Wusstet ihr …

…dass ich auf dem Klo verloren gehen könnte (runtergespült oder so),

…dass ich beim Fernsehen in der Polstergruppe verschwinden könnte (von den Kissen gefressen),

…dass ich in der Küche vom Kühlschrank verschluckt werden könnte (passiert schliesslich dauernd),

…dass ich am Bürotisch vom Laptop geschnappt werden könnte (schwupp, und weg),

…dass ich unter der Dusche ertrinken könnte (ist aber auch wirklich gefährlich),

…dass ich von der Waschmaschine gefressen werden könnte (wird zwar eng, aber wer weiss),

…dass all das jeden Tag unzählige Male passieren könnte???

Ach, ihr wusstet das nicht? Ich eigentlich auch nicht – bis Ellie bei uns einzog. Seither vermute ich, dass all diese Gefahren überall lauern. Nur so kann ich mir erklären, dass Ellie (meine Hündin) mich auf Schritt und Tritt verfolgt und mich nicht aus den Augen lässt. Schliesslich könnte es ja sein, dass ich mich in Luft auflöse. Also muss sie beschlossen haben, mich auf gar keinen Fall mehr auch nur eine Sekunde aus dem Blick zu verlieren. Schon gar nicht, wenn wir an einem Ort sind, den sie nicht in- und auswendig kennt. Aktuell also gerade in Hamburg. Sie ist zwar nicht zum ersten mal mit mir in unserem zweiten Zuhause … aber sie bewacht mich, wie ein scharfer Wächter. Sogar das Tochterkind wird angeknurrt, wenn es mir zu nahe kommt und Ellie auf Bewachungsmodus gestellt hat. Und wenn ich mich aufs stille Örtchen begebe, legt sie sich davor und lässt sich nicht mehr wegbewegen, bis ich wieder rauskomme.

Klar, Ellies Vorgeschichte lässt auf Verlustängste schliessen. Sie wurde ja einmal ausgesetzt und beim zweiten Platzierungsversuch alleine zurückgelassen. Also hat sie offenbar beschlossen, ihr neues Frauchen NIE WIEDER loszulassen. Ich muss manchmal richtig heftig und laut durchgreifen und schimpfen, damit sie mir mal eine Minute Raum lässt. Und das ist überhaupt nicht einfach, wenn man von grossen braunen Kulleraugen angeschaut wird. Das kleine Fellknäuel setzt dann den Ellie-Spezial-Killerblick ein. Der geht so: Kopf schieflegen, Ohren runterklappen, Augen traurig rollen und Pfote heben … könnte sie sprechen, würde das Ganze wohl heissen „Aber ich liebe Dich doch nur“ … und dazu käme noch ein lautes Schluchtzen. Die kleine Hexe hat mich ganz schön im Griff. Zu Hause wird wieder härter durchgegriffen! Da heisst es dann wieder: Nix mit Killerblick – ab auf Deinen Platz! Und bis dahin lasse ich mich halt weiterhin rund um die Uhr bewachen.

26 Gedanken zu „Wusstet ihr …

  1. Man könnte beim Duschen oder Baden aber auch vom Abflussloch-Strudel eingesaugt werden und auf Nimmerwiedersehen entschwinden…
    So unberechtigt sind also Ellies Ängste gar nicht!!!

    Auf das Verhalten meines Kühlschranks werde ich nun ab sofort genauer achten. Schließlich habe ich keine Ellie zu Hause, die auf meine körperliche Unversehrtheit aufpassen könnte.
    😉

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  2. Unser Hund ist ganz genau so. Ich hab manchmal das Gefühl, wir haben hier gar nichts zu sagen, der Hund ist der Chef. War schon beim ersten so und ist bei diesem auch so. Wenn ich meinen Mantel holen gehe ins Schlafzimmer, verfolgt er mich sofort. Er lässt mich nie aus den Augen. Er würde sogar mit aufs Klo gehen wenn ich ihn ließe. Und wenns nicht schnell genug geht mit seinem Futter, singt er wie ein Vogel in hellen schrillen Tönen. Ich hab mir damals im jahr 2005 den kleinen Dackel geholt aus dem Tierheim weil ich dachte, er ist klein, er ist pflegeleicht, Pustekuchen. der Vorgänger, den ich von Babytagen an hatte, wog dreimal so viel als der hier, war aber lang nicht so anstrengend. Das war ein American Stafford, der liebste Hund der Welt. Wobei ich sagen muss, der erste war eine Dame, und der jetzige ist ein Mann. Männer sind halt manchmal anstrengend.

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  3. lach..erinnert mich an meinen Mekki, als Aussie liegt es ihm im Blut zu hüten, sein Frauchen ganz besonders. Vielleicht bewacht Deine Ellie Dich nicht bzw. sie hat Angst dass Du Dich in Luft aulöst sondern sie hütet Dich. Aus Erzeihungstechnischer Sicht ist hüten und bewachen unverschämt und zeigt, dass der Hund sich über Dich stellt, sprich er bewacht Dich weil allein kommst Du ja nicht zurecht und hütet weil er Dir sagt, dass Du gefälligst zurück kommen sollst. Klar ist das süß, meiner kann die ich leg den Kopf schief Methode auch richtig gut aber seit dem ich das weiß, dass er schlicht und ergreifend einfach nur unverschämt ist bin ich auch sehr deutlich wenn er mal wieder meint mich auf dem Klo anzustarren 🙂 Was bei uns zum Problem geworden ist, Mekki ist jetzt 7, er hütet auch Besuch, und das mit seinen Zähnen, dh er beißt nicht aber er zupft. Ich habe zu spät durchgegriffen, ob er das noch mal wieder ablegt weiß ich nicht, er muss jetzt immer in seiner Box verschwinden wenn Besuch kommt und das ist natürlich auch nicht schön, aber gerade wenn Kinder kommen möchte ich da nichts riskieren. Nur mal so im HInterkopf behalten…so von Hunde-Mami zu Hunde-Mami 😉

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  4. wunderbar gelungene Story! Ich mag Ellie, sie ist einfach genial!
    Wenn „innen wie aussen“ ist, hast du einen scharfen Wach-Hund in dir, der dich gut bewacht! Alle Achtung! Da wird jede Regung registriert, erst recht auf fremdem Terrain! Ist doch prima!
    Ellie spiegelt dir das und fungiert für mein Empfinden so lange im Wachhundmodus, bis du den Wachhund in DIR anerkennst und würdigst, denn er hat eine wichtige Funktion für dich.
    Vielleicht gelingt es dir ja, dein Verhältnis zu ihm angenehmer zu gestalten, dann kann Elli die ungeliebte Wachhund-Rolle loslassen. Übrigens spiegelt Ellie dir auch DEINE EIGENE GRÖSSE, die du zuletzt schon so treffend beschrieben hast! Schau mal, ob du dich darin wieder findest…😉

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  5. Nicht nur das sie eine Affinität zu großen Tieren hat….nein….sie denkt sich in Bodyguard Maßen 😉

    Ich wäre an beiden Wohnorten konsequent, sie wird Dir sonst immer in Hamburg „auf der Pelle hängen“….

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      • Ich dachte eher an die Momente in denen das Frauchen den Kopf schief legt und überlegt was das Fellknäul denn als nächstes vor hat.Oder die Momente wenn sich ein tiefes warmes Gefühl durch den Körper schwebt nur weil der kleine Liebling im Traum den Kopf hebt,schnüffelt und dann beruhigt weiter schläft.LG Peter

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  6. wieder einmal mehr so super bildlich geschrieben, dass ich beim lesem stets lachen musste! Tja, Tiere sind gute Freinde und halten uns auf trap.
    Danke für die amüsante “ gut Nacht Geschichte“ 😉

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