Was darf? Was darf nicht?

Die deutsche Satiriker Jan Böhmermann hat in seiner Satiresendung im Fernsehen mit einem Schmähgedicht über Erdogan die Erde zum Beben gebracht. Er hat die politischen Räder nicht nur in Fahrt, sondern buchstäblich zum Glühen gebracht und Angela Merkel hat sogar Konsequenzen bzw. Untersuchungen angekündigt.

Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung. (Wikipedia).

Wer das Schmähgedicht gehört hat weiss, dass Jan Böhmermann eine Person kritisiert, verspottet und angeprangert hat – und das mit beachtlichen Übertreibungen. Also eigentlich nichts, was in der Satire nicht üblich ist. Muss das nun tatsächlich eine politische Untersuchung nach sich ziehen? Ist denn jetzt Satire illegal, wenn sie genau die Grenzen eben überschreitet, welche der Journalismus nicht überschreiten darf? Wozu ist Satire dann noch da, wenn sie nur noch weichgespült gebraucht werden darf?

Ich sage nicht, dass ich allem zustimme, was Jan Böhmermann gesagt hat. Aber das muss ich ja auch nicht. Schliesslich erwarte ich von meinen Leser-/innen auch nicht, dass sie allem zustimmen, was ich schreibe. Aber wir Blogger, Satiriker, Youtuber, Unterhalter und Comedians sollten doch eigentlich frei von uns geben dürfen, was uns auf der Seele liegt. Und wer es nicht gut findet, soll weghören oder nicht mitlesen. Ich meine: Jan Böhmermann wird sich bestimmt bei Angela Merkel für ihr Verhalten bedanken, denn seine Seite wurde noch nie mehr besucht, als genau jetzt. Ziel erreicht – alle wissen nun, was Jan Böhmermann sagen wollte. Cleverer Schachzug! Also ich lasse mir auch weiterhin nicht vorschreiben, was oder wie ich etwas verfasse – und schon gar nicht, ob es politisch korrekt ist. Denn wenn ich das täte, könnte ich auch gleich nach Schnarchenshausen ziehen!

6 Gedanken zu „Was darf? Was darf nicht?

  1. Ich würde sagen: Experiment geglückt! Das Labor liegt in Schutt und Asche.

    Da ist einer mal so richtig darauf eingestiegen und hat damit seine komplette Humorlosigkeit bewiesen.
    Soetwas passiert, wenn man die Größe und Wichtigkeit der eigenen Persönlichkeit in außerordentlichem Maße selbstüberschätzt und sich als unantastbar deklariert.

    Wehe dem, der es wagt, an der Plattgoldbeschichtung herumzukratzen!
    Herr Böhmermann hat nicht nur am Stolz gekratzt, sondern ging gleich mit Hammer und Meißel vor, um die Fundamente hinter dieser versucht Aufklärung suggerierenden Fassade freizulegen.

    Natürlich müssen Persönlichkeitsrechte stets gewahrt werden. Diffamierungen und Verleumdungen darf es nicht geben. Auch nicht in der Satire.

    In diesem Falle hat der Delinquent jedoch einige Wahrheiten nicht ganz vertragen (wollen).
    Und die ganz hohe politische Riege spielt mit, aus Angst, die Gunst eines vermeintlichen Bündnispartners zu verlieren.
    So setzt man sich gekonnt gegenseitig unter Druck, macht sich voneinader abhängig oder hängt „Partner“ erfolgreich an die kurze Leine.
    Manchmal hilft es bereits, lediglich zu drohen…
    Dieses Verhalten findet sich überall verbreitet im Großen wie auch im Kleinen wieder.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich bin nicht 100% sicher, aber wenn ich das verstehe ist der korrekte Ablauf folgender:

    1. Böhmermann bezieht sich ganz bewusst auf ein eher obskures Gesetz das relativ selten Anwendung findet und bezeichnet seine Aktion im Vorneherein als illegal. Quasi lockt er Erdogan.

    2. Erdogan geht auf die Falle ein und macht sich damit noch unbeliebter.

    3. Da das Gesetz tatsächlich vorhanden ist und vorschreibt dass die Bundesregierung entscheiden muss ob das Verfahren stattfinden kann ist Merkel im Zugzwang.

    4. Komischerweise entscheidet sie das Verfahren stattfinden zu lassen. Eventuell mit der Gewaltentrennung im Hinterkopf (Wenn die Exekutive der Legislative vorschreibt was sie zu tun hat ist das immer ein Problem, auch wenn dies der entsprechende Paragraf nun mal vorschreibt)

    5. Theoretisch könnte das Verfahren sogar in einer Strafe (vermutlich Geld) enden.

    Böhmermann muss sich also vor allem bei Erdogan bedanken dass er ihm auf den Leim gegangen ist und diese Realsatire möglich gemacht hat.

    Gefällt 4 Personen

    • Absolut wunderbar formuliert (sowohl der Beitrag von Modepraline als solcher, als auch der Kommentar von freakpants).
      Ich denke zu Punkt 4 muss man sagen (wie ich schon in meinem Blog versuchte), dass es eig nicht „komisch“ ist, dass in einer Demokratie mit Gewaltenteilung KANN es (so meine ich) nur SO sein, dass die Justiz entscheidet, wenn jemand meint, er wäre beleidigt worden. Und jener Paragraph soll ja jetzt, völlig zurecht, eben DESWEGEN abgeschafft werden.

      Gefällt 1 Person

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