Hass

Ich meine, irgendwo mal gelesen zu haben, dass das stärkste aller Gefühle die Liebe ist. Bislang war ich auch davon überzeugt. Vor allem ist das ein Gefühl, welches einem gut tut. Es ist positiv, schadet keinem (im Gegenteil) und hilft über alles hinweg.

Nun habe ich aber ein neues Gefühl kennengelernt: HASS! Ach Du meine Güte. Ich wusste gar nicht, dass ich sowas überhaupt fühlen kann. Ein hässliches Gefühl – drum heisst es vermutlich auch HASS … von hässlich! Zumindest vermute ich das. Ich mag es gar nicht, zu unrecht verurteilt zu werden – genauso wenig mag ich es, wenn Leute über mich ein Urteil bilden, die im Leben noch NIE mit mir gesprochen haben – und am allerwenigsten mag ich, wenn Lügen erzählt werden. Dreiste, fiese und einfach nur dämliche Lügen von neidischen Menschen. Und so habe ich es geschafft, in kürzester Zeit das Hassen zu lernen. Obwohl ich eigentlich mit all den beschriebenen Begebenheiten nicht das erste mal konfrontiert bin. Aber diesmal irgendwie wohl besonders empfindlich. Und ich will dieses bescheidene Gefühl wieder loswerden!

Also eines ist sicher: Hass nützt niemandem; am allerwenigsten dem, der das Gefühl mit sich rumträgt. Und weil das so ist, versuche ich dieses Hassgefühl in Ignoranz umzuwandeln. Ich habe mir nämlich sagen lassen, dass es für Menschen, die einen quälen, am schlimmsten ist, wenn man sie einfach ignoriert und ausblendet. Das klingt logisch, ist aber verdammt schwierig. Wenn ich jemanden am liebsten schlagen möchte, dann fällt es mir unglaublich schwer, ihn einfach zu ignorieren. Aber ich MUSS das lernen, denn Hass schadet der Seele unglaublich. Er frisst und nagt sich durch den Körper und anstatt den Verhassten, schadet man sich selber damit. Wenn ich also mit Ignoranz jemanden viel mehr strafen kann, dann muss mir das doch gelingen. Auch mit beinahe einem halben Jahrhundert auf dem Buckel. Ich werde das schon noch hinbekommen. Irgendwann! Hoffentlich vor dem 100-sten Geburtstag!

Ich arbeite daran und – wenn ich es geschafft habe, dann lasse ich es auch wissen.

37 Gedanken zu „Hass

  1. Ungerechtigkeit ist etwas, das mich auch trifft. Da ich ein eher impulsives Naturell bin, kann ich dann auch ziemlich aus der Haut fahren (oft rein innerlich, was höchst ungesund ist).

    Gerade kürzlich erlebte ich es, dass meine Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit dreist ausgenutzt wurde. Zuerst war ich wütend, traurig, enttäuscht. Dann ging ich in mich und dachte mir: Wenn der gute Mensch schon denkt, mit mir so umspringen zu müssen, dann ist das so. Dann muss ich ihm aber nicht noch nachrennen und ihm schon gar nicht noch weitere Gefallen tun. Ich liess los – ihn und meine negativen Gefühle (ok, ein bisschen traurig bin ich noch – nicht seinetwegen, sondern darüber, dass Menschen so sind….). Schlussendlich ist aus einigem sogar Positives für mich gewachsen. Etwas, das ich mit (und eigentlich für ihn) machen wollte, kann ich nun mit jemand anderem machen – und es wird dadurch noch viel toller.

    Meist haben die Dinge, die einem widerfahren, wenig mit einem selber zu tun. Die, welche dir Unrecht tun, leiden wohl zuerst mal an sich und agieren aus diesem Leiden heraus. Dass es dann dich trifft, ist mehr Zufall als deiner Person geschuldet. Ab und an finde ich das tröstlich.

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  2. Meine Mum hat da so einen Spruch: „Ich setzte mich an den Fluss und warte…“ ihr ist in ihrem Leben viel Böses widerfahren, doch mit der Zeit ist ihr aufgefallen, dass die, die ihr Unrecht getan haben, irgendwann ganz von selbst den gerechten Lohn erhielten (die Art Mensch war ja für gewöhnlich nicht nur ihr gegenüber ungerecht/ grausam/ was auch immer). Menschen, die anderen Leid, in welcher Form auch immer, zufügen, tun das meist aus einem Mangel in sich selbst heraus, der macht sich eben irgendwann im Leben bemerkbar und hat seine Folgen. Wenn man das so betrachtet schneiden sich diejenigen, die dir nun zu schaffen machen, am Ende ins eigene Fleisch. Jedenfalls hat diese Einstellung meiner Mum zu mehr Gelassenheit verholfen.

    Ob das wirklich so ist? Ich weiß es nicht, vermutlich mangelt es mir da noch etwas an Lebenszeit, mein Fluss ist sozusagen noch zu kurz, um irgendwas anzuschwemmen ^^. Aber im Grunde kannst du dir denken, dass dein Hass gänzlich unnötig ist, irgendwann wird sich die psychische Dynamik der Menschen, die nun dich angreifen, gegen sie selbst richten.

    Vielleicht hilft dir das ein Bisschen, ich selbst hasse eigentlich auch kaum je (auch wenn ein gewisses Familienmitglied meine Gelassenheit schon stark beansprucht hat in letzter Zeit) ignorieren oder übertrieben freundlich und höflich sein wirkt ja auch tatsächlich besser (noch etwas, was meine Mum mir mitgegeben hat).

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  3. Leider ist Hass ein ziemlich starkes Gefühl.. und vor allen Dingen unser Gehirn mag das… das mag alles Aufregende.. es langweilt sich bei Liebe, Blümchenwiese, alles rosa.. es mag äktschn..
    Also bist das nicht du als Ganzes , sondern dein Reptilienanteil im Gehirn.
    Luisa Francia hat mal gesagt, wer hinter meinem Rücken redet, redet mit meinem Po. das gefällt mir ausserordentlich, hilft sogar manchmal…Toleranz ist schwer in solchen Fällen.. wo man lieber alte Arschkackbratze du kannst dich mal gehackt legen… sagen möchte…letzte Woche war ich zu einem Vortrag über Meditation und Glück im buddistischen Zentrum , hier in der Nähe.. seither übe ich das was ich so übel wahrnehme ziehen zu lassen wie Wolken… o.k. manchmal auch Gewitterwolken… und es reicht wenn sie sich nur 1mm bewegen, Hautpsache sie tun es.
    Dann sage ich sowas wie ein Mantra.. Licht und Liebe und lächle.. es hilft etwas… manchmal muss ich noch einen klitzekleinen Fluch hinterherschicken… besser ist besser 🙂
    Was Ungewohntes tun, mich selber damit überraschen.
    Wird schon !
    Gruss
    S.

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  4. Dein Schreibstil und deine Themen haben sich verändert. Irgendetwas treibt dich ganz gewaltig um? Ich will nicht wissen was es ist. Ich will dir nur sagen, dass ich es bemerkt habe. Deine Leichtigkeit ist verloren gegangen. Aufpassen!

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  5. Du hast so gut in Worte gefasst, was Hass in unserem Herzen anrichtet. Ich habe irgendwo gelesen, Hass ist so, als ob Du Gift trinkst und darauf wartest, dass der andere stirbt 😦 Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du die Gefühle loswerden kannst. Das ist nicht einfach, wenn man verletzt wird, verleumdet oder zu Unrecht verurteilt wird oder einfach Ungerechtigkeit erfährt, aber ich drücke Dir dafür die Daumen.
    Mir als kleinem Frömmler hilft immer, das Ganze „nach oben“ abzugeben. Die Bibel hat da übrigens einen noch besseren Rat: Wenn wir den „Feind“ segnen und ihm Gutes tun, häufigen wir feurige Kohlen auf sein Haupt – das nenne ich eine Motivation 😀
    Spass beiseite, ich wünsche Dir einfach, dass Du die Gefühle so rasch wie möglich abgeben kannst!

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  6. Ich kann dich nur darin bestärken, es in Ignoranz umzuwandeln. Ich weiß selber, dass es ein sehr erhebendes Gefühl, das man empfindet, wenn man den anderen einfach ignoriert, also links liegen lässt. Denn DAS ärgert ihn am Allermeisten.

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