Die Polizei – Dein Freund und Helfer

Das Tochterkind und ich fuhren auf der Autobahn. Sie am Steuer, ich als Beifahrerin. Nachts. Wir waren mit 120 km/h auf der Überholspur unterwegs, als das Tochterkind auf einmal sagte:
„Ich glaube, der Typ hinter uns will in unserem Kofferraum mitfahren, so nah wie der auffährt.“
Ich schaute zurück und tatsächlich sah man vom Fahrzeug hinter uns nicht einmal mehr die Lichter, so nah klebte er an unserem Kofferraum. Dann folgte noch dreist mit der Lichthupe die Aufforderung, dass wir gefälligst vom linken Fahrstreifen verschwinden sollten. Also schwenkte das Tochterkind das Fahrzeug nach rechts und liess den Drängler vorbei – mit dem Resultat, dass er sich sofort dem nächsten Fahrzeug ans Heck klebte. Dieses machte aber den Weg nicht frei, sodass der Drängler auf den rechten Fahrstreifen wechselte und dort versuchte, durch Lichthupen und nahes Auffahren den Weg freizumachen. Ich dachte, ich sei im falschen Film. Dieser aufsässige Fahrer wechselte die Fahrstreifen wie ein wildgewordenes Vieh und nötigte die anderen Fahrer, dass wir dachten, dass demnächst ein Crash folgen würde.
Also fasste ich mir ein Herz und wählte die 117.
„Polizei Notruf, Schram.“
„Guten Abend, hier spricht Jäggi. Ich möchte eine Meldung machen wegen eines Fahrzeugs auf der Autobahn A1 in Richtung Bern, welches drängelt und nötigt was das Zeug hält.“
„Nun jaaaaaa“, tiefes Schaufen, „da müssten sie zum nächsten Polizeiposten fahren, eine schriftliche Anzeige machen und dann gibt es eine Gegenüberstellung.“
„Bitte? Bis dahin hat der vermutlich einen Unfall gebaut. Der fährt wie ein Wilder. Ich kann ihnen das Kennzeichen und die Fahrzeugmarke angeben und kann ihnen sagen, wo wir aktuell gerade sind.“
„Nun jaaaa“, erneut noch tieferes Schnauben, „das können sie schon, aber das wir auch nichts nützen. Da könnte ja jeder behaupten, auf der Autobahn sei ein Drängler unterwegs. Wer weiss, ob das nicht vielleicht jemand ist, den sie nicht mögen.“
„Bitte? Und das ist nun alles, was sie tun?“
„Nun jaaaa“, verärgertes Schnauben, „sagen sie mir mal das Kennzeichen.“
Ich zischte ziemlich schnell das Kennzeichen und den Fahrzeugtyp ins Telefon, worauf der Herr Polizist meinte:
„Nun jaaaa, ich sehe, wer der Halter ist, aber das nützt eigentlich auch nichts. Sie müssten halt einfach beim nächsten Polizeiposten eine schriftliche Anzeige machen. Und schreiben sie bitte noch die anderen Kennzeichen der Autos neben und vor ihnen auf, damit sie Zeugen haben.“
„Okay, danke, das ist mir nun echt zu blöd, schönen Abend.“
Ich legte auf und verstand die Welt nicht mehr.
Ich dachte ja immer, Drängeln und Nötigung beim Autofahren seien keine Kavaliersdelikte. Aber offensichtlich muss es zuerst krachen, bevor sich die Polizei auf den Weg macht. Herzlichen Dank, liebe Freunde und Helfer!

30 Gedanken zu „Die Polizei – Dein Freund und Helfer

  1. Ich bin schockiert. Mir ging es ähnlich. Ich habe gemeldet dass 30 teenies sich gehen unsren Zug wegen dass er wackelt. Egal. Habe gemeldet dass Kinder von einem jungen Mann bedroht werden. Niemand kam. Habe gemeldet als ein mann an einer Brücke wankte und ich nicht wusste ob er betrunken oder krank War: er wurde am Telefon als Alkoholiker diagnostiziert: niemand gekommen.
    Ausreden wie wir sind nicht ausreichend besetzt lasse ich nicht gelten. Als mein mann aus der Mutter Kind Einrichtung geschmissen wurde obwohl Kind und ich krank waren hatten die Herrschaften zwei Stunden Zeit — Bis er ging — und ich mein Kind dann nachts alleine ins Krankenhaus fahren durfte.
    Herz am rechten Fleck — drängler weg.

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  2. Ich würde es eig eher vorziehen, nicht der Polizei den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern dem Verkehrsrowdy. Dabei wäre auch so eine WebCam im Auto hilfreich, die LEIDER nicht zugelassen sind.
    Ja, auch hier in D ist die Polizei chronisch unterbesetzt. V.a. aktuell.
    Und deswegen sehe ich eher den einzelnen Polizisten, der sehen muss, wie er klar kommt.
    Und auch deswegen meine ich, kann man Verständnis haben, wenn der einzelne Polizist abschätzt, welche Erfolgsaussichten etwas hat.
    Ich, für meinen Teil, würde es als tragisch sehen, wenn die Polizei bei wirklich ernsthaften Begebenheiten nicht kommen kann, weil „die Kollegen grade einen Rowdy auf der Autobahn jagen“.

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  3. Sorry, das ist jetzt aber echt „normal“. 117 ist eine NOTrufnummer. NOT meint nicht, wenn ich mir in die Hose mache, sondern wenn etwas „schlimmes“ passiert ist. Zudem – warum fahren die Leute nicht einfach auf der rechten Fahrspur? Und: Ja sicher, ein Drängler ist ein Volldepp, ein Ar“Piiiiep“ch, eine Pfeife und eine Gefahr. Erwartest Du, dass jetzt eine Streifenpolizei mit Blaulicht und Sirene Jagt macht? Übrigens – Anzeigen wäre nicht falsch…. 😉

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  4. Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist. Bei uns ist die Polizei chronisch unterbesetzt. Die müssen auch dauernd zu irgendwelchen Demonstrationen, Fußballspielen und Asylheimen.
    Da sind eben im Verkehr keine präventiven Maßnahmen wie das rausziehen solcher Rowdies möglich. Eine Folge des Sparwahns der Politik. 😦

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  5. Es ist manchmal wie Krieg auf unseren Straßen, deshalb meide ich die Autobahn und nehme lieber Umwege in Kauf und fahre wesentlich stressfreier.
    Lobenswert, dein Versuch, die Polizei zu informieren, das Resultat ist allerdings niederschmetternd.
    Fazit:
    Auf unseren Straßen kann jeder machen, was er will. Er darf sich nur nicht erwischen lassen.
    Kotz, brech, würg!

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  6. Schlimmes Beispiel.. da kann man nur hoffen, dass an diesem Abend nichts passiert ist. Wer weiss, was der „eingeworfen“ hatte.
    Wir hatten unlängst eine gute Erfahrung mit so einer Meldung gemacht. Vor uns fuhr ein älteres Ehepaar. Er am Steuer.. er fuhr Schlangenlinien… und schien das Auto nicht zu beherrschen.. und bei rot über die Ampel und abgebogen.. zum Glück nicht zur Hauptverkehrszeit.. In diesem Fall wurde die Meldung aufgenommen und es hiess, man werde der Sache nachgehen und eine Fahrtauglichkeitsprüfung veranlassen, weil…. Achtung jetzt… wir die 2. waren die diesen Fahrer an dem Tag gemeldet haben…
    Bei meiner Arbeit in der Notaufnahme erschienen vor 2 Tagen 3 Polizisten wegen eines Verkehrsunfalls. Der Fahrer war Anfang 70 und es war nicht klar wie es zum Unfall gekommen ist..
    Er fand das alles ziemlich lustig, und hat probiert das zu bagatellisieren.. zu mir hat er auch… ach Mädel.. weisst du… gesagt… da er nicht äusserlich verletzt war und nur auf einen Routinecheck vom Arzt warten musste, wurde er von der Polizeit untersucht.. die haben jetzt neu! einen Mitarbeiter der die Leute auf Fahrtüchtigkeit checkt.. auch bei 0.0 Promille inkl. Demenztest.. was soll ich sagen.. Führerschein erstmal weg.. unsicherer Gang..und den Demenztest hat er auch nicht bestanden… tja…
    Gruss
    S. .

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  7. Leider ist das nicht nur auf der Autobahn so.

    Mir erging es vor ein paar Jahren mit pöbelnden Obdachlosen, als ich mit meinem Hund unterwegs war.

    Das einzige was der Polizist am Telefon wissen wollte, wie meine Adresse ist, falls sie rausfahren und nichts ist. Dann müsste ich mit damit Rechnen die Kosten für den Einsatz zahlen zu müssen.

    Gefällt 2 Personen

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