Wenn Wissen krank macht

Hin und wieder liegen im Briefkasten irgendwelche Magazine rund um die Gesundheit – meist verteilt von Apotheken oder Drogerien. Ich schmeisse diese in der Regel ungelesen auf den Papierstapel. Diesmal nicht – es stand drauf „Alles für die Gesundheit der Frau im Wechsel“. Hätte ich das Teil mal besser nicht gelesen – jetzt fühle ich mich irgendwie alt, schrumpelig und faltig. Ach ja, und krank.

Also da geht es um die hängende Haut ab 50ig, den schlaffen Po im Alter, die dringend notwenigen und regelmässigen Untersuchungen beim Arzt, um fiesen Krankheiten in diesem Alter unter allen Umständen vorbeugen zu können. Da wären dies der Brustkrebs, der Darmkrebs und nicht zu vergessen die regelmässigen Hautchecks wegen des Hautkrebs.

Und weil wir ja alle so erpicht sind auf die perfekte Gesundheit und den straffen Körper bis in den Tod, werden eben solche Magazine in die Briefkästen geschmissen. Ich möchte ja nicht wissen, wieviele Menschen sich – nachdem sie sich diese Lektüre zu Gemüte geführt haben – sofort für einen Totalcheck beim Arzt anmelden. Das Ziehen im Bauch oder das Kneifen im Rücken könnten ja womöglich Anzeichen einer tödlichen Krankheit sein. Und der schwarze Leberfleck, der seit 10 Jahren auf dem linken Knie sitzt, könnte auch über Nacht zum Hautkrebs mutiert sein.

Jetzt mal im ernst: Ich möchte auch gerne gesund sein und bleiben. Aber wenn wir uns alle einmal durch die Röhre jagen liessen und mit der Kamera unsere Innereien untersuchen lassen, wetten, dass dann bei fast allen irgendwo was gefunden wird, wovon wir vorher einfach nichts bemerkt haben? Wenn man lange genug sucht, findet man doch immer was. Und dann stellt sich für mich die Frage: Wäre es dann die Krankheit, die mich dahinraffen würde, oder das Wissen darüber, welches ich vorher einfach nicht hatte und mir drum keine Sorgen machte?

Ich bin ganz bestimmt einer festen Überzeugung: Nichts ist schöner, als gesund zu sein. Gesundheit ist mit nichts auf der Welt zu bezahlen. Schon gar nicht mit Geld! Manchmal habe ich aber echt das Gefühl, dass wir uns gesünder fühlen würden, wenn wir weniger wüssten über all die Dinge, die uns töten könnten. Man kann sich nämlich sowohl krank denken, als auch krank lesen oder krank reden. Denn eines ist und bleibt nun mal sicher, und das mit 100%-er Garantie: Das Leben ist und bleibt tödlich, und zwar für uns alle. Ich habe noch von keinem gehört, der es überlebt hat…

…und weil das so ist, werde ich mich künftig eher auf das JETZT und HIER konzentrieren, als auf die Vitamintabletten und die Gesundheitskissen für die Zukunft. Sonst verpasse ich womöglich die Gegenwart!

 

31 Gedanken zu „Wenn Wissen krank macht

  1. Ich hörte neulich einen sehr guten Spruch:
    Man muß Glück haben im Leben, sonst stirbt man schon bei der Geburt !!

    Also, da sind wir doch mit (ich über) einem halben Jahrhundert schon gut weit gekommen oder?

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  2. Ich denke, Wissen allein macht nicht krank. Ein unangemessener Umgang damit oder ungenügendes Wissen kann indes vielleicht schon krank machen.
    Dass ich nichts von der vollkommenen Selbstoptimierung halte, zu der auch das unbedingte Wissenmüssen über jedes nur denkbare Risiko gehört, hatte ich ja in einem meiner Posts dargelegt.
    Andererseits gibt es unter bestimmten Umständen, was Vorgeschichte und z.B. verwandschaftliche Belastungen betrifft, durchaus gute Argumente für bestimmte Untersuchungen, von denen ich auch – sehr bewusst – einige wahrnehme. Dazu gehören aber eben auch kompetente Ärzte, die mit einem auf Augenhöhe kommunizieren und die auch selbst über Risiken und deren *korrekte* Bewertung Bescheid wissen, was leider nur allzu oft nicht der Fall ist. Ich habe überwiegend solche Ärzte, und kann mit ihnen darüber reden, wws ich mit welchem Ergebnis anzufangen gedenke, *bevor* ich mich auf eine Untersuchung einlasse oder nicht.
    Und es is zwar richtig, dass „die Pharamindustrie“, die es in der Allgemeintheit gar nicht gibt, und die nicht ausschließlich gierig ist, gern Geld verdient,aber das tun andere auch ganz gern, und mit einigen vermeintlich so natürlichen pharmaunabhängigen Allheilmittelchen wird erheblich viel mehr Geld verdinet als mit mach einem sehr teuren Medikament.

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  3. uf da ich das leben nicht überlebe…..
    diesen satz fand ich megacool…. will ich dirnun endlich meine versprochenen fötelis zeigen…..
    sonst werd ich womöglich noch krank weil ich die „sprechstunde “ doch noch lesen will…..
    soeben gemerkt dass ich ja gar keni fotos einfügen kann…. blöd!!! ja nu

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  4. Die Pharmaindustrie muss ja auch irgendwie Bedürfnisse wecken und wie könnte das besser gehen als über Angst. Wer aber im Jetzt lebt und auf sich achtet, ist denen suspekt. Der könnte ja besser über seinen Körper bescheid wissen, als die ganze Technik. Und letztendlich kommt es eben, wie es kommt. Meine Meinung und liebe Grüße ❤

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  5. ich habe für eine Zeit in einer Klinik gearbeitet, bei einem Arzt in einer Praxis, habe einen im Bekanntenkreis……KEINER von denen nahm Medizin, ging zur Vorsorge….ich denke, dass ist grosses Business!

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  6. Ich weiss nicht wer diesen Spruch zur Definition von Gesundheit ins Leben gerufen hat….aber es wird ihn nicht umsonst geben: „Gesundheit bedeutet nur noch nicht genügend untersucht worden zu sein“… 😉

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