Der Sprung in die Zuckerwatte

Auf dem Flug von der Schweizer Heimat ins schöne Hamburg sind wir über eine Stunde über einer geschlossenen Wolkendecke geflogen. Und genau dieses Bild ruft bei mir immer wieder Kindheitserinnerungen wach. Wer von euch mal am Fensterplatz geflogen ist, hat dieses Bild sicher auch schon gesehen: Selber von der Sonne geblendet werden und beim Blick nach unten nichts als weisse Zuckerwatte. Manche mögen es anders nennen, für mich war es immer nur Zuckerwatte. Ich habe mir als Kind immer vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn ich einen Sprung da rein machen würde. Ich war mir sicher, dass sich das unglaublich flauschig anfühlen würde und ich mich darin einkuscheln und naschen könnte, soviel und so lange ich möchte.

Heute weiss ich zwar, dass ich durch die vermeintliche Zuckerwatte durchfallen und ziemlich tot auf der Erde landen würde … aber dieses Bild in meinem Kopf lässt dieses Wissen während eines Flugs immer total ausblenden. Die Magie des Kindseins ist schon besonders. Auch einem Kind kann man nämlich die Realität erklären, es will seine Bilder behalten und glaubt so lange daran, wie es möchte. Und ich finde das wunderschön. Deshalb erfreue ich mich immer wieder der Zuckerwatte, wenn ich im Flugzeug am Fenster sitzen darf und dem Himmel näher bin als der Erde. Irgendwie kann ich dann nicht einmal mehr verstehen, wie jemand Flugangst haben kann: In die Sonne zu blinzeln und zu wissen, dass man von der Zuckerwatte aufgefangen würde, das ist doch eine perfekte Ausgangslage. Da kann man doch keine Angst haben.

Besonders komisch finde ich das Gefühl, wenn das Flugzeug im Sinkflug durch die Zuckerwatte hindurchsticht und auf einmal die Sonne weg ist. Denn mit dem Blick von unten nach oben sieht die Wolkendecke so gar nicht mehr nach Zuckerwatte aus. Eher nach nervigem grauem Deckel! Das ist immer der Moment, in welchem ich in Gedanken dem Piloten sage: „Haaaaaalt! Einmal umdrehen bitte – ich möchte zurück in die Sonne über die Zuckerwatte!“ Also eines ist sicher: Wenn ich mal nicht mehr lebe, dann werde ich regelmässig auf der Zuckerwatte spazieren gehen und allen zuwinken, die in den Flugzeugen am Fenster sitzen und überlegen, wie es wohl sein möge, wenn man in die Zuckerwatte fällt! 🙂

24 Gedanken zu „Der Sprung in die Zuckerwatte

  1. vielleicht wird deine geliebte Wolken-Zuckerwatte ja mal der Teppich sein, auf dem du der Sonne entgegen schwebst… ich stelle mir das Wolkengebilde jedenfalls stabil genug vor, dich oder mich zu geleiten!

    Ich mag auch dieses wolkige undurchdringliche zum Träumen anregende Weiß, das mir das Gefühl vermittelt, dem Himmel näher als der Erde zu sein…

    Obwohl beide, Himmel und Erde wunderschöne Erfahrungen bieten, die wir jeweils nur dort machen können, wo wir gerade sind! War es nicht das, weshalb wir uns alle hier auf der Erde verabredet haben: um den Himmel auf die Erde zu bringen?

    Ich jedenfalls freue mich, das du gerade hier bist und deine Erfahrungen mit uns teilst!

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  2. Mich zieht es dennoch nicht in ein Flugzeug.

    Leider konnte ich mein Schwesterherz noch nicht davon überzeugen, dass wir unseren Tripp nach London auch mit dem Bus anfahren könnten…oder dem Zug…oder…

    Sollten wir unsere Pläne also umsetzen wollen, wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als von dieser Zuckerwatte zu kosten.
    Vielleicht hilft mir deine Kindheitserinnerung dabei!

    Von einer Wolke aus zuwinken brauchst du mir aber nicht…das wäre zu schade!

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  3. die gleichen Gedanken habe ich auch immer gehabt als Kind….leider als Erwachsene verloren, danke dass Du mich daran erinnert hast 🙂 und bei uns scheint heute dazu auch noch wundervoll die Sonne….Zuckerwatte wäre jetzt klasse 🙂

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  4. Sooo schöön geschrieben..und es hört sich viel besser an als in den letzten Tagen!!

    Manchmal ist man in bestimmten Lebenssituationen so unendlich traurig und denkt, daß es irgendwie keinen (oder zumindest keinen sichtbaren) Ausweg für die momentane Situation gibt, aber dann sollte man sich vor Augen halten was man alles Gutes hat.

    PS: Im ‚Alter‘ fangen ja manche Menschen an zu schnarchen..öhm..mein Mann und ich sind leider dabei und müssen manchmal getrennt schlafen, damit jeder seine Ruhe bekommt.
    Deshalb habe ich für die einst etwas harte Gästebettmatratze einen sogenannten ‚Topper‘ gekauft. Das ist so ein ca. 5cm hohes Memoryschaumdings(?), welches einfach auf die vorhandene Matratze gelegt wird.
    Ohhh, das ist wunderbar und man liegt gefühlt fast wie auf Zuckerwatte..ehrlich! Und wenn die Sonne scheint, mach ich das Rollo auf und schlüpfe wieder ins Bett und will irgendwie gar nicht mehr raus.
    Nur fliegen ist schöner!!

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  5. Wenn sich im Winter der Abendhimmel rot verfärbte sagte meine Oma immer das jetzt die Engel im Himmel Plätzchen für Weihnachten backen. Ein schöner Gedanke auf deiner Zuckerwatte zu stehen und den Engeln dabei zuzusehen.

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