer Zeit zugeschlagen hat.
    In einer anderen Hinsicht bist Du sogar besser, als normal: Weil Du Dir darüber Gedanken machst und darüber kommunizierst, statt einfach nur blind darauf hereinzufallen.

    Will sagen: Dieses Gefühl alleine macht Dich nicht zu einem schlechten Menschen. Also musst Du auch nicht vor dieser Angst Angst haben.
    Immerhin nimmst Du auch am öffentlichen Straßenverkehr teil, oder?

    LG
    sba

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  10. PS: Die dir aus den Medien bekannten Menschen haben nach Silvester wahrscheinlich Angst vor diesen europäisch aussehenden Menschen, die weder Massenveranstaltungen gescheit planen können, noch gelernt haben, solche zu meiden oder sich dort angemessen zu verhalten.

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      • Ich weiß, ich meine mit den Menschen, die dir aus den Medien bekannt sind, die arabisch aussehenden Menschen, die du in deinem Silvesterbeitrag beschrieben hast. Das habe ich missverständlich ausgedrückt.

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      • Ach so – okay! Ja … ich bin einfach stinksauer, dass derzeit soviel passiert, wogegen wir uns nicht wehren können. Fehlentscheidungen der Politik und und und… wir baden den Salat nun aus…so fühlt es sich an. Und das macht mich wütend. Gut, dass ich nicht in der Politik bin – ich wäre ein militantes, unausstehliches Wesen und nicht sehr sachlich!

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      • Ich hatte bisher nicht das Gefühl, etwas auszubaden, aber schon mehrfach Möglichkeiten, fremden Menschen zu helfen und dadurch ein neues Wir-Gefühl kennenzulernen, sogar Dankbarkeit zu spüren, die dem Anschein nach aus tiefstem Herzen kam. 🙂

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      • Dein Trauma ist aber eher ein Massenveranstaltungen-Trauma, als ein Flüchtlingstrauma, denke ich. Das hätte dir vor zwei oder drei Jahren genauso passieren können.
        Musst du denn im Alltag etwas ausbaden? Außer durch die Medien bekommt man doch kaum etwas mit, oder?

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      • Nun ja, bei uns (5 Minuten entfernt) wurden gerade 100 junge syrische Flüchtlinge (Männer) einquartiert und … seither sind die Pfeffersprays hier ausverkauft. Ist schon ein doofes Gefühl…finde ich. Man kann nicht einfach nur „reinlassen“ und dann mal schauen, was passiert. Das braucht doch Betreuung, Aufsicht, Beschäftigung etc. und das Sicherheitsdispositiv muss doch erhöht werden. Stattdessen wird bei der Polizei immer noch gespart….ja, ich habe schon das Gefühl, dass ich das mit ausbaden muss…

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  11. Mir geht es da zur Zeit teilweise ähnlich wie dir. Vor allem wenn ich meiner Mutter erzähle ich bin am Abend allein unterwegs (womöglich noch in einer fremden Stadt) höre ich die Alarmglocken in ihrem Kopf schrillen. „Pass aber gut auf dich auf.“- Ihre Angst ist greifbar nah.
    Dennoch schaue ich, dass ich mich von all dem nicht verrückt machen lasse. Ich habe bisher noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich denke der gesunde Menschenverstand ist hier, wie bei allem, am meisten hilfreich.

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