Politisch korrekt?

Meine Güte – so langsam weiss ich nicht mehr, wie ich mich noch ausdrücken soll/darf, dass es politisch korrekt ist. Wenn es noch mehr Regeln gibt, was man darf und was nicht, dann wird mein Wortschatz vermutlich auf blubb und grmpf reduziert. Echt anstrengend, diese politische Korrektheit. Ich erinnere mich an meine Kindheit: Da durften wir noch die Negerküsse essen, ohne dabei ein Gerichtsverfahren zu riskieren. Was isst man eigentlich heute? Die Schwarzenküsse ist ja politisch auch inkorrekt. Sind es die Maximalpigmentiertenküsse? Oder wie heissen die Dinger heute?

Genauso kompliziert ist es, wenn man über jemanden sprechen oder schreiben möchte, der aus dem Ausland ist. Ausländer ist offenbar nicht nett. Ist Mensch mit Migrationshintergrund richtiger? Also: Früher waren ja die eingewanderten Italiener die „Tschinggen“, ohne dass man dabei riskierte, ein Verfahren am Hals zu haben. Heute ist es schon gefährlich, wenn man das Wort Jugo (Jugoslave) in den Mund nimmt. Das tut man nämlich auch nicht. Das ist ein Schimpfwort – wer auch immer das bestimmt hat.

Und weil man ja auf die Religionshintergründe jeder Volksgruppe auch Rücksicht nehmen muss, ist ein nettes „Grüss Gott“ auch nicht mehr korrekt. Womöglich ist das Gegenüber ja muslimischer Abstammung. Und dann? Dann wäre Grüss Gott ja eine Beleidigung. Also einfach nur noch Hallo, damit sichergestellt ist, dass es politisch und religionstechnisch korrekt ist…?

Echt jetzt, meine lieben Freunde. Ich finde dieses Getue total übertrieben und ich habe keine Ahnung, wer eigentlich wann bestimmt hat, was man wann und wo noch wie sagen darf, dass man nicht in den Knast wandert. Aber ich merke, dass ich politisch manchmal total inkorrekt bin und mir das ziemlich egal ist, weil mir dieses heuchlerisch Korrekte total auf den Senkel geht. Ich möchte reden können, wie mir der Schnabel gewachsen bin. Ich habe nämlich auch früher beim Wort Neger nie eine negative Assoziation damit gemacht. Eigentlich sind es doch diejenigen, die schlechte Gedanken mit sich rumtragen, welche solche Sprachverbote aufstellen. Hätte man nämlich keine schlechten Gedanken, käme man auch nicht auf die Idee, dass ein Neger, ein Jugo oder ein Ausländer etwas Schlimmes sein könnte.

43 Gedanken zu „Politisch korrekt?

  1. Ha..und ‚Zehn kleine Negerlein‘ wurde selbstverständlich auch gestrichen aus den Liederbüchern!
    Und ich sage weiterhin Grüß Gott.. grummel

    Mein Bruder und seine Familie leben in NY und meine Schwägerin ist.. ja wie soll ich jetzt sagen..dunkel pigmentiert ??
    Sie selbst bezeichnet sich ganz einfach als schwarz, also dann!!

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  2. Hihi, ijnteressantes Timing (falls ein wenig Fremdwerbung erlaubt ist): Bei „Southpark“ (richtig gelesen: Dieser riesige Haufen aus pseudokomischen Vulgaritäten) ist die ganze neueste Staffel der Auseinandersetzung mit Political Correctness gewidmet. Und am Ende gibt es sogar Matrix-Anspielungen.

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  3. Nein ,man darf auch im Supermarkt nicht nach , und ich schreibs doch, Negertalern, Negerküssen oder gar Mohrenköpfen fragen..ist total unkorrekt. Weil ich mir nie merken werde , wie das Zeug denn heutzutage heißt bin ich entweder unkorrekt oder ich lass den Kauf…ist sowieso besser für die Figur…;-)
    LG Wortgestoeber

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  4. Letzterem stimme ich total zu. Ich rede auch so, „wie mir der Schnabel gewachsen ist“. Ich weigere mich beharrlich, im Discounter an der Kasse „Hallo“ zu sagen. Es gibt von mir immer ein „Grüß Gott“. Manchmal ev. noch ergänzt, durch ein „wenn du ihn siehst“.
    Wie du völlig richtig schreibst, ist das Wesentliche der Gedankenhintergrund. Und deshalb lasse ich mir auch ein Neger, Ausländer oder sonstwas nicht verbieten. Genausowenig wie ein Nazi oder Verschwörungstheoretiker.

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  5. Wir sind gezwungen, verbale Eiertänze zu machen, immer darauf bedacht, kein Rührei zu hinterlassen. Aber ich sage immer noch das, was ich denke, bestimmte Dinge wie Negerkuss ausgenommen. Sollte sich jemand auf den Schlips getreten fühlen, bleibt meist die Möglichkeit, die Veränderung der Sprache zu erklären.

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  6. Getue? Weiß nicht. Wir dürfen ja auch weiterhin sagen, was wir wollen. Aber es schadet ja nix, vorher mal den Kopf einzuschalten. Auch wenn ich etwas nicht abfällig meine, kann das verwendete Wort ja eine Herabsetzung, eine Pauschalisierung oder ein irgendwie schiefes Etikett sein. Warum will ich jemanden Juggo nennen, wo es längst kein Jugoslawien mehr gibt? Wäre doch mal eine Frage. Tschinggen würde ich als Deutsche gar nicht erst verstehen. Käme also auch nicht in die erste Wahl. Ach so, wer ist denn neulich in den Knast gewandert, weil er oder sie politisch unkorrekt verbalisierte?

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      • Was Stephanie meint, und warum sie dich offenbar für beratungsresistent hält: In der Regel regt sich hier eine Mehrheit darüber auf, dass sie ihren Sprachgebrauch zugunsten einer Minderheit verändern soll, ihr also ein Instrument der Machtausübung genommen wird.
        Bislang durfte aber sogar der Herr Klonovsky im hauseigenen „Focus“ dafür plädieren, dass mensch auf dem Fußballplatz weiter den Schiri als „schwul“ bezeichnen dürfen sollte, und völlig unironisch behaupten, dass seine Meinung nicht schwulenverachtend sei, ohne sich einmal zu überlegen, was los wäre, wenn er den Artikel über „Neger“ verfasst hätte.
        Insofern ist derlei Lamento über neue Erkenntnisse zur Basishöflichkeit ein Privileg der herrschenden Klasse und gehört zur freien Meinungsäußerung, deswegen wurde noch niemand deswegen eingesperrt. Solange du also niemanden direkt auf der Straße beleidigst, solltest du weiterhin vor Strafe sicher sein.

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      • Ich bin gelegentliche Mitleserin der Mädchenmannschaft, da ebenfalls Minderheit, wenn auch keine mit offensichtlichen Schimpfworten. Wenn eine mal bis zu einem gewissen Grad in den queerfeministischen Sumpf eingesunken ist, kann sie überlicherweise auch beurteilen, wann andere derart Vorgebildete entnervt das Handtuch geworfen haben.

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  7. uui…
    p.c. wird immer schwerer auch in meinem Alltag.. gut o.k. auch ich probiere nicht mehr ganz so zu reden wie mir der Schnabel gewachsen ist.. aber mit einem Stock im Popo vor lauter Nachdenkerei was geht und was nicht .. nicht mehr spontan sein.. nee .. ohne mich.. Ich muss auch mal Scherze machen, einfach damit es alles ausgewogen bleibt.. wenn es zu „heilig“ wird, braucht es meiner Meinung auch das Gegenteil vom Ganzen. Bei aller Wertschätzung.. einer meiner Lieblings Ex Freunde war vor ein paar Jahren komplett vom Schokokuss Schaumblabla usw genervt.. ein Franzose der deutsch lernen wollte… bis er losbrüllte.. S. ! isch kriege jetzt das Negerkopf.. 🙂 Nur eins !
    S.

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    • Das kommt aus dem Altdeutschen von früher…warum das aber so ist, weiss ich nicht. Aber ich weiss nicht, ob ein potentieller IS-ler mit fiesen Absichten mit einem netten Grüss Gott womöglich wortwörtlich zur Expolsion zu bringen wäre. Drum sollte man besser nur noch hallo sagen. Und weil Du keine Extremistin bist, wärst Du auch nicht beleidigt…es sind ja immer jene mit den schlechten Gedanken, die auf solchen Scheiss anspringen. Sag ich doch…

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  8. Ich sage nicht Neger, aber Negerküsse, Zigeunerschnitzel, Jugo, Spaghetti oder andere Dinge. Mir ist es schietegal, was pc ist und wer meint, das zu bestimmen. Schweinsohren sind auch keine Schweineohren und Amerikaner keine US Bürger.

    Mal immer schon die Kirche im Dorf lassen und die Moscheen in Timbuktu.
    Wem das nicht passt, darf sich aufregen oder den Kopf schütteln.
    Mir doch sehr egal.

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  9. Bei politisch korrekten Ausdrücken geht es nicht um deine Intention, sondern darum, ob jemand so genannt werden möchte oder nicht. Wenn jemand einen Ausdruck als beleidigend empfindet, sollte der Ausdruck vermieden werden. Konnotationen und Bedeutungen können sich über die Zeit ändern, deshalb sind einige Begriffe heute verpönt, die früher noch ganz normal waren. Das nennt man Sprachwandel.

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  10. möchte dazu no ch schreiben

    moorenköpfe hiessen die hohen bunkelbraunen
    mit weisser schaummasse gefüllten dinger
    und sie waren für besondere gelegenheiten für uns kinderchen gedacht !
    und wie ich die knisternden alupapierchen glatt strich um damit nüsse einzupacken… oder um diese viereggigen papierchen unbeschadet
    sammeln zu können – legten wir sie in ein buch!
    ich nahm kürzlich das alte heidibuch aus dem regal und was fiel heraus…. ein glattgestrichenes perrier papier. aus welchem jahr wohl….geschrieben werden muss auch noch, dass mein vati immer sagte: daas si die beschte!

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