Unfairer Wettbewerb

Ich gehöre mit meinem Geschäft im textilen Detailhandel für Damen zu den kleinen Spielern in der Schweiz. Mit 150 m2 und 6 Angestellten gehören wir definitiv nicht zu den „Grossen“. Der hart umkämpfte Markt nach dem Eurocrash und dem Trend zum Onlineshopping macht uns kleinen Unternehmen das Leben unglaublich schwer. So habe ich mir lange überlegt, ob ich mit meinem Geschäft nun doch auch in den Onlinehandel einsteigen soll. Irgendwie gehört das wohl heute einfach dazu. Ich sage nicht, dass ich das toll finde, aber es ist der Lauf der Zeit.

Der Sohnemann und ich haben also diverse Abklärungen getroffen, abgecheckt, was es dafür alles braucht und festgestellt, dass es eigentlich gut machbar ist. Logistisch zwar ein ziemlicher Aufwand, aber machbar und … es sollte ja auch mehr Umsatz bringen. Und weil wir ein Multibrandgeschäft sind (also mehrere Marken verkaufen), habe ich den Markenvertretungen mitgeteilt, was wir im Sinn haben. Ich spiele nämlich fair. All unsere schon lange geführten Marken fanden die Idee gut und haben uns auch keinerlei Auflagen gemacht, bis auf eine Marke, welche das Wort Schikane offenbar für sich patentieren liess: Marc Cain. Für Nichtkenner der Szene ist das vermutlich kein Begriff – für viele Frauen ist es das aber sehr wohl. Und genau deshalb möchte ich hier einmal kundtun, dass es nicht das erste mal ist, dass Marc Cain durch unfaire Massnahmen kleine Geschäfte wie uns in die Knie zwingen will. Ich bekam nämlich von Marc Cain eine Mail, in welcher mir mitgeteilt wurde, dass ich auf den Verkauf ihrer Ware im Netz verzichten müsse, da sie „Exklusiv-Vereinbarungen“ mit PKZ, Bayard und Jelmoli hätten. Also die Global Player, welche ohnehin nicht gleich zu kämpfen haben, wie die Kleinen, dürfen Marc Cain im Netz verkaufen. Wir nicht, auch wenn uns das möglicherweise den Arsch retten könnte. (Man möge mir die Wortwahl entschuldigen, aber ich bin stinksauer!). Nennt man solche Machenschaften fair? Ist das eine Wettbewerb, bei welchem für alle die gleichen Voraussetzungen gelten? Nein! Ganz klar nicht. Und die freie Marktwirtschaft wird damit beschnitten, wie es gröber wohl kaum geht. Ich habe mich natürlich schriftlich gewehrt und bekam einen Satz zur Antwort: „Wir handhaben das mit allen Kunden in der Schweiz so.“ Herzlichen Dank auch! In Deutschland ist es nämlich anders – dort kann jedes Geschäft, welches Marc Cain im Hause hat, diese Ware auch im Onlineshop anbieten … eben so, wie es sein sollte.

Ich weiss, dass ich ein Verfahren gegen diesen Modegiganten locker gewinnen würde, weil diese Machenschaft tatsächlich nicht sauber ist. Juristisch hätten sie null Chance. Aber ich musste mich schon einmal (erfolgreich!) gegen diesen Modegiganten wehren – das kostet verdammt viel Nerven. Wohlverstanden: Um etwas zu erreichen, was mir eigentlich zusteht.

Wer nun denkt: Schmeiss die Marke doch einfach raus, dann bleibt dir der Ärger erspart! Richtig! Das würde ich schon lange gerne machen. Leider ist es jene Marke, die sich in unserem Haus am besten verkauft und welche den grössten Anteil unserer Ware ausmacht. Das hielt mich bislang von einem Rausschmiss der Marke ab. Ich könnte mir ob solchen Machenschaften die Haare raufen. Kein Wunder, dass die Grossen die Kleinen massenhaft im Vorbeigehen „schlucken“ – wir kämpfen ja auch nicht mit gleichen Bandagen. Da ist es einfach, zu gewinnen! Unternehmerisch gedacht muss ich mich also einmal mehr der Macht dieses Modeherstellers beugen und klein beigeben. Als Mensch geht es mir total gegen den Strich und ich würde am liebsten sagen: „Scheiss auf diese Ware.“ Das Problem ist, dass diese Modemarke seit ein paar Jahren einen derartigen Höhenflug erlebt, dass die nicht mal mit der Wimper zucken würden, wenn ich ausstiege. Und ich würde eine harte Verkaufseinbusse einfahren.

Tja, und in solchen Situationen bleibt dann immer die Gretchenfrage: Bin ich nun mehr Unternehmerin oder mehr Mensch? Mehr Mensch – deswegen habe ich wohl die Leitung auch an meine Crew abgegeben. Ist für alle gesünder! Ich würde nämlich vermutlich hin und wieder bewaffnet zu Besprechungen gehen…

38 Gedanken zu „Unfairer Wettbewerb

  1. thank you for naming and shaming them. we have to overcome this culture of keeping quiet about such incidents and business practices. people will read it and think twice before buying this stuff again. reputation is a very dear currency that can ruin a company even without lawsuits…so thanks again for NAMING the company.

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  2. ….ärgerlich…ich kann deinen Ärger gut nachvoll ziehen. Als wir an der Messe für unseren wunderbaren 😉 kleinen Laden nach neuen Labels ausschau hielten – waren wir vorallem bei den Kleinen herzlich willkommen – die Grossen hatten uns kaum beachtet und haben eine Mindestbestellmenge – welche für uns schon gar nicht finanzierbar ist. Aber die kleinen Labels sind toll und die Zusammenarbeit einfach total unkompliziert! Es ist „gemein“ wenn man so quasi „muss“ …..doof!

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  3. In Deutschland ist das Vorschreiben von Preisen oder Vertriebskanälen schlicht verboten, es ist rein allein die Entscheidung des Verkäufers.

    Was können Sie tun, wenn du drohst ?
    1. Dich nicht mehr beliefern
    2. Deine Konditionen kürzen
    3. Die Geschäftsbeziehung kündigen.

    Am besten weist du sie mal freundlich darauf hin, dass das illegal ist. Haben Sie dir das schriftlich mit dem Online-Vertrieb gegeben ? Dann ist der Tatbestand schon erfüllt.

    Habt ihr keinen Branchenverband oder Handelskammer, die da mal nachhaken kann ? Oder ein Fachtitel der Presse ?

    Du kannst dir alternativ eine andere Marke zusäzlich an Bord holen und die online verticken.

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  4. oh von sowas können meine Eltern ein Lied singen….aber sie haben sich von allem gelöst was blockiert….damals auch noch Einzelhändler sind sie nun nur noch im www tätig und das erfolgreicher als mit ihrem Laden oder als mit Laden plus Internet….ich wünsche Dir alles Gute dafür. Ich weiss nur, ich bin froh, dass ich keine Unternehmerin werde….den Laden nicht geschenkt haben möchte, weil es echt Nerven kostet. Dafür aber ziehe ich den Hut vor dir

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  5. Und eigene Firma gründen für den Online-Verkauf von Waren. Oder eine Zweitfirma, die nur dazu da ist, alle anderen Marken abzuhandeln, so dass der Bösewicht ganz offiziell weiterhin über die ursprünglichen Firma einkauft und anbietet?
    Ich würde mir schon einen Weg suchen, mir das nicht bieten lassen zu müssen. Weil das ist tatsächlich eine Sauerei.
    Ich kenne ja mittlerweile hier in D so einige Modelabels, weil eine Bekannte von mir drauf steht. Aber deine Marke sagt mir gar nix.

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